Dreifaltigkeit

Mein neuer Job hat ja nicht wirklich viele Vorteile. So wenig, dass ich ein bisschen Angst habe vor meinem Probezeit-Halbzeit-Gespräch kommende Woche. Bei den meisten meiner Kollegen wurde in diesen Gesprächen die Probezeit verkürzt, ich hätte den Kurze-Kündigungsfrist-Joker aber gern so lang, wie’s geht. Wie ich das diplomatisch vermitteln soll…

Ein Vorteil ist aber die Arbeitsort-Dreifaltigkeit. Präsenz-Pimmelei, Bett-Office und Bums-Büro. Wobei ich finde, dass eine Zweifaltigkeit aus Bett-Office und Bums-Büro völlig reichen würde…

(Was sagt eigentlich das Arbeitsgesetz zum Thema Sex mit betriebsfremden Personen während der Arbeitszeit…?)

Und jährlich kommt der Januar…

… und er bringt mit: Dunkelheit, Regen und die Winterdepression.

Da sitz ich nu, in meiner kuschligen Wanne aus Selbstmitleid, denk an all die falschen Entscheidungen, die ich in meinem Leben so getroffen habe und deretwegen ich jetzt hier allein in meiner Wanne aus Selbstmitleid sitze und mich selbst bemitleide.

Mag auch gar keinen mehr vollheulen, weil ich garantiert allen schon tierisch aufn Sack gehe. Verständlich. Die armen Menschen. Also sitz ich jetzt allein…

Egal.

Kann ja nicht auch noch hier allen aufn Sack gehen. Wobei das wahrscheinlich schon zu spät ist.

Jahresendblues

Ich kann gar nicht so richtig einen Jahresrückblick machen dieses Jahr. Ich erinnere mich nicht. Und ich fühle nichts. Ich habe mich ein bisschen durch meine Aufzeichnungen hier gelesen und immer wieder gedacht: Ach ja. Und ich fühle… nichts. Das Jahr ist irgendwie passiert und an mir vorbeigerauscht.

Der alte Job fühlt sich an, wie etwas, das nie passiert ist. Wirklich lange war ich da ja nicht und eigentlich ja auch nur im Bett Office. Die meisten Kollegen habe ich kaum gesehen. Und die Arbeit war das Stumpfste, was ich je getan habe. Wie ein langer, verrückter Traum, mit lauter super unrealistisch dussligen Statisten.

Mit der neuen Arbeit habe ich definitiv einen großen Fehler begangen. Ich mache genau das, was ich nicht (mehr) machen wollte und von dem ich auch bei den Vertragsverhandlungen gesagt habe, dass ich das nicht machen möchte. Von dem man mir zusicherte, dass ich das nicht machen muss. Am Arsch. Arbeiten nur mit Bauchweh und ohne Biss, es ist zum Kotzen. Und so, wie die Dinge liegen, wird sich das auch über Monate nicht ändern lassen. Wenn ich keinen anderen Job finde.

Mit der neuen alten Heimat bin ich ausgesprochen zufrieden. Das tausche ich eher nicht mehr wieder um. Es sei denn, es findet sich was am See oder am Meer. Ist ein bisschen weit weg von der Arbeit, aber Arbeit interessiert mich ja eh schon lange nicht mehr.

Alles andere ist irgendwie im großen Egal vermanscht. Sogar das verrückteste Ereignis des Jahres: Mit der semifiktionalen Schreiberei, mit der ich euch hier fremdging, bin ich auf der Shortlist eines kleineren Literaturpreises, was irre unwahrscheinlich und am Ende dann eine unerfreuliche Erfahrung für mich wurde. Mit der Folge, dass mein Hirn das mit der Schreiberei gerade komplett verweigert. Zusammengerollt wie ein Igel, direkt in den Winterschlaf abgesetzt. Wird dann wohl auch definitiv keine alternative Karriere mehr.

Es geht also ein weiteres Jahr vorbei, in dem mein Hirn, meine Emotionen und ich irgendwie getrennte Wege gegangen sind. Ins neue starte ich mit einer kranken Katze und selber ein bisschen angeschlagen. Bei der Arbeit. Im Bett Office. Es wird sicher WAHN-SIN-NIG viel zu tun sein, wie immer Silvester. Ich habe keine Erwartungen an 2023. Nächsten Dezember werde ich mich wohl eh wieder an nix erinnern können. So, wie die Dinge laufen. Vielleicht sollte ich endlich mal all die Dinge machen, die mir sonst zu peinlich werden.

In diesem Sinne. Frohes Neues.