Meh

Es ist doch die schönste Zeit des Jahres: die Zeit der Jahresend-Roundup-Depression.

Was soll ich sagen: Ich stecke gar nicht so tief drin, dieses Jahr. Es war ein schlimmschlimm furchtbares Jahr. Ich hatte recht mit meiner Prognose vom letzten Jahr: „Die ersten 4 Monate werden wie ein ICE auf mich zu und über mich rüber rasen. Danach könnte der Krise die Chance folgen. Aber Optimismus liegt mir nicht.“

Tatsächlich ist der ICE bestimmt 4 oder 5 Mal über mich rübergerollt. Es wurde so richtig schlimm, richtig richtig schlimm und richtig schlimm.

Es ist allerdings alles unfassbar weit weg. Ich weiß, mir ging’s beschissen und alles war beschissen und scheiße und bäh, aber es fühlt sich an, als wäre das in einem anderen Leben gewesen. Und alles, was danach kam: naja. Joa. Meh. Ich weiß, was ich dieses Jahr gemacht habe und was ich erlebt habe, ich kann da ne schöne Liste von machen. Aber meh. Es ist alles komplett gleichgültig. Es liegt dicke, fluffige Decke aus Meh und Gleichgültigkeit und weit weg drüber. Zwar transparent, aber wolkig. Selbst Frankreich: meh. Vielleicht hab ich mir das alles auch nur eingebildet. Oder jemand anderes hat es erlebt. Was weiß denn ich.

Das spiegelt sich auch im Blog wieder. Ich habe selten geschrieben. Nicht, dass nix los war. Aber es hat mich nicht ausreichend bewegt, um es aufzuschreiben. Weil: meh.

In diesem Sinne. Frohes Neues. Ich arbeite rein. Weil: eh egal.

Reklamation

Ich möchte dieses 2021 gerne reklamieren. Widerrufsfrist von 2 Wochen und so…

Es hat noch keine Gebrauchsspuren! Ich habe das ganze bisherige 2021 nur gearbeitet und meine Wohnung nicht verlassen. Habe nur E-Mails empfangen. Das hat mehr als gereicht. Ich will dieses 2021 nicht.

Ich nehme gerne noch mal zweimal die erste Hälfte von 2020. So scheiße ist dieses 2021.

Ich habe das nicht bestellt. Macht es weg!

Wildes Schleudern

Ich glaube jeder, der heute zurückblickt auf Dinge, die er vor etwa einem Jahr zum Thema „Neues Jahr 2020, was da so kommt“ geschrieben hat, muss gerade ein bisschen grinsen. Was waren wir naiv und unschuldig. So süß!

2020 ist fast vorbei und wem kommt es nicht vor, als sei er in den vergangenen 12 Monaten etwa 10 Jahre gealtert?

Corona war eigentlich mein geringstes Problem, im Gegenteil. Endlich müssen Leute ABSTAND halten, das ist mir enorm recht. Ich hab das schon immer gehasst, wenn mir im Supermarkt einer in den Nacken gehustet hat. Brrr. Ich hatte auch immer Desinfektionsmittel in der Handtasche, falls mir mal wieder wer unbedingt die Hand schütteln musste. Ich hoffe, dass es künftig heißt: Hände schütteln? Das ist so 2010er! Ekelhaft! Ich liebe, liebe, liebe nach wie vor das Home Office. Im Schlafanzug mit der Katze schimmeln und nebenher ein bisschen Content schubsen – vielleicht ist es doch ein bisschen ein Traumberuf. Wenn da nicht die Verrückten wären. Auch mein kurzer Ausflug in die Kurzarbeit war eigentlich ganz gechillt. Trotzdem hab ich dieses Kackvirus sowas von SATT! Leute werden krank, Leute sterben, Leute verlieren ihre Existenz, is halt kacke. Ich hab keinen Bedarf an Ansteckung, besten Dank, ist halt kacke. Mir fehlt wenig, ich geh nie shoppen, ich geh nie Party machen, Kultur gibs hier im Nirgendwo eh nie, aber manchmal wärs halt schon nett, einfach wieder mal „was“ machen zu können. Oder mir ne Wohnung in nem anderen Bundesland suchen zu können, ohne im Januar im Auto übernachten zu müssen! So Luxusprobleme halt. Und es ist schon ein Unterschied, ob man Leute nicht sehen will oder nicht sehen darf.

Ich schrieb schon vor Monaten: „Alles geht in Zeitlupe und dabei rast die Zeit so schnell, dass mir von der Erdrotation schlecht wird.“ Es trifft’s immer noch. Ich habe dieses Jahr trotz Allem gar nicht so wenig erlebt und doch kommt mir alles wahnsinnig weit weg vor. Der? Den hab ich vor 1000 Jahren getroffen. Irgendwann im Jahr 2020. Das? Das war vor Lichtjahren. 2020 halt. Ich habe vor gut 24 Stunden meinen Job gekündigt. Ewig her. (Flurfunkgeschwindigkeit übrigens: 5 Kollegen wussten in 0,5 Stunden Bescheid, ich selbst habe für drei Kollegen vier Stunden gebraucht, weil wir richtig redeten. Einer kommt wahrscheinlich sogar mit und es wird schööööön ❤ Reden ist manchmal interessant.)

Ich habe dieses Jahr alle vorstellbaren Emotionen durch. Ich erinnere mich nur durch Watte an sie. Der Rest ist Erschöpfung. Vergessen. Corona-Brain. Und der Stress, der plötzlich mit dem Jobangebot aufkam und alles überlagert. Plötzlich klammere ich mich an alles, nur weil es sicher ist. Den Job, den ich hasse, die Wohnung, die mich deprimiert….

Ich schrieb vor knapp einem Jahr: „Ja, es gab schlimmere Jahre. Schlimmer als 2016 will ich mir lieber gar nicht vorstellen, auch wenn ich es für durchaus möglich halte. Aber so ausgelaugt war ich noch nie.“ Ich kann mich beim besten Willen nicht an das Ende des letzten Jahres erinnern. Ich weiß nicht mehr, was war und wie ich mich gefühlt habe. 2016 war schlimm. War 2020 genauso schlimm? Zwischendurch hat es sich so angefühlt. Ich habe mich gefragt, ob ich all meine Resilienz aufgebraucht habe. Ich war an den dunkelsten Orten meiner Psyche. Die vergangenen sieben Tage haben mich aufgerüttelt wie eine Daunendecke, die ausgeschüttelt wird. Plötzlich muss ich unter die Lebenden zurückkehren. Und der Nebel über der Zeit vor vor einer Woche wird dichter.

Ich schrieb vor knapp einem Jahr: „Einen Ausblick auf dieses 2020 wage ich gar nicht. Was weiß denn ich, was da kommt. Ich hoffe, Veränderung. Ich fürchte: nicht.“ Was wussten denn wir, was da kommen würde! Süße Ahnungslosigkeit. Es hat sich alles verändert und doch irgendwie nichts. Meine Befürchtung für 2020 hat sich irgendwie erfüllt und meine Hoffnung wird auf den letzten Drücker erfüllt. Ein bisschen zu heftig für meinen Geschmack, aber eigentlich mag ich’s ja hart. Und ich weiß: Auch diese Daunenwolke wird sich legen. Auch dieser Wahnsinn wird vorbeigehen, auch wenn ich noch keine Ahnung habe, wie.

2021 wird definitiv Veränderung bringen. Für mich und alle. Einen Ausblick auf dieses 2021 wage ich nicht. Ich gebe nur die Prognose: Die ersten 4 Monate werden wie ein ICE auf mich zu und über mich rüber rasen. Danach könnte der Krise die Chance folgen. Aber Optimismus liegt mir nicht. Wir werden es sehen. Ich lasse den ICE rollen. Und dann sehe ich weiter.

Vor knapp einem Jahr schrieb ich: „Ereignisloser Neujahrsdienst, wo gibts denn sowas! Nächstes Jahr gebt ihr euch wieder mehr Mühe, ok? Ohne unschuldige Affen zu töten, bitte!“ Jetzt müsst ihr kreativ werden! Ich bin ja herzlich froh über Stillvester. Aber der Neujahrsdienst droht RICHTIG lang zu werden. Denkt euch was aus! Und kommt gut rüber!

2021 wird… 2021.