Girl, übergeschnappt

Hätte man mich vor ein paar Tagen noch gefragt, wie es mir geht, hätte ich gesagt: „Eigentlich ganz gut. Muss man am Sommer liegen.“ Die dumpfe Schwere ist verschwunden. Das dunkelschwarze Weltempfinden.

Heute sage ich: Was ich als gut empfinde, ist eigentlich die Abwesenheit von Emotionen. Ich fühle nichts. Wobei: Nichts ist gelogen. Ich fühle Angst. Meine übliche Angst wegen dies und das und Quatsch. Und ich fühle Todesangst. Immer wieder. Aus dem Nichts. Bis ich merke: Das ist gar nicht meine Angst. Sie ist verknüpft mit sehr realen Situationen, sehr lebensbedrohlichen Situationen – nur habe ich sie gar nicht erlebt. Und dann ist sie weg und lässt mich mit dem umgedrehten Magen zurück.

Es muss die Hitze sein. Die drückende Spannung. Eine Emotionsspiegelung.

Zeit hat die Konsistenz von Grießbrei. Glibberige Raufasertapete. Intransparentes Vorbeischleimen. Mir fällt es schwer, Realität von Alptraum zu unterscheiden. Vielleicht weil meine Alpträume so real wie die Realität sind. Oder die Realität so alptraumhaft wie die Alpträume. Fließende Übergänge. Wie Grießbrei. Intransparentes Ineinanderschleimen.

Ist es ein Alptraum oder geht die Ordnung verloren? Es sind kleine Dinge, die nicht stimmen, aber sie stimmen sehr nachhaltig nicht. Kleine Dinge, die das Chaos vorhersagen. Die wie ein Barometer Richtung Apokalypse fallen. Subtil. Mit vorstürmischer Ruhe. Bin ich die Einzige, die sie bemerkt? Alle machen weiter wie bisher. Oder tun sie nur so und warten bis jemand anders zuerst zuckt? So wie ich. Die Fassade vor Angst und Todesangst.

Ich verliere den Überblick im Grießbrei, den Alpträumen und der Angst anderer. Ich finde Löcher in meiner Ellenbeuge als hätte mir jemand Blut abgenommen. Ich kann mich beim besten Willen nicht an einen Arztbesuch erinnern. Ich gehe davon aus, dass es die Katze war. Denn es gab gar keinen Anlass für einen Arztbesuch. Oder kann ich mich nur an die Alptraum-Realität nicht erinnern? Wenn ich anderer Leute Emotionen fühle, verschlampe ich dann anderer Leute Erinnerungen?

Mein Gehirn hat sich ganz offensichtlich für eine Trennung von sich selbst entschieden. Ein Teil kümmert sich um Alltag, Vertragsverhandlungen, Funktionieren. Lächeln und Winken. Der andere dreht grad völlig frei. Der ist an irgendwelche harten Drogen geraten von denen ich nichts weiß. Das könnte mir Angstgestörten eigentlich Angst machen. Aber beide Teile sind sich einig: Ist mir total egal.

Vom Schmieden von Glück

Jeder ist seines Glückes Schmied, heißt es so blöd.

Ich kann mir dabei so schön auf die Finger hauen. Und nochmal drauf. Und nochmal. Und nochmal.

Ich hab da an was gewurschtelt, was mich ein bisschen in eine Richtung bringen könnte, in die ich gerne möchte. Es hat nicht ganz so geklappt, wie ich mir das vorgestellt habe, aber fast. Und jetzt, da es langsam konkreter wird, es an die Umsetzung gehen könnte, hab ich die Hosen voll. Ich sehe nur Probleme und Gründe, es doch nicht zu tun. Und noch ein paar Probleme und überhaupt.

Ich frage mich dann: Willst du einfach alles so lassen wie es ist? Dann bleib doch an diesem Ort, an dem du gar nicht sein willst. Ist ja bequem. Bleib bei diesem Job, den du gar nicht machen willst. Ist ja bequem. Du wirst nie wieder dein Hirn benutzen müssen. Aber immer in Home Office. Das du dir aus reiner Bockigkeit erhältst. Und weil deine Chefin sich zu fein ist, mit dir zu reden. Oder was immer ihre Gründe sind.

Ich hab die Hosen voll und lauter selbst gebaute Probleme. Ich habe eine eindeutige Pro-Contra-Liste mit Übergewichten an den falschen Stellen.

Mein Hirn dreht durch und landet wie immer immer wieder bei derselben Lösung. Einfach sterben. Das wär so praktisch.

Gebt mir Stumpfsinn

Ich hab nen Sonnenbrand und den Garten schön. Also, in meinen Augen, nicht in denen meiner Nachbarn. Ich hab den Buchstapel weiter dezimiert. Ich habe festgestellt, dass die Pillen vom Doc nicht so richtig ne Wirkung haben. Sobald die Realität wieder in mein Leben scharwenzelt, ist wieder alles dunkelschwarz und mein Go-to-Gedanke ist: Wenn ich nicht sone nutzlose Memme wäre, könnte ich mich jetzt umbringen, wäre die beste Lösung. Die einzige Wirkung, die ich bemerke, ist, dass sie die Spitzen aus den Angstattacken nehmen. Also, schon immer noch Angst und Bauchweh und Herzrasen und zitternde Hände, aber halt nicht mehr ganz so doll. Und mein Gehirn findet, dass mein Körper nicht mehr angemessen auf die *hust* „Bedrohung“ reagiert (sowas irre Gefährliches wie das Beantworten einer E-Mail zum Beispiel). Und macht daraufhin Aufstand. Einfach alles wahnsinnig logisch.

Heute fing ich wieder an zu arbeiten. Ich tue so, als sei ich in den vergangenen Wochen nicht mit Gossip und Infos versorgt worden und habe mich wieder in meinem Home Office eingerichtet. Obwohl das mittlerweile wohl schon so gut wie verboten ist wegen Penisproblemen. Oder so. Auch sonst fehlt nur das Zelt für den Zirkus. Ich wollte heute nur an die 20 Mal schreien, weil alle unfassbar unprofessionell sind. Und überhaupt. Ich hab keine Zeit für den Quatsch. Und Lust eh nicht. Aber darum geht’s ja nicht. Hauptsache das Hamsterrad läuft weiter. Ich hasse die Realität.

Ich muss einfach nur den stumpfsten Job finden, bei dem ich einfach in Ruhe auf der Gartenliege arbeiten darf. Nichts leichter als das. Höhö.

In(tro)spektion

Es ist ein bisschen wie Sommerferien. Ich liege in der Sonne und lese – ich lese mehr Bücher durch, als ich neu kaufe, was selten und eigentlich nur in den Sommerferien vorkommt. Ich bemerke ein bisschen erwachende Libido und bin reichlich überrascht, aber auch reichlich pessimistisch, was ihre Befriedigung angeht. Ich radle durchs Flachland zum Eisessen. Ich mag die Aussicht auf das Dorf in der Pampa. Ich bin ein bisschen überrascht, wie wohl ich mich da hinten, drei Straßen hinter der Kirche fühle. Fast ein bisschen zu Hause, auch wenn ich keinerlei Pläne habe, langfristig hier zu bleiben.

Für das heimlige Gefühl sorgt unter anderem, dass ich mich zum ersten Mal irgendwo richtig eingerichtet habe und sogar ein Bild an die Wand gehängt habe (!) und durchgelesene Bücher nicht zu den Eltern trage und im Kinderzimmer-Regal einsortiere, sondern hier ins Regal stelle. Für das heimlige Gefühl sorgt unter anderem der Garten, in dem ich Muttis Gartentricks anwende, Vögel – also das Katzenfutter – füttere, Essbares züchte und sogar Unkraut zupfe (!). Das ist enorm meditativ. Für das heimlige Gefühl sorgt unter anderem, dass meine Kellerwohnung nach hinten rausgeht und ich von der Welt maximal durch ihre Gärten schleichende Nachbarn mitbekomme. Und kreischende Kinder dieser Tage. Für das heimlige Gefühl sorgt vor allem die Katze, die nicht nur die Wohnung, in der sie mir gnädigerweise ein paar Quadratzentimeter Bett überlässt, eingenommen hat, sondern auch meinen und alle umliegenden Gärten bis zum Spielplatz hinten, auf dem sie sich spätabends gern rumtreibt. Heimlich rauchen mit den Jungs? Jedenfalls riecht ihr Fell oft nach Rauch, wenn sie nach Hause kommt, aber ich glaube, das liegt eher an den Boomen, die mit ihren Kaminen für exzellente Dorfluftqualität sorgen. Sie findets geil hier.

Ich habe jeden Tag ein bisschen Angstattacken, vor allem, wenn meine Gedanken Richtung Arbeit wabern, auf die ich mit jedem Tag, den ich verlese, weniger Lust habe. Die Tabletten gegen die Angst liegen unberührt in der Küche. Sie sollen meinem Gehirn erklären, wie das funktioniert bei Leuten, die nicht dauernd Angst haben und die Welt dunkelschwarz finden (offenbar ein Normalzustand, was ich für ein Gerücht halte), und das macht mir Angst. Ich mag nicht, dass Tabletten in meinem Gehirn rumbohren, weil ich die andere Seite nicht kenne. Ich finde die Welt schon mindestens seit dem Kindergarten dunkelschwarz und diffus gruselig. The devil you know und so. Ich habe Angst, dass die Tabletten was mit meiner Kreativität machen, denn diese entspringt meiner Düsternis. Keine griechische Tragödie ohne Tragödie, kein Galgenhumor ohne Galgen. Rational weiß ich, dass das alles Blödquatsch ist wie praktisch alle meine Ängste, aber das wäre ja mal was ganz Neues, dass rationales Denken mein Handeln anleitet. Als ob meine Kreativität jemals produktiv gewesen wäre. Dann müsste ich vielleicht nicht diesen ollen Brotjob machen, der mir Angst macht und mich in einen dissoziativ gestörten Roboter verwandelt.

Ich muss jetzt entscheiden, welches Buch ich als nächstes lese. Wörter in mein Hirn füllen. Damit es mehr Wörter hat, auf denen es rumkamen kann. Das befriedigt mich.

UG

Ich mag ja nicht sagen, dass ich an einem Tiefpunkt angekommen bin. Denn man weiß ja nie was noch kommt. Aber es ist schon ganz schön weit unten.

Es gab Zeiten, in denen es mir enorm schlecht ging und ich mich fragte, wie es weiter gehen soll.

Mittlerweile habe ich Angst davor, dass es weitergeht.

Glas ganz leer

… und zur Not schütte ich es halt aus!

Da müht man sich, Dinge zu ändern, damit es besser werden kann. Doch kaum hat man ein Problem gelöst, tauchen drei neue auf. Hydra ist ne Bitch!

Probleme machen mich obsessiv. MUSS.LÖSEN! Nicht immer liegt es in meiner Hand. Nicht immer liegt es in meinen Möglichkeiten.

Im Moment habe ich drölfzigerlei Probleme. Einige davon muss ich sehr akut lösen. Auch wenn es nicht nur bei mir liegt. Führt trotzdem kein Weg vorbei. Mir gehen die Ideen aus. Mir geht die Kraft aus.

Ich habe lange nicht mehr durchgeschlafen. Mich hält das Wummern meines Herzens wach, das Singen des Blutes in meinen Ohren, das Zittern, der Schwindel, der Kopfschmerz, die Angst.

Der Arzt verschreibt die rosarote Pille. Die – skandalös! – gar nicht rosarot, sondern himmelblau ist.

Vielleicht auch ein emanzipatorischer Fortschritt in der Pillologie…

Dass ich zum Arzt gehe, bedeutet schon Einiges. Grade, wenn es um meinen Kopf geht. Im Grunde habe ich das noch nie gemacht. Sowas gestehe ich mir nicht zu. Aber das Zahnfleisch auf dem ich gehe, zeigt deutliche Abnutzungserscheinungen. Und irgendwie habe ich mir nen Easy Fix versprochen. Kleine Spritze, blauer Traum, Patient geheilt. Als ob ich es nicht besser wüsste.

Nun sitz ich da mit der hellblauen rosaroten Pille, die ich eigentlich gar nicht haben wollte. Weil ich Angst habe, was sie mit mir macht. Weil ich mich nur mit Depressionen kenne. Seit 20 Jahren. Mindestens. Mal mehr, mal weniger. Weil die Düsternis zu mir gehört. Weil sie auch eine treibende Kraft war, bevor mir das Ruder so entglitten ist. Weil sie eine Bremse sein kann, wo ich bei anderen Leichtsinn unterstelle. Weil sie mein Denken und mein Schaffen bestimmt.

Jetzt ist mir das Ruder entglitten. Einfach weiter treiben lassen ist keine Option. Und dann flötet die Packungsbeilage etwas davon, dass die Symptome, gegen die sie rosarot-hellblaue Pille helfen soll, erst mal schlimmer werden können. Können. Zwei Wochen lang.

Das macht mir wirklich Angst. Dafür habe ich keine Kraft mehr. Und auch keine Zeit.

Da muss ich ein bisschen lachen, als ich den Teil mit den verstärkten Selbstmordgedanken und -tendenzen lese. Nichts, was mir fremd wäre. Und wenn das zwei Wochen lang noch schlimmer wird, ist das wirklich die attraktivere Option.

Ich weiß jetzt auch nicht, was ich mit der hellblauen rosaroten Pille mache…

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Biete: Auto Schrottkarre
Suche: Chauffeur Jemanden, der mich erschießt

Da bin ich nun auf meiner absolut unerfolgreichen Suche nach einer Wohnung fürs Katzi und mich im Umfeld einer Großstadt (ich bleib einfach in der Provinz, leckt mich doch am Arsch!) quasi umsonst und fürn Arsch Hunderte von Kilometern durch die Gegend gegurkt, Stresspegel wegen der Gesamtsituation (Umzug, Jobwechsel, keine Wohnung in Sicht, Freundin totsterbenskrank, die ganze Katzensituation – meine Katze umziehen, dann irgendwann ihre Katzen umziehen – Reifenplatzerpanik) über Nordseedeichniveau, Lkw-Reifen-Teil-Puzzle-Dusche, Auto klingt wie Panzer.

Moarch. Ich kann nicht mit einem Auto rumfahren (und meine Katze umziehen!), das ein ungeklärtes Problem hat (oder eine Fahrerin mit paranoiden Autogeräuschen), also fahre ich das Auto in die Werkstatt und mir war schon klar, dass die, wenn da ein Meeeedchen kommt und sagt: „Da is was mitn Auto, was weiß ich“, lauter lustige und sicher auch frei erfundene Sachen finden, die man schön abrechnen kann. Der Kostenvoranschlag über 1200 Euro (treffende Ferndiagnose meines Bruders: „Der Blei-zu-Gold-Wandler wurde getroffen!“) hat mich dann trotzdem über die berühmte Ecke gekickt. Kompletter Kontrollverlust und stundenlanges Geheule. Nicht wegen des Autos. Auch nicht wegen der Knete. Wegen der Gesamtsituation. Und weil es die Lösung des Problemstapels in keiner Weise vereinfacht, wenn ich mein Auto erstmal nicht benutzen kann. Denn auch wenn gewisse Posten unter „Bullshit und Gedöns“ verbucht werden können: Gemacht werden muss was (hat in ner anderen Werkstatt). Noch mal 1000 Kilometer kann ich das nicht so lassen.

Ich bin total überfordert und ich will das alles nicht. Ich kann grad einfach nicht mehr. Ich nehm jetzt einmal „Zitternd in der Ecke„.

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Biete: Auto
Suche: Chauffeur

Da hab ich also heute mal wieder Hunderte Kilometer auf der Autobahn abgerissen und die Reifenplatzer-Panik hat mich mehrere Jahre Lebenszeit gekostet. Und damit ich mich auch wirklich ja nicht entspanne, brennt ein Lkw vor mir seinen Reifen durch und gönnt meinem Auto eine Dusche aus einem 10.000-Teile-Gummistückchen-Puzzle.

Ich – mittlerweile ja schon trainierter Profi – konnte mein Auto also mal wieder an der Autobahn parken. Gewohnt souverän. Sogar das Kennzeichen des Aufliegers hab ich mir gemerkt – und ich weiß nicht mal mein eigenes. Adrenalin, du Wunderding. Hab erst angefangen zu bibbern, als der Motor aus war.

Weder mir noch dem Auto ist was passiert (zumindest hab ich nichts entdeckt). Aber ich und Autobahnen und Reifen… Ich möchte das nicht mehr!

Ich musste noch 150 Kilometer fahren. Und morgen noch mal 250. Und dann hab ich bald einen Umzug über 500 Kilometer vor mir. Ich möchte das nicht.

Good grief

Es hat sich irgendwann verselbstständigt. Der geplatzte Reifen im April zog Panikattacken beim Autofahren nach sich. Windstoß, Unebenheit auf der Straße, zack, Herzrasen, Schweißausbruch, Atemnot. Lieber nicht irgendwohin fahren. Nicht so weit. Ganz sicher nicht auf der Autobahn.

Die Panikattacken schlichen sich ganz hinterhältig in den Alltag. Angstzustände mit Magengrimmen, heftigem Herzklopfen. Mit einem Auslöser, den ich nicht mehr greifen kann, sobald es angefangen hat. Aber der Gewissheit: Es war ein sehr realer, sehr realistischer Gedanke. Nichts Neues für mich eigentlich. Neu ist nur die Frequenz. Beklommenheit wegen Allem. Schlimme Verzweiflung wegen Allem und Nichts, total ungreifbar. Panikattacken, die mich zitternd ans Bett nageln, unfähig mich zu bewegen, das einzige, was mich bewegt, ist mein wild schlagendes Herz. Sauerstoff kann es aber nicht verteilen, denn Luft bekomme ich keine. Zwischendurch die Angst vor der nächsten Panikattacke.

Klarer Trigger: die Katze. Sie ist das beste Antidepressivum, das man sich vorstellen kann. Sie ist weich und süß und wild und lustig und fröhlich und kuschelig. Aber sie hat schlimme Nebenwirkungen. Sobald sie rausgeht, werde ich unruhig, ich alter Suchti. Ist sie länger als eine Stunde weg und kommt nicht, wenn ich sie rufe – verhält sie sich also wie eine ganz normale Katze -, kann man mich vergessen. Man kann sich ausrechnen, wie es mir nach 12 oder gar 24 Stunden feliner Abwesenheit geht. Das einzige Mittel, das die Panikattacke beendet: Auftauchen der Katze. Wirkt sofort.

Ich komme mir jedes Mal angemessen bescheuert vor. Mir sind wahrlich schlimmere Dinge im Leben passiert als ne Reifenpanne, bei der nix passiert ist und eine Katze, die sich verhält wie eine Katze.

Ich habe lange darüber nachgedacht, warum ich wegen solcher Banalitäten so durchdrehe. Und ich glaube, dahinter gekommen zu sein: Kontrolle. Ich werfe gerne anderen Kontrollwahn vor, aber eigentlich bin ich da am schlimmsten. Ich muss immer alles im Blick haben, am besten alles selber machen, immer wenigstens irgendwas machen. Deswegen verbeiße ich mich so in die Arbeit. Und werde so stinkig, wenn mir jemand wie Fetti dazwischenfunkt. Deswegen habe ich so Dinge durchgestanden wie: Mein Vater macht jeden Tag besoffen irgendeinen anderen Scheiß, meine Mutter dreht deswegen durch und legt sich im Pillenkoma ins Bett, mein Vater zündet irgendwann das Haus an und ich bin halt der Konfliktpuffer, Muddipfleger, Pferdepfleger, Gärtner, die Putzfrau und weiß nicht was und mach halt nebenher noch Abi und Führerschein und was man sonst so macht mit 18. Eben einfach Zeug machen. Kontrolle über Dinge behalten.

Was ich damals gelernt habe: Alles geht irgendwann vorbei. Egal wie scheiße ich mich grad fühle, egal wie wenig ich mir vorstellen kann, wie ein Danach aussehen könnte: Es wird ein Danach geben. Und das wird sich nicht mehr scheiße anfühlen. Das hat mir schon durch die ein oder andere schlimme Zeit geholfen.

Das Problem ist: Ich kann weder mein Auto noch meine sich wie eine normale Katze verhaltende Katze kontrollieren. Und gerade in Sachen Katze hoffe ich auf ein Danach in frühestens 15 Jahren.

Vielleicht sollte ich es doch mal mit Alkohol probieren…

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Älter als ich je werden wollte und komplett desillusioniert. Allgemeines Meh. Allgemeine Niedergeschlagenheit. Und allgemeine Hoffnungsosigkeit.

So meh wie selten, ohne wirklich einen Grund ausmachen zu können. Außer das generelles Meh um Job, Wohnsituation, Helikopterkatzenmuttiangst und was will ich eigentlich, jedenfalls nicht das hier.

Darauf also Schnaps und Prost.