Prioritäten

Mein erste Amtshandlung in Barcelona:
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Es hat ja am Freitag eh geregnet.

Bücherliebe…

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Ach Barcelona

Zehn Jahre sind vorbei und doch ist kein Tag vergangen. Wir haben sofort wieder zusammengefunden, mein Barcelona und ich.

Allein der Metro-Geruch weckt die Erinnerung daran, welche Linie wo hält. Ich wusste gar nicht, dass ich das mal so genau wusste. Aber ja, ich erkenne jede Station wieder. Ihren Klang, ihre Wege.

Jede Durchsage weckt die alten Katalanisch-Kenntnisse, die ich (fast) nie wieder gebraucht habe. So nachhaltig, dass ich ohne drüber nachzudenken nach dem blauen „El Periódico“ greife – der katalanischsprachigen Ausgabe der Zeitung.

Ich stapfe durch die regennassen Straßen, atme den besonderen Duft der Stadt und genieße die besondere Stimmung bei grauem Himmel. Das sonst so fröhliche Barcelona wirkt düster und morbide und doch verleiht dieses Wetter ihm gleichzeitig diese einzigartige Eleganz, diese leise Überlegenheit.

Und überall der Duft von Flieder…

Neinnein, das ist kein Pipi in meinen Augen, das ist der Regen.

Ich lausche dem Spanisch der Katalanen und obwohl es das Spanisch ist, das ich ganz am Anfang mal gelernt habe, klingt es irgendwie seltsam nach all den Jahren Chilenisch. Es mündet in die ultimative Verwirrung, als ich wafle con frutillas statt gofre con fresas bestelle und erst der zentralamerikanische Kassierer das Missverständnis einigermaßen aufklären kann.

Und dann kommen sie zurück: Die Sonne in den Häuserschluchten, die kreischenden Halsbandsittiche.
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Ich erinnere mich an den unsinnigsten Kram, unzählige winzige Momente in Barcelona. Und ich suche die Erinnerung. Ich wandere durch mein Viertel, ich tappe in meine Bäckerei, bestelle dümmlich grinsend ein Croissant und betrachte die hässlich braune Einrichtung, an der sich nichts geändert hat. Ob sie wenigstens das überteuerte Eis im Kühler mal ausgetauscht haben?

Ich denke ganz viel an No. 1 und erinnere mich stets daran, dass ich unsere gemeinsame Zeit in Barcelona gerade ganz böse idealisiere. Und ich denke an all die Dinge, die er mir gezeigt und ermöglicht hat und dann bin ich irgendwie ganz schön dankbar und ein bisschen fehlt er mir…

Ich schwelge in Tortillas de patata, Patatas bravas und kurioserweise in Pa amb tomàquet, dem ich sonst nie so viel abgewinnen konnte – vor allem, nachdem ich Hunderte davon zubereitet habe…

Ich mache mit J. ganz viel Touri-Quatsch, den ich nie so gemacht habe, stelle fest, dass viel mehr Touris da sind als früher mal und dass sie noch mehr abgezogen werden als früher mal.

Und der Kreis schließt sich an den Treppen zum Museu Nacional d’Art de Catalunya, auf denen ich damals schon einmal saß, an einem meiner letzten Tage in Barcelona, auf die Plaça d’Espanya guckte und flennte.

J. fragt mich sehr ernsthaft, ob ich sie wohl noch zum Flughafen bringe, mit einem Augenzwinkern davon ausgehend, dass ich wohl bleiben werde. Sie fragt mich, warum ich eigentlich damals meine Sachen gepackt habe.

Ja, es gab Gründe. Es gibt aber eigentlich keinen, warum ich nicht zurückgekehrt bin…

Ach, Barcelona, meine Alte. Wir sehen uns wieder. Nicht morgen, nicht nächste Woche, aber bald!

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Barcelona!

J. und ich haben unseren Urlaub in Barcelona klargemacht. Ich freue mich, auf unterwegs sein. Gleichzeitig packt mich so eine Welle von Nostalgie und die Frage: Krieg ich das hin?

Es ist eigentlich albern. Barcelona war im Grunde eine gute Zeit. Schön. Intensiv. Lehrreich. Persönlichkeitsbildend. Barcelona hat einen großen Platz in meinem Leben und in meinem Herzen. Ich denke oft sehnsüchtig daran. Und dennoch war ich seit zehn Jahren nicht mehr dort (oh Hilfe, WIE alt ich bin…). Obwohl nichts dagegen gesprochen hätte, einfach mal vorbeizugucken. Nichts hat mich aufgehalten.

Jetzt hat man mich praktisch dazu verdonnert und ich freu mich. Und ich hab nen Kloß im Hals. Eine völlig irrationale Ohnmacht. Mir fallen plötzlich Dinge ein, die ich völlig vergessen hatte. Orte, von denen ich gar nicht mehr wusste, dass ich da mal war. Ganz viel Katalanisch, das ich nie wieder gebraucht habe. Splitter einer Darf man das?, die so gar nicht mehr ist.

Ich bin gespannt, ob ich dieser Begegnung mit meinem alten Ich gewachsen bin. Und ich kann’s kaum erwarten, das Stückchen alte Heimat zu sehen.

Confieso que he vivido

Übel gejetlagged mit viel Kaffee in der Hand und Streichhölzern zwischen den Augenlidern melde ich mich zurück aus Chile. Und meine Freundin J. nagelt mich sofort auf unseren bisher noch vagen Planungen für unseren Barcelona-Trip fest. Sie will ihren runden Geburtstag dort feiern, ich habe ihr versprochen, dass ich ihr meine Hood zeige.

Claro, sage ich, es bleibt dabei. Und muss ein bisschen irre grinsen. Stimmt, ich habe da mal gewohnt. So wie ich in Chile gewohnt habe. Und in Kanada. Du bist ganz schön irre, denke ich. Da biste grad mal 31 und hast in vier Ländern auf drei Kontinenten gewohnt. (Und sonst schimpfe ich mich immer furchtbar alt…)

Doch, ich hab da schon viel richtig gemacht. Viel Glück gehabt. Viele Chancen beim Schopf gepackt. War hier und da ein bisschen unvernünftig. Oarch, ich habe gelebt. Und ich bin noch längst nicht fertig!

Und nun das Fazit.

Normalerweise beginne ich um diese Jahreszeit das große Gemaule. Alles schlimm. Dieses Jahr ist so vieles anders.

Ja, schlimm: Die Oma ist gestorben. Die Eltern sind total ausgeflippt. Die Muddi ist im Krankenhaus verschollen (es ist übrigens fast GAR NICHT stressig, wenn man nach einer riskanten OP nix von der Muddi hört. Für euch getestet.) Ich war ewig totsterbenskrank.

War schon doof.

Dafür bin ich endlich umgezogen. In eine zwar abgelegene, aber doch sehr, sehr nette Gegend. Am See. Herrlich.

Ich habe endlich einen neuen Job. Der ist jetzt zwar nicht das Anspruchsvollste, was ich tun könnte, dafür habe ich Spaß. Mit meinem geliebten G. Dem schönen L. Dem fabelhaften F. Dem stilltiefen Wasser M. Dem uncharmanten Herrn B. Dem fetten (seine Worte!) G. Dem völlig irren Chef. Und ja, irgendwie auch dem Nerd. Hassliebe. Meine verrückten Jungs…

Ich war viel unterwegs. In Polen und auf Usedom. In diesem komischen Sachsen. In Russland. In Norwegen. Beim Schneewittchen hinter den sieben Bergen. Auf Rügen. Und auf Usedom – und dann auch gleich wieder in Polen. In München. Und eh dauernd in Hamburg und in Schleswig-Holstein. Und ja, auch in Berlin. Und am Mittwoch geht’s gleich weiter mit diesem Unterwegs.

Ich war viel am Wasser. Hier am See. An der Ostsee überall. An der Nordsee, am Nordmeer, an der Barentssee. Am Stettiner Haff. An der Elbe, der Oder, der Moskwa, der Newa, der Isar, dem Siebenbergebach.

Ich hatte viel Sonne. Schon allein wegen diesem irren Sommer. Und der Mitternachtssonne in St. Petersburg. Und der Mitternachtssonne in Norwegen. Nehm ich mehr von. Diese Woche noch 🙂

Ja, doch, war ganz ok, dieses 2018. Wer hätte das gedacht. Nur das mit dem Sex war irgendwie… Lassen wir das…

Was will ich von diesem 2019? Mehr Unterwegs! Chile ist klar, geplant sind Buchmesse und endlich, endlich wieder Batzelooona. Vielleicht Portugal? Auf jeden Fall zur Eheschließung des liebsten Exkollegen. Und irre viel Hamburg. Und was immer noch so anfällt 🙂
Im Job: Mal sehen, wie der Chef sich rührt. Er hatte ja „Großes“ mit mir vor. Ich habe eine Ahnung, was er plant, DEN Zahn muss ich ihm ziehen. Ich habe einen anderen… Wir werden sehen… Vielleicht wird’s dann weniger schimpansig…
Und das mit diesem Sex… lassen wir das. Ich bezweifle, dass das unter diesen Vorzeichen noch was wird.

In diesem Sinne: Frohes Neues!

sein lassen

Ich habe das Shampoo von SAS im Haar und jetzt rieche ich wie früher, als ich so Zeuch noch in der Drogerie kaufte. Und mein Gehirn macht Erinnerungsglücksrad und ich muss an Barcelona denken. Und habe Lust, No. 1 irgendwas Schnippisches zu schreiben.

Aber ich lasse das lieber.

Ich führe ein Gespräch, auf das ich eigentlich keine Lust habe, bekomme 1000 dumme Fragen gestellt und reagiere mega gereizt. Stelle fest, dass ich prämenstruell bin.

Also lasse ich das lieber.

Ich sehe auf Facebook einen Artikel über Erektionsstörungen und will ihn No. 3 schicken. *Kicher*

Aber ich lasse das lieber.

Ich kann auch ganz gut Sachen nicht machen.