Kleine Sünden

… bestraft der liebe Gott sofort, große dauern etwas länger. Meine war offensichtlich so mittel.

Ich war unartig. Ich habe die Corontäne verlassen für Sex, Sonne, mein Pony, Fohlen, flauschige Hunde, Familie, Frühling. Alles, was Freude macht eben.

Ich wollte mich gerade wieder in die Corontäne zurück begeben, war ein paar Kilometer auf der Autobahn, keine Geschwindigkeitsbegrenzung, linke Spur, was kost die Welt – ihr kennt das – als mein rechter Vorderreifen beschloss, es sei Zeit für das:2FB9F932-7F28-4D3D-A738-CD0866EA5916
Ich sag euch, bei einer Zombie-Apokalypse wollt ihr mich dabei haben, denn wie ich mal wieder feststellte: Wenn ich eins kann, dann ist das Funktionieren, wenn die Hölle losbricht. Ich stellte mein dreibeiniges Auto in einem eleganten Bogen auf den Standstreifen, als hätte ich nie etwas anderes getan.

Dann war das Adrenalin offensichtlich alle. Für Sie getestet: Es gibt mindestens vier Arten, sich eine Warnweste falsch anzuziehen.

So viel übrigens zu den selbsterfüllenden Prophezeiungen: Letzte Woche sag ich noch: Das wär schon kacke, wenn mir das Auto abkackt, dann steh ich da mitten in der Pampa an der Autobahn und bin am Arsch. In einer Gegend, in der man gar nicht so streng sein muss mit der Corontäne, weil bis man wieder jemandem begegnet, hat man das auskuriert.

Und der Arbeitsgatte und Automann sagt noch letzte Woche, ich soll mal meine antiken Reifen austauschen und ich machte schöne Augen und versprach belgische Waffeln mit madagassischer Vanille und er wollte das diese Woche machen, aber ich musste ja… Sex, Sonne, mein Pony, Fohlen, flauschige Hunde, Familie, Frühling.

Kleine bis mittelgroße Sünden…

Ich habe diese Woche wirklich alle vorstellbaren Gefühle durch. ALLE! Und wenn ich noch was kann, dann: Meine Gefühle nicht zeigen. Aber jetzt zittere ich dermaßen, dass ich morgens um 2 blogge, weil ich so nicht schlafen kann. Und wenn ich daran denke, dass ich in wenigen Stunden einen neuen Versuch starten muss, mich und mein Auto zur Katze zurück zu fahren, möchte ich kotzen.

In diesem Sinne: Ich prophezeie: Alles wird gut!

Das Auto 2

Nachdem es monatelang ohne Knistern abging, werden der Arbeitsgatte und ich wieder kuschlig. Der jüngste Höhepunkt: Mitten im Supermarkt wurde ich plötzlich doller als nötig und länger als nötig und aus welchem Grund eigentlich? feste umarmt.

Abends dann der Anruf: Wann soll ich dich abholen?
???
Na, damit ich dich zu deinem Auto fahren kann.

Ich hatte mich eigentlich schon auf den Fußmarsch eingestellt, aber bitte, wenn er morgens früh 15 Kilometer durch die Gegend gurken möchte mit seiner 700000 PS Spritschleuder… Wer bin ich, mich gegen ein Auto-Date zu sperren?

Nun ratet… Nun ja… NICHTS.

Moarr.

(Aber es ist ja nicht so, dass wir nicht noch ein Date hätten. Wir gehn dann im Dezember 2020 gemeinsam zum Ärzte-Konzert… Also schon ganz bald… Abends, im Dunkeln und so… Ihr müsst nicht gespannt sein.)

Das Auto

Der Arbeitsgatte empfahl mir eine Autowerkstatt jjjwd. Ich liefere mein Vehikel da ab und er fährt mit seinem, DEM Auto vor. Wir wurden einander sozusagen endlich offiziell vorgestellt!

Ich wurde entgegen all meiner: Du kannst mich da an der Ecke absetzen! Ich kann auch da vorne schon aussteigen! trotz der komplett irrsinnigen Straßenführung in dieser Stadt und meiner etwas kompliziert zu erreichenden Wohnlage bis vor die Haustür chauffiert.

Passiert ist natürlich nix…

Die Auto-Protokolle (Fazit)

Freitag

9 Uhr: Der Bolzen ist da, das Auto abholbereit. Der Arbeitsgatte ist müde, aber beschwingt.
Twitter erinnert mich daran, dass Weltschlaftag ist. Lass uns ins Bett gehen, Hase, sage ich zu ihm. Können wir machen, sagt er. Aber du wirst nicht viel Freude an mir haben, ich werde sofort einschlafen.

Mir deucht, er weiß genau, worauf ich hinauswill..

9:30 Uhr: Eine Leserin beschwert sich, dass wir in einem Artikel das generische Maskulinum benutzen. Es werde ja wohl auch TeilnehmerINNEN geben. Ich will ihr antworten: „NEIN! Mädchen sind nicht erlaubt. Die können eh nicht klar denken, schon gar nicht, wenn sie ihre Tage haben.“
Er kichert und meint: Stimmt doch, Frauen können nicht klar denken.
Es ist ungleich komplexer, mit dem Gehirn statt einfach nur mit dem Geschlechtsteil zu denken, belehre ich ihn. Natürlich denkt man mit dem Geschlechtsteil klarer.
DU musst es ja wissen, sagt er. Du denkst ja auch nur mit deinem Geschlechtsteil!

Er weiß genau, worauf ich hinauswill. Er will nur nicht. Muss mir ein neues Zielobjekt suchen…

Die Auto-Protokolle (2)

Donnerstag

12 Uhr: Vom Auto nichts Neues, weil immer noch ein Bolzen fehlt. Also können wir zur Abwechslung mal über die Arbeit reden und planen unseren Facebook-Feed. Er macht Vorschläge.
Was er meint: Nach diesem Artikel können wir ja den Artikel mit der Liebesgeschichte posten.
Was er sagt: Danach können wir ja ein bisschen Liebe machen.

Ich gebe ihm ein paar Sekunden Zeit, um sich zu korrigieren. Die so sehr frühe Frühschicht macht schließlich schlimme Dinge mit unseren Hirnen.
Dann sage ich: Können wir machen, mein Schatz.
Er macht mehrfach den Mund auf und zu wie ein Fisch auf dem Trockenen und bleibt dabei stumm wie ein Fisch. Dann dreht er sich um, geht davon und grummelt: Ich hör jetzt auf.

12:15 Uhr: Er verabschiedet sich in die Mittagspause und macht noch eine kurze Übergabe. Öi!, sage ich. Wir wollten doch Liebe machen!
Er breitet die Arme aus, auf die Schreibtische deutend: Aber doch nicht hier!
Ich gucke mir meinen Schreibtisch an und denke: Warum eigentlich nicht? Breit genug isser! Und alle machen jetzt Mittag…
Wo denn?, frage ich.
Er stöhnt laut und verzweifelt und geht.

Muss ich eben allein Liebe machen…

Die Auto-Protokolle

Montag

8:30 Uhr: Der Arbeitsgatte hat eine Woche Sonntagsdienste abgebummelt. Weil ich ne nette Kollegin bin, frage ich ihn, wie seine freien Tage waren. Er berichtet ausführlich von seinen Abenteuern mit der neuen Play Station 4. Immerhin keine Gschichtn vom Auto, denke ich und stelle auf höflich nicken bei Durchzug. Als ich das Gespräch für beendet halte, mache ich mich auf in die Küche. Er greift seine leere Kaffeetasse und tappt mir hinterher. Ich stehe an der Kaffeemaschine und er redet von seinem Auto. Ich nehme die volle Kaffeetasse und gehe zurück in die Redaktion. Er latscht mir mit seiner immer noch leeren Kaffeetasse hinterher und redet von seinem Auto.

Dienstag

8:30 Uhr: Er latscht mir in die Küche hinterher und redet von Kanada. Immerhin keine Gschichtn vom Auto. Sondern ein Thema, bei dem ich mitschwärmen kann.

12:30 Uhr: Er kommt an meinen Schreibtisch und zitiert mich in die Küche. Oha, denke ich, was geht nu? Wenn’s ums bloße Kaffeetrinken geht, ruft er eigentlich immer nur rüber. In der Küche stellt er sich so dicht neben mich, dass ich es bei jedem Menschen, den ich grade nicht akut vögeln will, als übergriffig empfunden hätte. Körperkontakt und so. In einem Winkel, der eigentlich ideal zum Knutschen wäre, denke ich, und es kribbelt in meinen Lippen.
Er redet von seinem Auto.

14:30 Uhr: Ich mache Pause und er Feierabend. Gehst du zum Supermarkt?, fragt er. Dann geh ich n Stück mit. Er wohnt 200 Meter hinter dem Supermarkt. Wir wandern los und er redet von Autos (immerhin mal nicht von seinem – oder nur am Rande). Vorm Supermarkt will ich mich verabschieden, aber er kommt mit rein. Läuft mir kreuz und quer durch den Laden hinterher und redet von Autos. Am Ende kauft er sich eine Alibi-Brause und verabschiedet sich endlich.

Mittwoch

7:45 Uhr: Schreibst du mir eine Entschuldigung?, schreibe ich ihm. Keine Lust…
Hab ich auch nicht und ich bin trotzdem hier. Schwing deinen Arsch rüber, mir ist langweilig, schreibt er zurück. Der arme Mann ist schon seit fast zwei Stunden im Dienst.
Ich gebe zu, du bist ärmer dran als ich, räume ich ein.
Dann komm her und sei auch arm dran. Zusammen sind wir ärmer.

8:20 Uhr: Ich plumpse auf den Stuhl neben ihm und verkünde: So, nu sind wir ärmer. Er brummt. Dann der kapitale Fehler: A propos, sage ich, hast du dein Auto wieder? Es steht seit zwei Wochen beim TÜV. Die Litanei beginnt. Ich breche auf in die Küche. Er folgt und jammert. In der Küche ist bereits ein Lokalreporter. Ich übergebe ihm das Gespräch und verdrücke mich mit dem Kaffee in die Redaktion. Grade noch mal gut gegangen…

Ich bin mir allerdings sicher, dass er auch morgen wieder neue Gschichtn vom Auto parat haben wird… 🙄