Arvorig

Acht Jahre bin ich nicht in der Bretagne gewesen. Es dauert genau acht Sekunden, bis ich wieder voll drin bin. Nur kurz durchs Dorf gefahren und schon erschlagen mich unzählige Erinnerungen. Kleinkram. Der Arztbesuch bei dem Dorfdoktor, der ungefähr so alt gewesen sein muss wie das Haus, in dem er praktizierte. Ohne Sprechstundenhilfe und viel Zeit. Die absurde Menge an Medikamenten, die die Apothekerin danach vor mir aufstapelte. Das morgendliche Zeitungskaufritual im Tabac: Ich kaufe die Zeitung nur für die Flutvorhersage, die mir referiert wird, sobald das Geld über den Tresen gewandert ist. Wesentlich detaillierter als da auf der drittletzten Zeitungsseite. Das stundenlange Rumgedrücke in der Citroen-Werkstatt, in der ein schnuckliger junger Mann die embrayage rettete (Worte, die ich nie vergessen werde…). Wäre wahrscheinlich schneller gegangen, hätte ich mich da nicht rumgedrückt. Menschen, die gestorben sind und Menschen, die geboren wurden. Dieselbe Katze streicht mir um die Beine, steinalt wie ihre Fellfarbe. Sie ist lauter geworden. Der Typ, der für immer meine Ansprüche an Männer viel zu hoch geschraubt hat. Obwohl wahrscheinlich auch er die Zahnpastatube nicht zuschraubt. Ich erinnere mich – obwohl der Sommer hier noch mal gründlich Zugabe gibt – plötzlich sogar an Februartage, an denen man Regen UND Gischt gleichzeitig in der Fresse hat. An dunkle Tage im Centre de recherche bretonne et celtique in Brest, die ich irgendwann frustriert abbrach und den fantastischen, liebenswerten Kauz im Ofis publik ar Brezhoneg in Carhaix, aus dem ich praktisch an einem Nachmittag meine Bachelor-Arbeit rausgepresst habe. Um sie dann mit Blick auf Sturm in Quiberon reinzuschreiben. Die kleinen Jungs von damals sind richtige Männer geworden. Und eine neue Riege kleiner Jungs zuppelt an den großen Pferden herum.

20 Jahre verbinden mich mit der Bretagne, 20 Jahre, in denen verrückt viel Zeug passiert ist. Mein Französisch ist ein bisschen eingerostet, weil ich es in den vergangenen 5 Jahren kaum benutzt habe, aber ich bin überrascht, wie mühelos ich mich über die verrücktesten Dinge unterhalten. Und manchmal stürze ich mich unbedarft in einen vermeintlich einfach Satz und verheddere mich hoffnungslos. Aber meistens hat mein Gegenüber eine Heckenschere für mein Sprachgewirr parat.

Irgendwo im Morbihan, mitten im Wald, zwischen Farnen und Misteln und Brombeergestrüpp, falle ich komplett auseinander. Ich kann keinem erklären, warum ich heule wie ein Schlosshund. Dafür kann ich danach im Land vor dem Meer auf die steigende Flut starren, ohne dass mich die große Schwermut befällt. Weil ich für einen Moment vergessen habe, wie die Welt hinter dem Land vor dem Meer aussieht.

Ganz lange Leitung

Ich musste heute aus unerfindlichen Gründen an meinen Musiklehrer in der 7. Klasse denken, der uns eines Tages scheinbar zusammenhangslos einen Vortrag hielt à la: Vielleicht merkst du irgendwann, dass du homosexuell bist und das ist voll ok. Er hat es nur viel, viel umständlicher und ungelenker formuliert und es war irgendwie super peinlich und wir waren halt 13 und entsprechend albern. Und die Jungs fragten Dinge wie: „Also laufe ich irgendwann die Straße lang und rufe: ‚Aaaah, ich bin schwul!‘ oder was?“ und „Erzählen Sie uns das, weil sie selber betroffen sind?“ (Was ich nicht ausschließe, auch wenn er mit einer Frau verheiratet war, aber das muss ja nichts heißen.)

Für mich war diese Ansprache damals total „bof“, wie der Franzose sagt, und habe total unberührt weiter meinen Hesse gelesen (was ich halt immer so im Unterricht gemacht habe), weil ich zu der Zeit schon jedem, der es nicht hören wollte, auf die Nase band, dass ich lesbisch sei (und auch schon sehr offen mit No. 1a rumgemacht habe). Diese Aussage musste ich – Jahre später – etwas nuancieren, was nicht heißt, dass es nicht mein Ernst war. Das war nie ein Thema für mich und hätten sie mich deshalb gemobbt, wärs auch nicht so drauf angekommen, weil ob sie mich nun gemobbt hätten, weil ich ich war oder weil ich lesbisch war: Kommt aufs Gleiche raus. Aber sie waren nur Arschlöcher, keine homophoben Arschlöcher…

Ich habe exakt heute kapiert, dass sich diese Ansprache damals gar nicht so sehr an die ganze Klasse richtete als an die Leute, die sich eben nicht getraut haben, aus ihrem Schrank zu kommen – was, wie ich heute weiß, tatsächlich mehrere meiner Mitschüler betraf. Und dass das eigentlich eine coole Nummer von diesem etwas seltsamen Lehrer war (ich hatte so viele so unfassbare Arschlöcher unter meinen Lehrern, dass ich den guten kaum ne Chance gegeben habe). Und dass Jungs halt wirklich Idioten sind (ich war halt mit 13 schon ziemlich klug…).

Erdnussmomente

Am Ende bin ich doch zu der Beerdigung gefahren. Weil es immer noch unvorstellbar ist, dass J. wirklich tot sein soll. Weil ich gehofft habe, dass es vorstellbarer wird, wenn ich sehe, wie sie beerdigt wird. Und weil man mir gnädigerweise mitteilte, dass die erlaubte Personenzahl erhöht wurde, wir müssen uns nur alle mit nem Stäbchen in der Nase rumfummeln lassen. Wie das so ist in diesen Tagen.

Auch der Dresscode wurde durchgegeben. Dass kein Schwarz gewünscht ist, war klar, wir kennen doch unsere J. Doch nicht nur das: Erbeten werden Pink, Glitzer und Pailletten. Da kann ich beim besten Willen und aller Liebe nicht mit dienen. Mein Schrank bietet in erster Linie: fröhliches Schwarz.

Also stehe ich vor der Kapelle in fröhlich schwarzer Jeans und wegen der allen Liebe in weißen Turnschuhen – denn sie hat jahrelang versucht mich von Turnschuhen zu überzeugen und triumphiert als ich mir fürs Segeln welche anschaffte (und nur fürs Segeln!) – und in dem Pinkähnlichsten, das ich meinem Schrank entlocken konnte – auch wenns keiner sieht: dem rosa Tanga. J. hat nie verstanden, warum ich Tangas nicht mag. „Auch nicht im Sommer?!“ Nee, grad nicht im Sommer! Es gibt elegantere Gesten als sich den zwackenden Krustenkratzer, wie die Québécois sagen (nutzlose Vokabeln, die ich auch dann nicht vergessen werde, wenn ich schon meinen Namen nicht mehr weiß), aus der Arschritze zu klauben.

Ich bin in strahlendem Sonnenschein losgefahren, doch kurz vor dem Ziel kommt J. auf ihrer Schlechtwetterwolke angerudert und macht maximales Drama. Wie üblich. Erdnuss gefällig? Doch als der Typ mit der pinken Krawatte auftaucht, verzieht sie sich.

Der Typ mit der pinken Krawatte ist ein stadtbekannter Politiker einer bundesweit bekannten Partei mit C wie Zukunft und ist gelegentlich durch J.s Bett gerutscht. Aber eigentlich schon vor langer Zeit mit Schimpf und Schande davongejagt worden. Das hatte einfach keine Cukunft. Ich ziehe mir eilig die Maske übers Grinsen und am Prusten hinter mir erkenne ich die andere J., die ich bisher nur vom Telefon kannte.

Es ist eine kurze, pinke, formlose Zeremonie mit deutlich weniger Personen als das Drama erahnen ließ, die andere J. schummelt noch die Urne von Kater Paul mit in die Urne und irgendjemand muss mir mal erklären, wie man das mit dem Rotz unter der Maske machen soll.

Am Ende stehen wir unter einem Baum und man schmeißt pinke Rosenblätter in ein Loch. Der Bestatter hält mir das pinke Körbchen hin aber ich lehne dankend ab: Ich kippe eine Handvoll Erdnüsse auf die Urne. Der Bestatter guckt komisch, die Mädels hinter mir gackern. J., du warst doch eine alte Tratschtante!

Wir stehen unterm Baum und man befindet: perfekter Platz. Da wo am meisten los ist. Hat sie was zu lästern. Kann sie Erdnussmomente haben. Und Erdnüsse werfen.

Der Typ mit der pinken Krawatte geht und die nachtschwarze Wolke rudert an. Die andere J. befindet: Das dauert ihr zu lange. Sie hasst viel Gewese. Und sagt zu ihrer Freundin M. auf mich zeigend: Nehmen wir sie noch mit? Und M. sagt: Sie gehört doch zur Erbmasse. Und ich werde mitgeschleppt auf einen „Latte Matschaaato“ in J.s Ehren, Kekse und Spaghetti mit heilender Sauce.

Wir quatschen, als kennten wir uns ewig, eine winzige Katze adoptiert mich auch und finden, dass die J. schon nen ziemlich guten Geschmack hatte. Auf dem Tisch krabbelt eine widerborstige Ameise, die sich einfach nicht raustragen lassen will und wir sind uns ziemlich sicher, wer da wohl reinkarniert ist…

Die andere J. zeigt mir ein Foto, das ich schon ganz vergessen hatte. J. hat es in Barcelona gemacht. Es sind nur unsere Füße drauf, unsere vom Barcelona-Marathon geschundenen Füße. Die Turnschuhe sind wohl nicht deine, hm?, sagt die andere J. Nee, meine Füße sind die mit den Sandalen, die J. mir mal geschenkt hat. Die Sandalen haben den Barcelona-Marathon nicht überlebt, sie wurden feierlich im Hotel-Mülleimer beerdigt.

Statt der Schuhe brachten wir den Erdnussmoment mit. Auf dem Hinflug wurden – ogottogott – keine Snacks serviert, weil jemand mit schwerer Erdnussallergie an Bord war. Meine Sitznachbarin verlor völlig die Fassung, weil sie nicht verstehen wollte, warum wir auf dem zweieinhalbstündigen Flug alle VERHUNGERN sollen, bloß weil da einer ne Erdnussallergie hat. Ist doch sein Problem, nicht unseres. Als der Flugbegleiter versuchte, ihr klarzumachen, dass es NOCH länger dauert, bis sie was zu futtern kriegt, wenn wir notlanden müssen, weil die Person einen anaphylaktischen Schock erleidet, versuchte sie, uns auf ihre Seite zu ziehen. Aber wir waren in ein SEHR wichtiges Gespräch vertieft. Als ich an der Gepäckausgabe auf unserer Handgepäck, das wir am Ende doch aufgeben mussten, wartend, total gestresst von der hysterischen Verhungernden ungeduldig zu knurren begann, meinte J. staubtrocken: Krisst wohl grad nen Erdnussmoment, wa?

Wir sind die Königinnen der Erdnussmomente. Ihre Wolke ist ein einziger Erdnussmoment.

Nee, ich finde es immer noch unvorstellbar, dass J. einfach nicht mehr da sein soll.

Trigger

Es stelle immer wieder fest: Es sind die seltsamsten Dinge, die mich triggern.

Das Geräusch von Rasenmähern: Ich werde zur immer kleiner werdenden Kugel auf dem Sofa. Bestimmter Telefonklingelton im Garten: Ich erstarre zur Salzsäule.

Dinge, die mir jahrelang nicht begegnet sind. Ich hatte sie vergessen.

Und dann ist da noch das:

Das Bild hängt schief.

Ein Kalender, den meine Mama gemacht hat von unserem Urlaub am Meer.

Schlimm alles auf dem Bild – außer, dass ich aussehe wie meine Oma, wenn sie ihr Gebiss rausgenommen hat: barfuß im weißen Sand, unterm strahlend blauen Himmel, Meeresbrise um die Nase.

Ich brauche das Bild nur aus dem Augenwinkel sehen und mich befällt sofort der Schwermut, der sich beim Starren aufs Meer zu mir gesellt hat. Ich kann augenblicklich nachvollziehen, wie ich mich in der Zeit gefühlt habe. Und fühle mich immer noch so.

Im Grunde hat sich nichts geändert. Zwar habe ich einen neuen Job und so, yay, dafür habe ich ein j.förmiges Loch in meinem Leben, das im August nicht mal ansatzweise absehbar war.

Nie ist die Diskrepanz zwischen dem, was ich will und dem, was ist, deutlicher als beim Starren aufs Meer. Und die Leere, die bleibt, ist überraschend schwer.

Olfaktorisches Gedächtnis

Es ist Januar und verschwitzt vom… ehem… „Sport“ sitze ich am Küchentisch und will Kaffee mahlen. Ich schütte die südamerikanischen Bohnen in die Mühle und mein Nase steht ganz oben auf der Abschussliste.

In meinem Kopf ist es Juli, einer dieser heißen, schweren Sommertage, an denen die Luft und das Licht schon das Gewitter ankündigen. Ich sitze verschwitzt im offenen Fenster, draußen riesige Bäume mit dschungelhaften dunklen, saftig-grünen Blättern und unten das Innenstadttreiben. Drinnen ist auch alles dunkel, die Holzdielen, seine Bilder an der Wand, die Bettwäsche, seine Bücherwand, das Modell auf dem Regal, die Kaffeebohnen im Glas auf der Truhe, mit denen ich ihn bewerfe, weil ich ich bin. Erst eine nach der anderen und irgendwann kippe ich das ganze Glas über ihm aus, wir gackern und er küsst mich plötzlich wild. Er rieft nach Kaffee und nach Kippen und nach Schweiß und so nach IHM. Ich wehre mich ungefähr 30 Sekunden und dann bin ich verloren.

Damals, da war ich noch so unschuldig…

Wenn man nicht mal mehr Kaffee machen kann, ohne an No. 3 zu denken.

OARRR!!!!

Musik-nackich

Drei Wochen der himmlischen Ruhe und des produktiven Arbeitens sind vorbei – das fette Arschloch der stellvertretende Chefredakteur ist aus dem Urlaub zurück.

Schon bevor er den Raum betritt, stopfe ich mir die Ohren mit Kopfhörern, alle seine Gesprächsversuche lenke ich gekonnt und auffällig auf meinen armen Kollegen M. ab, ich egoistisches Schwein.

Ich tue so, als ob ich arbeite – auf Anraten des Betriebsrats krümme ich praktisch keinen Finger mehr – bringt eh nix, solange die Personaldecke derart anorektisch ist – und höre Musik.

Etwas, was ich außerhalb des Autos nur noch selten tue, da ich nach meinem Studium die Schnauze von Kopfhörern gewaltig voll hatte und auch gar keine Geräusche direkt aufm Ohr mehr ertrug…

Jedenfalls gebe ich mich so ganz der Musik hin, weil alles besser ist als das störende Gelaber von Fetti und stelle mal wieder fest: All die gute Musik in dieser stunden- wenn nicht gar tagelangen Playlist lässt mich an No. 3 denken. Egal wie oft ich auf weiter drücke. Alles behaftet mit Gedanken – und wieder nicht an das unfassbare Arschloch, das er ist, sondern an den heißen, wilden, zärtlichen Typen von ganz damals, der für die 16-Jährige in mir Kryptonit ist. Den Typen, der schon längst nicht mehr existiert.

Jetzt ist ja nichts gegen schöne Erinnerungen einzuwenden, nur: Ich denke dann auch immer an seinen Körper, seinen Geruch, das Gefühl von seiner Haut unter meinen Händen. Und ich weiß, dass diese drei Dinge nur eine kurze Nachricht weit weg sind. Noch diese Woche könnte ich wild mit ihm vögeln. Und wahrscheinlich würde ich ihn direkt im Anschluss wieder einen Kopf kürzer machen wollen.

Mein Kopf ist sowas von durch mit diesem Typen, aber mein Körper irgendwie nicht. Und schon erst recht nicht mein Musik-Gedächtnis.

Mir bleibt keine Wahl: Ich brauche einen neuen Musik-Geschmack…

Ach Barcelona

Zehn Jahre sind vorbei und doch ist kein Tag vergangen. Wir haben sofort wieder zusammengefunden, mein Barcelona und ich.

Allein der Metro-Geruch weckt die Erinnerung daran, welche Linie wo hält. Ich wusste gar nicht, dass ich das mal so genau wusste. Aber ja, ich erkenne jede Station wieder. Ihren Klang, ihre Wege.

Jede Durchsage weckt die alten Katalanisch-Kenntnisse, die ich (fast) nie wieder gebraucht habe. So nachhaltig, dass ich ohne drüber nachzudenken nach dem blauen „El Periódico“ greife – der katalanischsprachigen Ausgabe der Zeitung.

Ich stapfe durch die regennassen Straßen, atme den besonderen Duft der Stadt und genieße die besondere Stimmung bei grauem Himmel. Das sonst so fröhliche Barcelona wirkt düster und morbide und doch verleiht dieses Wetter ihm gleichzeitig diese einzigartige Eleganz, diese leise Überlegenheit.

Und überall der Duft von Flieder…

Neinnein, das ist kein Pipi in meinen Augen, das ist der Regen.

Ich lausche dem Spanisch der Katalanen und obwohl es das Spanisch ist, das ich ganz am Anfang mal gelernt habe, klingt es irgendwie seltsam nach all den Jahren Chilenisch. Es mündet in die ultimative Verwirrung, als ich wafle con frutillas statt gofre con fresas bestelle und erst der zentralamerikanische Kassierer das Missverständnis einigermaßen aufklären kann.

Und dann kommen sie zurück: Die Sonne in den Häuserschluchten, die kreischenden Halsbandsittiche.
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Ich erinnere mich an den unsinnigsten Kram, unzählige winzige Momente in Barcelona. Und ich suche die Erinnerung. Ich wandere durch mein Viertel, ich tappe in meine Bäckerei, bestelle dümmlich grinsend ein Croissant und betrachte die hässlich braune Einrichtung, an der sich nichts geändert hat. Ob sie wenigstens das überteuerte Eis im Kühler mal ausgetauscht haben?

Ich denke ganz viel an No. 1 und erinnere mich stets daran, dass ich unsere gemeinsame Zeit in Barcelona gerade ganz böse idealisiere. Und ich denke an all die Dinge, die er mir gezeigt und ermöglicht hat und dann bin ich irgendwie ganz schön dankbar und ein bisschen fehlt er mir…

Ich schwelge in Tortillas de patata, Patatas bravas und kurioserweise in Pa amb tomàquet, dem ich sonst nie so viel abgewinnen konnte – vor allem, nachdem ich Hunderte davon zubereitet habe…

Ich mache mit J. ganz viel Touri-Quatsch, den ich nie so gemacht habe, stelle fest, dass viel mehr Touris da sind als früher mal und dass sie noch mehr abgezogen werden als früher mal.

Und der Kreis schließt sich an den Treppen zum Museu Nacional d’Art de Catalunya, auf denen ich damals schon einmal saß, an einem meiner letzten Tage in Barcelona, auf die Plaça d’Espanya guckte und flennte.

J. fragt mich sehr ernsthaft, ob ich sie wohl noch zum Flughafen bringe, mit einem Augenzwinkern davon ausgehend, dass ich wohl bleiben werde. Sie fragt mich, warum ich eigentlich damals meine Sachen gepackt habe.

Ja, es gab Gründe. Es gibt aber eigentlich keinen, warum ich nicht zurückgekehrt bin…

Ach, Barcelona, meine Alte. Wir sehen uns wieder. Nicht morgen, nicht nächste Woche, aber bald!

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Barcelona!

J. und ich haben unseren Urlaub in Barcelona klargemacht. Ich freue mich, auf unterwegs sein. Gleichzeitig packt mich so eine Welle von Nostalgie und die Frage: Krieg ich das hin?

Es ist eigentlich albern. Barcelona war im Grunde eine gute Zeit. Schön. Intensiv. Lehrreich. Persönlichkeitsbildend. Barcelona hat einen großen Platz in meinem Leben und in meinem Herzen. Ich denke oft sehnsüchtig daran. Und dennoch war ich seit zehn Jahren nicht mehr dort (oh Hilfe, WIE alt ich bin…). Obwohl nichts dagegen gesprochen hätte, einfach mal vorbeizugucken. Nichts hat mich aufgehalten.

Jetzt hat man mich praktisch dazu verdonnert und ich freu mich. Und ich hab nen Kloß im Hals. Eine völlig irrationale Ohnmacht. Mir fallen plötzlich Dinge ein, die ich völlig vergessen hatte. Orte, von denen ich gar nicht mehr wusste, dass ich da mal war. Ganz viel Katalanisch, das ich nie wieder gebraucht habe. Splitter einer Darf man das?, die so gar nicht mehr ist.

Ich bin gespannt, ob ich dieser Begegnung mit meinem alten Ich gewachsen bin. Und ich kann’s kaum erwarten, das Stückchen alte Heimat zu sehen.

Alma mater

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Früher, also ganz damals, hatte ich einen Heidenrespekt vor Universitäten. So viel Wissen und Weisheit auf einen Haufen, da war ich immer ganz ehrfürchtig. So schlau werd ich NIE, dachte ich ganz niedlich. Als ich dann selbst hintappte, stellte ich fest: Die sind auch nich schlauer als ich. Einige sogar – ühüü – weniger schlau. Eigentlich viele. Ühüüüüü.

Meine chilenische Uni schafft es allerdings immer noch, ein bisschen respekteinflößend auszusehen (und vielleicht bin ich ein ganz kleines bisschen nostalgisch… Sooo viele Erinnerungen).

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Die Intello-Fakultät (also meine):

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Praktischerweise direkt neben dem Platz, auf dem Polizei und Studenten regelmäßig Steine und Tränengas austauschen. Es heißt, die Geisteswissenschaftler seien die krawalligsten. Sicherlich die politischsten.

Sogar aufm Klo:

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Inklusive Rechtschreibfehler. So viel zu Wissen und Weisheit…