Troll dich!

Der Arbeitsgatte und ich haben uns in den letzten Wochen wenig gesehen. Erst hatte ich Urlaub, dann hatte er Urlaub, dann habe ich Wochenenddienste abgebummelt…

Jedenfalls sind wir nun wieder vereint und er ist… anhänglich! Gibt mir Kaffee aus, füttert (!) mich mit Kuchen (nicht etwa: stellt mir Kuchen hin, sondern schiebt mir die Gabel – seine Gabel – in die Fresse), nötigt mich, seinen Bart zu flauschen, schreibt mir liebevolle Nachrichten und eigentlich grabbeln wir ständig aneinander rum.

Und er hat ständig sowas parat wie: Ficken? … Da träumste von, was?

Mein Hase, nein, ich träume nicht davon. Aber prinzipiell hätte ich nix gegen ficken. Aber dann mach halt auch! Trau dich einfach, ziehs durch! Aber wenn dus doch nicht ernst meinst, verzieh dich einfach!

So eine Energieverschwendung.

Grmpf.

(Mal ganz abgesehen davon, dass ich gerade wirklich schlimm doll untervögelt bin. Das ist einfach seelische Grausamkeit!)

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Lebe deinen Hass

Meine Muddi und ich kotzen eine Stunde lang über unsere jeweiligen Chefs ab.

Wenn wir nen Euro kriegen würden, für jedes My, das wir uns ärgern, sage ich. Das können wir ja immer so besonders gut.

Ich höre die Dollarzeichen in ihren Augen klingeln.

Was wir da für Energie freisetzen, sinniere ich laut. Was für eine Verschwendung. Damit könnte man mehrere Fußballstadien ausleuchten…

Und dann überlegen wir, was wir für nen Job machen könnten, bei dem wir den lieben langen Tag abhassen könnten. Möglichst an der frischen Luft.

Ideen, anyone?

Liebes-Gesprächsfetzen Schleimer-Edition

Wie heißt eigentlich die neue Volontärin, fragt der Volontär. Ich hab mich noch gar nicht vorgestellt.

L., glaube ich, sage ich. Ich hab mich auch nicht vorgestellt. Möglicherweise weiß sie noch gar nicht, wie ich eigentlich heiße.

Na, DAS weiß sie besser!, sagt er streng.

Wieso das denn?, frage ich.

Na! Du bist hier die… – man sieht, wie er in Gedanken die Finger abzählt – … die ungefähr drittrelevanteste Person!

Wa?

Jetzt nimmt er wirklich die Finger: Na, die relevanteste Person ist Frau S. (die oberste Sekretärin). Wenn die mal nicht mehr hier is, können wir den Laden dicht machen. Dann wird das hier abgewickelt und wir tun so, als wär das alles nie passiert! (Wo er Recht hat…) Die zweitrelevanteste ist die IT. (Jaaa, naja. Ja.) Und dann kommst schon du. Na, und n bisschen der M.

Mein Lieblingsvolontär! ❤

Zeitschleife

Ich sitze bei der Arbeit und ärgere mich die Pest über meinen Vorgesetzten. Ich verdrücke ein paar Wuttränen. Ich möchte würgen und treten. Ich überlege verzweifelt, wie ich aus dieser bekloppten Nummer wieder rauskomme.

Und oh weh, es ist wie beim letzten Job.

Suche: Tätigkeit OHNE MENSCHEN! Wirklich KEINE MENSCHEN. Ort egal. Vorzugsweise am Meer. Großraum Hamburg geht auch.

Kann: Muffen. Knurren. Beißen.

Kann nicht: MIT MENSCHEN!

Goldig

Der Arbeitsgatte findet, es sollte mir peinlich sein, dass ich dauernd mit dem Nerd „rumschäkere“.

Der Nerd macht sich gar nicht mehr die Mühe, seine Versuche als Scherz zu tarnen. Er macht ganz klar: Er will ficken! (Wobei ich sehen möchte, wie er reagiert, wenn ich sage, alles klar, fick! Ob er sich dann noch traut…)

Weil mir der Arbeitsgatte immer noch sympathischer ist, benutze ich ihn nach 1000 Tagen früh aufstehen als Kopfkissen. Dem Nerd zerfällt komplett das Gesicht. Der Arbeitsgatte riecht gut und ich bewege meinen Kopf keinen Millimeter von ihm runter. Er reicht mir Kaffee. (Wirklich ausgezeichnetes Arbeitsgattenmaterial!) Der Nerd wird unruhig.

Und markiert dann den ganzen Tag mit eindeutigen Bemerkungen sein Revier. Und irgendwann ranzt der Arbeitsgatte ihn an.

Ich hab stundenlang gelacht. Und jetzt muss ich mal ein Machtwort sprechen!

Rhetorikseminar für Gespräche mitm Chef Teil 1

Mein Chef nimmt in der Diskussion gerne Positionen des „gemeinen Bürgers“ ein, wegen der Lesernähe und so. Dumm nur, dass das alles nur in seinem Kopf stattfindet und er eigentlich keine Ahnung hat, was der „gemeine Leser“ so denkt.
Besonders gerne nimmt er die Position des allseits unbeliebten „besorgten Bürgers“ ein, um uns alle zu provozieren, uns dabei zuzugucken wie wir ausrasten und dann grinsend zu sagen: „Schreiben Sie das auf!“

Heute hat er sich als Ossi versucht. Nun stammt der Mann aus NRW und ist damit so Wessi wie geht. „Wir Ossis…“, setzt er zu einer eindeutig länger zu werden drohenden Rede zu uns vier anderen Wessis in der Runde an und ich unterbreche sofort: „Wir Ossis?!? Ja klar, SIE alter Ossi, natürlich!“

„Frau Fragezeichen, diskriminieren Sie mich gerade wegen meiner Herkunft?“, poltert er. „Haben Sie sonst noch etwas an mir auszusetzen, meine Hautfarbe vielleicht?“

„Naja, Sie sind ein alter, weißer Mann, Sie sind praktisch das Feindbild per se.“ Ich weiß schließlich auch, wie ich ihn maximal provozieren kann.

„Aha!“, mault er. „Sonst noch was? Mein Geschlecht vielleicht?“

„Hab ich doch grad gesagt, Sie sind ein alter, weißer Mann.“

Er steht auf und rennt aufgescheucht rum. „Möchten Sie vielleicht auch noch meine – vermutete – politische Überzeugung kritisieren?“

„Hab ich doch grad gesagt, Sie sind ein alter, weißer Mann.“ Ich muss das Kichern so sehr unterdrücken wie alle meine Kollegen.

Der alte, nicht mehr weiße, sondern Bluthochdruck-rote Mann hat Schnappatmung. Dann geht er dramatisch ab.

Und wir werden nie erfahren, was das nun mit „uns Ossis“ auf sich hat.

Das Wettbüro ist geöffnet

Habe einem Kollegen in der Küche geschildert, dass ich mal sehr happy war mit dem Job und jetzt nicht mehr – im Beisein des Printleiters, der gerade im Kühlschrank rumwühlte.

Es dürfen Wetten abgeschlossen werden, ob mich die Chefredaktion in den kommenden Tagen zum Gespräch bittet.

Und wenn nicht ist auch alles klar…