Geister, die ich nicht mehr rufe

Ich bin missmutig und einsam und mit der Gesamtsituation unzufrieden, aber immerhin komme ich mal wieder zum Lesen. Und natürlich fällt mir ein Buch in die Hände, dass mich mit seinem ganzen Er-sie-Lateinamerika-Europa-Hassliebe-hin-und-her-Quatsch total an meine Beziehung zu No. 3 erinnert. Ich musste sehr viel lachen, weil der Typ in der Geschichte nicht grad gut wegkommt – sie allerdings auch nicht. Ich hab mich ein bisschen gegruselt, weil es für die beiden nie aufhörte. Droht mir das auch? Und ich hab ganz schön Sehnsucht bekommen, nach dem No. 3, den es schon so lange nicht mehr gibt. Nach dem, was wir einmal hatten.

Mir fehlt jemand wie der Typ, der er einmal war. Mir fehlt jemand, mit dem ich so sein kann, wie ich mit ihm sein konnte. Mir fehlt jemand, dem ich nicht erst lang erklären muss, wer und wie ich bin, weil er es weiß. Weil er schon fast alles gesehen hat.

Als hätte er einen Riecher für mein Grübeln, schreibt er mir. Beziehungsweise schickt mir ein Bild. Kein weiterer Kommentar. Keine Ahnung, was er mir sagen will.

Aber was soll ich sagen. Ist mir wurscht. Er bringt mich jedenfalls nicht zu einer Nachfrage. Er hält ein paar Wochen durch, dann fragt er, ob ich immer noch wohne, wo ich wohne.

Da sollte man meinen, wir hätten das geklärt. Unsere Geschichte ist vorbei. Der Typ, der er mal war, begraben. Er bringt mich gar nicht mehr in Versuchung, egal, wie er es versucht. Das was wir hatten, ist für immer verloren. Und so sehr es mir fehlt: Ich weiß, dass ich es nicht wiederhaben kann.

Unangenehme Wahrheiten

Ich gebe sowas nicht gerne zu, weil ich im Grunde nicht so bin, aber: Ich könnte gerade sehr dringend Nähe gebrauchen. Und eine Umarmung. Ne lange.

Man will ja immer, was man grad nicht haben kann.

Zurückweisungselefanten

In der Sonne liegen und das Alleinsein genießen – ich kann dieser Isolation wirklich viel abgewinnen. Keiner nervt, Menschen müssen Abstand von mir halten (auch wenn einige das immer noch nicht hinkriegen), ich muss nicht den ganzen Tag auf Sonnenlicht verzichten, das fette Arschloch habe ich stummgeschaltet (ich bin wirklich eine die Traum-Mitarbeiterin jedes Chefs…)…

Und doch kriecht von hinten die Einsamkeit heran. Es liegt nicht an der Isolation, nicht am Alleinsein. Im Grunde bin ich nicht einsam, ich mache mich einsam.

Ich ziehe mich bei der erstbesten Gelegenheit zurück, mache aus der kleinsten Zurückweisungsmaus einen Zurückweisungselefanten und vielleicht war das auch nur eine Zurückweisungsillusion – sie reicht mir schon. Vielleicht war es ja doch eine richtige Zurückweisung? Ich ziehe mich beleidigt in mein Schneckenhaus zurück und weil ich die vier am Ende nicht mehr voneinander unterscheiden kann und von einer richtigen Zurückweisung ausgehe, mag ich auch die Fühler nicht mehr ausstrecken. Und wenn die Einsamkeit ihre Tentakel um meine Kehle geschnürt hat, ist es eh zu spät.

Ich habe beschlossen…

…dass meine aktuelle Phase der akuten und sehr anstrengenden Verknalltheit schlicht und ergreifend auf meine akute und recht beklemmende Phase der Einsamkeit zurückzuführen ist. Die mich derzeit besonders hart trifft, nachdem ich in Chile praktisch nur während einiger Busfahrten allein war und sonst Tag und Nacht Leute um mich hatte.

Es wird also vorbeigehen! (So ein Glück!)

Muff

Ich gestehe mir das ungern ein, aber ich bin derzeit wirklich nähebedürftig. Und ich weiß nicht, ob es wirklich nur das Wetter ist. Vielleicht hat mich das zu meinem No. 3-Rückfall getrieben.

Dass ich das kurz hatte, bevor es so abrupt endete, macht den Aufprall wohl noch unsanfter, als ich je zugeben würde. (Ihr habt das gerade also nicht gelesen, klar?!)

Dass No. 3 mich dazu brachte, viel aktiver als bisher eine eh unerreichbare Person anzuschmachten, ist auch nicht besonders toll.

Was ich sonst so schätze – nach Feierabend quer im Bett liegen, alle Viere von mir strecken und kein Wort reden zu müssen – ist gerade arg unbefriedigend.

Und dann watschelt da im Pseudo-Netflix ein superverliebtes, absolut füreinander geschaffenes Liebespaar nach dem anderen durch alle Serien. Ab jetzt nur noch Splatter-Filme. Grmpf.

Allein

Ich war eigentlich immer allein.

Als Kind hatte ich nicht viele Freunde, mit den anderen Kindern im Dorf konnte ich nicht viel anfangen und auch mein Bruder lebte in einer anderen Welt.

Ich habe meine Freizeit mit Büchern, den Pferden und den Katzen verbracht.

In Kanada hatte das Alleinsein auch geografische Gründe, da draußen verbrachte ich meine Zeit eben mit Büchern, den Pferden, den Katzen und den Hunden.

Nach der Schule gab es nur mich, meinen Rucksack und Südeuropa. Und einige wenige Wochen, in denen ich mir die Wohnung in Barcelona mit No. 1 teilte. In denen jeder seiner Arbeit nachging und ich meine Freizeit trotzdem meist allein gestaltete…

Der Gedanke, während des Studiums in eine WG zu ziehen, erschien mir vollkommen abwegig und da ich mich aus den meisten Aktivitäten raushielt, war ich auch in diesen Jahren die meiste Zeit allein.

Auch jetzt bin ich alleinige Herrin über meine Wohnung und in der Redaktion tummeln sich nicht gerade die Massen.

Ich kann die Zeit mit mir sehr gut allein totschlagen, Besuch empfinde ich oft als Invasion und zum Besuchen muss ich mich meist zwingen.

Einsam habe ich mich dabei selten gefühlt.

Zur Not rede ich mit ihm:

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Er hört toll zu und ist ein hervorragender Umarmer.

Manchmal hätte ich trotzdem gerne Antwort…

Menschen -.-

Ich nehme alles zurück. Alle Beschwerden über mangelndes Sozialleben und Wünsche nach intelligenter Interaktion.

Lebt sich doch eigentlich ganz gut so als Schrat.

Wenn nicht sogar besser.

Stille und ihre Hintergrundmusik

Ich bin ein großer Fan von Stille.

Ich bin eine große Quasselstrippe, aber auch ein großer Schweiger.

Ich bin gar nicht traurig, dass ich meistens alleine bei der Arbeit bin, nur ich, mein Tee und das Klicken der Tasten.

Es ist, als ob meine Ohren sich entspannen, wenn es still ist.

Es muss nicht immer unbedingt totenstill sein. Ich genieße auch das Singen von Vögeln, das Rauschen der Wellen oder des Windes in Blättern. Das Plätschern eines Sommerregens, das Spiel von Wind und Schnee, manchmal auch das Singen der Hochspannungsleitungen an einem trockenen, heißen Tag. Das Geräusch, das Pferde machen, wenn sie Heu kauen. Das  Rattern eines Zuges oder Rauschen und Raunen der Menschen in einem Einkaufszentrum, wenn ich in Gedanken vertieft bin.

Dagegen gibt es auch kleine Geräusche, die mich wahnsinnig machen. Das Summen einer Neonleuchte oder eines Ladekabels, wenn das Handy schon längst geladen ist. All die Geräusche, die Menschen beim Essen machen. Das Klackern von Hundekrallen auf dem Bodenbelag.

Und vor allem: Das Geplapper, das No. 2 von sich gibt, kaum dass der Wecker morgens um 6 seinen Senf dazugeben musste. Boar echt ey, zwischen 6 und 9 wird in diesem Haus die Klappe gehalten! Und wenn ich Hunger hab auch. Und wenn ich mich grad auf was anderes konzentriere sowieso.

Ich mag ihn echt, aber ich bin echt froh, wenn 2015 ist und er wieder abzieht.

Dann bin ich wieder allein, allein 🙂

Ich bin ein Waldschrat…

Neues vom Hamster

Der wilde Hamster hat sich fangen lassen, hab ich gehört.

Das ist irgendwie traurig…

Könnte gerade ein paar gute Nachrichten vertragen.

Mein Packen Zweifel wird immer schwerer. Manchmal spüre ich ihn nicht so, weil ich es gewohnt bin, ihn mit mir herumzuschleppen. Aber dann macht er sich wieder umso deutlicher bemerkbar…

Fühle mich auf einmal allein in der Wildnis.