Meh

Es ist doch die schönste Zeit des Jahres: die Zeit der Jahresend-Roundup-Depression.

Was soll ich sagen: Ich stecke gar nicht so tief drin, dieses Jahr. Es war ein schlimmschlimm furchtbares Jahr. Ich hatte recht mit meiner Prognose vom letzten Jahr: „Die ersten 4 Monate werden wie ein ICE auf mich zu und über mich rüber rasen. Danach könnte der Krise die Chance folgen. Aber Optimismus liegt mir nicht.“

Tatsächlich ist der ICE bestimmt 4 oder 5 Mal über mich rübergerollt. Es wurde so richtig schlimm, richtig richtig schlimm und richtig schlimm.

Es ist allerdings alles unfassbar weit weg. Ich weiß, mir ging’s beschissen und alles war beschissen und scheiße und bäh, aber es fühlt sich an, als wäre das in einem anderen Leben gewesen. Und alles, was danach kam: naja. Joa. Meh. Ich weiß, was ich dieses Jahr gemacht habe und was ich erlebt habe, ich kann da ne schöne Liste von machen. Aber meh. Es ist alles komplett gleichgültig. Es liegt dicke, fluffige Decke aus Meh und Gleichgültigkeit und weit weg drüber. Zwar transparent, aber wolkig. Selbst Frankreich: meh. Vielleicht hab ich mir das alles auch nur eingebildet. Oder jemand anderes hat es erlebt. Was weiß denn ich.

Das spiegelt sich auch im Blog wieder. Ich habe selten geschrieben. Nicht, dass nix los war. Aber es hat mich nicht ausreichend bewegt, um es aufzuschreiben. Weil: meh.

In diesem Sinne. Frohes Neues. Ich arbeite rein. Weil: eh egal.

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Schon lange älter als ich je werden wollte.

Offensichtlich war ich sehr klarsichtig, was das angeht.

Ich habe schon vor einer Weile einen Haken an mein Leben gemacht. Ich finde es eigentlich schon immer ziel-, sinn- und freudlos. Ich glaube mittlerweile nicht mehr daran, dass sich das noch ändern wird. Habe schon an so vielen Schrauben geschraubt: Immer noch nur anstrengend. Liege weiter mit dem Gesicht auf dem Asphalt und werde vom Leben weitergeschliffen. Sätze wie „das Leben ist schön“ sind für mich ein Paradebeispiel für ein Oxymoron.

Wenn ich Pech habe, habe ich noch nicht mal die Hälfte von diesem Ätz geschafft.

In diesem Sinne: Happy Birthday to me. 🥂

Discomfort zone

Neulich stolperte ich über den Begriff „discomfort zone“. Nicht im Sinne der „growth zone“, die man betritt, wenn man die Komfortzone verlässt und über sich hinauswächst. Sondern einfach im Sinne von ungemütlich. Ende. Nach dieser Definition ist die discomfort zone ein Ort, an den sich Menschen mit Depressionen oder Traumaerfahrungen begeben, weil sie mit der Komfortzone nix anfangen können. Ihr Gehirn ist so an den Panikmodus gewöhnt, dass es sich falsch anfühlt, wenn alles in Ordnung ist. Das bedeutet Stress. Also wird die discomfort zone aufgesucht, die zwar auch nicht schön ist, aber vertraut, was auf paradoxe Weise beruhigend wirkt.

Ich finde mich in dieser Theorie sehr wieder. Ich sehe das:

… und in meinem Hirn passiert Tod und Verderben – absolut naheliegend, oder? Ich produziere Bilder und Geschichten, die niemand seinen Kindern vorlesen würden. Ich reproduziere sie, wenn ich nicht schlafen kann. Und schlummere dann friedlich ein – obwohl ich gerade alle vorstellbaren negativen Emotionen durchlebt habe. Alltag halt.

Mir ist schon lange ganz rational bewusst, dass ich vielleicht ein Problem habe. Ich komme sehr, sehr langsam an einen Punkt, an dem ich beginne, den Gedanken zuzulassen, dass mein Gehirn nicht „normal“ funktioniert. Dass ich permanent im „Kampf-oder-Flucht“-Modus bin. Dass das Folgen und Konsequenzen hat, nicht nur psychisch, sondern auch ganz physisch. Allein schon, weil ich immer die Zähne zusammenbeiße. Nicht nur im übertragenen Sinne: Nur wenige Menschen dürften ein so durchtrainiertes Gesicht haben wie ich… Die Verspannungskaskade, die ich damit verursache, legt mich regelmäßig lahm. Man kann übrigens nicht lächeln, wenn man die Zähne aufeinanderpresst.

Und all die Energie, die mich das kostet… Es ist unfassbar anstrengend, ständig auf den nächsten Schlag in den Nacken zu warten und ihn im Zweifel dann einfach selber zu produzieren, weil das Warten halt auch keiner ertragen kann. Wollte noch jemand wissen, warum mein liebstes Hobby Rumliegen ist? In der mentalen discomfort zone, versteht sich.

Wahrscheinlich wird es mindestens so lange dauern, bis ich etwas für mein Spatzenhirn tue, wie es gedauert hat, bis ich verstanden habe, dass ich etwas tun sollte. Solange beobachte ich weiter andere Leute dabei, wie sie mehr als eine Sache pro Tag machen. Einkaufen nach der Arbeit oder vergleichbare Herkulesaufgaben. Verrückt.

Spätsommerdepression

Ich habe das Gefühl, Spätsommerdepression ist meine neue Winterdepression. Letztes Jahr war das Loch ja schon metertief. Dieses Jahr bin ich so tief unten, dass mein Hirn vom Druck zu platzen droht. Keine Übertreibung: Mein Hirn schmerzt permanent. Dumpfer Druckschmerz, der von düsteren Gedanken noch dumpfer wird. Seit Wochen geht das so. Trägt nicht gerade dazu bei, die Stimmung zu heben.

Ich stelle wieder fest: Ich kann mein Leben ändern, auf den Kopf stellen, die Dinge ändern, die ich ändern kann – und das Leben hat nichts besseres zu tun, als mich mit Scheiße zu bewerfen.

Zu allem Überfluss sind mir nun auch noch die Ausreden ausgegangen, es hilft nix, ich muss wieder ins Büro. Und was soll ich sagen: ES IST KOMPLETT SINNLOS. Nicht nur, dass ich meine Zeit verplempere: Es ändert an meiner Arbeitsweise absolut überhaupt gar nichts. Im Gegenteil: Das Redaktionsnetzwerk ist komplett überlastet und unser veraltetes Redaktionssystem macht deshalb regelmäßig komplett die Grätsche, weshalb ich für Dinge, die mit meinem heimischen WLAN (nicht mal besonders fancy) normalerweise 30 Sekunden dauern, manchmal bis zu 10 Minuten brauche. Und das dutzendfach pro Schicht. Es ist also nicht nur Verplemperung meiner Zeit, sondern auch Verplemperung der Zeit der Firma. Ich sach ja bloß. Dazu kommt, dass wir im Großraumbüro doch nur chatten, weil wir aufgrund der Corona-Abstände so weit auseinander sitzen, dass wir brüllen müssten, um uns zu verständigen und damit alle nervten. Also: Alles wie vorher. Privat redet auch keiner mit mir, nicht, dass ich das wollen würde, aber es wirft halt jeden Tag deutlicher die Frage auf: WAS SOLL DAS EIGENTLICH? Und je mehr ich mit meiner Keinen-Bock-hier-zu-sein-Fresse rumlaufe, desto mehr isoliere ich mich selbst. Trägt alles nicht gerade dazu bei, die Stimmung zu heben.

Die Katze findet das auch nicht gut.

Ebendiese Katze und die Pandemie haben meinen unsteten Nomadismus zum Stillstand gebracht. Nicht, dass ich nicht mehr rumziehen wollen würde. Es zieht in mir an mir. Aber ich krieg ja schon bei dem Gedanken, die Katze für ne Woche alleine zu lassen, komplette Schnappatmung. Da sind halt die Prioritäten anders. Und während ich so im Garten liege, die schnurrende Katze auf meiner Brust, meldet sich das leise Stimmchen in mir immer lauter, das sagt: Ich wär schon gern mal irgendwann irgendwo zu Hause. Und das ganz sicher nicht hier. Und mein beschissenes Hirn quält mich mit Wunschvorstellungen von dem, was ich gern hätte – und nie haben werde.

Ich werde mir nie aus eigener Kraft ein Zuhause leisten können und müsste halt aufs Erbe warten, was erstens nicht so erstrebenswert ist und zweitens auch hoffentlich noch so lange dauert, dass ich dann wohl eher keine Katze mehr haben werde, die mich zur Sesshaftigkeit schnurrt.

Das leise Stimmchen in mir säuselte in letzter Zeit häufiger vom Haus meiner Großmutter, das ziemlich viel von dem erfüllt, was ich mir wünsche. Wahrscheinlich hat es mir all die Flausen nur in den Kopf gesetzt. Nur, wie so oft, stellt sich die Frage: Wie soll ich da Geld verdienen? Denn natürlich wohnt Oma mitten in der Pampa, hinten im Naturschutzgebiet, kurz vorm Ende. Also: der Welt. Die Zeiten des Home Office hatten da noch mehr Flausen in meinen Kopf gesetzt und jetzt hat mir jemand diesen Stuhl unterm Arsch weggetreten!

Und dann verkündet der Papa, dem das Haus seit Opas Tod gehört, dass er es an den Onkel, dem die Hälfte des Grundstücks gehört, verkaufen will.

Also kann der sich mit dem kompletten Pack die Rente versilbern, oder meine Cousine kann irgendwann den dicken Reibach machen und mein Bruder und ich gucken in die Röhre.

Natürlich kann mein Papa mit seinem Haus machen, was er will und mit dem Geld eh. Ist schließlich seins und nicht das von mir und meinem Bruder. Abgesehen davon scheue ich mich, ein Veto einzulegen, weil ich keine Ahnung habe, wann und ob ich überhaupt je in der Situation sein werde, das Haus auch wirklich nutzen zu können. Wäre dann ja auch dumm. Und trotzdem: Jetzt hat mir noch jemand den Stuhl unterm Arsch weggetreten!

Nicht mal Träume gönnt mir mein Leben noch.

Es fehlt mittlerweile wirklich nur noch ne Kleinigkeit, bis mein Druckkopf platzt.

Mir verursacht schon das Nachrichtengeräusch des Telefons Tinnitus, weil endlich das Ende der Probezeit und damit der Beginn des Urlaubs ansteht und eine Freundin fragte, ob wir wie in alten Zeiten wie immer in der ersten Oktoberwoche nach Frankreich fahren und ich meine klar, ich will, ich habe nur massive Schnappatmung wegen der Katze, aber lass mal machen und dann meint sie aus dem Nichts so: Das geht doch klar, dass wir mit deinem Auto fahren, ne? Und ich so: Bruhahahhaha.

Dann können wir doch ein Auto von deinen Eltern nehmen, findet sie und ich frage mich, welcher erwachsene Mensch ernsthaft auf so eine Idee kommt.

Wie dem auch sei: Das Problem hat sie bei mir abgeladen. Und ich will darüber nicht nachdenken. Kann halt auch kein zuverlässiges Auto stricken, so ganz spontan.

Urlaubsvorfreude im Arsch und vielleicht lieg ich auch einfach drei Wochen mit der Katze im Bett. Mir erscheint das sehr attraktiv.

So wird der große Kackekuchen permanent mit so kleinen Kackestreuseln bestreut, die für sich genommen total unbedeutend sind, aber um mein Fass herum grad Überschwemmung machen. Und ich hab einfach keine Lust mehr. Also so gar keine.

Eigentlich

Das Folgende wird euch bekannt vorkommen. Dieses „Alles ist furchtbar, keiner versteht mich, niemand kann mir helfen, es ist unmöglich etwas zu ändern, mein Leben kann in die Tonne“, was regelmäßig von dramatischen Dreizehnjährigen kommt. Entspricht etwas meiner geistigen Reife.

Dabei ist mindestens 80 Prozent selbstgerührtes Schicksal.

Ich liege im Sonnenschein, die Blumen blühen, die Vögel zwitschern, die Katze gurrt, die Rasenmäher röhren und ich bin unglücklich. Mein Kopf sagt: Hey, wie viel besser du es hast als noch vor ein paar Jahren. Als noch vor ein paar Monaten. Du hast dich aus dem Loch geschaufelt. Und dann kommt mein Bauch und sagt: Ja, es ist besser. Aber es ist deswegen nicht gut.

Und meine Angst ist, dass es nicht besser wird. Dass ich für den Rest meines Lebens mit diesem oder einem ähnlichen Kompromiss klarkommen muss.

Eigentlich hätte ich gerne einen weniger stumpfen und sinnbefreiten Job. Eigentlich hätte ich lieber eine Bleibe im Grünen ohne Nachbarn mit Rasenmäher-Fetisch. Und nicht so weit weg vom Meer. Eigentlich.

Natürlich könnte ich hingehen, mir den Arsch aufreißen, Karriere machen, mehr Geld kassieren, mehr möglich machen. Aber ich will eigentlich nicht mehr raus aus dem Garden/Bett/Sofa-Office. Ich will meine Zeit nicht mit Pendeln und im Büro sitzen verplempern. Man spart ja nicht nur die Fahrtzeit. Im Büro kann ich nicht nebenher die Wäsche machen, die Spülmaschine ausräumen, meine Zähne putzen, die Haare kämmen, mir was an- oder ausziehen, Walderdbeeren ernten, mit der Katze spielen, mit der Katze kuscheln, der Katze beim glücklich sein zusehen. Ich kann mich, wenn abends schon nix, nix und nix mehr los ist, schon bettfertig machen und muss nicht erst um 23 Uhr ins Auto steigen, nach Hause fahren, da noch Zeug erledigen und DANN irgendwann ins Bett. Ich kann der Katze mittlerweile überhaupt nicht mehr vermitteln, dass ich gelegentlich das Haus verlassen muss und sie dann tagsüber drinne sein muss, weil wir keine Katzenklappe einbauen dürfen. Ich werde eine schlimme Tierquälerin geschimpft… Und wenn ich dann nach Hause komme, will sie natürlich raus und wann soll ich dann bitte mit ihr kuscheln? Hm?

Ich will auch nicht mehr Präsenz zeigen, mehr Stunden arbeiten, dauernd erreichbar sein. Einfach nö. Ich finde ja, 40 Stunden sind eh schon mehr als zu viel Zeit, die ich mit dem Quatsch verbringe. 32 würden eigentlich auch reichen… LOCKER.

Eigentlich hätte ich auch gerne mehr Sex. Oder überhaupt mal Sex. Aber ich hab keine Lust mich mit Idioten und ihrem Idiotenkram rumzuschlagen, mich irgendwo hinzubegeben, die Zeit eben nicht mit meiner superflauschigen Katze zu verbringen und dann doch wieder ohne Orgasmus und möglicherweise mit ner Blasenentzündung nach Hause zu kommen. Einfach nö. Und meine Idiotentrefferquote war zuletzt (deeeeehnbarer Zeitraum) wirklich… bei ca. 100 Prozent.

Und eigentlich fände ich es auch mal ganz schön, nicht auf ein Sexobjekt reduziert zu werden. Aber auch das ist selbstgebaut. Ich hab ja sonst nix zu bieten außer Sex. Also biete ich das. Und werde für genau das wahrgenommen. Und schlage mich nach schlechtem Sex wieder allein mit flauschiger Katze durch.

Eigentlich.

Es sind alles faule Kompromisse. Ich habe Ideen und Vorstellungen, was ich ändern könnte. Allein: Es fehlt an den Möglichkeiten, das umzusetzen. Und so liege ich in der Sonne, die Blumen blühen, die Vögel zwitschern, die Katze gurrt, die Kirchenglocken läuten und ich bin unglücklich. Buhu.

Trigger

Es stelle immer wieder fest: Es sind die seltsamsten Dinge, die mich triggern.

Das Geräusch von Rasenmähern: Ich werde zur immer kleiner werdenden Kugel auf dem Sofa. Bestimmter Telefonklingelton im Garten: Ich erstarre zur Salzsäule.

Dinge, die mir jahrelang nicht begegnet sind. Ich hatte sie vergessen.

Und dann ist da noch das:

Das Bild hängt schief.

Ein Kalender, den meine Mama gemacht hat von unserem Urlaub am Meer.

Schlimm alles auf dem Bild – außer, dass ich aussehe wie meine Oma, wenn sie ihr Gebiss rausgenommen hat: barfuß im weißen Sand, unterm strahlend blauen Himmel, Meeresbrise um die Nase.

Ich brauche das Bild nur aus dem Augenwinkel sehen und mich befällt sofort der Schwermut, der sich beim Starren aufs Meer zu mir gesellt hat. Ich kann augenblicklich nachvollziehen, wie ich mich in der Zeit gefühlt habe. Und fühle mich immer noch so.

Im Grunde hat sich nichts geändert. Zwar habe ich einen neuen Job und so, yay, dafür habe ich ein j.förmiges Loch in meinem Leben, das im August nicht mal ansatzweise absehbar war.

Nie ist die Diskrepanz zwischen dem, was ich will und dem, was ist, deutlicher als beim Starren aufs Meer. Und die Leere, die bleibt, ist überraschend schwer.

Glas ganz leer

… und zur Not schütte ich es halt aus!

Da müht man sich, Dinge zu ändern, damit es besser werden kann. Doch kaum hat man ein Problem gelöst, tauchen drei neue auf. Hydra ist ne Bitch!

Probleme machen mich obsessiv. MUSS.LÖSEN! Nicht immer liegt es in meiner Hand. Nicht immer liegt es in meinen Möglichkeiten.

Im Moment habe ich drölfzigerlei Probleme. Einige davon muss ich sehr akut lösen. Auch wenn es nicht nur bei mir liegt. Führt trotzdem kein Weg vorbei. Mir gehen die Ideen aus. Mir geht die Kraft aus.

Ich habe lange nicht mehr durchgeschlafen. Mich hält das Wummern meines Herzens wach, das Singen des Blutes in meinen Ohren, das Zittern, der Schwindel, der Kopfschmerz, die Angst.

Der Arzt verschreibt die rosarote Pille. Die – skandalös! – gar nicht rosarot, sondern himmelblau ist.

Vielleicht auch ein emanzipatorischer Fortschritt in der Pillologie…

Dass ich zum Arzt gehe, bedeutet schon Einiges. Grade, wenn es um meinen Kopf geht. Im Grunde habe ich das noch nie gemacht. Sowas gestehe ich mir nicht zu. Aber das Zahnfleisch auf dem ich gehe, zeigt deutliche Abnutzungserscheinungen. Und irgendwie habe ich mir nen Easy Fix versprochen. Kleine Spritze, blauer Traum, Patient geheilt. Als ob ich es nicht besser wüsste.

Nun sitz ich da mit der hellblauen rosaroten Pille, die ich eigentlich gar nicht haben wollte. Weil ich Angst habe, was sie mit mir macht. Weil ich mich nur mit Depressionen kenne. Seit 20 Jahren. Mindestens. Mal mehr, mal weniger. Weil die Düsternis zu mir gehört. Weil sie auch eine treibende Kraft war, bevor mir das Ruder so entglitten ist. Weil sie eine Bremse sein kann, wo ich bei anderen Leichtsinn unterstelle. Weil sie mein Denken und mein Schaffen bestimmt.

Jetzt ist mir das Ruder entglitten. Einfach weiter treiben lassen ist keine Option. Und dann flötet die Packungsbeilage etwas davon, dass die Symptome, gegen die sie rosarot-hellblaue Pille helfen soll, erst mal schlimmer werden können. Können. Zwei Wochen lang.

Das macht mir wirklich Angst. Dafür habe ich keine Kraft mehr. Und auch keine Zeit.

Da muss ich ein bisschen lachen, als ich den Teil mit den verstärkten Selbstmordgedanken und -tendenzen lese. Nichts, was mir fremd wäre. Und wenn das zwei Wochen lang noch schlimmer wird, ist das wirklich die attraktivere Option.

Ich weiß jetzt auch nicht, was ich mit der hellblauen rosaroten Pille mache…

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Älter als ich je werden wollte und komplett desillusioniert. Allgemeines Meh. Allgemeine Niedergeschlagenheit. Und allgemeine Hoffnungsosigkeit.

So meh wie selten, ohne wirklich einen Grund ausmachen zu können. Außer das generelles Meh um Job, Wohnsituation, Helikopterkatzenmuttiangst und was will ich eigentlich, jedenfalls nicht das hier.

Darauf also Schnaps und Prost.

Rettungsweste aus Blei

Wahrscheinlich habt ihr es mitgekriegt: Hier war ein paar Wochen Sendepause. Aus Gründen und sowieso. Das war nicht geplant und schon gar nicht für so lange und eigentlich… total egal. Am Anfang war ich ja noch n büschen auf Entzug, aber mittlerweile muss ich sagen: Ich hab kein Bock auf Blog.

Im Grunde hat sich der Sinn dieses Blogs – so er denn je einen hatte – erübrigt. Ich habe keine Lust mehr, mich mit meinen Befindlichkeiten auseinanderzusetzen. Es ist enorm ermüdend, und wie ihr mitbekommen habt, immer wieder das Gleiche in Variationen. Und es führt zu absolut nichts.

In den vergangenen Wochen ist in meiner kleinen Welt allerhand passiert, manche Dinge einfach so, andere habe ich angestoßen, einige wurden von außen angeschubst. Ich kann’s sehr kurz zusammenfassen: Es hat sich praktisch nix verändert. Ich kann strampeln wie ich will, wilde Sprünge wagen, alles einstellen: Irgendjemand setzt mich immer wieder in mein bekacktes Hamsterrad zurück und ich kann überhaupt nichts machen. Es ist im wahrsten Sinne des Wortes zu Heulen.

Ich habe auch keine Lust mehr, mich mit den Befindlichkeiten von irgendwelchen Typen auseinanderzusetzen. Leider kann ich ja nicht einfach mit irgendwelchen x-beliebigen Typen rumvögeln, ich muss ja immer auch irgendwas mit denen anfangen können. Kack Hirn, das mitfickt. Dumm nur, dass wirklich jeder Mensch mit seinem eigenen Päckchen daherkommt. Entweder, man macht das Hirn aus, oder man setzt sich eben damit auseinander. Beides will ich nicht. Allein, was ich in den vergangenen Monaten mit verschiedenen Männern erlebt habe… nä! Dafür ist der Sex, den ich habe, nicht gut genug. Das ist schon bitter: Wenn ich drüber nachdenke und mich richtig ehrlich mache, hatte ich zuletzt wirklich guten Sex, als das mit No. 3 frisch war. Das ist jetzt halt auch schon 7 Jahre her. Da kann ich den Laden auch dicht machen. Und dass ich mich so lange nicht mehr locker machen konnte, zeigt auch noch mal sehr deutlich, dass ich mich in einer gewaltigen Abwärtsspirale befinde (und dass es immer zwei Leute braucht für schlechten Sex). Gut, dass ich derzeit eh keine Lust habe…

Mir ist im Moment alles eine Last, der Blog, das Leben und vor allem ich selbst. Selbst ein Sommerurlaub wie damals, mit nur barfuß im Sand und immerzu die Haare nass vom Meer und Sonnenbrand, bis sich die Pelle häutet, bringt nix Gutes.

Denn Starren aufs Meer (SCHLIMMER Anblick übrigens)

– also, richtig schlimm –

und in Sternschnuppen (enorme Ausbeute dieses Jahr) führt bloß zu Grübeleien, die bei mir ja ausschließlich Unfreundliches hervorbringen.

Da ist mir so viel Dreck widerfahren im Leben und ein Strandurlaub reißt mich in das möglicherweise tiefste Loch… Kein Tag vergeht, ohne dass ich nicht wegen irgendwas reichlich grundlos rumheule, und jeder klare Gedanke, den es mir zu fassen gelingt, löst eine Panikattacke aus. Alles geht in Zeitlupe und dabei rast die Zeit so schnell, dass mir von der Erdrotation schlecht wird.

Mir ist das Leben zu schwer geworden, um mich weiter damit auseinanderzusetzen. Und das führt ja doch zu nix.

Unnormalzustände

„Ist das fies, wenn man weiß, wie’s  ist, wenn’s nicht so ist, wie’s ist.“ Schrieb ich gestern jemandem und fies ist noch eine heillose Untertreibung.

Es gab mal ne Zeit in meinem Leben, da dachte ich, „unerträglich schlimm“ ist der Normalzustand. Ich kannte es ja gar nicht anders. Das Leben war unfassbar anstrengend und einfach unerträglich. Ich habe mich jeden Abend in den Schlaf geheult und gehofft, dass ich einfach nie wieder aufwache.

Es kamen bessere Zeiten und ich stellte fest: Nein, „unerträglich schlimm“ ist nicht der Normalzustand. Aber ein wiederkehrender.

Und eigentlich ist es noch schlimmer, wenn man weiß, dass es nicht so sein MUSS. Aber dass es oft genug außerhalb der eigenen Möglichkeiten liegt, einen anderen Zustand herzustellen.

Ich hoffe abends gar nicht mehr, dass ich nie wieder aufwache. Das würde ja eine Verbesserung bedeuten. Und das ist einfach komplett unrealistisch.