Ich alte Romantikerin

Damals, in präpandemischen Zeiten (wisst ihr noch?), war ich mal ein bisschen verliebt.

Damals war ich eines Tages im August auf Sternschnuppenjagd in recht ergiebiger Gegend. Damals stellte ich den Sternen Fragen und wenn sie eine Schnuppe geworfen haben, wertete ich das als „ja“. (Jaja, so eine bin ich.)

Ich fragte die Sterne also, ob das mit mir und ihm wohl mal was wird und die Sterne warfen die fetteste Schnuppe, die ich in meinem Leben je gesehen habe. Einmal quer übers Firmament, die war so fett, ich bilde mir ein, dass die sogar ein Geräusch gemacht hat. (Vielleicht wars auch nur n Mähdrescher.)

Der Typ, der nicht mal ne Nummer gekriegt hat, geistert immer noch manchmal durch mein Leben. Meistens mit einem arg romantischen: Ficken? Und meistens hab ich gar keine Lust. Und wenn ich das kommuniziere, wird er zur Diva. Und genau deswegen ist er mir den Aufwand nicht wert.

Und dann meldet sich ein dünnes Stimmchen ganz hinten in meinem Spatzenhirn: Aber die Sternschnuppe!

Und dann muss ich immer hart lachen über dieses alberne Stimmchen. Und dann blockiere ich ihn doch nicht, wegen des Stimmchens.

Cringe

Cringe ist das Gefühl, das Sie verspüren, wenn Sie das folgende Video sehen:

Ich könnte mich jetzt sehr lang und breit darüber auslassen, was alles falsch und sogar gefährlich ist an dem Geschäftsmodell von Anna Bey, an dem was sie predigt, ihrer Auffassung von Feminismus und so. (Sie ist ein glühendes Beispiel dafür, dass das Patriarchat auch für Männer schlecht ist.) Ich bin ja sonst von Schlage „you do you“, aber boarrr, die triggert mich.

Ich könnte darüber sinnieren, warum der YouTube-Algorithmus mir, der Antithese einer eleganten Dame, ihre Videos in die Vorschläge spült. (Ich nehme an, es hat mit Geld zu tun ^^) Und warum ich daran hängen bleibe wie ein Gaffer an einem Autounfall.

Ich könnte das Video zusammenfassen mit: „Mach nix, was du nicht willst, wasch dich!, beachte wo nötig die Kultur, in der du lebst, und ansonsten mach, worauf du Bock hast – mit Gummi“ und sagen: PREACH! Man sind wir uns ausnahmsweise mal einig.

Aber offensichtlich muss der „eleganten Dame“ erläutert werden, dass man besser nicht mit einem Typen pennt, wenn man daraus keine Vorteile ziehen kann. Spaß im Bett allein ist ja kein ausreichender Vorteil, nech. Son Durchschnittstyp (in ihrer Welt also einer, der keine Millionen scheffelt) kommt keinesfalls in Frage!

Da bleib ich doch lieber unelegant… !

34

Schon lange älter als ich je werden wollte.

Offensichtlich war ich sehr klarsichtig, was das angeht.

Ich habe schon vor einer Weile einen Haken an mein Leben gemacht. Ich finde es eigentlich schon immer ziel-, sinn- und freudlos. Ich glaube mittlerweile nicht mehr daran, dass sich das noch ändern wird. Habe schon an so vielen Schrauben geschraubt: Immer noch nur anstrengend. Liege weiter mit dem Gesicht auf dem Asphalt und werde vom Leben weitergeschliffen. Sätze wie „das Leben ist schön“ sind für mich ein Paradebeispiel für ein Oxymoron.

Wenn ich Pech habe, habe ich noch nicht mal die Hälfte von diesem Ätz geschafft.

In diesem Sinne: Happy Birthday to me. 🥂

Pflaumen

Ich stecke mitten in einem stressigen Spätdienst und jemand ruft mich mit unterdrücker Rufnummer an. Ich denke, das hat mit Arbeit zu tun, ich bin im Home Office und das Telefon sollte auf mich umgeleitet sein, auf die private Nummer, es ist zum Kotzen, der Betriebsrat ist informiert, macht aber auch nicht wirklich was. (Selbst bei meinem schäbigen vorherigen Arbeitgeber hatten wir Diensthandys.)

Jedenfalls gehe ich einfach dran, was ich sonst bei unterdrücken Nummern nicht tue, weil nö.

Ich brauche ein bisschen, um zu schalten, weil er seinen Namen deutsch ausspricht, aber es ist No. 3. Er hat schon nen halben Satz fertig, als ich auflege. Blä. Er tut immer so, als gäbe es etwas Wichtiges zu besprechen. Wüsste nicht was. Ich werde ihn ja damals kaum geschwängert haben.

Dann bekomme ich eine Nachrichtenanfrage bei Signal, à la „lange nichts gehört, biste noch in ..“ Schon seit 4 Jahren nicht mehr, was alles darüber sagt, wie lange da schon Funkstille herrscht. Ich kann nicht rekonstruieren, ob es sich um No. 4 oder No. 5 handelt, sie haben denselben Vornamen.

Wie immer kommen die Idioten in Rudeln.

Und ich frage mich, warum ich das eigentlich immer mit so Pflaumen zu tun habe.

Und dann denke ich, dass sie ja eigentlich nicht immer Pflaumen waren. Bei fast allen meinen Sexpartnern habe ich mir zwischenzeitlich durchaus mehr vorstellen können. Wissen die nur nicht.

Und dann denke ich, vielleicht bin ich die Pflaume. Ich bin ja zwischenmenschlich nun wirklich kein großes Talent.

Und dann denke ich, so eine schlimme Pflaume kann ich ja eigentlich nicht sein, sonst würden die ja nicht immer wieder ankommen. So toll können meine Blowjobs nicht sein. Also, dass man dafür immer wieder Pflaumigkeit in Kauf nimmt.

Bleibt also nur der Schluss: alles Pflaumen. Ich bin halt zwischenmenschlich wirklich kein großes Talent…

Discomfort zone

Neulich stolperte ich über den Begriff „discomfort zone“. Nicht im Sinne der „growth zone“, die man betritt, wenn man die Komfortzone verlässt und über sich hinauswächst. Sondern einfach im Sinne von ungemütlich. Ende. Nach dieser Definition ist die discomfort zone ein Ort, an den sich Menschen mit Depressionen oder Traumaerfahrungen begeben, weil sie mit der Komfortzone nix anfangen können. Ihr Gehirn ist so an den Panikmodus gewöhnt, dass es sich falsch anfühlt, wenn alles in Ordnung ist. Das bedeutet Stress. Also wird die discomfort zone aufgesucht, die zwar auch nicht schön ist, aber vertraut, was auf paradoxe Weise beruhigend wirkt.

Ich finde mich in dieser Theorie sehr wieder. Ich sehe das:

… und in meinem Hirn passiert Tod und Verderben – absolut naheliegend, oder? Ich produziere Bilder und Geschichten, die niemand seinen Kindern vorlesen würden. Ich reproduziere sie, wenn ich nicht schlafen kann. Und schlummere dann friedlich ein – obwohl ich gerade alle vorstellbaren negativen Emotionen durchlebt habe. Alltag halt.

Mir ist schon lange ganz rational bewusst, dass ich vielleicht ein Problem habe. Ich komme sehr, sehr langsam an einen Punkt, an dem ich beginne, den Gedanken zuzulassen, dass mein Gehirn nicht „normal“ funktioniert. Dass ich permanent im „Kampf-oder-Flucht“-Modus bin. Dass das Folgen und Konsequenzen hat, nicht nur psychisch, sondern auch ganz physisch. Allein schon, weil ich immer die Zähne zusammenbeiße. Nicht nur im übertragenen Sinne: Nur wenige Menschen dürften ein so durchtrainiertes Gesicht haben wie ich… Die Verspannungskaskade, die ich damit verursache, legt mich regelmäßig lahm. Man kann übrigens nicht lächeln, wenn man die Zähne aufeinanderpresst.

Und all die Energie, die mich das kostet… Es ist unfassbar anstrengend, ständig auf den nächsten Schlag in den Nacken zu warten und ihn im Zweifel dann einfach selber zu produzieren, weil das Warten halt auch keiner ertragen kann. Wollte noch jemand wissen, warum mein liebstes Hobby Rumliegen ist? In der mentalen discomfort zone, versteht sich.

Wahrscheinlich wird es mindestens so lange dauern, bis ich etwas für mein Spatzenhirn tue, wie es gedauert hat, bis ich verstanden habe, dass ich etwas tun sollte. Solange beobachte ich weiter andere Leute dabei, wie sie mehr als eine Sache pro Tag machen. Einkaufen nach der Arbeit oder vergleichbare Herkulesaufgaben. Verrückt.