2017 bitte nur mit Garantie

So, da ich in den kommenden drei Tagen für vier Tage arbeite, kommt meine Jahresrevue schon heute.

Schlimmer kanns ja auch nicht mehr werden – es sei denn, ich bin beim nächsten ICE-Unglück leifvorort.

Also, so viel steht schon mal fest: In Zukunft nehm ich neue Jahre nur noch mit zwei Jahren Garantie. Wenn das wieder sone Scheiße wird wie 2016, dann will ich dafür Ersatz!

Ich mein, es war ja herrlich: Erst waren wir personalknapp und ich habe immer schön sechs Tage die Woche neun Stunden am Tag gearbeitet – und das immer in der Frühschicht. Dann störte es ja kaum, wenn der Nachbar bis zum Sonnenaufgang seine Helene mit dem ganzen Haus teilte. Und wenn er mal nicht musiziert hat, lag ich da und hatte Angst, dass er musiziert und ich nicht zum Schlafen komme – weshalb ich nicht schlafen konnte.

Also ging ich monatelang todmüde zur Arbeit, fabrizierte Müll am Stiel, kam total k.o. nach Hause, legte mich erst mal aufs Ohr und freute mich über jede Minute Schlaf, die ich auf diesem Wege noch bekam.

Bei diesem Rhythmus – arbeiten, schlafen, versuchen zu schlafen und von vorn – fehlte die Energie für alles andere, Leben war gestrichen, die Jobsuche lag einigermaßen brach und die Versuche, die ich dennoch unternahm, waren reichlich halbherzig, weil mir dieser Scheiß mit Medien tierisch zum Hals raushängt.

Ich mein, es sind ja offensichtlich nur Idioten unterwegs, die den anderen Idioten neuen Stoff geben und sie alle sorgen für Hysterie und den Wettbewerb „Wer kreischt am lautesten und denkt sich die dümmste Reaktion aus?“ und ich sitze dazwischen mit klingelnden Ohren und denke: Das hab ich mir irgendwie anders vorgestellt. Eigentlich isses ja scheißegal, was ich mache, hört eh keiner mehr zu.

Dann das Drama mit Ankündigung mit meinem Pferdchen, das hat mich endgültig aus der Bahn geworfen und mein neuer Rhythmus sah etwa so aus: arbeiten, schlafen, Heulkrampf, schlafen, versuchen zu schlafen, dösen, Heulkrampf, dösen, Heulkrampf und von vorn.

Dass ich wochenlang nicht wusste, ob meine Oma sich nach ihrem Sturz wieder berappelt, war jetzt auch nicht grade hilfreich.

Mittlerweile hat sich das meiste wieder gelöst, wir haben einen neuen Mitarbeiter, der ist zwar ein Chauviarsch, aber er kann was – und er macht die Frühschicht. Dann kann der Nachbar bis um vier musizieren – schlaf ich halt bis mittags und mache nachts was anderes. Den Tod meines Pferdes habe ich einigermaßen akzeptiert und der Oma gehts wieder besser.

Der Job ist natürlich der gleiche Scheiß und die Ereignisse der vergangenen Woche werdens jetzt nicht grade erträglicher machen, aber jut. Irgendwas is immer. Muss mir halt was überlegen.

Die dicke, lähmende Watte ist aus meinem Kopf wieder raus. Das ist eine enorme Erleichterung.

Ich halt ja nicht viel von guten Vorsätzen, kann man eh nie einhalten, weil irgendwas is immer und dann is nur Frust und man weiß ja auch nie, obs nicht vielleicht doch noch ein bisschen schlimmer wird – so zwei, drei Szenarien fallen mir da schon noch ein – aber insgesamt bin ich ausnahmsweise mal ganz zuversichtlich.

Ich hoffe ja, dass mein Chef sich dazu bequatschen lässt, auf die neujährliche Gehaltserhöhung zu verzichten und stattdessen meine Wochenstunden auf 40 zu reduzieren, wie halt bei normalen Menschen.

Außerdem hab ich mich zu einer Wochenendausbildung für was mit Tieren angemeldet, die zwar ordentlich ins Budget haut und auch einiges von meiner oh so üppigen Freizeit in Anspruch nehmen wird, dafür werde ich wieder einigermaßen regelmäßig Viecher zwischen den Fingern haben.

Ich habe nicht mal den Anspruch, dass daraus tatsächlich mein zukünftiger Beruf wird (freue mich allerdings, wenn es doch klappt), ich hoffe nur, dass es für einen angemessenen Ausgleich für meine dämliche Arbeit sorgt. Und mein Hirn wieder in Bewegung bringt, das fehlt mir sehr.

Ich sag mir immer: Andere Leute haben teurere Hobbys. Oder ein Auto. Oder sogar beides. Da kann ich mir ja einmal die Woche Viechers gönnen und noch was dabei lernen.

Wird ja also wohl hoffentlich mal besser!

In diesem Sinne: Frohes Neues und gutes Gelingen.

Und wenns Mist ist, will ich Ersatz!

20 Kommentare zu “2017 bitte nur mit Garantie

  1. Das liest sich alles in allem wirklich nicht so prall.

    Über Helene haben wir ja mehrfach geschrieben dieses Jahr. Vor allem das Gefühl, immer darauf zu warten, dass der Scheiß gleich anfängt, kann ich verdammt gut nachvollziehen. Ich habe auch mehrere Jahre in dieser Weise mit einigen „netten“ Nachbarn verbracht.

    Für die Sache mit den Viechern wünsche ich dir sehr viel Erfolg und noch viel mehr Spaß! Was für Viecher werden das denn sein?

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  2. Ich wünsch dir ein Helene-Freies Jahr und drück dir die Daumen, dass du einen Job findest, der dir wieder Spaß macht.

    Irgendwie war bei Vielen das Jahr 2016 nicht wirklich so prall – aber man weiß ja, schlimmer kann es zwar immer werden, aber die Wahrscheinlichkeit ist gering. Also auf ein besseres 2017!

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  3. Es geht mit wachem Kopf voran und was du dir vorgenommen hast ist realistisch und führt dich aus dem Alltagstrott heraus. 👍
    Was kannst du für eine Weiterbildung mit Tieren machen, die dich nach draussen bringt?

    Auf jeden Fall viel Spass. Wenn man unabkömmlich ist, kann man die Arbeit auch mal Arbeit sein lassen ohne dass das Konsequenzen hat.

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    • Dankesehr! dir auch.
      Ich habe ja mein ganzes Leben irgendwie immer was mit Tieren gemacht und viele haben mir gesagt, ich sollte da meinen Beruf draus machen. Früher war ich nicht sesshaft genug, aber mittlerweile…
      Na, ml sehen 😉

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