Menschliche Scheißigkeit

Ich neige ja dazu, die Schuld bei mir zu suchen, wenn zwischenmenschlich irgendwas schief läuft. Ich weiß: Ich bin nicht der einfachste Mensch. Ich bin zickig. Ich bin aufbrausend. Ich bin egoistisch. Ich bin ungeduldig. Ich bin schnell gekränkt. Ich habe nicht das beste Gespür für Ton und Timing. Ich bin oft viel zu offen und direkt. Ich drücke mich oft nicht klar genug aus. Es ist einfach nicht leicht, mit mir umzugehen und ich stehe schnell mal bei jemandem auf dem Schlips. Wenn es also knirscht und knallt, ist die Wahrscheinlichkeit gar nicht mal so klein, dass es an mir liegt.

Im Moment habe ich allerdings mit so viel menschlicher Scheißigkeit zu tun, dass ich sagen muss: Ich kann halt auch nicht an allem Schuld sein. Ich kann nichts für die Arroganz anderer Leute. Ich kann nichts für ihre Selbstüberschätzung. Ich kann nichts für ihren Tunnelblick. Ich kann nichts für ihre Kritikunfähigkeit. Ich kann nichts für ihre Dummheit.

Ich bin auch nicht dafür verantwortlich, dass jeder immer alle Infos hat. Ich muss auch nicht jedem und allem immer hinterherrennen. Ich muss nicht vermitteln.

Wenn die Leute aufgrund ihrer eigenen Fehler, Unzulänglichkeiten und Irrtümer meinen, sich scheiße Verhalten zu müssen: bitte. Aber ich bin raus.

Menschen… 🙄

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Gesprächsfetzen

– Wär der nicht was für dich? Also so richtig?

– Nein. Der hat ne Katzenhaarallergie.

Prioritäten sind so wichtig!

(Isch ‚abe gar keine Katze. Jetz grade… Aber am Ende muss ich den dann rausschmeißen, wenn ich mir doch eine hole und… oar nee. Prioritäten sind so wichtig!)

Kommt es doch auf die Länge an?

Erinnert ihr euch an meinen Nachbarn aus der Hölle? Den Helene-Fischer-Fan?

Seit dieser wahrlich traumatisierenden Erfahrung der monatelangen Musik-Folter reagiere ich sehr empfindlich auf Lärm im und ums Haus. Gerade, wenn ich versuche, zu schlafen, und vor allem, wenn ich Frühschicht habe, bin ich da reichlich dünnhäutig. Mein Körper hat ein beeindruckendes Stressgedächtnis…

Über mir wohnt eine junge Frau, etwa in meinem Alter. Anfangs hatte sie Freitags immer eine Horde Freundinnen da, natürlich immer genau dann, wenn ich Wochenenddienst hatte. Lautes Gegacker. Warum das immer im Schlafzimmer stattfinden musste… Grmbl. Nun gut, kein Vergleich zu stundenlanger Helene-Beschallung, kein Grund, ungehalten in ihrer Tür zu stehen.

Seit einiger Zeit hat sie einen Freund, der in Rekordzeit bei ihr eingezogen ist. Die beiden lachen, sie streiten und sie ficken. Und ich habe Teil daran. Besonders lästig: Das Geficke. Das – traurig für die Beiden – offenbar immer im Bett stattfindet und… wie soll ich sagen… wie sehr klischeehaftes Gerammel klingt. Das Bett macht wumms wumms wumms wumms, sie macht oh oh oh oh… und ich liege übernächtigt da und denke: Och Kinners. Geht das zu weniger nachtschlafenden Uhrzeiten?

So manches Mal war ich versucht, klassisch zum Besen zu greifen oder wie eine alte Gewitterziege durch den Lüftungsschacht zu brüllen.

Aber warum so viel Aufregung: Nach spätestens fünf Minuten kommt regelmäßig das finale Ooooooh und die Sache ist erledigt. Und mein Ärger verfliegt in: Das arme Mädchen…

Jahresendzeitstimmung?

Offensichtlich müssen alle noch schnell was zum Ficken kriegen, bevor das Jahr zu Ende geht. Ich nehme mich da nicht aus.

Dieser eine Typ, der ständig in meinem Kopf umhergeistert, kuschelt mit einer Tussi rum. Ich will ja gar nichts mit ihm anfangen, das wäre ja eine dumme Idee. Aber mein dummes Ego will, dass er mich will (sehr faires Arrangement, finde ich…). Und so kriege ich eine höchst erwachsene Eifersuchtskrise und verbreite schlechte Laune.

Der Nerd turtelt wie üblich mit der Volontärin rum, schließlich machen sie gemeinsam nen Abflug. Den dritten Tag in Folge, wie der Redaktionsleiter feixend feststellt. Vielleicht hat sich die Sache für mich jetzt endlich wirklich erledigt.

Schließlich sind der Arbeitsgatte und ich allein in der Redaktion. Wir kaspern rum, er hellt meine Stimmung deutlich auf. Ich himmle ihn ein bisschen an, fordere ihn auf, sich nackich zu machen (was er ignoriert) und biete ihm – wenn auch sehr durch die Blume – die Aussicht auf Blow-Jobs. Entweder hat er es nicht verstanden, oder es sehr galant ignoriert. Es gibt ja auch Männer, die ihren Frauen treu bleiben…

Derweil schreibt mir No. 8. Unerwartet, aber nicht ganz überraschend. Es geht auf Januar. Männer sind so sentimental. Er lädt mich ein für’s nächste Wochenende, ins Hotel und so… Abgeneigt bin ich wahrlich nicht, endlich mal wieder hemmungslos vögeln… Aber da bin ich dann schon in Chile. Er schlägt ein Treffen nach dem Urlaub vor, aber wer weiß. Vielleicht bin ich bis dahin wieder abgekühlt…

Torschlusspanik

30, unverheiratet, kein potentieller Gatte in Aussicht. Ob mich das nicht beunruhigt, werde ich gefragt. Mir vielleicht sogar peinlich ist.

Ich verschlucke mich vor lachen. Warum in aller Welt sollte mir das peinlich sein??? In meiner Welt haben Familienstand und Alter nach Erreichen der Volljährigkeit überhaupt nix miteinander zu tun. Ob man nun mit 20, 40, 109 oder eben gar nicht heiratet: wurscht.
Und keine Sorge, als alte Jungfer werde ich wohl nicht enden. Der Zug ist abgefahren.

Aber alle wollen doch heiraten!?

Erstens bin ich nicht alle. Zweitens fallen mir spontan ein Dutzend Leute ein, die das ebenfalls nicht wollen. Drittens: Von mir aus können ja alle heiraten wollen und auch heiraten. Aber das zwingt mich doch nicht, das ebenfalls zu tun. Ich weiß, dass viele Frauen (und auch Männer) sich das wünschen, dass viele Frauen in meinem Alter verzweifelt nach Heiratsmaterial suchen – ich kann noch so tief in mich reinhorchen: Ich verspüre diesen Wunsch nicht. So wie es Leute gibt, die nicht den Wunsch verspüren, in den Arsch gefickt zu werden (soll es geben).

Und wie soll dein Leben aussehen in 10, 20 Jahren, wenn du immer noch unverheiratet bist?

Äh, in etwa so wie jetzt? Tatsächlich fände ich es schlimm, wenn sich das änderte, sollte ich aus irgendeinem Grund heiraten.

Aber was ist mit der Liebe?

Ach Gottchen, die Liebe. Erstens sind wir ja eh eher Unbekannte. Und zweitens muss man doch nicht verheiratet sein für die Liebe.

Aber dann ist das doch alles viel sicherer!?

Hä? Muss ich jemanden mit einem Stück Papier an mich fesseln und ihm den Lauf eines Rings an die Brust halten, damit er mich liebt? Ich glaube nicht, dass man jemanden mehr liebt, weil  man verheiratet ist. Und ich glaube nicht, dass eine Heirat eine Beziehung wirklich stabiler macht. Natürlich ist die Hemmschwelle höher, aber auch verheiratet kann man einfach eines Tages sagen: Ich hab keinen Bock mehr auf dich, tschüs. Ein Ehepartner kann einem genauso auf die Nerven gehen, wie ein „Nur“-Partner, man kann genauso aufhören ihn zu lieben. Man kann genauso aus Gründen – Bequemlichkeit, Knete, Abhängigkeit, wasweißich – mit einem „Nur“-Partner zusammenbleiben, auch wenn man den eigentlich schon ätzend findet. Man kann aber auch genauso jemanden über alles lieben, wenn man nicht verheiratet ist (hab ich gehört).
Für mich macht das keinen Unterschied, ob man nu verheiratet ist oder nicht.

Wenn dir das so egal ist, warum bist du dann so für die Ehe für alle?

Ich sach ja, von mich aus kann jeder heiraten oder nicht heiraten. Was ich will, ist, dass alle dasselbe Recht hat, das zu entscheiden.

Deine Argumente sind ja schön und gut. Aber Heiraten hat ja auch was Irrationales. So, wie wenn man sich eine Katze anschafft, sie liebt und füttert und Geld reinsteckt – und im Gründe gar nichts davon hat.

Sehr, sehr seltsamer Vergleich… Ich habe überhaupt nichts gegen Irrationales. Ich kann das voll gut. Ich schließe ja auch gar nicht aus, dass ich irgendwann etwas derart Irrationales mache – auch wenn ich, wie gesagt, nicht den Wunsch danach verspüre. Aber ich kann die Katze ja auch lieben und sie füttern, ohne sie zu heiraten, nech?

Evolution

Ich wühlte in alten Posts auf meinem Blog – aus Gründen. Und stellte allerhand fest.

So ist zum Beispiel meine Erinnerung an No. 5 irgendwie schief – ich nehme an, bedingt durch seine recht nervigen Stalking-Anfälle der letzten Jahre. Ja, er hatte mich zuletzt unglaublich gelangweilt und genervt und dann hatten wir beide andere Prioritäten. Aber davor hatte ich offensichtlich ziemlich aufregenden Sex mit ihm. Oder zumindest kam mir das so vor… Letztlich kann ich das gar nicht mehr beurteilen, ziemlich aufregenden Sex hatte ich schon ziemlich lange nicht mehr.

So habe ich mich zum Beispiel Ende 2015 sehr über das vergangene Jahr beschwert, aber in den Posts davor nicht so richtig einen vernünftigen Grund gefunden.
Liebe Darf man das? von damals: Ja, es kam schlimmer. Viel, viel, viel schlimmer. Du jammerst auf ganz hohem Niveau.

So habe ich zum Beispiel Mitte 2014 in einem Kommentar geschrieben: „ich hätte gern DEN EINEN“.
Liebe Darf man das? von damals: Whaaat? Hattest du Fieber? Sind wir die gleiche Person?-
Ich kann mich überhaupt nicht erinnern, dieses Bedürfnis mal gehabt zu haben. In meinem Kopf habe ich mit dem Beziehungsquatsch nur mal angefangen, weil ich dachte, das muss so, machen ja alle so. Und habe dann ziemlich schnell festgestellt: So richtig ist das nichts für mich. Und dann noch eine Weile überlegt, ob es vielleicht einfach NOCH nichts für mich ist. Oder ob „der Richtige“ einfach noch nicht vorbeigetanzt ist.
Mittlerweile sage ich in voller Überzeugung: Das ist WIRKLICH nichts für mich. Ja, es ist nett, wenn man mal mit jemandem kuscheln kann, jemanden hat, mit dem man 1.003 Insider-Witze hat, mit dem man alles Mögliche teilen kann und will. Aber insgesamt bin ich zu gern allein. Ich möchte selbst steuern, wann ich etwas mit jemandem teilen möchte. Sei es mein Bett, ein Erlebnis, etwas Lustiges… Ein Partner funktioniert aber nicht auf Knopfdruck. Deswegen habe ich mir dafür andere Wege gesucht. Für jedes Interesse eine/n passende/n Freund/in. 2.006 Insider-Witze. Mir fehlt… nichts. Ich habe keine unstillbaren Sehnsüchte. Sex könnte ich durchaus mehr haben, aber ich bemühe mich grade nicht ernsthaft darum. Es scheitert derzeit am ehesten daran, dass ich grad keine Lust hab, mir die Beine zu rasieren und das Haus zu verlassen und dann auch noch schön zu tun, bis endlich die Klamotten vom Leib sind. Da sind im Moment die Prioritäten für den Einsatz meiner Ressourcen anders. Aber WENN ich dann mal wieder rumficke, dann nicht nur mit einem. Ich fand das eigentlich ganz nett, mal hier, mal da zu naschen. Unterschiedliche Stile zu genießen. Hin und wieder was zu lernen. Und woanders wieder einzusetzen. Das ist aufregend. Das möchte ich mir gerne bewahren.

Mal sehen, wie ich darüber in drei Jahren denke. Ob ich mich überhaupt an das erinnere, was ich jetzt denke. Die Dinge entwickeln sich. Ich entwickle mich.

Alles fließt.