Mimimi 2 – Letzte Zuckungen

(Ich sollte Texter für die Titel des Sat. 1 Film Films werden.)

Tag 3 – kurz vor Dekubitus.

Selbst vom Rumliegen fühle ich mich wie nach einem Gewaltmarsch auf 5000 Metern Höhe. Jaaaps. Nach jedem Hustenanfall dreht sich die Welt lustig.

Ich bin bereit für die kleine Spritze, blauen Traum und vor allem eine Sauerstoffmaske.

Also befreie ich mich in unbändiger Anstrengung aus der Umklammerung meiner Bettdecke und hangele mich an Hauswänden entlang zu einem Arzt. Unterwegs fresse ich den Staub von Omis, die mich mit ihren Rollatoren weit hinter sich lassen.

Beim Doc klatsche ich meine Chipkarte auf den Tresen und sacke auf eine Stuhlreihe, um dort die finale Schlacht gegen den Schleim in meinen Bronchien auszutragen. Ich setze auf den Schleim.

Eine Mutti mit einem Kind kommt an mir vorbei und das Kind springt erschreckt zur Seite. Als es sich neben mich setzen soll, fängt es an zu heulen und schiebt den Kopf unter Muttis Jacke.

Der Doc ruft mich auf und setzt an: „Was füh… Ach, eigentlich brauch ich das ja gar nicht fragen… Sie sind mir ja eine, sind dem Tod näher als dem Leben und warten artig, bis man Sie aufruft…“

Und erklärt mir das System Triage… (Junge, ich glotze ALLE superrealistischen Ami-Arztserien und gugel dann alles nach, Sie dürfen auch Frau DOKTOR Fragezeichen zu mir sagen.)

Was hätt ich denn NOCH machen sollen? Den sterbenden Schwan tanzen?

Ich zeige ihm den Wisch, den mir der Bereitschaftsarzt neulich Nacht hinterließ. Ich sehe einen kurzen Herzstillstand (erkennt die Frau Doktor mit bloßem Auge). „Der hat nen Puls von 160 gemessen und Sie ZU HAUSE GELASSEN?“

„Hmhmm“, petze ich. „Und abgehört hat er mich auch nicht.“ Wilder Blick. Kurzer Blick auf den Zettel. „Ah ja, ich weiß schon.“ Die Schwester guckt fragend. „Sie wissen schon, der Sie wissen schon.“ Alles klar.

„Wie hoch war Ihre Temperatur?“ Ich trau mich kaum noch, ihm zu antworten. „40 Grad.“ Theatralisches Murmeln in den Bart. Irgendwas von Afrika.

Ich werde auskultiert, ultrageschallt, elektrokardiogrammt und mit einem Stapel Rezepte ausgestattet.

Und aufgefordert, das nächste Mal doch bitte die 112 zu wählen.

Den Sauerstoff und die Spritze habe ich nun nicht bekommen. Sterben werde ich am Ende wohl doch.

War schön mit euch, eure Drama Queen!

21 Kommentare zu “Mimimi 2 – Letzte Zuckungen

  1. Ach komm, ich nehm dich in den Arm , koch dir ein Süppchen und mess das Fieber mit dem Thermometer………….. ! Streichel dir über das Köpfchen und auch wo es gut tut………..Unkraut vergeht nicht 🙂 Denk an dich !!!! 🙂

    LG

    HoM

    Gefällt mir

  2. Sorry, aber ich muss lachen. Auch wenn Dir wohl eher zum Sterben zu mute ist. Das ist so grandios geschrieben… da fühle ich glatt mit.
    Ich drück Dich lieb und hoffe, dass Du irgendwann wieder fit genug bist um die Omas zu überholen.
    Kuss
    Kathi

    Gefällt mir

  3. In den Beipackzetteln steht irgendwas von „blubblub …ihr Arzt will sie vergiften…“
    Am Ende schaffen die Meisten nicht mal das.
    Wünsch Dir viel Ruhe und vor allem eine gute Besserung

    Gefällt mir

  4. Großartig! Also, eigentlich nicht. Aber super geschrieben!
    Bin in der Zwischenzeit auch immer wieder entsetzt von der Planlosigkeit mancher Ärzte. Habe mir vorgenommen, einfach nicht mehr krank zu werden.
    Ist das vielleicht auch etwas für dich? Wollen wir uns zusammentun im nicht mehr Krankwerden?

    Gefällt mir

  5. Pingback: Hä? Wa? | Begrabt mich mit dem Gesicht nach unten

  6. Pingback: Und nun das Fazit. | Begrabt mich mit dem Gesicht nach unten

  7. Pingback: Wtf | Begrabt mich mit dem Gesicht nach unten

Sach watt dazu!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.