Pflaumen

Ich stecke mitten in einem stressigen Spätdienst und jemand ruft mich mit unterdrücker Rufnummer an. Ich denke, das hat mit Arbeit zu tun, ich bin im Home Office und das Telefon sollte auf mich umgeleitet sein, auf die private Nummer, es ist zum Kotzen, der Betriebsrat ist informiert, macht aber auch nicht wirklich was. (Selbst bei meinem schäbigen vorherigen Arbeitgeber hatten wir Diensthandys.)

Jedenfalls gehe ich einfach dran, was ich sonst bei unterdrücken Nummern nicht tue, weil nö.

Ich brauche ein bisschen, um zu schalten, weil er seinen Namen deutsch ausspricht, aber es ist No. 3. Er hat schon nen halben Satz fertig, als ich auflege. Blä. Er tut immer so, als gäbe es etwas Wichtiges zu besprechen. Wüsste nicht was. Ich werde ihn ja damals kaum geschwängert haben.

Dann bekomme ich eine Nachrichtenanfrage bei Signal, à la „lange nichts gehört, biste noch in ..“ Schon seit 4 Jahren nicht mehr, was alles darüber sagt, wie lange da schon Funkstille herrscht. Ich kann nicht rekonstruieren, ob es sich um No. 4 oder No. 5 handelt, sie haben denselben Vornamen.

Wie immer kommen die Idioten in Rudeln.

Und ich frage mich, warum ich das eigentlich immer mit so Pflaumen zu tun habe.

Und dann denke ich, dass sie ja eigentlich nicht immer Pflaumen waren. Bei fast allen meinen Sexpartnern habe ich mir zwischenzeitlich durchaus mehr vorstellen können. Wissen die nur nicht.

Und dann denke ich, vielleicht bin ich die Pflaume. Ich bin ja zwischenmenschlich nun wirklich kein großes Talent.

Und dann denke ich, so eine schlimme Pflaume kann ich ja eigentlich nicht sein, sonst würden die ja nicht immer wieder ankommen. So toll können meine Blowjobs nicht sein. Also, dass man dafür immer wieder Pflaumigkeit in Kauf nimmt.

Bleibt also nur der Schluss: alles Pflaumen. Ich bin halt zwischenmenschlich wirklich kein großes Talent…

14 Kommentare zu “Pflaumen

  1. Ich weiß nicht, ich würde wohl doch auf die Blowjobs oder andere, ähnlich geartete, Talente tippen. Wenn ich an ehemalige Lebensabschnittsgefährtinnen zurückdenke, werden nach all dieser Zeit die positiven Gedankengänge eigentlich immer von einem sehr kleinen Körperteil angestoßen.

    Das Sexuelle war immer anders und versorgt mich bis heute mit schönen Erinnerungen. Das Emotionale und auch das Alltägliche Zusammenleben hat ja ganz offensichtlich nicht funktioniert bzw. war eben nichts auf Dauer.
    Ich will nicht sagen, dass Männer so simpel gestrickt sind (nicht simpler als Frauen jedenfalls), aber wenn man auch nur etwas Entwicklung unterstellt, sollte eigentlich klar sein, dass man sich nicht nach der Erinnerung an eine gescheiterte Beziehung (auf emotionaler Ebene) zurücksehnt. Die wenigen, die das tun, haben ganz andere Probleme.

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