Verzichtbar

Seit über einem Jahr bin ich nicht in Berlin gewesen. Ich hatte die Existenz der Stadt erfolgreich verdrängt…

Kaum steige ich aus dem Zug, kotzt sie mich wieder an. Und das liegt nicht nur an der Kotze vor der Bank am Bahnsteig.

Seine Wohnung ist bis unter die hohen Altbaudecken voll mit seiner kreativen Energie. Nur vereinzelt finden sich klischeehaft mädchenhafte Spuren seiner Freundin. Und es ist ein Häuchlein sauberer als in seiner Junggesellenbude.

Er ist alt geworden. Er ist zwar immer noch schlacksig, aber irgendwie rund im Gesicht, er ist furchtbar kurzsichtig und hat graue Flecken im Bart. Nur seine ein paar Zentimeter zu langen Haare stehen noch wie immer jungenhaft wild auf seinem Kopf herum.

Ich bin müde und prämenstruell und seine Energie und seine Lüsternheit haben diesmal gar keine Wirkung auf mich. Wir ficken schweigend und es ist mir so egal bis widerlich wie die Stadt. Er entschuldigt sich, dass er so schnell gekommen ist, dabei ist es mir ganz recht.

Er findet anerkennende Worte dafür, dass ich den Busch nicht mehr wegepiliere und findet es noch anerkennenswerter, als ich ihm meine Gründe darlege.

Wir essen Pizza, deren Boden nach Dönerfett schmeckt, und dann rolle ich mich lesend auf dem Sofa zusammen, während er mit seiner Tante telefoniert. Auf Spanisch klagt er ihr all sein Leid, die Arbeit, die Freundin, die Behörden, die Freundin…

Erst als er sieht, dass mein Buch auf Spanisch verfasst ist, fällt ihm wieder ein, dass ich auch den schlimmsten Andendialekt mühelos verstehe.

Peinlich berührt lenkt er mit Sex ab und eigentlich ist es mir fast noch unangenehmer als das erste Mal. Ich bin ganz froh, dass er hinterher nicht noch kuscheln will.

Ich bleibe nur, weil ich so müde bin, dass ich trotz der gefühlt alle 30 Sekunden vorbeirauschenden Ringbahn wie tot schlafe. Morgens lausche ich dem duftenden Frühlingsregen und sehe den sich wiegenden, zartgrünen Zweigen der Bäume vor den Fenstern zu und frage mich, warum ich eigentlich nach Berlin gefahren bin.

Wir schlunzen im Bett rum, ich lese, er beschäftigt sich mit seinem Joyclub-Profil und erzählt ein paar Schwänke aus seinem Sexleben.

Aus irgendeinem Grund berichte ich ihm von No. 8 und dass das einzig Gute an der Sache eigentlich war, dass ich endlich mal wieder einen Tag und eine Nacht lang dauernd gevögelt habe.

Er nimmt es als Aufforderung, mich zu vögeln. Das war so nicht gemeint, protestiere ich, aber er findet doch. Ich kann ihn mit einem Blowjob ablenken, aber als er mir hinterher sein Sperma auf die Brüste schmiert, denke ich endlich laut und verkünde: Ich muss dann auch mal los.

Jetzt zwackt wieder die Blase und ich finde, ich sollte mich mal wirklich an den alten nie-wieder-Sex-Vorsatz halten. Masturbieren tuts ja auch. Dann muss man sich nicht mit komischen Typen abkaspern, kommt deutlich häufiger zum Orgasmus und hinterher zwackt die Blase nicht.

Waldschratmodus on…

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The ultimate Prenzlberg experience…

Nachdem gestern also eine gewisse Fluggesellschaft entschieden hatte, dass ihre kostbaren Maschinen auf keinen Fall nass werden dürfen, stand ich ganz schön doof da. Ich habe nämlich keinen Schlüssel zu No. 2s Wohnung. Das war nie nötig und wir dachten uns, für die paar Monate lohnt das eh nicht.

In der Not rufe ich A an und bitte ihn um Obdach. Ich bekomme eine SMS mit Adresse nebst passender U-Bahnhaltestelle und mache mich auf den Weg.

Als ich aus der U-Bahn stolpere, denke ich: Gott, hier siehts aus wie Prenzlauer Berg in meinen Alpträumen. Hippe Bar neben Yoga-Studio neben Bio-Café neben irgendwas Kindermäßiges neben Ich-hab-den-ganzen-Tag-nix-besseres-zu-tun-als-meine-Telefonkabel-zu-umhäkeln-Laden. Dazwischen Eltern, die offenbar nicht einsehen wollen, dass die Uni igendwie passé ist, mit ihren perfekt durchgestylten Kindern (pardon, ihrem perfekt durchgestylten Einzel-Lebensprojekt). Ein Spielplatz, daneben die regenfeuchten Reste eines oh-so-alternativen Flohmarkts. Ich stellte fest, ich BIN in Prenzlauer Berg.

A residiert in einem wunderhübsch renvovierten Altbau, alles so abgeleckt ordentlich, dass ich Angst habe, mein gestresstes, verschwitztes, unhip gekleidetes Chaos-Ich da reinzubewegen. Die Einrichtung sieht so gewollt zusammengewürfelt aus, als hätten sie nen Innenarchitekten mit zum Ikea genommen.

V, seine Freundin, ist mit ihren Freundinnen im Hamam, höre ich…

Wir kochen und während ich noch die 20-Uhr-Nachrichten sehe sieht die Küche schon wieder aus wie abgeleckt…

Im Bad liegt kein Haar, ich verzichte darauf, mir die Haare zu bürsten, sonst fällt da noch was hernieder. Nach dem Duschen überlege ich, ob ich vielleicht auch die Dusche abtrocknen sollte, nicht, dass ein Wasserfleck zurückbleibt… Schnell noch den Trockenblumenstrauß zurechtrücken…

Schließlich kuschle ich mich ins Gästebett und schaue aus dem Fenster (gab wohl keine passenden Altbaufenster-Vorhänge bei Ikea). Dann muss ich doch noch grinsen: Gegenüber hat jemand eine St.-Pauli-Fahne ins Fenster gehängt… Ein Hauch Heimat mitten im Klischee…

Damals, nachts mit No. 3, war das irgendwie cooler hier.

Fast bin ich froh, als der fauchende, gelbe Lindwurm mich morgens wieder in Wedding ausspuckt. Kein Kitsch. Kein Schnickschnack. Keine Fassade nötig. Dönerbude neben Pizzaladen neben Asialaden neben Dönerbude. Normalsterbliche.

Wedding, ich hab sicher nicht viel gute Haare an dir gelassen, aber ich glaube, wir haben doch mehr gemeinsam, als ich zugeben wollte…

Berlin, du wirst mir so gar nicht fehlen.

S42 Ring

Weil ich etwa eine Stunde vor No. 2s Feierabend in Berlin landete, entschloss ich mich spontan, die Ringbahn in die entgegengesetzte Richtung zu nehmen. (Es gibt eine Welt hinter der Station Messe Nord?? war No. 2s überraschte Frage, als ich ihm erzählte, was ich in der Stunde getrieben habe…)

Ich fahre gerne ziellos mit der Bahn durch die Gegend. Nirgends kann ich so tief in Gedanken versinken wie in Bus und Bahn. Und die Welt sieht irgendwie anders aus, wenn man sie von Gleisen aus betrachtet. Trist-schön. Vor allem im Winter.

Irgendwie musste ich immer wieder an No. 3 denken. Wenn besonders gelungene oder spannende Graffitis auftauchten. Wenn mich Architektur in irgendeiner Weise angesprochen hat…

Ich fürchte, ich werde Berlin immer mit No. 3 verbinden.

Erst als No. 2 mich zum Dussmann schleppte, nachdem ich ihn zur Mahnwache am Brandeburger Tor geschleppt hatte, legte sich eine deutlich ältere Erinnerung darüber.

Da war ich doch schon mal… Damals war ich zwölf und das erste Mal in der Hauptstadt. Und alles, was mich interessierte, waren Bücher und CDs ^^  Die Sucht wurde wieder geweckt…

Schnurrr

Also, das muss ich ja mal festhalten: Berlin ist doch scheiße!

Aber es war trotzdem TOLL mit No. 2!!!

Als hätte es die letzten 13 Monate nicht gegeben. Die alte Vetrautheit, den gleichen Mist im Kopf.

Und wenn man an einem Laden vorbeikommt, der Pizza De Lux heißt, dann muss keiner was sagen. DA wird gegessen. Viel. Das romantischste Mahl ever. Im Neonlicht, mit plärrendem Radio. Wir wissen warum.

Und kein Mann kann so gut mit der Zunge wie er. Hmmm. Das könnte ich den ganzen Tag haben.

Ganz abgesehen von seinen Massagen. Er weiß, wie man mich willenlos macht… Und dreht mich noch auf den Bauch, wenn ich schon seinen Schwanz in der Hand habe… Hmm, schnurrr…

Morgen kommt er zu mir. 🙂 🙂 🙂

Kann’s kaum erwarten.