Blep

Es ist ja alles nicht das erste Mal. Ich möchte mal behaupten, in den 8, 9 Jahren, die ich als Journalistin arbeite, habe ich wirklich alle – und ich meine ALLE – vorstellbaren Nachrichtenlagen gehabt. Also, außer vielleicht die Zombiekalypse, aber mal im Ernst, wie viele Millimeter fehlen denn noch bis dahin?

In meinem Kopf ist trotzdem 404. Pandemie und Krieg und mein Dauerdrama und das 1000. Bild von weinenden Kindern und ich mag nimmer. Ich arbeite im Autopilot. Totale Dissoziation. Fragt mich nichts zu aktuellen Entwicklungen. Keine Ahnung, wie lange das schon geht. Ne Woche? Zwei? Zwei Jahre?

Ich habe mich noch nie so streng an „keine Nachrichten nach Feierabend“ gehalten. Geht eh nicht mehr rein in die Birne. 404 ist so anhaltend, ich krieg auch sonst nix mehr mit. Ich reiße wuchernde Pflanzen aus meinen Beeten und fummle Moos aus den Ritzen zwischen den Terrassensteinen und werde dabei minütlich aggressiver und dann ist Arbeit. Und dann ist Schlafen. Mit garantiert absurden Alpträumen. Und von vorn.

Ich bin so hart damit beschäftigt, zu dissoziieren, dass ich täglich erfolgreich vergesse, bei der Psycho-Hotline anzurufen, die mein Arbeitgeber extra eingerichtet hat, wegen: Ihr seht den ganzen Tag Krieg und Verderben. Und ich denk so: Frach ma die Leute vor Ort. Und arbeite weiter. Ohne hinzugucken.

Ich kann nicht mal mehr richtig gerade Sätze formulieren. Mein Kopf ist voller gordischer Synapsenknoten und Watte. Wegen Überfüllung geschlossen. Zu viele Informationen, zu viele Emotionen, da macht der Laden einfach komplett dicht. 404.

Ich will schaukeln.

10 Kommentare zu “Blep

  1. fühl ich, sagt man wohl heute … zu Zeiten von 9/11 und den unmittelbaren Folge-Katastrophen die Politiknachrichtenseiten zu produzieren fand ich damals schon unfassbar shayze. Und mir gings dabei ja persönlich noch gold, emotional einigermaßen stabil und so … feel hugged if you like.

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      • Ist bissle off-topic, aber das mit dem ‚eingebunkert‘ kommt mir schrecklich bekannt vor … ich mache sogar einen Ein.kaufs.zettel, um nur einmal die Woche raus zu müssen, statt wie früher jede fehlende Tüte Milch mal eben besorgen zu gehen. Ist wie Freigang in der JVA.

        Andererseits hat genau das dazu geführt mich einmal die Woche wie bei der Zombikalypse zu fühlen und furchtbar zu erschecken… der Gewöhnungseffekt an das hässliiche Volk da draussen hält wohl nur wenn man jeden Tag raus geht, fürcht‘ ich.

        On-topic kann ich Dich aber gut verstehen – Du bist in bester Gesellschaft (auch wenn das kein echter Trost ist).

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