Amaaaaaazing people

Hier wie dort, on- wie offline.

Freunde erkennt man in der Not.

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#metoo? (?)

Wer in den sozialen Medien – oder überhaupt in den Medien – unterwegs ist, dürfte auf den Hashtag #metoo gestoßen sein, unter dem Frauen von ihren Erfahrungen mit sexuellen Übergriffen berichten.

Es ist sehr schlimm zu sehen, wie viele Frauen (und auch (noch viel zu vereinzelt) Männer) da ihre Geschichten beizutragen haben – und was für Geschichten das zum Teil sind. Und dass man nicht mal überrascht ist, dass es so und so oft geschieht.

Ich habe tatsächlich stundenlang nachgedacht, ob mir ein Beispiel einfällt. Und dachte: Meine Güte, habe ich ein Glück gehabt. Ist ja schon direkt ungewöhnlich, dass es mich nicht erwischt hat. Naja, bin halt ein Stubenhocker…

Ein paar Dinge sind mir dann doch eingefallen. Über die ich sogar geschrieben habe.  Kleine Anekdoten, denen ich kaum Bedeutung zugemessen habe. Und dann war da noch der Sport- und Schwimmlehrer, den ich heute täglich anzeigen würde (ich war auf einem Sportgymnasium, ich hatte den oft). Mein pubertäres Ich war natürlich viel zu schüchtern. Und dann waren da die Jungs, die auf dem Weg zur Bushaltestelle jeden Tag ein neues Manöver erfunden haben, um meine Brüste zu berühren. Oder mir in den Schritt zu fassen.

Von meinen Erfahrungen in Südamerika fang ich lieber gar nicht erst an.

Natürlich nicht die ganz schlimmen Dinger. Aber es ist schon traurig, dass ich es zwar wahrnehme, aber dann die Schultern zucke und es als „is halt so“ hinnehme und ad acta lege. Weil ich denke: „Sowas passiert dauernd. Man muss als Frau einfach damit leben, dass es Situationen gibt, in denen frau sich unwohl fühlt. Bringt ja nix, sich darüber aufzuregen.“

Traurig, dass ich es wegerkläre. Oder einfach nicht auf mich beziehe. (Hallo, so hässlich wie ich bin, kann ich ja nicht gemeint gewesen sein.)

Traurig, dass ich jetzt darüber nachdenke, ob das nun wirklich so übergriffig war, oder ob ich mich einfach nur anstelle.

Traurig, dass ich einfach nur froh darüber bin, dass es mich bisher nicht schlimmer getroffen hat.

Traurig, dass ich nicht glaube, dass mit „awareness“ und „ihr pösen, pösen übergriffigen Menschen“ irgendwas geändert werden kann.

So ist der Mensch. Traurig, aber wahr.

Edit:

Traurig, dass ich das gerade unter „Alltag“ kategorisiert habe. Aber ich lass das jetzt so…

Wir mussten reden

– Und, haste das Maul aufgemacht?, fragt mich No. 1a.

No. 1a kennt mich gut. Denn natürlich habe ich das Maul nicht aufgemacht. Laute bilden, Worte, Sätze gar, wenn es mir womöglich zum Vorteil gereichen könnte – never!

Wir mussten also reden.

Die ganze Zugfahrt über ermahne ich mich: Du sollst sie nicht einfach knutschen! Nur weil das in deinem Kopf irgendwie zur Normalität geworden ist, heißt das nicht, dass das auch wirklich normal (oder erwünscht) ist.

Sie ist dann eh irgendwie hektisch und grummelig – keine Gefahr.

Sie schleppt mich in ein fancy Restaurant – ein wahrlich wunderbarer Ort zum Reden.

Sie steigt noch leicht ein, ob ich mit ihr im März zur Buchmesse gehe, bütte bütte. Das Kopfkino geht schon wieder ab, drei Tage mit ihr, na warum nicht…

Und dann patscht sie schön mit dem Finger in die Wunden, ach was, sie geht bis zum Ellenbogen rein. Was wird nu, was machst du, was willst du? Sie weiß genau, wo sie nachfragen muss, um die ganz empfindlichen Nervenbündel zu treffen, zielsicher kitzelt sie meine Existenzkrise aus mir heraus. Verdammt was tu ich nur, wann ist es von „geil, läuft, alles richtig gemacht“ in „verdammt, falsch abgebogen, scheiße, jetzt klebt der Karren an der Wand, war doch alles falsch“ umgeschlagen und was zum Teufel mach ich jetzt nur mit mir?

Ich sitze im fancy Restaurant und heule.

Sie sagt all die Dinge, die alle sagen und die ich selber schon weiß. Ja danke.

Sie macht nicht mal Anstalten, mich ein bisschen zu knuddeln. Ja danke.

Sie spricht No. 2 an, der – bei genauerer Betrachtung (und das sind längst nicht alle Begegnungen) – viel präsenter in meinem Leben ist, als mir lieb ist. Und das viel zu selbstverständlich.

Und sie rührt ewig in dem Thema rum…

Da wechsel ich doch lieber zurück zu meinem „mein Leben ist die reinste Katastrophe“-Geheule. Ist doch viel erhebender!

Ich merke an, dass ich ja auch einfach nicht um Hilfe bitten kann. Das Maul aufmachen und so. Mir käme es nie in den Sinn, irgendwelche Freunde anzurufen, um ihnen mein Leid zu klagen. Sie haben ja auch Besseres zu tun. Und im Zweifel schlimmere Probleme.

Sie fordert mich dringend auf, sie doch bitte anzurufen, bevor ich mich von der Brücke stürze. Oder einfach vorbeizukommen.

Ich würde sie eigentlich gerne fragen, ob ich den Rest des Abends auf ihrer Couch versacken könnte. Mit ihrer Therapiekatze auf der Plautze. Aber ich mache das Maul nicht auf.

Und sie verkündet, dass sie sich schon darauf freut, sich gleich mit ner Kippe in die Wanne zu klatschen.

Nein, ich mache das Maul nicht auf.

Sie fährt mich noch zum Bahnhof, wo sie mich nicht wie üblich knuddelt.

Ich muss das Maul auch nicht mehr aufmachen…

Und No. 1a zieht mir die virtuelle Bratpfanne über den Schädel.

Lab rat

Manchmal kann ich meinem PMS direkt was abgewinnen.

Ich finde mich mit PMS selbst so unerträglich, dass ich einen Schritt Abstand von mir nehme. Früher fand ich die komische Alte, die ich dann aus sicherer Distanz betrachtete, nur ätzend. Heute beobachte ich einigermaßen amüsiert dieses possierliche Tierchen, das da so in seinem mehr oder weniger natürlichen Habitat vor sich hin wütet und komme zu allerhand Erkenntnissen.

Die Stimmungsschwankungen sind brutal. Und die daraus resultierenden Entscheidungen… interessant.

Derzeit fühle ich, das PMS-Tier, mich wie so ein albernes Schoßhündchen, dass permanent um sie herumscharwenzelt und bei jedem Leckerchen eine Pirouette dreht. Ist das dämlich. Und nervig.

Und schon habe ich das Bedürfnis, mich aus der ganzen Sache komplett zurückzuziehen und/oder mich mehr wie ein bissiger Kampfhund zu verhalten. Kläff.

Womit die Frage geklärt sein dürfte, warum das possierliche Tierchen und die Liebe nie so recht zueinander gefunden haben.

Von Untergängen

Es ist immer wieder amaaaaaazing auf der Elbfähre in den Sonnenuntergang zu tuckern. Trotz aller Touristen. Dafür nehme ich auch gerne in Kauf, dass es deutlich länger dauert, als mit der U-Bahn. Die Luft ist einfach besser.

Und es ist amaaaaaazing, wie schnell man sich manchmal von Leuten lösen kann. No. 3 ist mir schon lange mehr auf die Nerven gegangen als alles andere. Ich hing aber immer noch an dem, was wir mal waren. Und was ich gern mit ihm gehabt hätte. Nach seiner Kindergartenaktion konnte ich einmal herzlich lachen und ihn dann ohne viel Federlesen aus meinen Kontakten löschen.

Keine Ahnung, wer von uns beiden sich wann so verändert hat. Es ist mir mittlerweile aber auch egal.

Es ist ein Kleinkind!

No. 3 fragt, ob er vorbeikommen kann.

– Wenn du den ganzen Weg hier rauskommen willst, um mich maximal circa zwei Stunden lang wach anzutreffen, tu dir keinen Zwang an. Bring Kondome und Falafel mit.

No. 3 fragt, wann ich endlich mit diesem Job durch bin und abends endlich wieder vernünftig Zeit habe. Und wohin ich dann eigentlich will.

– Weißichnich.

No. 3 fragt, ob er mir bei der Suche nach einer Wohnung in Berlin helfen soll.

Ich erläutere mindestens zum dritten Mal, dass ich lieber nicht nach Berlin ziehen möchte.

– Na dann lohnt sich nicht, zu dir zu fahren, wenn ich weiß, dass wir nie in der gleichen Stadt wohnen werden.

Und beendet das Gespräch.

 

 

Wir müssen reden

Es fehlt nicht mehr viel und ich rupfe ein Gänseblümchen – nein halt, falsche Jahreszeit…

Ganz im Stile einer 15-Jährigen analysiere ich so ziemlich alles, was sie so sagt und tut und klopfe es auf eventuelle versteckte Hinweise ab. Um mich gleich darauf wieder zur Vernunft zu mahnen.

Sie fragt, ob ich mit ihr nen Lesbenfilm gucken will? – Nur weils in nem Film um Lesben geht, heißt das ja nicht, dass sie auch auf Weiber steht.

Sie bietet mir ab, hinterher bei ihr zu übernachten? – Na, weil sie weiß, dass ich am nächsten Tag Flauschige-Tiere-Kurs habe und ich von mir aus wegen der dummen S-Bahn-Verbindung mehr als ne Stunde brauche (habe ich mich schließlich oft genug drüber beklagt) und von ihr aus 10 Minuten.

Sie quiekt mitten im Supermarkt, wie niedlich ich bin, weil ich alberne Dinge tue? – Ich tue einfach alberne Dinge, die meinem geistigen Alter (15) entsprechen. Niedlich.

Sie schickt mir Blümchenbilder, einfach, weil sie an mich denkt? – … Hm. Ja, warum? Muss es denn für jede nette Geste einen Grund geben?

Auf meine sehr scherzhafte Bemerkung, wir seien einfach tief und innerlich verbunden, antwortet sie sehr ernsthaft: Ja, das sind wir in der Tat!? – Sie hat einfach ne esoterische Klatsche.

Sie schreibt, wir müssen reden. Worum es geht, will sie mir „dann“ sagen. Meine Phantasie malt sich allerhand aus. Die 15-Jährige macht sich Hoffnungen. Und die 29 7/8-Jährige denkt sich: Hat wohl eher was mit der gemeinsamen Freundin zu tun, die sich kurz vor Selbstzerstörung befindet. Oder meinem anstehenden Geburtstag. Oder noch was Banalerem.

Ich hab noch Tage Zeit, mir Dinge auszumalen.

In der Zwischenzeit stellt sie fest, dass sie die Pille vergessen hat und in der nächsten Zeit besser Kondome dabei hat.

Ich komm dann mal wieder auf den Teppich.