Neues aus der Anstalt

Also, die Chefs haben beschlossen, dass es jetzt doch keinen neuen Online-Chef geben wird. Die Stelle bleibt einfach unbesetzt.

Dem Kollegen M. haben sie das direkt im Auswahlgespräch gesagt, dem Arbeitsgatten schwafelten sie etwas vor von wegen sie fänden es schwierig, die Stelle mit jemandem zu besetzen, der ein freundschaftliches Verhältnis zu den Kollegen hat. Sprich, in diesem Laden musst du ein Arschloch sein, um was zu werden. Und: Um dumm Ausreden ist man nie verlegen…

Muss ja auch irre viel großartige externe Bewerber gegeben haben!

Derweil verbot man der Unperson, Inhalte auf unsere Internetseite zu stellen. Das muss erst der Chef höchstselbst gegenlesen und dann wird einer von uns Onlinern mit dem Export beauftragt. Auch sehr interessant.

Und ich so: gnihihihi.

So Tage…

Da werfe ich arschkratzend und noch nicht ganz wach den Computer für den Spätdienst an und das erste, was ich sehe, ist, dass die Sekretärin ein Gespräch mit dem Chefchef in meinen Kalender eingetragen hat. Na toll.

Ich sage den Kollegen Bescheid, dass ich nachmittags ne Stunde raus bin und sie einspringen müssen. „Wirst du die neue Online-Chefin?“, fragen sie praktisch im Chor. Eine Frage, die ich dieser Tage öfter höre. Gerade finden die Gespräche statt.

Meine Antwort ist immer dieselbe. Ich habe da wirklich sehr ernsthaft drüber nachgedacht. Ich halte mich intern für die beste Kandidatin. Und dennoch sage ich: Nur über meine Leiche! Ich liebe das Boffice. Ich schätze den Feierabend. Und ich hasse, hasse, hasse das fette Arschloch. Und dann müsste ich wieder mit dem reden! Und nee, ich will auch nicht Teil dieses Systems von Arschkrampen sein.

Weil in dem Termin meine Adresse stand, dachte ich, der Chef wolle telefonieren und ich muss mich nicht anziehen. Was ich mir so einbilde: Der Chef stand mitsamt Hund vor meiner Tür!

Wenigstens der Hund hat sich gefreut…

Und nein, der Chef wollte nicht mit mir über eine Beförderung sprechen. Ich hätte ihm eh dasselbe gesagt wie den Kollegen (mit exakt denselben Worten). Aber ich hatte das alles auch schon dem Interims-fetten-Arschloch gesagt und kurz darauf wurde die Stelle öffentlich ausgeschrieben…

Nein, der Chef kroch zu Kreuze. Ich dürfe mir keinen neuen Job suchen, man brauche mich doch, Leistungsträger wie mich, blabla. Und es tue ihm auch sehr leid, dass er mich so weit gebracht habe und dass das Fette Arschloch mich soweit gebracht habe und dem tue das auch sehr, sehr leid (und der wolle auch noch mit mir reden, HÜLFE!) . Und es soll alles ganz anders werden. Hat er in seiner Therapie gelernt, nachdem ihm ja nu die Frau weggelaufen sei und das Fette Arschloch müsse eigentlich auch eine machen. Und nein, also schlimm alles. Und das sei ja alles gar nicht so gemeint.

EINE Stunde lang hat er auf mich eingeredet. Eine Stunde lang werd ich auf denjenigen einschlagen, der da gesungen hat (wobei es möglicherweise den Chefredakteur der Konkurrenz treffen könnte – dem ich zu teuer war, Idiot).

Nur eins muss ich dem Chef lassen: Er kam im richtigen Moment, um mich sehr sinnvoll abzulenken. Ich war gerade dabei intensiv ins Taschentuch zu rotzen, weil meine Freundin J. mir erzählte, dass man ihr sagte, dass der Krebs unheilbar sei und gleich noch fragte, ob ich – also im Fall des Falles – ihre Katzen nähme.

Dass Crazy-Cat-Ladyness unausweichlich ist, ist mir klar. Aber so muss das nun auch nicht sein.

Und nun sitz ich hier, traurig und traumatisiert und warte darauf, dass meine Rumtreiberkatze von ihrem Abendspaziergang zurückkehrt. Ich hasse es, wenn sie sich rumtreibt. Panikattacke incoming…

Feste feiern, wie sie fallen

Der Dienstag ist mein Montag und ich verschlaf erstmal gepflegte 45 Minuten und während ich dann so verpennt gucke, was an meinem Wochenende so in „meinem“ Internet rumgepfuscht wurde, trudelt eine Chefmail ein.

Viel Geblubber und Geschwurbel und das fette Arschloch wird mehr Management übernehmen und seine Aufgaben in der Redaktion nicht mehr so wahrnehmen und die die Unperson wird ihre bei uns „aufgebauten Kompetenzen“ (äh, die da wären? Und: Kam sie nicht schon ganz furchtbar kompetent zu uns? Versicherte man mir schließlich mehrfach!) jetzt in der Regional-Abteilung einbringen und soll ich wirklich hoffen, dass ich bald wieder in Ruhe und Frieden vor mich hinarbeiten kann, unter einem Vorgesetzten, der anerkennt, dass ich von diesem Internet zweifellos mehr Ahnung habe als er? (Denn das neue fette Arschloch ist sicher nicht der größte Sympath unter der Sonne, aber er weiß, was er kann und was nicht. Und sofern er im Rahmen seiner Kompetenzen brüllt, darf er mich dann auch anbrüllen.)

Kaum war die Mail gelesen, kam ne Nachricht vom Nerd. Bleibst du jetzt bei uns?

Weiß ich noch nicht, muss erst sehen, wie die Dinge sich entwickeln. Aber erstmal: Schampus!

Boffice

Habe ich mal  erwähnt, wie herrlich ich es in meinem Bettoffice finde? Einfach mega der Win. Das fette Arschloch bekomme ich nur noch sehr gedämpft mit und man merkt, wie schwach er auf einmal ist ohne die Rückendeckung vom Chefchef. Da der Chefchef statt wie vorher durch Fetti mit mir zu kommuniziert, jetzt einfach direkt mit mir telefoniert, bekomme ich manchmal sogar gegenläufige Ansagen. Fetti ist einfach nicht gut im Long-Distance-Speichellecken. Der traut sich offenbar schon gar nicht mehr, sich direkt an mich zu wenden, sondern schickt ausgerechnet die Unperson vor. Und selbst die lässt sich dazu hinreißen, über ihn zu lästern, wenn sie seine Direktiven weitergibt. Und auch sie bekommt sehr unterschiedliche Ansagen von Fetti und dem Chefchef.

Alles sehr, sehr possierlich.

Meine Linie: Einfach machen, was ich denke. Löpt.

Jedenfalls, meinetwegen kann das ewig so weitergehen. Ich fürchte nur, Fetti wird das nicht gefallen, weil er sich kaum noch durchsetzen kann.

Der Arbeitsgatte fragt mich zum 1000. Mal, warum ich mir nicht eigentlich nen ganz anderen Job suche.

Die Nymphomane Laterne erzählt von ihrer verschnupften Pornostimme und fragt: Sexhotlines dürfen doch noch arbeiten, oder? Ich hab da eine Idee für einen Nebenjob.

Kannste ja im Home Office machen, antworte ich und frage: Warum mache ich das eigentlich nicht???

Ihre berechtigte Frage: Ja, warum eigentlich nicht?

Kann man auch ungekämmt im Bett machen. Oder in Schlabberklamotten aufm Balkon. Oder, fürs praktisch echte Rumgestöhne, auf dem Rudergerät. Hier oder woanders.

Hmmmm.

Emanzipation am Arsch!

„Du muss mal mit dem Chef reden!“, hör ich im Moment dauernd von den Kollegen. Weil ich koche vor Wut. Weil ich irgendwann explodiere.

Es sind allerdings ALLE angepisst. Ich bin nur die, die mit dem Problem, dem fetten Arschlochdem Hitlerjungen vom Chef (wie der Arbeitsgatte so unschön sagt), dem stellvertretenden Chefredakteur, am meisten zu tun hat. Abgesehen vom stilltiefen Wasser M., der im Facebook-Chat mit mir ebenfalls schäumt vor Wut, nach außen aber total entspannt und immer freundlich wirkt. Also bin natürlich ich diejenige, die mitm Chef reden muss.

Und ich denke: Na toll, wenn jetzt die eine Frau im Team (abgesehen von der nutzlosen Unperson) zum Chef rennt und zetert, wie scheiße sein Hitlerjunge Stellvertreter ist, dann wird sie wohl nicht nur auf taube Ohren stoßen, sondern hinterher auch noch die hysterische Heulsuse sein, die nix aushält.

Gnarf! Können die Typen nicht mal ihren Arsch in die Hose stopfen und einfach mitkommen?

Von Männern und kurzen Penissen

Nun habe ich ja eine Schwäche für Politik. Und eine für Lateinamerika. Natürlich interessiere ich mich für die Ereignisse in Ecuador. Ich habe aber für meinen Geschmack zu wenig Ahnung und frage deshalb den einen Ecuadorianer, den ich kenne: No. 3.

Ja nu. Ich weiß, dass das nicht sooo schlau ist. Aber der steckt drin, der ist schlau, der hat ganz viel Meinung. Zu meiner linksversifften Blase passende Meinung.

Wir intelloen also so vor uns hin, über Ecuador, die Entwicklungen in Chile und natürlich immer auch die Arbeit. Ich maule ordentlich über meine. Unter anderem weil ich stinksauer bin auf meinen komplett irren Chefredakteur. Nachdem das fette Arschloch der stellvertretende Chefredakteur in der vergangenen Woche irgendwas in den Raum geblubbert hatte, wie er es täglich hundertfach tut, mich meinte, was ich nicht mitbekam, unter anderem weil ich auf meine Arbeit konzentriert war, aber auch, weil ich gelernt habe, ihn einfach auszublenden und ja, auch, weil ich Kopfhörer trug, hat der Chefredakteur am Wochenende in die Zeitung geschrieben, in einer Kolumne, in der es eigentlich um etwas anderes gehen sollte: Also, einer muss es ja sagen, also, man muss sich ja an gesellschaftliche Konventionen halten, also, Kopfhörer in der Redaktion, das geht ja gar nicht, das macht man nicht. Weiß ja nicht, welche Relevanz diese „gesellschaftliche Konvention“ für den gemeinen Leser hat, aber gut, dass dem das nun mitgeteilt wurde und uns in der Redaktion, nun ja, eigentlich irgendwie nicht.

No. 3 lacht und meint, er liebe meine Kommentare und dass ich mich für Lateinamerika interessiere und für Politik und und dass ich so verdorben sei und wann sehen wir uns eigentlich?

*Ab hier bitte leise Geigenmusik im Hintergrund spielen lassen.*

Es sei ja so schön, dass ich ihn verstehe, meint er, während ich weitermotze, und: Immer, wenn du so ehrlich bist, merke ich, wie sehr ich dich mag und bewundere. Du bewunderst mich, weil ich immer rummotze?, frage ich, ehrlich erstaunt. Nein, er bewundert mich, weil ich Charakter habe…

Er entschuldigt sich, weil er das Thema wechselt, aber er vermisse es, mich zu ficken. Und unsere 2 Stunden dauernden Küsse. An die kann ich mich nicht erinnern, ich stehe eigentlich nicht so auf knutschen.

*Geigenmusik wird dramatischer.*

Er wolle mich einfach sehen und Zeit mit mir verbringen. „Ich finde, du verstehst mich, wie keine andere Frau es tut“, findet er.

Ich frage ihn, wie’s denn wohl so mit seiner Beziehung läuft und er sagt, was er immer sagt, seit… ja seit wann eigentlich? Ich werfe einen Blick in die Annalen: Seit fast fünf Jahren. Alles ganz schlimm. Also, alles so gut wie vorm Ende.

Also, eigentlich ist das ja ne offene Beziehung. Die ER ihr aufgedrückt hat. Aber jetzt hat sie jemanden, mit dem sie sich regelmäßig trifft, und das passt ihm nun auch wieder nicht. Ihm, der mich praktisch mit in die Beziehung gebracht hat. Er wiederum hat aber eigentlich auch keine Lust auf One-Night-Stands, er will was zum Kuscheln.

Also, eigentlich ist er ja nur noch mit ihr zusammen wegen der Knete, da hat er nämlich nie was von. Die Schulden für’s Studium, das Geld, das er nach Ecuador schickt… Alleine kann er sich keine Wohnung in Berlin leisten. Das Konzept WG sollte ihm eigentlich nicht fremd sein, mit einer solchen lernte ich ihn kennen, aber hey, einfache Lösungen wären ja zu einfach.

Aber doch, eine Lösung kann er sich doch vorstellen, denn wenn er eine Darf man das? träfe, DANN würde er das mit der H. sofort beenden.

*Dramatisches Geigencrescendo*

„Ich glaube, eine Freundin wie du würde mir gut tun“, findet er. „Wir könnten eine neue Zeit anfangen. Wenn wir es wollten.“

Also, wer jetzt nicht ergriffen ist… ist ich.

Was ich gerade will: Meinem Chef mitteilen, er möge doch bitte in Zukunft in die Zeitung schreiben, was er von mir möchte. Und wenn es nur ist: Können Sie mal überprüfen, ob XY online ist?

Rhetorikseminar für Gespräche mitm Chef Teil 1

Mein Chef nimmt in der Diskussion gerne Positionen des „gemeinen Bürgers“ ein, wegen der Lesernähe und so. Dumm nur, dass das alles nur in seinem Kopf stattfindet und er eigentlich keine Ahnung hat, was der „gemeine Leser“ so denkt.
Besonders gerne nimmt er die Position des allseits unbeliebten „besorgten Bürgers“ ein, um uns alle zu provozieren, uns dabei zuzugucken wie wir ausrasten und dann grinsend zu sagen: „Schreiben Sie das auf!“

Heute hat er sich als Ossi versucht. Nun stammt der Mann aus NRW und ist damit so Wessi wie geht. „Wir Ossis…“, setzt er zu einer eindeutig länger zu werden drohenden Rede zu uns vier anderen Wessis in der Runde an und ich unterbreche sofort: „Wir Ossis?!? Ja klar, SIE alter Ossi, natürlich!“

„Frau Fragezeichen, diskriminieren Sie mich gerade wegen meiner Herkunft?“, poltert er. „Haben Sie sonst noch etwas an mir auszusetzen, meine Hautfarbe vielleicht?“

„Naja, Sie sind ein alter, weißer Mann, Sie sind praktisch das Feindbild per se.“ Ich weiß schließlich auch, wie ich ihn maximal provozieren kann.

„Aha!“, mault er. „Sonst noch was? Mein Geschlecht vielleicht?“

„Hab ich doch grad gesagt, Sie sind ein alter, weißer Mann.“

Er steht auf und rennt aufgescheucht rum. „Möchten Sie vielleicht auch noch meine – vermutete – politische Überzeugung kritisieren?“

„Hab ich doch grad gesagt, Sie sind ein alter, weißer Mann.“ Ich muss das Kichern so sehr unterdrücken wie alle meine Kollegen.

Der alte, nicht mehr weiße, sondern Bluthochdruck-rote Mann hat Schnappatmung. Dann geht er dramatisch ab.

Und wir werden nie erfahren, was das nun mit „uns Ossis“ auf sich hat.

Es beginnt

Nun hat der schöne L. gekündigt. Ihm reicht’s. Geld hat schon lange eine Rolle gespielt, die Unperson hat ihm den Rest gegeben. Da wurden ihm ewig Versprechungen gemacht, dann wurde ihm die Alte vorgesetzt.

Jetzt wird es richtig traurig. Keiner mehr, der Flachwitze am laufenden Band macht. Jetzt wird es richtig bitter. Keiner mehr, der hart und unverblümt dumme Scheiße anspricht und sachlich kritisiert. Jetzt wird es richtig hart. Einer weniger, der alle Dienste kann. Für die Zeitung und für dieses Internet. Die frühen, die späten, die Wochenenddienste. Davon haben wir eh schon zu wenige. Ein guter Reporter weniger. Ein guter Kumpel weniger.

Ich bin sehr traurig.

Der Arbeitsgatte packt praktisch schon die Koffer. Er hat immer gesagt: Wenn L. geht, gehe ich. S. schweigt, aber keiner glaubt, dass er sich nicht umguckt. Was hält den Hauptstädter schon hier in der Provinz? Der große M. sagt: Bis Ende des Jahres noch. Wenn’s dann nicht anders ist, gehe ich. Das stilltiefe Wasser M. hadert. Er hofft noch auf Besserung. Rechnet, wie er sich das neue Häuschen ohne den Job leisten kann. Selbst die Sekretärin würde gerne weg.

Nur der Nerd und der nutzlose Kollege F. stören sich nicht an der Lage. Sie leben eben in ihrer eigenen Welt…

Eigentlich können die Chefs es sich nicht erlauben, noch mehr Leute zu verprellen. Merken tun sies offensichtlich nicht. Leider konnte L. noch keine echte Ansage machen. Er will so früh wie möglich aus seinem Vertrag raus und muss noch lieb bittebitte machen. Sie scheinen doch etwas zu ahnen. Er solle gefälligst den wahren Grund für seine Kündigung nennen, der offizielle Grund werde ihm nicht geglaubt. Die dümmste Scheiße, die ich je gehört habe.

Vielleicht sollte ich schon mal mit meinen Vertragsauflösungsverhandlungen beginnen…

Nervöses Ohrenzucken

Die freudige Überraschung (dass ich DAS mal sagen würde): Nach vielen Monaten menstruiere ich mal wieder. Ich denke: Endlich das Ende der schlechten Laune in Sicht. Dann legen mich die Krämpfe aufs Kreuz. Ibuprofen und Kaffee sind mein Freund. Oder auch nicht. Würg. Ich taumle dumpf und grün um die Nase zur Arbeit.

Der Chef bittet mich und den Kollegen S. zum Gespräch.

„Ich habe Sie zu zweit hergebeten, damit sich nicht einer in die Ecke gedrängt fühlt“, sagt der Chef. Und alles war klar.

Das Büro ist eng und muffig, der Hund ist nass und muffig, der Chef ist starker Raucher und muffig. Schlimm genug, aber wenn ich meine Tage habe, vervielfacht sich mein Geruchssinn und wo ist eigentlich der Mülleimer in den ich kotzen kann??! Urks.

Der Chef schwafelt darüber, wie die Arbeit in der Redaktion künftig verteilt werden soll und wer da welche Rolle spielen soll, natürlich auch die Frau S. – i.e. die Unperson! Mein Kollege S. und ich schweigen eisig.

„Zuallererst“, sagt der Chef, „möchte ich sagen, dass ich nie mit der Frau S. geschlafen habe, ich habe sie auch nie angefasst.“

…???

…!!?!?!

S. und ich schweigen und WO IST EIGENTLICH DER MÜLLEIMER??? Würg.

Frau S. habe sein volles Vertrauen, sagt der Chef, er wisse, was sie könne und er habe sich das SO toll vorgestellt, als er sie eingestellt habe, aber jetzt seien die Umstände ja so, dass die Stelle ja im Grunde nutzlos sei.

ACH. Und: nein, nein, nicht die Stelle, die FRAU.

S. und ich schweigen. Mir ist wirklich sehr, sehr grün um die Nase.

Der Chef fährt fort: Die Frau S. müsse ja auch lernen, wie man dies und jenes mache, unter anderem das mit dem Internet. (Längerer Blick auf mich – mich hatte er gebeten, ihr das zu zeigen. Ich hatte aus meiner Ablehnung keinen Hehl gemacht, ihr aber alles laut zähneknirschend gezeigt. Ihr gesagt: Man muss das üben, am besten täglich, wenn du Fragen hast, weißt du, wo du mich findest. Sie hat mich nie was gefragt… Und auch keinen Online-Kollegen.)

Sie stelle eben auch immer wieder fest, dass man ihr mit einer Sprachlosigkeit begegne und das sei ja nicht konstruktiv, sagt der Chef.

S. explodiert und erklärt, was er alles nicht konstruktiv findet. Der Chef verteidigt sich und meint, als Chef dürfe man das halt. Sehr konstruktiv.

Ich überlege, ob ich in den Hundenapf speie. Der arme Wauz. Ich halte mir die Hand vor den Mund.

„Gut“, sagt der Chef und guckt in die Runde. „Frau Fragezeichen sieht nicht so glücklich aus.“

Ich gucke hoch, stehe auf und greife wirklich nach dem Mülleimer.

„Mir gehts nicht so gut“, nuschle ich und verlasse fluchtartig das Büro.

War alles wieder sehr konstruktiv!