Evolution

Ich wühlte in alten Posts auf meinem Blog – aus Gründen. Und stellte allerhand fest.

So ist zum Beispiel meine Erinnerung an No. 5 irgendwie schief – ich nehme an, bedingt durch seine recht nervigen Stalking-Anfälle der letzten Jahre. Ja, er hatte mich zuletzt unglaublich gelangweilt und genervt und dann hatten wir beide andere Prioritäten. Aber davor hatte ich offensichtlich ziemlich aufregenden Sex mit ihm. Oder zumindest kam mir das so vor… Letztlich kann ich das gar nicht mehr beurteilen, ziemlich aufregenden Sex hatte ich schon ziemlich lange nicht mehr.

So habe ich mich zum Beispiel Ende 2015 sehr über das vergangene Jahr beschwert, aber in den Posts davor nicht so richtig einen vernünftigen Grund gefunden.
Liebe Darf man das? von damals: Ja, es kam schlimmer. Viel, viel, viel schlimmer. Du jammerst auf ganz hohem Niveau.

So habe ich zum Beispiel Mitte 2014 in einem Kommentar geschrieben: „ich hätte gern DEN EINEN“.
Liebe Darf man das? von damals: Whaaat? Hattest du Fieber? Sind wir die gleiche Person?-
Ich kann mich überhaupt nicht erinnern, dieses Bedürfnis mal gehabt zu haben. In meinem Kopf habe ich mit dem Beziehungsquatsch nur mal angefangen, weil ich dachte, das muss so, machen ja alle so. Und habe dann ziemlich schnell festgestellt: So richtig ist das nichts für mich. Und dann noch eine Weile überlegt, ob es vielleicht einfach NOCH nichts für mich ist. Oder ob „der Richtige“ einfach noch nicht vorbeigetanzt ist.
Mittlerweile sage ich in voller Überzeugung: Das ist WIRKLICH nichts für mich. Ja, es ist nett, wenn man mal mit jemandem kuscheln kann, jemanden hat, mit dem man 1.003 Insider-Witze hat, mit dem man alles Mögliche teilen kann und will. Aber insgesamt bin ich zu gern allein. Ich möchte selbst steuern, wann ich etwas mit jemandem teilen möchte. Sei es mein Bett, ein Erlebnis, etwas Lustiges… Ein Partner funktioniert aber nicht auf Knopfdruck. Deswegen habe ich mir dafür andere Wege gesucht. Für jedes Interesse eine/n passende/n Freund/in. 2.006 Insider-Witze. Mir fehlt… nichts. Ich habe keine unstillbaren Sehnsüchte. Sex könnte ich durchaus mehr haben, aber ich bemühe mich grade nicht ernsthaft darum. Es scheitert derzeit am ehesten daran, dass ich grad keine Lust hab, mir die Beine zu rasieren und das Haus zu verlassen und dann auch noch schön zu tun, bis endlich die Klamotten vom Leib sind. Da sind im Moment die Prioritäten für den Einsatz meiner Ressourcen anders. Aber WENN ich dann mal wieder rumficke, dann nicht nur mit einem. Ich fand das eigentlich ganz nett, mal hier, mal da zu naschen. Unterschiedliche Stile zu genießen. Hin und wieder was zu lernen. Und woanders wieder einzusetzen. Das ist aufregend. Das möchte ich mir gerne bewahren.

Mal sehen, wie ich darüber in drei Jahren denke. Ob ich mich überhaupt an das erinnere, was ich jetzt denke. Die Dinge entwickeln sich. Ich entwickle mich.

Alles fließt.

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Throwback Thursday: Barcelona

Es ist wie jedes Jahr: Kaum wird es warm in der Stadt, denke ich an Barcelona.

Immer mit Wehmut. Diese faule Zeit, in der ich so viel gelernt habe. Spanisch. Katalanisch. Dinge über das Leben. Über mich. Über Männer.

Eine Schleife in meinem Leben, die ich nicht missen will.

Und weil Barcelona so eng verbunden ist mit No. 1, denke ich an No. 1. An die Dinge, über die wir geredet haben. Die Filme, die wir gesehen haben. Die Kunst, die wir verrissen haben. Die intime Vertrautheit. Der animalische Sex von zwei Verzweifelten.

Und ich frage mich, fehlt er mir oder fehlt mir unsere Intello-Fick-Beziehung?

Kann mir grad mal einer dieses Internet wegnehmen?

No. 3 flog wegen eines wohl bevorstehenden Todesfalls in seiner Familie in seine Heimat.

Ich frage, wie’s ihm da so geht.

Offensichtlich fühlt er sich davon ermutigt. Am Ende debattieren wir unsere Gefühlslage der letzten Jahre. Es stellt sich heraus, dass wir beide – wenn auch nicht immer zum gleichen Zeitpunkt – durchaus immer mal über mehr als Sex nachgedacht haben. Uns aber nie was haben anmerken lassen, um uns ja keine Blöße zu geben.

Diese Scheu legt er in Sekunden ab und fabuliert von einer gemeinsamen Zukunft in seiner Heimat.

Öh… Moment!

Schließlich fragt er mich direkt, ob ich mir vorstellen kann, mit ihm zusammen zu sein.

Und endlich setzt sich EINMAL die Vernunft durch und ich sage geradeheraus: Nein!

Ich bekomme ein 😥 und das Gespräch ist unterbrochen.

Später will er wissen, warum.

Ich erinnere ihn daran, dass er schon eine Freundin hat. Die meines Erachtens auch viel besser zu ihm passt als ich. Und mit der er trotz aller Beschwerden immer noch zusammen ist. Das wird ja wohl einen Grund haben, wa?

Und dass es auch nicht gerade vertrauensbildend ist, wenn er mir erzählt, er habe seine Ex so oft betrogen und dass er das nie wieder machen will und dann nach ein paar Monaten in seiner neuen Beziehung in meinem Bett landet. Dass er sich immer wieder über sie allgemein und ganz speziell darüber beschwert, dass sie ihn sexuell nicht befriedigt. Dass er sich eine Beziehung mit mir viel aufregender vorstellt als mit ihr und ihr ganz offensichtlich fröhlich ins Gesicht lügt und immer wieder ihr Vertrauen missbraucht.

Dass ihn das zu einem Riesenarsch macht und ich ganz sicher nicht die Nächste sein möchte, über die er sich bei meiner Nachfolgerin beschwert. Schlimm genug, dass ich ihn lasse. (Riesenarsch und Riesenarsch gesellt sich gern.)

Er merkt noch kurz an, dass er es ja gar nicht nötig hätte, sich eine andere zu suchen, wenn er mit mir zusammen wäre, weil ich ihn ja im Gegensatz zu seinen bisherigen Freundinnen sexuell befriedigen könnte. (loooooooool)

Letztlich wird er zickig und bemerkt, dass ich recht habe und nur zweite Wahl bin. Albernerweise hat er es tatsächlich geschafft, mich damit zu kränken. Mein beklopptes Ego möchte bitte auch bei einem Typen, den ich selber gar nicht (mehr) will, noch die Nummer eins sein.

Es wäre fantastisch, wenn ich es jetzt einfach darauf beruhen lassen könnte. Ja, da war mal mehr, auch bei ihm, siehst du, albernes, kleines Ego. Nein, jetzt will ich nicht mehr, Thema beendet. Und es war richtig, ihm das klar zu sagen.

Und doch rumort das alberne, kleine Ego irgendwo tief in mir. Und grollt, weil ich eine Tür zuschlug. In der es gerne noch einen Fuß gelassen hätte, nur zu seiner persönlichen Befriedigung. Und ich fürchte, dass es mich dazu bringen wird, doch wieder mit No. 3 zu reden. Statt einfach mal endgültig nen Schlussstrich zu ziehen.

Oäch. Ich find mich grad doof…

Liebe in Stockholm

In Sachen Liebe glaube ich ja nicht so an Schicksal (dem ich sonst nicht abgeneigt bin).

Ich vertrete eher die Ansicht: Gelegenheit macht Liebe.

Wir verlieben uns in den Typen von der Arbeit, aus dem Sportverein, aus dem Wohnheim oder aus dem Freundeskreis…

Die Version: „Unsere Blicke trafen sich in der U-Bahn und wir wussten sofort, dass wir füreinander bestimmt waren und noch bevor wir unsere Namen kannten, versanken wir in einen innigen Kuss“ halte ich für wenig realistisch. Eher glaube ich: „Wir haben jeden Morgen um die gleiche Zeit die gleiche U-Bahn genommen, irgendwann fingen wir an uns zu grüßen, dann kamen wir ins Gespräch, tauschten Nummern aus und jetzt sind wir seit fünf Jahren zusammen.“

Leute sind mit dem komischen Typen zusammen, der immer mit irgendeiner Bekannten in die Mensa kam und mit an ihrem Tisch saß. Dabei könnte irgendein Typ auf dieser Welt viel besser zu ihnen passen, er ist ihnen vielleicht sogar über den Weg gelaufen, man lernte sich eben nicht kennen.

Wenn ich mir die Freunde meiner Freundinnen angucke, frage ich mich manchmal, ob die Liebe nicht nur ein Schutzmechanismus ist. Der Typ bewegt sich halt ständig in ihrem Umfeld und damit sie es mit dem Bekloppten da überhaupt aushalten können, haben sie sich eben in den verliebt.

Stockholm-Syndrom im Alltag.

Ich las als Teenie mal in einer dieser wertvollen Zeitschriften, dass es wahrscheinlicher ist, dass man sich ineinander verliebt, wenn man gemeinsam etwas Außergewöhnliches erlebt. Das schweißt zusammen. Man schafft gemeinsame, einzigartige Erinnerungen. Deshalb wurde empfohlen, den „Schwarm“, wie es dort immer so entzückend hieß, in den Freizeitpark zu schleppen. Das Adrenalin, die Hormone, zack, Liebe.

Stockholm-Syndrom auf Rezept sozusagen.

Da fragt man sich doch, ob das Stockholm-Syndrom nicht eher sogar der Normalzustand ist…

Aber gut, was weiß ich schon von der Liebe…

Über unrealistische Maßstäbe.

Ich bin ja schon immer schwierig gewesen, was die Partnerwahl angeht.

All diese Ansprüche… Zwar haben sie sich im Laufe der Zeit verändert, aber weniger werden es wohl nicht…

Mein Intermezzo mit D hat es nicht besser gemacht.

Es war so unglaublich schön, dass ich es nicht mal über mich bringe, ihm einfach eine Nummer zu verpassen. Es war so unwirklich, dass ich mich frage, ob ich es mir vielleicht nur eingebildet habe.

Es war so kurz, dass wir uns nicht in die Wolle kriegen konnten. Es war so kurz und so außerhalb unserer natürlichen Lebensräume, dass kein Alltag einkehren konnte und wir nicht mit seltsamen Macken konfrontiert werden konnten. (Und davon habe ich ja bekanntlich einige.)

Es war so schön, dass die Schmetterlinge das Flattern nicht mal unterließen, wenn ich schlief.

Und so bitteschön will ich das das nächste Mal auch wieder haben! Weil ich ja so ein realistischer Mensch bin.

Und diese Person soll bitte wunderschön sein, also am besten eine Frau, denn Frauen sind bekanntlich viel schöner als Männer.

Und dann möchte ich mich bitte möglichst jederzeit ankuscheln können und in den Arm genommen werden.

Natürlich muss diese Person superklug sein, damit ich nicht alleine intellektuelles Geblubber von mir gebe. Und wir uns gemeinsam über den Pöbel erheitern können.

Ganz abgesehen davon, dass ich großen Wert auf fan-tas-tischen Sex lege. Dominante Ader mehr als erwünscht.

Großartig kochen können sollte diese Person auch, schließlich kann ICH das nicht und Liebe geht durch den Magen. Und ich bin ein Vielfraß…

Außerdem…

Lassen wir das…