… dropped

Irgendwie rede ich mit keinem mehr.

Also – natürlich sabbel ich den ganzen Tag, ich bin schließlich die schlimmste Quasselstrippe der Welt.

Aber wirklich richtig geredet habe ich schon lange mit keinem mehr. Ich mache alles mit mir selbst aus. Habe mich irgendwie von allen zurückgezogen. Und rede nur noch mit meinem Blog.

Sonst habe ich niemandem erzählt, dass zum Beispiel meine Oma gestorben ist. Oder dass meine Eltern gerade durchdrehen. Und was das mit mir macht. Das erzähle ich nicht mal dem Blog so richtig. Wahrscheinlich, weil ich mich dem Ganzen stellen müsste, um es aufschreiben zu können. Das möchte ich eigentlich nicht.

Ich bin dem irgendwie nicht gewachsen. Da kommt zu viel Zeug hoch, Zeug, das ich schön Tetris-mäßig in meinen inneren Wahnsinn-Schrank gestopft hatte. Jetzt krieg ich die Tür nicht mehr zu und sobald ich loslasse, erschlägt mich alles.

Ich wusste, dass mich das alles mal einholen würde, wenn ich den Schrank nicht aufräume. Aber es ist so lange nichts passiert, dass ich dachte, das erledigt sich von selbst. Wie immer ich mir das vorgestellt habe. Heinzelmännchen? Mysteriöse Umfangsvermehrung?

Selbstüberschätzung.

Manchmal hätte ich schon gern jemanden, bei dem ich all den Rumpel lassen könnte. Bei dem ich mich ankuscheln und auspacken kann. Nur dann müsste ich ja auch den Kram der Person anhören. Und sonstige soziale Interaktion in Kauf nehmen.

Das ist mir viel zu anstrengend.

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Wort zum Dienstag

Ich würde mich voll über dieses Flausch-wedding freuen. Mich hat das glücklich gemacht, dass die beiden endlich ausm Schrank raus sind. So.

Adoleszenz reloaded

Ich inspiziere die Verspätete-Midlife-Krisen-Residenz am See meines Vaters. Mache mir ja doch Sorgen, dass er da in seinen Depressionen versackt und sich ganz seinen Süchten hingibt. Bin beruhigt, dass es sich um einen Große-Jungs-Spielplatz mit Langzeitprojekten handelt.

Sage meinter Mutter, dass ich da war. Um späteres Rumgedruckse und Rumgelüge zu vermeiden. Meine Mutter flippt höchst dramatisch aus, weil alle sie immer belügen und betrügen, gibt die arme verlassene Ehefrau, Gemüse und Messer fliegen durch die Küche.

Ich erinnere mich daran, dass ich erst vor wenigen Monaten einem Kollegen erzählte, es würde mich nicht wundern, wenn mein Vater meiner Mutter irgendwann eine Axt in den Schädel rammt – oder sie ihm ein Messer zwischen die Rippen.

Meine Mutter und ich  besaufen uns, sie heult sich bei mir aus, ich erhelle sie mit Lebensweisheiten, die ich in 30 langen Jahren Leben mit psychisch kranken Eltern gesammelt habe.

Sie stellt zum x-ten Male fest: „Du bist meine Tochter, nicht meine Müllhalde. Ich sollte dir das alles gar nicht erzählen.“

Sagt sie seit 15 Jahren. Mindestens. Zufällig etwa so lange, wie mein Vater mir sagt, er würde gerne ausziehen.

Und dann steht er schon in der Tür, denn meine Mutter ist immer noch schwer krank und dummerweise auf seine Hilfe angewiesen. Und so können sie sich weiter genüsslich hassen, während ich schon wieder dazwischen hänge. Wie vor 15 Jahren…

10000 % ich

 (Netzfund)

Für alle, die des Spanischen nicht mächtig sind:
1. Was ist deine Lieblingsposition?
2. Ich zeig sie dir einfach.
4. So. Jetzt bring etwas zum Essen.

Schulhof

Ich mag das ja, unter Männern zu arbeiten. Es ist wie auf dem Schulhof. Irgendjemand macht immer einen Penis-Witz. Und unsere Penis-Witze sind (meistens) wirklich komisch. Die schlimmsten dummen Sprüche gehen dabei auf mein Konto. Weil ich all die Dinge ausspreche, die sich die Jungs in Gegenwart einer Frau nicht so recht zu sagen trauen.

Manchmal ist es auch wie auf dem Schulhof, weil ein Meeeedchen im Raum ist. Dann geht die Balz los. Das mag ich dann nicht so. Bei mir haben sie es ja zum Glück nur kurz versucht. Manchmal kommt es kurz wieder auf, wenn ich zu direkte Anspielungen mache – so sabberte der Nerd-Kollege mir neulich ordentlich auf den Schreibtisch, als ich auf die irre originelle Frage, ob Veganerinnen eigentlich schlucken dürfen, antwortete, dass man damit dem Tier Mann ja was Gutes täte und: Du würdest das wahrscheinlich ganz gut finden, wenn ich dir einen blasen würde.

Aber im Grunde bin ich ja einer von den Jungs.

Umso unerwarteter traf mich die zusammengeknüllte Brötchentüte, die mich fast traf, als ich aus der Kaffeeküche kam. Ohne Grund und Ankündigung über zwei Schreibtische hinweg geworfen – gezielt auf mich, weit entfernt von jedem Mülleimer. Der Werfer breit grinsend, breitbeinig auf seinem Stuhl. Wie auf dem Schulhof!

Seit Tagen wurschtelt der um mich rum, lobhudelt meine Arbeit, selbst wenn sie kacke ist, freut sich für alle hörbar über mein mittägliches Aufkreuzen in der Redaktion (endlich, Frau Fragezeichen!), versucht, mich für andere Arbeiten – auf seiner Seite des Ladens – zu empfehlen, erinnert sich mit nostalgischer Stimme an unsere gemeinsam, einsam in der Redaktion verbrachten Samstagabende, hat ständig irgendwelche Extraufgaben für mich – für ihn persönlich zu erledigen- und hat auf jeden Spruch eine – zugegebenmaßen witzige – Replik. Der Komplimente-Weltmeister-Print-Chef.

Ich mag ihn wirklich – ich würde sogar behaupten, er sei mein Lieblingskollege. Auch wenn er der letzte ist, den ich sieze. Weil ihn alle siezen und er alle zurücksiezt. Ich find ihn auch sausexy – er ist in diesem Alter, in dem Frauen trutschig werden und Männer reif. Ihr wisst schon. Aber… neinnein. Ich vögle keinen Kollegen. Und erst recht nicht einen mit scharfer Braut und kleinem Kind daheim. Neinnein.

Am Ende ist das doch ganz schön anstrengend, unter lauter Männern zu arbeiten…