Freunde erkennt man in der Not

Da muss ich doch noch mal drauf rumreiten.

Es gibt so ein paar Leute, die nicht einfach sagen: Könntest du nicht…? Solltest du nicht…?, sondern die einfach machen. Selber Hand anlegen und konkret helfen.

Und dann ist da der große Bruder. Mit dem ich eine gepflegte Nicht-Beziehung habe. Wir rufen uns zum Geburtstag an. Wir laufen uns manchmal bei den Eltern über den Weg. Er freut sich dann daran, wie leicht ich mich doch von ihm provozieren lasse, ich teile ihm mit, wie ätzend ich das finde. Penner. Er hat ein paar Mal versucht, mit mir über ein paar Dinge zu reden, und stellte fest und akzeptierte, dass ich ein Nicht-drüber-Reder bin. Über andere Dinge reden wir in stillem Einvernehmen nicht.

Der große Bruder hat immer überall verkündet, wie ätzend die kleine Schwester ist. Und war doch immer da, wenn die Hütte brannte.

Die kleine Schwester bittet nie um Hilfe. Jetzt hat sie sich mal durchgerungen, weil sie allein wirklich nicht weiterkommt. Deutlich gesagt, dass er auch nein sagen kann.

Keine Fragen. Er schreibt: „Sag mir wann“ und das Thema ist erledigt.

Amaaaaaazing.

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Hochzeitsglocken

Immer häufiger wird meine Facebook-Timeline mit Hochzeitsfotos (kitschig) und Babyfotos (hässlich) gespamt.

Woher kommt das auf einmal? Liegt es an der drohenden 30? Was ist nur aus meinen Freunden geworden? Aus meinen FreundINNEN vornehmlich. Das waren mal so cool, so unabhängige Wesen mit so anderen Zielen. Gerade diejenigen, von denen ich es am wenigsten erwartet hätte, präsentieren Ringe und Brautkleider…

Mir persönlich haben sich Sinn und Mehrwert von Heirat und Fortpflanzung nie erschlossen. Ich hatte noch nie das Bedürfnis, jemanden bis ans Lebensende bis zur Scheidung an mich zu knoten (fehlte die Liebe?). Ich höre (noch?) keine Uhr ticken und wenn das Tor schließt – naja, dann isses halt zu. Und mit den Gründen, die für mich gegen Nachwuchs sprechen, könnte ich noch einen ganzen Post füllen.

Ich gönne jedem Paar die Liebe, die es zu der Überzeugung führt, füreinander gemacht zu sein. Und die Steuervorteile auch.

Befremdlich finde ich es trotzdem.

Und bitte, bitte verschont mich mit Babyfotos!

Gut, dass wir DAS geklärt haben

E-Mail von meiner Mama:

Jetzt weiß ich endlich, wieso du schon als Kindergartenkind Rolf Zuckowski doof fandest.
Ich hörte heute Morgen im Radio, dass Rolf-Zuckowski-Liebhaber überdurchschnittlich oft auch CDU-Wähler sind.
Das war ja schon im Windelalter klar, dass du nicht zu dieser Zielgruppe gehörst.
Absolut plausible Erklärung.
So startet man mit einem Lacher in den Tag 🙂

Bruderherz

Mein Bruder behandelt mich noch immer wie die Zwölfjährige, die ihren Teil nicht übernehmen will.

Die irgendwann nicht nur ihren, sondern auch seinen Teil übernommen hat, in diesem Irrenhaus, das meine Familie ist.

Das hat für ihn nicht stattgefunden, weil er sich verpisst hat, kaum dass sich die Gelegenheit ergab und nur noch aufgetaucht ist, wenn für ihn was dabei absprang.

Früher war er da in der Not, bis er aufgehört hat, meine Not zu sehen.

Ich bürde mir bis heute alle möglichen Teile auf. Und er behandelt mich, als hätte ich nie was getan.

Und dann sitze ich wieder wie die einsame, hilflose Zwölfjährige auf dem Badezimmerfußboden und heule…

Ach Omi

Meine Oma hat Hautkrebs.

Meine Oma war Krankenschwester, sie weiß, wie das Kaninchen hoppelt.

Meine Oma sagt: Ich bin 90, ich bin nicht fit, ich mach doch jetzt keinen Zirkus.

Also lässt sie sich wegschnippeln, was wegzuschnippeln ist, mehr nicht.

Der Hautarzt schnippelt in ihrem Gesicht rum, sagt, das war’s noch nicht, da müssen Sie noch mal wiedekommen.

Meine Oma, wohlerzogen wie sie ist, zeigt ihm nen Vogel.

– Nee, am Ende bleibt da noch ne riesige Narbe, wie sieht das denn aus?

Meine Oma geht nicht wieder zum Hautarzt. Sie hat klare Prioritäten. Sich von dem dämlichen Krebs die Stimmung versauen lassen gehört nicht dazu!