Unerreichbar

Ich habe mich schon lange nicht mehr so nutz- und wertlos gefühlt. So total fehl am Platz.

Vollständig orientierungslos. Was ich weiß: Hier will ich gar nicht sein. Wie ich hier wegkomme? Weiß ich nicht. Wo ich hinwill? Unerreichbar.

Und währenddessen geht das Leben weiter, rast an mir vorbei und prügelt auf mich ein.

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Wurmloch

Es fing an mit einem leisen Selbstzweifel. Weiß nicht mal mehr warum.

Dann die komplette Überforderung. Totalversagen. Vollständige Blockade. Und die Frage, was ich hier eigentlich mache. Wozu das alles? Und dann mach ich das ja auch noch alles falsch.

Versagerin auf der ganzen Linie. Nix erreicht. Auf dem Weg nach Nirgendwo.

Ganz viel Wut und Frust. Wegen mir und anderen.

Und plötzlich Angst. Wovor, warum? Keine Ahnung.

Aber es reicht, um mir den Magen zusammenzuschnüren und den Schlaf zu rauben…

Mein Stimmungsring hat Depressionen

No. 1a hatte als Jugendliche so einen Stimmungsring. Das Ding ersparte den Gang zum Psychologen, denn schließlich zeigte es an, wie sie sich wirklich fühlte. Das ließ die interessantesten Rückschlüsse zu.

Irgendwo habe ich mal gelesen, dass die Farbveränderungen tatsächlich mit der Temperatur zu tun haben. Weil sie immer eiskalte Hände hat und ich immer brutzelwarme, habe ich neulich, als ich in einem Billo-Schmuckladen so Billo-Stimmungsringe entdeckte, gleich zwei gekauft, mal gucken, was passiert.

Ihrer wechselt, wie sich das gehört, fröhlich durch das Farbspektrum. Ich meinte, meiner müsste ja eigentlich bei der „Werkseinstellung“ bleiben: Genervt. Schließlich bin ich immer schlecht gelaunt. (Da muss eine Bombenstimmung geherrscht haben in der Fabrik.)

Stattdessen wurde mein Ring, kaum dass ich ihn überstreifte, dunkelschwarz. Und ist es seitdem. Scheißegal wie warm oder kalt meine Hände sind. Und natürlich erst recht scheißegal, wie ich mich fühle.

My beautiful picture

Mein Ring ist traurig. Ich mache mir Sorgen um ihn….

Kontrollverlust

Den hätt ich manchmal gern.

Einfach alles rauslassen, auf alles andere scheißen.

Mich nicht mehr kümmern um all das „das muss“ und „was wenn“.

Hinschmeißen, aufgeben, mich in all meiner Negativität suhlen, bis sie aufgebraucht ist.

Stattdessen funktioniere ich weiter wie ein Roboter mit eingebautem Uhrwerk.

Hab ich keine Lust zu, hab ich schon lange keine Kraft mehr zu? Egal, das muss. Und los.

Und was immer anliegt, was immer man mir aufträgt wird erledigt.

Was wenn sonst?

Wann ich mich das letzte Mal um mich gekümmert habe? Keine Ahnung, lange her…

Meine Depression und ihre Erwartungen

Die is schon anspruchsvoll, die kleine Bitch.

Von selber geht sie irgendwie grad nicht mehr weg, die faule Sau.

Nein, sie möchte bitte eine förmliche Einladung haben, möglichst noch ein Ehrengeleit.

ICH kann mich da grade nicht drum kümmern, meine Liebe, du hinderst mich daran. Kannste lange warten.

Müssen wir hier wohl rumliegen und warten, dass man uns rettet. Schon ziemlich realistisch die Erwartung, muss ich ja sagen. Warte nur noch wenige Minuten, dann kommt ein strahlender Retter, ganz sicher auf einem weißen Pferd, so siehts aus.

Meine liebe Depression, ich hab da grad auch mal ne Erwartung an dich. Ich hab mal gehört, andere Depressionen lassen ihre Menschen ausgiebigst schlafen.

KÖNNTEST DU DICH DANN MAL NORMAL VERHALTEN UND MICH IN ZUKUNFT NICHT UM 20 NACH 7 WACH MACHEN?

Ätzende Tage sind auch so schon lang genug.

Wann bin ich bloß falsch abgebogen?

Es ist alles still und heimlich verschwunden.

Sozialleben
Erfolg
Spaß
Motivation
Ziele

Etwa in der der Reihenfolge.

Mein Lebenstraum – zebröselt und im Wind verteilt.

Ich mache nur noch Dienst nach Vorschrift. Und danach reicht meine Energie grad noch für ein paar Serien.

Die einzigen Gespräche von Angesicht zu Angesicht, die ich noch führe, sind die zehn Minuten Schichtübergabe jeden Tag. Und auch das wird bald der Vergangenheit angehören, wenn das Goldkind vom Chef ins Home Office geht. Etwas, was ich seit einem Jahr immer wieder anrege. Für mich. Damit ich diese Stadt endlich verlassen kann.

Der kleinste Scheiß bringt mich zum Heulen.

Und wann immer ich mich aufrappel, um etwas zu ändern, passiert… nichts.

Ich fühl mich wie in einer Gummizelle…