Kulturschock

Weil ich den Gedanken nicht ertragen konnte, dass No. 2 an Weihnachten ganz allein in seiner Kammer in Berlin sitzt, habe ich ihn in meine Heimat im Norden beordert.

Hole ihn also am Provinzbahnhof ab.

– Ich wusste gar nicht, dass es so provinziell geht in Deutschland!
– Ha, wart’s ab!

Stopfe ihn ins Auto und fahre ihn durch immer kleiner werdende Dörfer bis in mein Heimatdorf – liebevoll Klein Bullerbü genannt – am Ende der immer schmaler werdenden Straße.

Stelle ihn kurz den Pferden vor (hui, mit einem Satz über den Zaun, sportlich der Junge. Das Pony wollte echt nur kuscheln!).

Dann die volle Packung meine Mutter und ich. Er versteht kein Wort, nur Kichern. Wird erst mit Grünkohl vollgestopft (was ist das? Sieht aus wie Mate!) und dann mit Schokolade. Wird von meinem Papa über die Photovoltaikanlage und den Holzofen informiert. Versteht maximal die Hälfte. Lächelt, nickt und isst Schokolade.

Muss Loriot gucken. Muss sich das Konzept Adventskalender drei Mal erlären lassen. Fragt sich, warum zwei erwachsene Frauen jeweils drei Stück brauchen. Mindestens.

Fragt sich, warum der Weihnachtsbaum noch auf der Terrasse steht, aber ne halbe Tanne auf dem Tisch liegt. Und wundert sich, dass er am Ende des Tages einfach so mit mir in meinem Kinderzimmer verschwinden darf. Und mein Papa ihn gar nicht zum Duell fordert, vierteilt, rausschmeißt, nicht mal ins Gästezimmer verdonnert.

Morgen kriegt er nen Plastiksack übergestülpt, dann geht es an den Strand. Und wenn wir schon da sind auch gleich zu meiner Oma. Das wird ein Spaß 😀

Der arme Junge…

8 Kommentare zu “Kulturschock

  1. Pingback: Kulturschock (2) | Leben mit nem Sack überm Kopf

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