Gesprächsfetzen

J. und ich besprechen die letzten Details unseres Trips nach Barcelona. Sie jammert zum tausendsten Mal wegen des beschränkten Gepäcks.

Pause.

Müssen wir eigentlich in Barcelona bleiben, wenn wir aufm Rückflug Übergepäck haben?, fragt sie.

Ich glaub ja, sage ich.

Pause.

Dann gehen wir ordentlich shoppen!

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Barcelona!

J. und ich haben unseren Urlaub in Barcelona klargemacht. Ich freue mich, auf unterwegs sein. Gleichzeitig packt mich so eine Welle von Nostalgie und die Frage: Krieg ich das hin?

Es ist eigentlich albern. Barcelona war im Grunde eine gute Zeit. Schön. Intensiv. Lehrreich. Persönlichkeitsbildend. Barcelona hat einen großen Platz in meinem Leben und in meinem Herzen. Ich denke oft sehnsüchtig daran. Und dennoch war ich seit zehn Jahren nicht mehr dort (oh Hilfe, WIE alt ich bin…). Obwohl nichts dagegen gesprochen hätte, einfach mal vorbeizugucken. Nichts hat mich aufgehalten.

Jetzt hat man mich praktisch dazu verdonnert und ich freu mich. Und ich hab nen Kloß im Hals. Eine völlig irrationale Ohnmacht. Mir fallen plötzlich Dinge ein, die ich völlig vergessen hatte. Orte, von denen ich gar nicht mehr wusste, dass ich da mal war. Ganz viel Katalanisch, das ich nie wieder gebraucht habe. Splitter einer Darf man das?, die so gar nicht mehr ist.

Ich bin gespannt, ob ich dieser Begegnung mit meinem alten Ich gewachsen bin. Und ich kann’s kaum erwarten, das Stückchen alte Heimat zu sehen.

Confieso que he vivido

Übel gejetlagged mit viel Kaffee in der Hand und Streichhölzern zwischen den Augenlidern melde ich mich zurück aus Chile. Und meine Freundin J. nagelt mich sofort auf unseren bisher noch vagen Planungen für unseren Barcelona-Trip fest. Sie will ihren runden Geburtstag dort feiern, ich habe ihr versprochen, dass ich ihr meine Hood zeige.

Claro, sage ich, es bleibt dabei. Und muss ein bisschen irre grinsen. Stimmt, ich habe da mal gewohnt. So wie ich in Chile gewohnt habe. Und in Kanada. Du bist ganz schön irre, denke ich. Da biste grad mal 31 und hast in vier Ländern auf drei Kontinenten gewohnt. (Und sonst schimpfe ich mich immer furchtbar alt…)

Doch, ich hab da schon viel richtig gemacht. Viel Glück gehabt. Viele Chancen beim Schopf gepackt. War hier und da ein bisschen unvernünftig. Oarch, ich habe gelebt. Und ich bin noch längst nicht fertig!

Und nun das Fazit.

Normalerweise beginne ich um diese Jahreszeit das große Gemaule. Alles schlimm. Dieses Jahr ist so vieles anders.

Ja, schlimm: Die Oma ist gestorben. Die Eltern sind total ausgeflippt. Die Muddi ist im Krankenhaus verschollen (es ist übrigens fast GAR NICHT stressig, wenn man nach einer riskanten OP nix von der Muddi hört. Für euch getestet.) Ich war ewig totsterbenskrank.

War schon doof.

Dafür bin ich endlich umgezogen. In eine zwar abgelegene, aber doch sehr, sehr nette Gegend. Am See. Herrlich.

Ich habe endlich einen neuen Job. Der ist jetzt zwar nicht das Anspruchsvollste, was ich tun könnte, dafür habe ich Spaß. Mit meinem geliebten G. Dem schönen L. Dem fabelhaften F. Dem stilltiefen Wasser M. Dem uncharmanten Herrn B. Dem fetten (seine Worte!) G. Dem völlig irren Chef. Und ja, irgendwie auch dem Nerd. Hassliebe. Meine verrückten Jungs…

Ich war viel unterwegs. In Polen und auf Usedom. In diesem komischen Sachsen. In Russland. In Norwegen. Beim Schneewittchen hinter den sieben Bergen. Auf Rügen. Und auf Usedom – und dann auch gleich wieder in Polen. In München. Und eh dauernd in Hamburg und in Schleswig-Holstein. Und ja, auch in Berlin. Und am Mittwoch geht’s gleich weiter mit diesem Unterwegs.

Ich war viel am Wasser. Hier am See. An der Ostsee überall. An der Nordsee, am Nordmeer, an der Barentssee. Am Stettiner Haff. An der Elbe, der Oder, der Moskwa, der Newa, der Isar, dem Siebenbergebach.

Ich hatte viel Sonne. Schon allein wegen diesem irren Sommer. Und der Mitternachtssonne in St. Petersburg. Und der Mitternachtssonne in Norwegen. Nehm ich mehr von. Diese Woche noch 🙂

Ja, doch, war ganz ok, dieses 2018. Wer hätte das gedacht. Nur das mit dem Sex war irgendwie… Lassen wir das…

Was will ich von diesem 2019? Mehr Unterwegs! Chile ist klar, geplant sind Buchmesse und endlich, endlich wieder Batzelooona. Vielleicht Portugal? Auf jeden Fall zur Eheschließung des liebsten Exkollegen. Und irre viel Hamburg. Und was immer noch so anfällt 🙂
Im Job: Mal sehen, wie der Chef sich rührt. Er hatte ja „Großes“ mit mir vor. Ich habe eine Ahnung, was er plant, DEN Zahn muss ich ihm ziehen. Ich habe einen anderen… Wir werden sehen… Vielleicht wird’s dann weniger schimpansig…
Und das mit diesem Sex… lassen wir das. Ich bezweifle, dass das unter diesen Vorzeichen noch was wird.

In diesem Sinne: Frohes Neues!

sein lassen

Ich habe das Shampoo von SAS im Haar und jetzt rieche ich wie früher, als ich so Zeuch noch in der Drogerie kaufte. Und mein Gehirn macht Erinnerungsglücksrad und ich muss an Barcelona denken. Und habe Lust, No. 1 irgendwas Schnippisches zu schreiben.

Aber ich lasse das lieber.

Ich führe ein Gespräch, auf das ich eigentlich keine Lust habe, bekomme 1000 dumme Fragen gestellt und reagiere mega gereizt. Stelle fest, dass ich prämenstruell bin.

Also lasse ich das lieber.

Ich sehe auf Facebook einen Artikel über Erektionsstörungen und will ihn No. 3 schicken. *Kicher*

Aber ich lasse das lieber.

Ich kann auch ganz gut Sachen nicht machen.

Throwback Thursday: Barcelona

Es ist wie jedes Jahr: Kaum wird es warm in der Stadt, denke ich an Barcelona.

Immer mit Wehmut. Diese faule Zeit, in der ich so viel gelernt habe. Spanisch. Katalanisch. Dinge über das Leben. Über mich. Über Männer.

Eine Schleife in meinem Leben, die ich nicht missen will.

Und weil Barcelona so eng verbunden ist mit No. 1, denke ich an No. 1. An die Dinge, über die wir geredet haben. Die Filme, die wir gesehen haben. Die Kunst, die wir verrissen haben. Die intime Vertrautheit. Der animalische Sex von zwei Verzweifelten.

Und ich frage mich, fehlt er mir oder fehlt mir unsere Intello-Fick-Beziehung?

Barcelona…

Immer, wenn es warm wird in der Stadt, denke ich an Barcelona.

An die Sonne in den Häuserschluchten.

Das Kreischen der Papageien.

Die warmen, dynamischen Nächte.

Frühstück um 15 Uhr.

Die „Agua-cerverza-cola-fanta-beer“-Männer vom Strand.

Die ganze Stadt für mich in der Karwoche.

Den Klavierspieler aus dem zweiten Stock, der immer an der gleichen Stelle im Stück hängen blieb.

Den Geruch im U-Bahn-Schacht. Und der Marsch durch die Station Passeig de Gràcia. Die Musik im Tunnel. Das Piepen beim Schließen der Türen.

Antonios schlechte Witze.

Den großartigen Ziegenkäse in der Bar am Monumental.

Warmen Sand unter meinem Bauch.

Endlose Diskussionen mit J.

Bolzen im Garten.

Den Geruch von Flieder…

Den Klang von Katalanisch. Und meine Sprachverwirrung…

Meine Kakerlaken.

Sogar an den kalten Wind im Februar. Der bis in die Dusche kam und sich nicht aussperren ließ. Bwah.

Mich in den Straßen verlieren und wiederfinden.

Händchen halten in der Ciutadella…

Ja, manchmal denke ich an No. 1.

Aber meistens nur an Barcelona. Sie fehlt mir…