UG

Ich mag ja nicht sagen, dass ich an einem Tiefpunkt angekommen bin. Denn man weiß ja nie was noch kommt. Aber es ist schon ganz schön weit unten.

Es gab Zeiten, in denen es mir enorm schlecht ging und ich mich fragte, wie es weiter gehen soll.

Mittlerweile habe ich Angst davor, dass es weitergeht.

Glas ganz leer

… und zur Not schütte ich es halt aus!

Da müht man sich, Dinge zu ändern, damit es besser werden kann. Doch kaum hat man ein Problem gelöst, tauchen drei neue auf. Hydra ist ne Bitch!

Probleme machen mich obsessiv. MUSS.LÖSEN! Nicht immer liegt es in meiner Hand. Nicht immer liegt es in meinen Möglichkeiten.

Im Moment habe ich drölfzigerlei Probleme. Einige davon muss ich sehr akut lösen. Auch wenn es nicht nur bei mir liegt. Führt trotzdem kein Weg vorbei. Mir gehen die Ideen aus. Mir geht die Kraft aus.

Ich habe lange nicht mehr durchgeschlafen. Mich hält das Wummern meines Herzens wach, das Singen des Blutes in meinen Ohren, das Zittern, der Schwindel, der Kopfschmerz, die Angst.

Der Arzt verschreibt die rosarote Pille. Die – skandalös! – gar nicht rosarot, sondern himmelblau ist.

Vielleicht auch ein emanzipatorischer Fortschritt in der Pillologie…

Dass ich zum Arzt gehe, bedeutet schon Einiges. Grade, wenn es um meinen Kopf geht. Im Grunde habe ich das noch nie gemacht. Sowas gestehe ich mir nicht zu. Aber das Zahnfleisch auf dem ich gehe, zeigt deutliche Abnutzungserscheinungen. Und irgendwie habe ich mir nen Easy Fix versprochen. Kleine Spritze, blauer Traum, Patient geheilt. Als ob ich es nicht besser wüsste.

Nun sitz ich da mit der hellblauen rosaroten Pille, die ich eigentlich gar nicht haben wollte. Weil ich Angst habe, was sie mit mir macht. Weil ich mich nur mit Depressionen kenne. Seit 20 Jahren. Mindestens. Mal mehr, mal weniger. Weil die Düsternis zu mir gehört. Weil sie auch eine treibende Kraft war, bevor mir das Ruder so entglitten ist. Weil sie eine Bremse sein kann, wo ich bei anderen Leichtsinn unterstelle. Weil sie mein Denken und mein Schaffen bestimmt.

Jetzt ist mir das Ruder entglitten. Einfach weiter treiben lassen ist keine Option. Und dann flötet die Packungsbeilage etwas davon, dass die Symptome, gegen die sie rosarot-hellblaue Pille helfen soll, erst mal schlimmer werden können. Können. Zwei Wochen lang.

Das macht mir wirklich Angst. Dafür habe ich keine Kraft mehr. Und auch keine Zeit.

Da muss ich ein bisschen lachen, als ich den Teil mit den verstärkten Selbstmordgedanken und -tendenzen lese. Nichts, was mir fremd wäre. Und wenn das zwei Wochen lang noch schlimmer wird, ist das wirklich die attraktivere Option.

Ich weiß jetzt auch nicht, was ich mit der hellblauen rosaroten Pille mache…

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Biete: Auto Schrottkarre
Suche: Chauffeur Jemanden, der mich erschießt

Da bin ich nun auf meiner absolut unerfolgreichen Suche nach einer Wohnung fürs Katzi und mich im Umfeld einer Großstadt (ich bleib einfach in der Provinz, leckt mich doch am Arsch!) quasi umsonst und fürn Arsch Hunderte von Kilometern durch die Gegend gegurkt, Stresspegel wegen der Gesamtsituation (Umzug, Jobwechsel, keine Wohnung in Sicht, Freundin totsterbenskrank, die ganze Katzensituation – meine Katze umziehen, dann irgendwann ihre Katzen umziehen – Reifenplatzerpanik) über Nordseedeichniveau, Lkw-Reifen-Teil-Puzzle-Dusche, Auto klingt wie Panzer.

Moarch. Ich kann nicht mit einem Auto rumfahren (und meine Katze umziehen!), das ein ungeklärtes Problem hat (oder eine Fahrerin mit paranoiden Autogeräuschen), also fahre ich das Auto in die Werkstatt und mir war schon klar, dass die, wenn da ein Meeeedchen kommt und sagt: „Da is was mitn Auto, was weiß ich“, lauter lustige und sicher auch frei erfundene Sachen finden, die man schön abrechnen kann. Der Kostenvoranschlag über 1200 Euro (treffende Ferndiagnose meines Bruders: „Der Blei-zu-Gold-Wandler wurde getroffen!“) hat mich dann trotzdem über die berühmte Ecke gekickt. Kompletter Kontrollverlust und stundenlanges Geheule. Nicht wegen des Autos. Auch nicht wegen der Knete. Wegen der Gesamtsituation. Und weil es die Lösung des Problemstapels in keiner Weise vereinfacht, wenn ich mein Auto erstmal nicht benutzen kann. Denn auch wenn gewisse Posten unter „Bullshit und Gedöns“ verbucht werden können: Gemacht werden muss was (hat in ner anderen Werkstatt). Noch mal 1000 Kilometer kann ich das nicht so lassen.

Ich bin total überfordert und ich will das alles nicht. Ich kann grad einfach nicht mehr. Ich nehm jetzt einmal „Zitternd in der Ecke„.

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Biete: Auto
Suche: Chauffeur

Da hab ich also heute mal wieder Hunderte Kilometer auf der Autobahn abgerissen und die Reifenplatzer-Panik hat mich mehrere Jahre Lebenszeit gekostet. Und damit ich mich auch wirklich ja nicht entspanne, brennt ein Lkw vor mir seinen Reifen durch und gönnt meinem Auto eine Dusche aus einem 10.000-Teile-Gummistückchen-Puzzle.

Ich – mittlerweile ja schon trainierter Profi – konnte mein Auto also mal wieder an der Autobahn parken. Gewohnt souverän. Sogar das Kennzeichen des Aufliegers hab ich mir gemerkt – und ich weiß nicht mal mein eigenes. Adrenalin, du Wunderding. Hab erst angefangen zu bibbern, als der Motor aus war.

Weder mir noch dem Auto ist was passiert (zumindest hab ich nichts entdeckt). Aber ich und Autobahnen und Reifen… Ich möchte das nicht mehr!

Ich musste noch 150 Kilometer fahren. Und morgen noch mal 250. Und dann hab ich bald einen Umzug über 500 Kilometer vor mir. Ich möchte das nicht.

Good grief

Es hat sich irgendwann verselbstständigt. Der geplatzte Reifen im April zog Panikattacken beim Autofahren nach sich. Windstoß, Unebenheit auf der Straße, zack, Herzrasen, Schweißausbruch, Atemnot. Lieber nicht irgendwohin fahren. Nicht so weit. Ganz sicher nicht auf der Autobahn.

Die Panikattacken schlichen sich ganz hinterhältig in den Alltag. Angstzustände mit Magengrimmen, heftigem Herzklopfen. Mit einem Auslöser, den ich nicht mehr greifen kann, sobald es angefangen hat. Aber der Gewissheit: Es war ein sehr realer, sehr realistischer Gedanke. Nichts Neues für mich eigentlich. Neu ist nur die Frequenz. Beklommenheit wegen Allem. Schlimme Verzweiflung wegen Allem und Nichts, total ungreifbar. Panikattacken, die mich zitternd ans Bett nageln, unfähig mich zu bewegen, das einzige, was mich bewegt, ist mein wild schlagendes Herz. Sauerstoff kann es aber nicht verteilen, denn Luft bekomme ich keine. Zwischendurch die Angst vor der nächsten Panikattacke.

Klarer Trigger: die Katze. Sie ist das beste Antidepressivum, das man sich vorstellen kann. Sie ist weich und süß und wild und lustig und fröhlich und kuschelig. Aber sie hat schlimme Nebenwirkungen. Sobald sie rausgeht, werde ich unruhig, ich alter Suchti. Ist sie länger als eine Stunde weg und kommt nicht, wenn ich sie rufe – verhält sie sich also wie eine ganz normale Katze -, kann man mich vergessen. Man kann sich ausrechnen, wie es mir nach 12 oder gar 24 Stunden feliner Abwesenheit geht. Das einzige Mittel, das die Panikattacke beendet: Auftauchen der Katze. Wirkt sofort.

Ich komme mir jedes Mal angemessen bescheuert vor. Mir sind wahrlich schlimmere Dinge im Leben passiert als ne Reifenpanne, bei der nix passiert ist und eine Katze, die sich verhält wie eine Katze.

Ich habe lange darüber nachgedacht, warum ich wegen solcher Banalitäten so durchdrehe. Und ich glaube, dahinter gekommen zu sein: Kontrolle. Ich werfe gerne anderen Kontrollwahn vor, aber eigentlich bin ich da am schlimmsten. Ich muss immer alles im Blick haben, am besten alles selber machen, immer wenigstens irgendwas machen. Deswegen verbeiße ich mich so in die Arbeit. Und werde so stinkig, wenn mir jemand wie Fetti dazwischenfunkt. Deswegen habe ich so Dinge durchgestanden wie: Mein Vater macht jeden Tag besoffen irgendeinen anderen Scheiß, meine Mutter dreht deswegen durch und legt sich im Pillenkoma ins Bett, mein Vater zündet irgendwann das Haus an und ich bin halt der Konfliktpuffer, Muddipfleger, Pferdepfleger, Gärtner, die Putzfrau und weiß nicht was und mach halt nebenher noch Abi und Führerschein und was man sonst so macht mit 18. Eben einfach Zeug machen. Kontrolle über Dinge behalten.

Was ich damals gelernt habe: Alles geht irgendwann vorbei. Egal wie scheiße ich mich grad fühle, egal wie wenig ich mir vorstellen kann, wie ein Danach aussehen könnte: Es wird ein Danach geben. Und das wird sich nicht mehr scheiße anfühlen. Das hat mir schon durch die ein oder andere schlimme Zeit geholfen.

Das Problem ist: Ich kann weder mein Auto noch meine sich wie eine normale Katze verhaltende Katze kontrollieren. Und gerade in Sachen Katze hoffe ich auf ein Danach in frühestens 15 Jahren.

Vielleicht sollte ich es doch mal mit Alkohol probieren…

33

Älter als ich je werden wollte und komplett desillusioniert. Allgemeines Meh. Allgemeine Niedergeschlagenheit. Und allgemeine Hoffnungsosigkeit.

So meh wie selten, ohne wirklich einen Grund ausmachen zu können. Außer das generelles Meh um Job, Wohnsituation, Helikopterkatzenmuttiangst und was will ich eigentlich, jedenfalls nicht das hier.

Darauf also Schnaps und Prost.

Wurmloch

Es fing an mit einem leisen Selbstzweifel. Weiß nicht mal mehr warum.

Dann die komplette Überforderung. Totalversagen. Vollständige Blockade. Und die Frage, was ich hier eigentlich mache. Wozu das alles? Und dann mach ich das ja auch noch alles falsch.

Versagerin auf der ganzen Linie. Nix erreicht. Auf dem Weg nach Nirgendwo.

Ganz viel Wut und Frust. Wegen mir und anderen.

Und plötzlich Angst. Wovor, warum? Keine Ahnung.

Aber es reicht, um mir den Magen zusammenzuschnüren und den Schlaf zu rauben…

Zitternd in der Ecke

Michael kommentierte neulich unter meinem Bauchschmerzen-Post: „Wenn ich diese großen Veränderungen angehen müsste, läge ich wahrscheinlich zitternd in der Ecke.“

Der Satz ist mir nicht aus dem Kopf gegangen. Denn er drückt aus, was ich gern täte. Mich einfach zitternd in die Ecke legen und hoffen, dass sich einfach alles von alleine regelt.

Innerlich zittere ich wie Espenlaub. Mir ist schlecht und schwindlig und in meinem Kopf ist Watte. Wenn mir jemand eine einfach Frage zum Thema Umzug und neuem Job stellt, keife ich ganz aggressiv: „Weiß ich doch nicht!“ Weil die Watte in meinem Kopf überfordert ist.

Wäre das schön in der Ecke, wenn ich mich zitternd um nix kümmern müsste. Aber wann immer ich mich zum Zittern hinlege, fällt mir ein, was passierte, wenn ich mich um nichts kümmerte. Und die Angst davor ist noch größer als die Angst vor dem, was ich eben angehen muss. Denn es regelt sich nichts von allein.

Ich hoffe wirklich, dass es bald ausgestanden ist. Sonst gibt das noch nen Kurzschluss hier.

Was noch kommt.

Ein neuer Job mit mehr Geld und (hoffentlich) weniger Arbeitsstunden, ne neue Wohnung mit mehr Platz und Balkon… Nach zwei Jahren, in denen alles erst scheiße und dann beschissen war, wendet sich auf einmal vieles. Zum Guten? Ich mag einfach nicht dran glauben. Warum sollte der ganze Wahnsinn einfach so zu Ende sein? Bestimmt wird der Job scheiße, oder ich fliege schon in der Probezeit raus. Die Nachbarn sind furchtbar, die Bundesstraße doch lauter als gedacht.

Optimismus liegt mir nicht.

Out of the blue

No. 3 ruft an. Klagt sein Leid über seine klettige Freundin, seine Masterarbeit (Kind, bist du denn immer noch nich fertig mit der Uni?), seine Zukunftsängste.

Und ich heule mich bei ihm aus. Im wahrsten Sinne des Wortes. Schluchzend berichte ich ihm von meinem Frust, geplatzten Hoffnungen, Zukunftsängsten, Orientierungslosigkeit, der Sorge um die Erbsenprinzessin, der Angst vor dem Ende des Urlaubs, vor der Rückkehr in die Stadt, zum dauerverspannten Nacken, den schlaflosen Nächten (entweder wegen Helene oder aus Angst vor Helene).

Er stellt fest, dass er es seltsam findet, dass er ausgerechnet mir so viel anvertraut. Dinge, die er anderen nicht erzählt. Gut seltsam.

Geht mir irgendwie genauso. Warum ausgerechnet der Penner?

Es muss an der Hitze liegen. Jedes Jahr im Sommer, wenn die Sonne uns das Hirn verbrannt hat, scheinen wir aneinander zu denken. Und ich bin jedes Mal wieder ein bisschen verknallt.

Zeit für Herbst!!!