Es dünkt sie, als läg sie im Fieber

So rennet nun alles in vollem Galopp
Und kürt sich im Saale sein Plätzchen;
Zum Drehen und Walzen und lustigen Hopp
Erkieset sich jeder ein Schätzchen.
Da pfeift es und geigt es und klinget und klirrt,
Da ringelt’s und schleift es und rauschet und wirrt,
Da pispert’s und knistert’s und flüstert’s und schwirrt.

    (aus dem „Hochzeitlied“ von et Goethe)

Langes Wochenende im Moloch Montréal.

Meine Schulfreundin V – Model, Schauspielerin, Malerin, arbeitslose PR-Schickse – schleppt mich mit auf Vernissage, Buchvorstellung, Künstlerparty. Ihr erstaunlich ungut aussehender Freund – mit einem BA in Kinematographie und damit qualifiziert, alle möglichen Beteiligten an teuren Hollywood-Filmen, die aus Kostengründen zum Teil in Kanada gedreht werden, durch die Stadt zu fahren – chauffiert uns. Mit Stil.

Ich tausche Küsschen mit lokalen Promis aus, die aufgrund der kulturellen Isolation Québecs außerhalb der Provinz kaum einer kennt. Entsprechend oft reagiere ich mit einem mäßig interessierten: Ah. Hm.

Die Situation ist seltsam irreal und ich frage mich, ob ich wohl zu viel getrunken habe.

Man lästert über M, der ebenfalls mit uns zur Schule gegangen ist, und hin und wieder im örtlichen Fernsehen auftaucht. Und Fotos und Videos von seinem Penis offensichtlich nach Zufallsprinzip an alle möglichen, weiblichen Facebook-Kontake verschickt. Selbst dieser unverschämt gut aussehenden Castingdirektorin, die ich schon seit einer halben Stunde anschmachte, ist er negativ aufgefallen. Ich sehe seinen Stern… ins Bodenlose fallen.

Anruf von MC, einer Freundin von V, die sich ihre Brötchen mit Live Painting verdient. Sie malert gerade irgendwo, ob wir Lust haben, zu kommen.

Der Kinematograph chauffiert, wir sammeln noch A ein und begeben uns zur genannten Adresse.

Ein schimmlig wirkender Club; direkt hinter der Tür lässt sich ein als Baby verkleideter Herr von einem Typen in Latex den bewindelten Hintern versohlen.

Wo ist der Fehler?

Die Mädels quietschen: Oh mon Dieu, eine BDSM-Party.

Ich denke: Pas sûre…

An der Theke stoßen wir auf eine übergewichtige Dame im billigen Krankenschwestern-Kostüm, die sich von einem Typen in Latex den wabernden Hintern versohlen lässt.

Man hätte auch attraktivere Akteure wählen können.

Auf der Tanzfläche ein „Experte“, der erklärt und demonstriert, wie man jemanden so fesselt, dass er sich selbst wieder befreien kann.

V bewundert die Ästhetik des Ganzen, A meldet sich als Versuchskaninchen. Ich schaue ganz tief in mein Glas. Träum ich, wach ich, bin ich im Rausch?

A hat viel Spaß, lässt sich so fesseln und so und bekommt am Ende einen Gutschein für ein Fesselseminar. Das nenn ich mal eine lohnende Ausbeute. Besser als Freibier.

Ein Typ in Latex schlendert vorbei und fragt, ob wir vielleicht auch versohlt werden wollen. Ich nehm dann noch ein Glas, bitte.

MC hat fertig gemalert, gesellt sich zu uns und berichtet von ihrem neuen Liebhaber. Dass er aussieht wie V in männlich. Dass sie an V denkt, wenn er sie küsst. Wenn er sie fickt. Und wenn er sie leckt.

Ist mein Glas schon leer?

Ich nehm dann wieder Elche und Bären, merci!

Sowas von reif für D und die Wildnis!

Sach watt dazu!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.