Observen

Ich hab das schon ewig nicht gemacht. Das, was No. 1a und ich in unserer Adoleszenz in Anlehnung an das französische Wort „observer“ „observen“ nannten.

Einfach dasitzen und Leute beobachten. Ganz frech gaffen. Uns unseren Scheiß dazu zusammenreimen. Stundenlang.

Heute saß ich stundenlang nutzlos an Flughäfen rum. Und observte.

Ich speichelte ein bisschen ob der Schönheit der wunderschönen Portugiesin am assistance centre. Und fragte mich, warum sie diesen komischen gelben Nagellack trug, der so gar nicht zu ihrem Teng passte.

Ich schämte mich fremd, wann immer deutsche Touristen vorbeizogen. Die erkennt man ja meist gleich, nicht nur an den Socken in den Sandalen, sondern auch daran, dass sie sich immer lautstark über irgendwas beschweren. Möglichst über etwas, was in dem Land, in dem sie sich befinden, einfach normal oder sogar gewünscht ist. Null Kultursensibilität. 🙄 (Beschwerte sich die Deutsche lautstark über die Deutschen.)

Ich sah alte Herren, die sich besorgt um ihre Gattin kümmerten, die nicht mehr so gut beieinander ist. War ein bisschen romantisiert.

Ich fragte mich, warum dieser durchtrainierte Schönling wohl irgendwann den Job aufgenommen hat, nörgelnde Opis im Rollstuhl über den Flughafen zu karren.

Und ich beobachtete immer wieder Paare. Mit Männern, die wirklich gut aussehen. Denen ich so allerhand Schweinkram im Bett zutraue. Die eine gewisse sexy Autorität ausstrahlen. Und die immer wieder mit so spießig-mürrisch aussehenden Frauen rumlaufen. Mit so einem unsympathischen Zug um den Mund. Die irgendwie nicht so aussehen, als hätten sie auch nur einen Tag gelebt, sondern mehr so, als sorgten sie sich um Wasserflecken in der Spüle. Denen ich nicht mal einen Blow-Job zutrauen würde. Und dann taten mir diese Männer irgendwie leid…

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Was bleibt, ist die Unterbuxe

Ich sitze im Hotel in Bergen und bin sehr traurig. Nordmeer is alle. 😥

Auch wenn es nicht der Reisemodus war, den ich gewählt hätte, auch wenn es den ein oder anderen Störfaktor gab, auch wenn es mitunter arschkalt war, auch wenn ich tagelang ohne Gepäck war, auch wenn ich die ganze Zeit nix zum Ficken drangekriegt habe (!!!): Es war SO SCHÖN. So unfassbar atemberaubend SCHÖN. Ich hab ja schon viel gesehen, unheimlich schöne Dinge, aber das war wirklich das Allerschönste, was ich je gesehen habe. Und als unfassliches Sahnehäubchen für das unfassbar Schöne gabs auch noch tägliche Tiershow für mich Tierfreak. Das Nordmeer ist so voll Leben. Und das Wetter war auch geil. Zwei Tage büschen Nebel, ein paar Stunden Regen und ansonsten: Sonne Tag und Nacht. Klimawandel lässt grüßen (was auch wieder ganz schön traurig ist.) Und ich habe so irre viel gelernt! Hach, schee.

Wenn es nach mir ginge, ich würde mich sofort auf den Weg zurück nach Norden machen. Ich bin wirklich traurig, dass ich so schnell wohl nicht wieder den Polarkreis kreuzen werde. Früher oder später werde ich das tun. Aber wer weiß, wann das sein wird. (Also, falls jemand mal nen Törn gen Nordkap plant: Ich biete mich an als vollkommen nutzlose, nur so halb seefeste, nicht besonders dekorative Deko, die aufgrund fehlenden räumlichen Sehvermögens bei erster Gelegenheit von irgendeiner Spiere getroffen und über Bord gefegt werden wird.)

Bis es denn so weit ist, zehre ich von Erinnerungen. Und ich hab ja immer noch die Unterbuxen.

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Die Unterhose, das Leidmotiv meiner Norwegen-Reise.

Heute wird es regnen, stürmen und auch schnein…

… trotzdem scheint die Sonne, so ein Nordmeer, das ist fein.

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Schrieb dieselbe Eidechse, die unter normalen Umständen nicht im Traum daran dächte, bei diesen Temperaturen ihr warmes Bett zu verlassen, griff zum etwa 17. Tee des Tages und fragte sich, warum in drei Teufels Namen sie keine Handschuhe mitgenommen hat!

Veldig veldig dårlig!

Papageientaucher (Milliausende!!!) ✅✅✅
Basstölpel ✅
Eissturmvögel ✅
Drölfzigtausend andere Piepmatzen ✅
Rentiere ✅
Seehunde ✅
Wale ✅

Wenn ich irgendwie verloren gehe, habe ich wohl aus Versehen die Fähre verpasst.

Schickt mir die Post nach Gjesvær!

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Gjesværstappan, 71°08’10.9″N 25°19’45.3″E

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LUNDIS!

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MILLIAUSENDE! (Und n oller Adler.)

Wovon ich leben will auf Magerøya? Ich gebe Kurse für Landratten, wie man sich elegant über das Deck eines Kutters bewegt! Die schwanken bei moderatem Seegang wie mit 5 Promille 🙄

Da bring selbst ich ja noch nen Teller Suppe unfallfrei von A nach B. Und ich würde mich wirklich nicht als seefest bezeichnen, ab Windstärke 9 werd ich n büschen grün um die Nase.

Jeg bærer solbrillene mine om natten*

Ich würd euch ja Gschichten ausm Land der Mitternachtssonne erzählen….

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Stor Buøya, 68°07’42.1″N 13°51’47.6″E

Ich glaub aber, mein Koffer hat schon mehr erlebt als ich. So richtig will er nicht auspacken, aber das was mir die Leute von SAS bei meinen entnervten Anrufen und die ein Dutzend Aufkleber und Zettel an meinem Koffer (ohne Witz, n Dutzend!) erzählten, erlaubt es mir, mir die Geschichte einigermaßen zusammenzureimen.

Der Koffer ist schon in Kopenhagen ausgestiegen. Ich nehme an, der war muksch, weil er da beim letzten Mal nicht mitdurfte und hat sich jetzt mal alles angeguckt. Dann hat er natürlich den Flieger verpasst und kam nicht wie versprochen noch in der Nacht, sondern trödelte noch rum. Ich nehme an, in Bergen lernte er eine fesche Reisetasche kennen, jedenfalls kam er erst superspät nach Ålesund getrödelt, wo er mich – huuups – verpasst hat – und is dann direkt zu seiner feschen Tasche nach Bergen zurück. Was ihn dann nach Oslo getrieben hat, kann ich nicht so recht nachvollziehen. Ob er sein Täschchen groß ausführen wollte oder ob ihm Bergen einfach zu provinziell war? Und ich saß da mit schweineteuren neuen Unterbüxen aus Trondheim und ohne warmes Jäckchen. Ob er sich erbarmte oder einen Arschtritt bekam – wir wissen es nicht. Nach drei Tagen on the road stand er da in Bodø, ganz unschuldig…

Ganz die Muddi, das kleine Arschloch!

(* I wear my sunglasses at night.)