Alma mater

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Früher, also ganz damals, hatte ich einen Heidenrespekt vor Universitäten. So viel Wissen und Weisheit auf einen Haufen, da war ich immer ganz ehrfürchtig. So schlau werd ich NIE, dachte ich ganz niedlich. Als ich dann selbst hintappte, stellte ich fest: Die sind auch nich schlauer als ich. Einige sogar – ühüü – weniger schlau. Eigentlich viele. Ühüüüüü.

Meine chilenische Uni schafft es allerdings immer noch, ein bisschen respekteinflößend auszusehen (und vielleicht bin ich ein ganz kleines bisschen nostalgisch… Sooo viele Erinnerungen).

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Die Intello-Fakultät (also meine):

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Praktischerweise direkt neben dem Platz, auf dem Polizei und Studenten regelmäßig Steine und Tränengas austauschen. Es heißt, die Geisteswissenschaftler seien die krawalligsten. Sicherlich die politischsten.

Sogar aufm Klo:

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Inklusive Rechtschreibfehler. So viel zu Wissen und Weisheit…

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Weihnachts-Männer

Weihnachtsessen mit No. 1a und unseren Muddis. Ich schenke No. 1a, die derzeit nach einem Erzeuger ihrer zukünftigen Kinder sucht, ein Klemmbrett, auf dass ich unsere Männercheckliste – die Originalversion von ganz damals, als wir so adoleszent waren wie geht – geklemmt habe und einen quietschpinken Stift zum Abhaken der einzelnen Punkte. Mit der Hausaufgabe, das Teil auf das nächste Date mitzunehmen und das Gesicht des Glücklichen zu filmen, wenn sie die Liste auspackt und Punkt für Punkt durchgeht.

No. 1a quietscht vor Lachen und die Muddis gucken kariert. Meine Muddi wusste zwar von der Existenz der Liste, kannte ihren Inhalt aber nicht. Die Muddi von No. 1a hört zum ersten Mal von der Sache.

No. 1a liest die Liste laut vor. Selbst ich konnte mich nicht mehr an alles erinnern. Wir lachen Tränen. Ihre Muddi guckt immer karierter. Dann sagt sie zu meiner Muddi: Weißt du, die waren kreuzbrav, nie in der Disco und immer um 11 zu Hause. Hauptsache, die machen so ne Liste für nen Typen, den sie nie hätten aufreißen können! Und meine Muddi antwortet: Wer weiß, wie viele Hausaufgaben die in der Zeit nicht gemacht haben. (Kann ich beantworten: Wir haben eh nie was für die Schule gemacht, Zeitverschwendung! (Französisch ausgenommen…))

Was wir nicht sagen: Dass wir viel zu beschäftigt waren, miteinander zu schlafen, um noch nen Typen mit ins Boot zu holen. Was wir auch nicht sagen: Was wir seitdem angestellt haben. Wir tauschen nur bedeutungsvolle Blicke und gackern noch mehr.

Haach, schönstes Weihnachtsgeschenk.

Vom Vermissen

Ich bin Tausende Kilometer gefahren in den vergangenen Wochen (warum wollte ich noch gleich kein Auto?). Tausende Kilometer Zeit, meine Haare zu dem guten alten Indie-Punk aus den 2000ern zu schütteln. Und an die gute alte Zeit mit No. 3 zu denken, die irgendwie untrennbar mit derlei Musik verbunden ist.

Und ich muss gestehen, dass ich ihn vermisse. Aber nur die No. 3 von damals. Nicht die Arschkrampe von heute.

Ich würde gern Zeit mit der alten No. 3 verbringen. Wild und leidenschaftlich und verzweifelt vögeln.

Aber mir ist klar, dass die alte No. 3 unwiederbringlich verloren ist. Nur noch in der Erinnerung existiert. Dass ich das, was ich vermisse, nicht bekomme, wenn ich die Arschkrampe von heute treffe.

Er jault derweil mein Handy voll. Weil ich mich nicht melde. Wenn ich keinen Kontakt mehr wolle, solle ich ihm das sagen. Stimmt, ich will keinen Kontakt mehr. Aber ich muss mich noch ein wenig an der alten No. 3 festhalten, bis ich soweit bin, der neuen No. 3 sagen zu können, dass sie endgültig aus meinem Leben geflogen ist.

Wer soll dich nur heiraten?

Ich nähe einen BH und muss dabei furchtbar lachen. Weil ich an meine Oma denke. Die ganz sicher im Grab Flickflacks schlägt.

Ich höre sie sagen: „Du wirst auch niiiiie eine richtige Hausfrau.“

„Nö, stimmt Oma.“

„Kind, mach dir doch Licht.“

Im Grunde hat sie recht, aber schon allein, weil sie’s gesagt hat, mach ich’s nicht. Auch wenn sie’s nur in meinem Kopf gesagt hat.

„Nee Oma, geht schon.“

„Ach Gott, gib her, ich mach das eben.“

„Ich bin doch gleich fertig, Oma!“

„Wer soll dich nur mal heiraten?“

„Niemand Oma. Es ist alles gut!“

Erinnerungsfetzen

Facebook spült mir irre viel Zeugs zum Día de los muertos in die Timeline. Und ich denke: Aha, it’s that time of the year. Schulterzucken. Auf Twitter finden sich viele Tweets, in denen sich Leute an ihre toten Angehörigen erinnern. Alles sehr zärtlich, sehr berührend. Das ist mir vorher noch nie aufgefallen, dass das in Deutschland so zelebriert wird, mir Heidenkind aus protestantischen Gefilden. Finde ich gar nicht verkehrt.

Und während ich so sinniere, fällt mir ein, dass das in meiner vierten Heimat Chile ein schön-fröhliches Fest ist. Das ich ganz vergessen hatte. Man gedenkt den Toten, bringt ihnen Essen ans Grab, verbringt einen schönen Tag mit noch mehr Essen mit der Familie und teilt schöne Erinnerungen an die Verstorbenen. Und dann wird noch mehr gegessen.

Und plötzlich erinnere ich mich an Valparaíso. Wo ich vor acht Jahren einen lecker Typen aus Québec traf, der grade frisch in diesem schönen, verrückten und manchmal ein bisschen gefährlichen Chile eingetroffen war und alles irre aufregend fand. Und abends unbedingt noch weggehen wollte, während ich abwinkte – auch weil ich morgens ziemlich früh einen Termin hatte. Geschlafen habe ich dann nur mit einem Auge, weil er die ganze Nacht verschwunden blieb. Da habe ich mir so ein bisschen Sorgen gemacht.

Wir sind dann ineinandergerumpelt, als ich im Morgengrauen – reichlich unausgeschlafen – das Haus verließ. Er war mit einer chilenischen Familie auf einen Friedhof gegangen. Um dann all sein Essen mit einem kleinen Jungen zu teilen, dessen Grab niemand besucht hat. Das war sehr süß…

My beautiful picture

Valpo-gris

Was kosten eigentlich grad so die Flugtickets? Langsam wirds auch weiter südlich Sommer…

sein lassen

Ich habe das Shampoo von SAS im Haar und jetzt rieche ich wie früher, als ich so Zeuch noch in der Drogerie kaufte. Und mein Gehirn macht Erinnerungsglücksrad und ich muss an Barcelona denken. Und habe Lust, No. 1 irgendwas Schnippisches zu schreiben.

Aber ich lasse das lieber.

Ich führe ein Gespräch, auf das ich eigentlich keine Lust habe, bekomme 1000 dumme Fragen gestellt und reagiere mega gereizt. Stelle fest, dass ich prämenstruell bin.

Also lasse ich das lieber.

Ich sehe auf Facebook einen Artikel über Erektionsstörungen und will ihn No. 3 schicken. *Kicher*

Aber ich lasse das lieber.

Ich kann auch ganz gut Sachen nicht machen.