Die Entzauberung

… setzt sich fort.

No. 3 fragt mal wieder, ob er nach meinem Feierabend noch vorbeikommen kann.

Ich sage mal wieder, dass er mir dann eventuell beim Schnarchen zugucken muss.

Und er wirft erneut ein, dass wir dann halt nur kuscheln.

Nun gut.

Ich bin noch am Zähneputzen, da liegt er schon splitterfasernackt in meinem Bett.

Und natürlich dauert es nicht lange, bis ich seinen Schwanz im Mund habe.

Er braucht eine Weile, bis er wieder ganz da ist und ich denke, jetzt kann ich endlich schlummern und dann fängt er an zu plappern. Und plappert und plappert. Erzählt mir von seinen jüngsten Erlebnissen und seiner neuen Arbeit. Ist das süß, wie begeistert er davon noch ist. Sein erster richtiger Job. So war ich auch mal. Vor Jahren. Ich wünsch ihm ja, dass es dabei bleibt. Im Gegensatz zu mir hat er schließlich auch was Vernünftiges studiert…

Er lässt sich über Fantasien aus, was er gerne noch mit mir machen will… Ich bin skeptisch.

Wir überlegen laut, was wir uns so für die Zukunft vorstellen. Das liegt weit auseinander. Ich habe meine Vorstellungen auch sehr geändert. Ich spüre seine Überraschung und einen Hauch Enttäuschung. Die gemeinsame Zukunft in seiner Heimat scheint wohl kein Thema mehr so zu sein 😉

Trotzdem fände er es weiterhin wundervoll, wenn ich zum Arbeiten nach Berlin käme.

Bäh, Berlin. Nur, wenns der Megatraumjob is.

Und er stellt schon von selbst ganz ernüchtert fest: Du kommst sowieso nicht nach Berlin.

Und schiebt mir wieder seinen Schwanz in den Mund.

In seinem weggetretenen Zustand danach stellt er den Wecker auf 7:15 Uhr statt 6:15 Uhr. Und springt zwei Minuten nach Abfahrt des Pendler-ICEs fluchend aus meinem Bett. Die nächsten Stunden gibts nur noch Regiobahnen…

Ich glaub, so schnell kommt er nicht wieder auf den Gedanken, herzukommen…

Und mein Bett riecht wieder komisch. Ich muss Wäsche waschen…

Sexstress

Ich bin mit der Gesamtsituation unzufrieden. Das ist nichts Neues. Ich will es ändern. Ich stresse mich damit.

Andere Leute fragen, wollen wissen, obs was Neues gibt, ob sich was geändert hat, nein? Warum nicht? Das stresst mich.

Ich mache mir selbst genug Stress, danke, nett, dass ihr fragt, aber lasst mich in Ruhe!

Sex war lange eine Möglichkeit, Druck abzulassen. Den Kopf auszuschalten. Mich auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren. Zu genießen. Zu entspannen.

Dann verging mir die Lust.

Aber ich will, ich muss, ich brauche!

Jedes Fünkchen Lust muss riesige Erwartungen erfüllen. Und verkrümelt sich dann lieber schnell.

Mein Ventil gleitet mir durch die Hände, mein Garant für Wohlbefinden und Selbstbestätigung – wech.

Dass ehemalige und aktuelle und eventuell zukünftige Nummern immer wieder drängeln – wann und wo und wie? – macht es nicht besser.

Ich mache mir selbst genug Stress, danke, nett, dass ihr fragt, aber lasst mich in Ruhe!

Ich will mir eigentlich nur die Decke über den Kopf ziehen und Fast Forward drücken.

Und gleichzeitig will ich eine neue No., die mal nicht sone Flachpfeife ist. Mit der ich Gedankenpingpong spielen und epischen Sex haben kann. Mit einer Schulter zum Anlehnen, aber ohne Klammerreflex.

Sehr realistisch. Und woher nehmen? Bei meinem Leben zwischen Arbeit, Bett und Kurs tue ich sicher keine No. auf. Und aus dem Netz fischen ist auch keine Option. Dann kommt gleich wieder „wann und wo und wie?“ und wenn die Antwort lautet, in 300 Millionen Wochen hab ich vielleicht mal ein Wochenende frei, heißt das natürlich, sie hat kein Interesse. Und die Flachpfeifendichte ist gewaltig.

FF. Ich drücke ganz feste auf die Fernbedienung. FF. MANNO!!!

Bingo!

Ich hab die Reihe eindeutig voll.

Nun fragt auch No. 8, diese einmalige Sache von vor drei Monaten, ob ich ihn noch kenne. Und ob ich nich noch mal will…

Hab ich irgendwie Kaugummi am Arsch?

Jugendwahn

Man fragte mich, warum ich das mache: Mich mit Typen treffen, die ich kaum kenne, von denen ich im Grunde schon von Anfang an weiß, dass ich sie eher nicht wiedersehen möchte, mit ihnen vögele, sie am Ende wider besseres Wissen doch wiedersehe und weiter mit ihnen vögele.

Mir fielen spontan ein paar Dinge ein, wie Lust an der Lust, Blödheit, Triebgesteuertheit, Einsamkeit…

Wenn ich ganz ehrlich mit mir bin, hat es aber wohl am ehesten mit meinem Selbstbild zu tun.

Ich war schon immer überzeugt davon, hässlich wie die Nacht zu sein. Ich habe Männer nicht mal angeguckt, aus Angst, sie könnten zurückgucken. Oder eben nicht gucken. Beides schmerzhaft. Auch meinen Körper fand ich eher nicht so toll. Als Teenie habe ich mich regelmäßig in Jeans am Strand gegart und auf die Frage, warum ich mir das antue, sagte ich: Wenn ich die Hose ausziehe, krieg ich ne Anzeige wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses.

Ich habe erst mit 20 langsam die Hüllen abgelegt. Mal geguckt. Und festgestellt: Die Männer laufen mir zwar nicht hinterher, aber wenn ich es darauf anlege, habe ich schon eine gewisse Wirkung auf sie. Daraus habe ich eine Menge Selbstbewusstsein gezogen.

Ich fühle mich gut, wenn jemand mich geil findet – obwohl ich keinem Schönheitsideal entspreche. Es macht mir Spaß, zu sehen, wie die Jungs sich anstellen, nur weil ich nackt bin. Und ich genieße einfach den Sex.

Nun habe ich ja viel Zeit verloren – nicht nur, weil ich spät angefangen habe, sondern auch, weil ich dann lange rotzbrav war.

Also müssen Typen her, schnellschnell, denn jetzt tickt die biologische Uhr – nicht wie bei anderen Frauen, die plötzlich dringend ein Kind haben müssen, nein, sie zeigt an: Kurz vor körperlichem Verfall. Du wirst diese Figur, diese Haut, diese Haare, diese Energie nicht ewig haben. Nicht alles ist schlecht an meinem Körper, aber alles hat ein Verfallsdatum. Irgendwann ist sexy alle.

Was mach ich dann mit meiner Lust, meiner Blödheit, meinem Trieb, meiner Einsamkeit und meinem Spiegelbild?

Machen wir ne No.9 draus…

Edit zu Guter Vorsatz – frommer Wunsch?:

No. 8 war sehr nett, nach Wiederholung sieht es mir trotzdem nicht aus…

Immerhin hat er die volle Breitseite Darf man das? ertragen, ohne schreiend davonzulaufen.

Ich brauchte etwa zehn Minuten Aufwärmphase und einmal vögeln, bis er meinen quasselstrippigen Darf-man-das?schen Wahnsinn erleben durfte.

Er hat alles ausgehalten von „Essen, gib mir Essen! Mehr ESSEN!“ (Notiz an mich selbst – bitte endlich verinnerlichen: Mit jedem Kilo Essen mehr im Magen sinkt die Kontrolle über den Würgereflex!) über „Schneeeeeee! Komm, wir MÜSSEN raus!!“, mein einbeiniges Gehüpfe durch den unberührten Schnee im Park, mein Gerutsche über den gefrorenen Teich (huiii), mein gekiekstes „guck mal, die Kaninchen, nieeeeedlich“, die höchst erwachsenen Penis-Malereien im Schnee auf den Motorhauben, den Test auf die Trampolintauglichkeit seines Hotelbetts (ziemlich gut – huiiii) bis hin zu meinem Lachkrampf mit seinem Schwanz im Mund. Den hatte allerdings er verursacht, weil er mittendrin anfing zu lachen – Frechheit! Er erläuterte dann, dass es einfach sehr erheiternd aussehe, wie ich dort auf dem Bauch vor ihm läge und mit den Beinen schlenkerte, wie ein kleines Mädchen. Pff. Nur ein Zeichen höchster Konzentration! Sprach sie, nahm ihre Tätigkeit wieder auf – und ertappte sich selbst beim Beineschlackern. Und musste halt lachen…

Zwar fehlte mir bei ihm die intellektuelle, inspirierende Komponente  – ich habe einen todsicheren Griff für Nerds – aber immerhin war es schön zu erleben, dass ich immer noch (oder eher wieder) mit großer Begeisterung ein ganzes Wochenende mit Sex verbringen kann. UND ich erfuhr eine ganz neue Cunnilingus-Technik, die zwar langsam, aber dafür sehr spektakulär zum Ziel führte.

Time well spent.

Und die Stimme wird wohl auch irgendwann wieder zurückkehren…

Guter Vorsatz – frommer Wunsch?

Etwas will ich dann doch noch von 2017:

Eine würdige No. 8.

Jemanden, der mich anmacht, mit dem ich mich sexy fühle, den ich sexy finde, der meinen Körper und mein Hirn fickt, der mich aus meiner comfort zone treibt, der meine Kreativität weckt, bei dem ich mich fallen lassen kann.

Weiter nix.

Ich habe wieder Lust auf Lust.