Die unerträgliche Schwierigkeit des Seins

Seit 15 Tagen stehe ich bleischwer auf. Liegt es daran, dass ich seit 16 Tagen nicht mehr vernünftig ausgeschlafen habe oder daran, dass J. seit 16 Tagen tot ist?

Erst kommt die Schwere und dann die Erkenntnis über das, was passiert ist. Und zur Schwere gesellt sich die Traurigkeit.

Dass es um die Bestattung auch noch Drama gab, machts nicht besser.

Und jetzt steh ich vor der Frage, ob ich da überhaupt hin will, zu dieser Bestattung. Noch mal 500 Kilometer abreißen müssen. Und das an einem Tag – und so einem beschissenen – dank Beherbergungsverbot. Noch mal allein mit Autobahnpanik und Freundinnenverlust. Zumal ich mich nicht willkommen fühle. Ist ja nur ne begrenzte Personenzahl erlaubt und die ist gedacht für die „richtigen“ Freunde, die in den letzten Wochen da waren, wurde mir kommuniziert.

Ja, danke. Fühl mich allein schon schlecht genug damit. Jaja, weit weg und Pandemie und Lockdown und Umzug und neuer Job und Drama Drama, aber wo ein Wille ist, ist auch ein Weg, oder? Und jetz auf einmal, jetzt wo’s zu spät ist, geht’s irgendwie doch.

Der getroffene Hund ist getroffen.

Fahr ich hin oder rede ich hier weiter mit den Wolken? Ich muss den Lebenden nix beweisen, höchstens noch mir. Aber was eigentlich genau?

5 Kommentare zu “Die unerträgliche Schwierigkeit des Seins

  1. Mach das, so wie du es willst, und lass dir von keinem sagen, du warst nicht da …
    Ein Freund der vor ein paar Jahren gestorben ist, hatte mich ziemlich deutlich gebeten, nicht ins Hospitz zu kommen, weil ihn die Besuche mehr anstrengen als gut tun, aber hier lief jeden Tag Skype / Mail und was weiß ich noch auf hochtouren….

    Auf der Beerdigung nannte man die Gruppe dann „Schönwetterfreunde“ und irgendwann ist der Schwester dann der Kragen geplatzt (noch auf der Beerdigung) und Sie ziemlich deutlich dass nur die Clique seine letzten Wünsche respektiert hat und gemacht hat, was er sich gewünscht hat… Noch mal segeln gehen und ihm das Meer zeigen (wenn auch nur per Kamera…), noch einmal sein Motorrad am Limit bewegen, bevor wir es verschrotten (hatten die Eltern noch nicht einmal mitbekommen, dass es nicht mehr in der Garage steht …) und die Asche an seinem Lieblingsort zu verstreuen während Sie grillen …

    Tja, war ein leichter Schock für den Rest der Anwesenden, dass Sie unsere Grillkohle beigesezt haben.

    Um wieder zum Anfang zu kommen, wichtig ist, was du / ihr gewollt hättet, nicht was jetzt andere sagen

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  2. Mir persönlich wäre in erster Linie wichtig, am offenen Sarg selber sehen zu können: keiner mehr zu Hause.

    Wenn das nicht mehr möglich ist (und nach gut zwei Wochen wird dem wohl so sein), dann wäre mir nur noch wichtig wie wichtig mir die anderen Trauergäste sind.

    Wäre da niemand dabei, für dendie ich auch ohne konkreten Anlass weit führe, dann führe ich nicht. An die guten und die schlechten Zeiten konnte und kann ich mich stets auch zu Hause erinnern.

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