Somnum Interruptum

Ich schimmle in der Lokal-Telko und frage mich, ob die Leute eigentlich nur deshalb in so vielen so langen Konferenzen rumsitzen, um eine Pause vom Angestrengt-Beschäftigt-Aussehen zu bekommen.

Ich frage mich, ob die hier viel socializen und zu wenig arbeiten oder ob wir in meinem alten Job zu viel gearbeitet und zu wenig rumgesabbelt haben.

Und gerade als ich kurz vor Feierabend unterbeschäftigt vor mich hindämmere und mich frage, ob ich je wieder was Relevantes schreiben werde, will der Chef eine Zusammenfassung zu einem aktuellen und einigermaßen relevanten Politik-Thema für Online. Der Online-Leiter mault, weil beschäftigt mit was anderm, und der Print-Leiter meint, Darf man das? sähe schon zu durch aus, doch der Chef brüllt erfreut: HA, Frau Fragezeichen macht mir das in drei Minuten!

Ich lache ihn gepflegt aus: Allein die Langsamkeit unseres CMS macht drei Minuten zu einem Ding der Unmöglichkeit. Doch sein Wunsch ist mir Befehl, die Lethargie ist abgeworfen und nach 30 Minuten hat er seine Online-Zusammenfassung inklusive eingebettetem Schnickischnacki und ich will schon ganz beschwingt in den Feierabend starten, als mich der Print-Leiter aufhält. Wie man noch gleich meinen Nachnamen schreibt, mein Geschreibsel soll mit in den Themenblock auf Seite eins.

Doch noch Hoffnung in Sicht und morgen auf der Titelseite.

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Welcher Teufel…

… hat mich eigentlich geritten, als ich mir eine Wohnung suchte, die doppelt so groß ist, wie meine alte, wenn ich schon zu faul war, die zu putzen.

Örks.

The simple life

Reingelatscht ins Regionalzentrum im Nachbardorf.

– Moin Darf man das? Wieder im Land?, sacht die Frau Dings vom Empfang.

– Jo. Müsst mich mal anmelden.

– Die Frau F. is grad nich da.

Die Mitarbeiterin, die das Meldewesen macht.

– Da musste zu Frau Z.

Die Mitarbeiterin, die eigentlich das Ordnungsamt macht. Vertretungsweise alles andere.

– Jo.

Frau Z. hat Zeit. Sonst keiner da.

– Wieder in der Dingsstraße?

– Jo.

Stempel druff, fertig.

– Schüs.

Das einfache Leben auf dem Land…

 

Faulpelztag

  • Bewerbung geschrieben
  • ein bisschen Norwegisch geübt
  • E-Mail an Muddi geschrieben
  • Nachrichten gelesen
  • eine Folge Serie geguckt
  • einen Anruf erledigt
  • den Papierkram sortiert, der sich nach dem Datum einiger Rechnungen bereits seit circa zehn Monaten da stapelt
  • zu kündigende Verträge rausgesucht
  • festgestellt, dass mein Arbeitsvertrag verschollen ist
  • Geburtstagsgeschenke für Muddi eingepackt
  • Wäsche gewaschen
  • die Bude durchgesaugt
  • die Bude durchgefeudelt
  • den Kleiderschrank aufgeräumt und ausgemistet
  • gekocht
  • Wäsche aufgehängt
  • Zeug, dass ich die nächsten drei Monate eher nicht brauche, eingepackt
  • eine zoologische Publikation überflogen
  • Zeug in der Drogerie eingekauft
  • ne halbe Stunde mit dem Typen von der Gewerkschaft gequatscht
  • Wein aus der Region mit niedlichem Etikett für Muddis Geburtstag besorgt
  • Zeug aus der Reinigung geholt
  • vergessen, Briefmarken zu kaufen
  • Heilerde ins Gesicht geschmiert
  • Pediküre
  • Heilerde ausm Gesicht gekratzt
  • halbe Stunde Yoga
  • mit Muddi telefoniert
  • das Lehrbuch, das ich als nächstes durchackern will, rausgesucht und demonstrativ auf den Tisch gelegt

Aber Hauptsache, ich krieg nix gebacken…

Rolltreppenliebelei

Hinter mir kommt ein Typ mit einer vollen Warenkiste die Rolltreppe hochgewetzt. Ich wuchte meinen Rucksack beiseite, damit er an mir vorbeiwetzen kann.

Ganz entspannt, sagt er und bleibt hinter mir stehen. Wochenende. Entspannen. Liebe machen.

Miteinander?, frage ich grinsend.

Er wird rot und wird vom Ende der Rolltreppe gerettet. Er wetzt davon.

Feigling.