The ultimate Prenzlberg experience…

Nachdem gestern also eine gewisse Fluggesellschaft entschieden hatte, dass ihre kostbaren Maschinen auf keinen Fall nass werden dürfen, stand ich ganz schön doof da. Ich habe nämlich keinen Schlüssel zu No. 2s Wohnung. Das war nie nötig und wir dachten uns, für die paar Monate lohnt das eh nicht.

In der Not rufe ich A an und bitte ihn um Obdach. Ich bekomme eine SMS mit Adresse nebst passender U-Bahnhaltestelle und mache mich auf den Weg.

Als ich aus der U-Bahn stolpere, denke ich: Gott, hier siehts aus wie Prenzlauer Berg in meinen Alpträumen. Hippe Bar neben Yoga-Studio neben Bio-Café neben irgendwas Kindermäßiges neben Ich-hab-den-ganzen-Tag-nix-besseres-zu-tun-als-meine-Telefonkabel-zu-umhäkeln-Laden. Dazwischen Eltern, die offenbar nicht einsehen wollen, dass die Uni igendwie passé ist, mit ihren perfekt durchgestylten Kindern (pardon, ihrem perfekt durchgestylten Einzel-Lebensprojekt). Ein Spielplatz, daneben die regenfeuchten Reste eines oh-so-alternativen Flohmarkts. Ich stellte fest, ich BIN in Prenzlauer Berg.

A residiert in einem wunderhübsch renvovierten Altbau, alles so abgeleckt ordentlich, dass ich Angst habe, mein gestresstes, verschwitztes, unhip gekleidetes Chaos-Ich da reinzubewegen. Die Einrichtung sieht so gewollt zusammengewürfelt aus, als hätten sie nen Innenarchitekten mit zum Ikea genommen.

V, seine Freundin, ist mit ihren Freundinnen im Hamam, höre ich…

Wir kochen und während ich noch die 20-Uhr-Nachrichten sehe sieht die Küche schon wieder aus wie abgeleckt…

Im Bad liegt kein Haar, ich verzichte darauf, mir die Haare zu bürsten, sonst fällt da noch was hernieder. Nach dem Duschen überlege ich, ob ich vielleicht auch die Dusche abtrocknen sollte, nicht, dass ein Wasserfleck zurückbleibt… Schnell noch den Trockenblumenstrauß zurechtrücken…

Schließlich kuschle ich mich ins Gästebett und schaue aus dem Fenster (gab wohl keine passenden Altbaufenster-Vorhänge bei Ikea). Dann muss ich doch noch grinsen: Gegenüber hat jemand eine St.-Pauli-Fahne ins Fenster gehängt… Ein Hauch Heimat mitten im Klischee…

Damals, nachts mit No. 3, war das irgendwie cooler hier.

Fast bin ich froh, als der fauchende, gelbe Lindwurm mich morgens wieder in Wedding ausspuckt. Kein Kitsch. Kein Schnickschnack. Keine Fassade nötig. Dönerbude neben Pizzaladen neben Asialaden neben Dönerbude. Normalsterbliche.

Wedding, ich hab sicher nicht viel gute Haare an dir gelassen, aber ich glaube, wir haben doch mehr gemeinsam, als ich zugeben wollte…

Berlin, du wirst mir so gar nicht fehlen.

2 Kommentare zu “The ultimate Prenzlberg experience…

  1. Pingback: Die Geister, die er rief… | Leben mit nem Sack überm Kopf

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