P.M.S.

Ich hasse. Ich sitze da und hasse. Ich brüte meinen Hass, ich kultiviere meinen Hass, ich kanalisiere meinen Hass in Gewaltfantasien.

Dann ist Ostern. Ich gucke in den blaublaublauen Himmel und in die immer gelberen Rapsfelder. Ich höre die krächzenden Kraniche, die maulenden Möwen, die schwatzenden Schwalben, den gackernden Gänsen, den Spatzen mit dem Sprung in der Platte, den größenwahnsinnigen Meisen, den zirpenden Bachstelzen, dem winzigen Zaunkönig, der den dicken Max markiert, und dem Kleiber, der höflich klopft. Soifz.

Dann ist Dienstag. ICH HASSE. HASSE. HASSE.

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Gesprächsfetzen

Ich hab die superfrühe Schicht und deshalb superfrüh Feierabend.

Schüs!, brülle ich in die Runde. Und zum schönen L. sage ich: Schreib mir einfach, wenn du noch Dienstleistungen brauchst. Also… du weißt schon. Er antwortet sehr laut: Du kannst ruhig sagen, dass es um Französisch geht!

* Ich hatte ihm mehrere französische Dokumente übersetzt.

Weil isso

Denn – ihr wisst wie’s ist: Man kann nie oft genug am Meer sein.

Deswegen also diesmal: Hiddensee.

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Da ganz hinten links auf Rügen musste das Auto schlafen. Es hat sicher sehr gelitten…

Seele ausputzen und so. Muss natürlich am kältesten Wochenende des Jahres sein. Wenn man lang genug geprügelt vom Eisregen vonne Seite hin und her radelt, spürt man die Beine nicht mehr. Für Sie getestet. Dann merkt man auch nicht mehr so, wenn man sich selbst einen schweren Wälzer überbraten muss, weil man erst diesen Herrn Wikipedia konsultieren muss, damit einem wieder einfällt, warum man eigentlich diesen Gerhart Hauptmann kennen muss…

Wie man wieder warm wird: Einen totalen Anfall kriegen, wenn man bis zum Leuchtturm hochgekeucht ist, artig das Rad abschließt und dann mit dem Schlüssel das komplette Schlossinnenleben rauszieht. (Ich stelle fest: Wenns drauf ankommt habe ich durchaus Panzerknackerpotenzial.)

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Hmm, Leuchttürme… Ich komischer Mensch fand das auch noch toll, dass die ganze Nacht der Wind pfiff und der Turm in mein Zimmer leuchtete…

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Karibik on ice…

Schockzustand

Alle außer dem Chef und seinem Stellvertreter hassen die Unperson. Die Unperson vergiftet die Stimmung. Ist sie im Raum, herrscht Schweigen. Wir nennen die Redaktion neuerdings auch „die Eiskammer“.

Die Unperson ist nicht nur unsympathisch und unfreundlich, sondern auch unfähig und herrisch. Leider auch ne dicke Freundin vom Chef. Von daher: Keine Chance, dass wir sie loswerden. Trotz ihrer offensichtlichen Überforderung. Nach kurzen Versuchen, ihr wenigstens das Nötigste beizubringen, denen mit Überheblichkeit, Bockigkeit, Respektlosigkeit und – nun ja – Unfähigkeit begegnet wurde, haben 90 Prozent der Belegschaft die Kooperation mit ihr eingestellt.

Das stilltiefe Wasser M., von dem ich lange dachte, er sei gar nicht in der Lage jemanden zu hassen, startet einen letzten Versuch im guten Willen. Er wird abgekanzelt und schließlich abgewürgt und am Ende schwärzt sie ihn noch beim Chef an (was sie immer tut, wenn sie nicht mehr weiterkommt).

„Ich muss mit G. (dem Stellvertreter, zu dem wir bis zur Ankunft der Unperson immer einen guten Draht hatten) reden!“, sagt er zu mir. Ich habe auch Redebedarf und weil ich ahne, dass G. einfach nur alles wegargumentieren wird, ohne Widerspruch zuzulassen, sage ich: „Ich komme mit.“

Mir ist klar, dass es keine Lösung auf dem Silbertablett geben wird. Was sollen die Chefs machen? „Ach, ihr findet die alle scheiße? Dann schmeißen wir die natürlich raus.“ Ja klar.

Eine Stunde sitzen wir in G.s Büro. Natürlich versucht er alles wegzuargumentieren. Hält uns unser Fehlverhalten vor. Wir haben eine lange Listen mit Gegenargumenten und IHREM Fehlverhalten. Ich betone mehrfach: Dies ist keine Einzelmeinung, es gibt Kollegen, die auf gepackten Koffern sitzen. Wir sind derzeit so dünn besetzt, jeder Weggang wäre eine Gefahr für die Produktion…

G. findet, die Unperson macht ihren Job super. Sie macht genau das, wofür sie eingestellt wurde. Und das war was genau? Das wurde uns nämlich nie mitgeteilt. Da war einfach plötzlich eine Alte, die die Chefin markiert hat. Und mindestens drei Leute, denen Beförderungen zugesagt wurden, die dann aber wegen „kein Geld“ doch nicht eintraten, wurde heftig vor den Kopf gestoßen.

G. meint, er habe überhaupt nicht mitbekommen, dass da schlechte Stimmung herrscht. Was – selbst wenn er die Stille und das Geätze nicht mitbekommen haben SOLLTE – glatt gelogen ist, denn, wie man mir hinterher erzählt, bereits vor drei Wochen fragte er den Arbeitsgatten, warum der schöne L., der doch sonst immer der Kasper ist, nur noch schweigt und brummt. Und der Arbeitsgatte sagte klipp und klar: die Unperson!

G. erklärt die Pläne für die Zukunft. Die Unperson soll viel mehr mit diesem Internet machen. Und das, obwohl sie dermaßen wenig Ahnung hat, dass sie – Achtung, kein Witz – nicht mal einen Link verschicken kann. Sie soll also noch viel tiefer in meine Domäne einsteigen. Und das ganze soll dann auch redaktionell neu ausgerichtet werden. Auf ihre Linie. Sozusagen auf die Linie einer großen Tageszeitung mit vier großen Buchstaben.

Von: Ich arbeite eigentlich gerne hier, da ist nur seit ein paar Wochen ein sehr lästiger Störfaktor, zu: Scheiße, ich brauche einen neuen Job! in einer Stunde… Das ist ein harter Ritt. Ich kann das noch gar nicht fassen. Während die Kollegen herzlich über G.s Aussagen lachen, bin ich am Heulen.

Es war schön, sich mal kurz im Job wohlgefühlt zu haben…