Pflaumen

Ich stecke mitten in einem stressigen Spätdienst und jemand ruft mich mit unterdrücker Rufnummer an. Ich denke, das hat mit Arbeit zu tun, ich bin im Home Office und das Telefon sollte auf mich umgeleitet sein, auf die private Nummer, es ist zum Kotzen, der Betriebsrat ist informiert, macht aber auch nicht wirklich was. (Selbst bei meinem schäbigen vorherigen Arbeitgeber hatten wir Diensthandys.)

Jedenfalls gehe ich einfach dran, was ich sonst bei unterdrücken Nummern nicht tue, weil nö.

Ich brauche ein bisschen, um zu schalten, weil er seinen Namen deutsch ausspricht, aber es ist No. 3. Er hat schon nen halben Satz fertig, als ich auflege. Blä. Er tut immer so, als gäbe es etwas Wichtiges zu besprechen. Wüsste nicht was. Ich werde ihn ja damals kaum geschwängert haben.

Dann bekomme ich eine Nachrichtenanfrage bei Signal, à la „lange nichts gehört, biste noch in ..“ Schon seit 4 Jahren nicht mehr, was alles darüber sagt, wie lange da schon Funkstille herrscht. Ich kann nicht rekonstruieren, ob es sich um No. 4 oder No. 5 handelt, sie haben denselben Vornamen.

Wie immer kommen die Idioten in Rudeln.

Und ich frage mich, warum ich das eigentlich immer mit so Pflaumen zu tun habe.

Und dann denke ich, dass sie ja eigentlich nicht immer Pflaumen waren. Bei fast allen meinen Sexpartnern habe ich mir zwischenzeitlich durchaus mehr vorstellen können. Wissen die nur nicht.

Und dann denke ich, vielleicht bin ich die Pflaume. Ich bin ja zwischenmenschlich nun wirklich kein großes Talent.

Und dann denke ich, so eine schlimme Pflaume kann ich ja eigentlich nicht sein, sonst würden die ja nicht immer wieder ankommen. So toll können meine Blowjobs nicht sein. Also, dass man dafür immer wieder Pflaumigkeit in Kauf nimmt.

Bleibt also nur der Schluss: alles Pflaumen. Ich bin halt zwischenmenschlich wirklich kein großes Talent…

Krächz

Da hab ichs eigentlich mehr mit der Hand gemacht als mitm Mund und auch nur so halbherzig wie das gar nich meine Art is, habs nich so richtig tief gehen lassen, zum ersten Mal seit Jahren nich mal geschluckt – und voll Halsweh und Kneipentourstimme…

Nächstes Mal also wieder ordentlich…

Jahresendzeitstimmung?

Offensichtlich müssen alle noch schnell was zum Ficken kriegen, bevor das Jahr zu Ende geht. Ich nehme mich da nicht aus.

Dieser eine Typ, der ständig in meinem Kopf umhergeistert, kuschelt mit einer Tussi rum. Ich will ja gar nichts mit ihm anfangen, das wäre ja eine dumme Idee. Aber mein dummes Ego will, dass er mich will (sehr faires Arrangement, finde ich…). Und so kriege ich eine höchst erwachsene Eifersuchtskrise und verbreite schlechte Laune.

Der Nerd turtelt wie üblich mit der Volontärin rum, schließlich machen sie gemeinsam nen Abflug. Den dritten Tag in Folge, wie der Redaktionsleiter feixend feststellt. Vielleicht hat sich die Sache für mich jetzt endlich wirklich erledigt.

Schließlich sind der Arbeitsgatte und ich allein in der Redaktion. Wir kaspern rum, er hellt meine Stimmung deutlich auf. Ich himmle ihn ein bisschen an, fordere ihn auf, sich nackich zu machen (was er ignoriert) und biete ihm – wenn auch sehr durch die Blume – die Aussicht auf Blow-Jobs. Entweder hat er es nicht verstanden, oder es sehr galant ignoriert. Es gibt ja auch Männer, die ihren Frauen treu bleiben…

Derweil schreibt mir No. 8. Unerwartet, aber nicht ganz überraschend. Es geht auf Januar. Männer sind so sentimental. Er lädt mich ein für’s nächste Wochenende, ins Hotel und so… Abgeneigt bin ich wahrlich nicht, endlich mal wieder hemmungslos vögeln… Aber da bin ich dann schon in Chile. Er schlägt ein Treffen nach dem Urlaub vor, aber wer weiß. Vielleicht bin ich bis dahin wieder abgekühlt…