Weihnachts-Männer

Weihnachtsessen mit No. 1a und unseren Muddis. Ich schenke No. 1a, die derzeit nach einem Erzeuger ihrer zukünftigen Kinder sucht, ein Klemmbrett, auf dass ich unsere Männercheckliste – die Originalversion von ganz damals, als wir so adoleszent waren wie geht – geklemmt habe und einen quietschpinken Stift zum Abhaken der einzelnen Punkte. Mit der Hausaufgabe, das Teil auf das nächste Date mitzunehmen und das Gesicht des Glücklichen zu filmen, wenn sie die Liste auspackt und Punkt für Punkt durchgeht.

No. 1a quietscht vor Lachen und die Muddis gucken kariert. Meine Muddi wusste zwar von der Existenz der Liste, kannte ihren Inhalt aber nicht. Die Muddi von No. 1a hört zum ersten Mal von der Sache.

No. 1a liest die Liste laut vor. Selbst ich konnte mich nicht mehr an alles erinnern. Wir lachen Tränen. Ihre Muddi guckt immer karierter. Dann sagt sie zu meiner Muddi: Weißt du, die waren kreuzbrav, nie in der Disco und immer um 11 zu Hause. Hauptsache, die machen so ne Liste für nen Typen, den sie nie hätten aufreißen können! Und meine Muddi antwortet: Wer weiß, wie viele Hausaufgaben die in der Zeit nicht gemacht haben. (Kann ich beantworten: Wir haben eh nie was für die Schule gemacht, Zeitverschwendung! (Französisch ausgenommen…))

Was wir nicht sagen: Dass wir viel zu beschäftigt waren, miteinander zu schlafen, um noch nen Typen mit ins Boot zu holen. Was wir auch nicht sagen: Was wir seitdem angestellt haben. Wir tauschen nur bedeutungsvolle Blicke und gackern noch mehr.

Haach, schönstes Weihnachtsgeschenk.

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True Soulmates

Wahre Seelenverwandtschaft zeigt sich unter anderem im geteilten, herausragenden Sockengeschmack…

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#TraumfrauendieeinemdenTagretten ❤

… und in dem, was der Kollege G. mir in der Konferenz auf den Notizzettel malte:

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#bemyworkhubby ❤

Berechtigte Fragen zu unsrer geistigen Reife beantworte ich mit: 12.

Fucking Feminism

Wir haben da so eine Volontärin… Unter Welt retten geht gar nichts: Wenn ihr ein Thema nicht relevant genug ist, lehnt sie es ab. Oder sie nölt so lange rum, bis es ihr jemand entnervt abnimmt, weil man den Artikel in der Zeit, die sie ins Nölen gesteckt hat, schon längst fertig geschrieben haben könnte.

Als ob Volontäre sich sonst ihre Themen aussuchen könnten… Das geht ihr nur durch, weil sie den Chef amüsiert – noch. Eines Tages wird ein gewaltiges Donnerwetter auf sie herabgehen.

Sie ist vegan, Feministin, ehrenamtliche Flüchtlingshelferin, linke Demoteilnehmerin… das ganze Paket – im Grunde so wie ich. Nur viel penetranter. Sie reibt es jedem unter die Nase. Moralisiert permanent. Sie sagt im Grunde dauernd das Richtige. Nur klingt es, als käm sie grad aus dem linksgrün-versifften Emanzenseminar. Wenn sie anfängt, Vorlesungen über „toxische Maskulinität“ und was Kant gesagt hat zu halten, muss ich immer spontan aufs Klo – ich, die ich sonst so sehr auf Intello-Geschwafel abfahre.

Ich will das gar nicht schlecht reden, sie hat ja meistens Recht. Ich frage mich allerdings, ob man damit was erreichen kann, wenn sie selbst mich damit nervt. Ob man sich nicht ein bisschen der Realität anpassen muss, um viel subtiler das Richtige zu erreichen. Oder ob es Leute wie sie braucht, die als das Engelchen auf unserer Schulter immer wieder darauf pochen, dass sich Zeug gefälligst zu verändern hat und dass wir schon viel zu viel Zeit verplempert haben.

Mich alte Zynikerin straft sie jedenfalls immer mit höchst missbilligenden Blicken, wenn ich wieder unpassende Witze mache, mit den Macho-Sprüchen der Kerls mitgehe und immer noch einen draufsetze (immerhin bin ich die Sexismus-Beauftragte) oder ausführlich über Blow-Jobs und Pornos spreche.

Wochenlang hat man ihr eine gewisse Verachtung angemerkt: Wir Online-Lümmel waren ihr einfach nicht korrekt genug – und ich ganz besonders nicht. Da kommt so eine mit eng anliegenden Klamotten und hohen Absätzen an und kommentiert Gespräche wie: „irgendwas mit Mob“ – „hier ist kein Mops“ mit: „nee, nur Möpse“ und ruckelt ihre Brüste in ihrem BH zurecht. Findet es nicht TOTAL verwerflich, wenn in einer Überschrift „Weib“ steht (passte halt zum Inhalt). Verwerflich von mir.

Und dann drücke ich ihr auf, etwas zu dem Buch „Das ist Alpha“ von Kollegah zu schreiben und sie nölt. Immerhin: Sie liest ein paar Artikel dazu. Liest mir Zitate vor wie:

Sex zu bekommen wird dank deiner Bossaura für dich so alltäglich und selbstverständlich werden wie pissen gehen.

Die Frau hat natürlich ein Mitspracherecht bei Entscheidungen, aber der Initiator und Durchsetzer, der das letzte Wort hat, bist du.

…ich darf dir verraten, dass es ganz sicher nicht am Geiz ihres Gemahls liegt, wenn sich eine 23-jährige Millionärsgattin kleidet wie eine Hure. Vielleicht fehlt der Dame einfach Stil.

Ich will jetzt gar nicht die Chauvi-Macho-Keule auspacken, aber wenn ich mir die unüberschaubare Menge an Bitches ansehe, die nach jedem Konzert auf den Boss wartet, dann weiß ich, wie die Realität aussieht.

Und ich bekomme Schnappatmung. Einen Tourette-Anfall. Ich will ihr das Thema entreißen. Auf 5000 Zeichen abkotzen. Tue es dann doch nicht, weil ich weiß, dass das nicht gut ausgeht.

Und sie macht große Kulleraugen. „Wusste gar nicht, dass du dich auch für Feminismus-Themen interessierst…“

Schätzchen… Ich bin eine Frau in einem Männerberuf, in einem Team, das vor deiner Ankunft nur aus Typen und mir bestand. Ich habe mir in kurzer Zeit eine Menge Respekt erarbeitet. Ich habe recht viel Verantwortung an mich gerissen – oder sie wurde mir überlassen. Ich hab die allergrößte Klappe. Und ich kann, was ich tue.

Ja, ich trage weibliche Kleidung. Weil ich da Bock drauf hab. Ja, ich lasse die Jungs ihre Kleine-Chauvi-Seite raushängen. Weil ich da Spaß dran hab und weil sie sich bei mir eh nix trauen. Und ja, ich quassel permanent über Sex. Mache Witze darüber. Ich sende sexuelle Signale und ich habe Sex – und dann rede ich da drüber. Das alles – und ich meine wirklich das ganze Paket – ist Teil meiner sexuellen Selbstbestimmung. Ich tue, was Männer tun. Kann man gut finden, man kann es auch lassen. Aber was ich tue, ist mein Ding. Das ist Fucking Feminism.

Und das ist mein Beitrag für die Gesellschaft, den ich weit verbreite, aber niemandem aufdränge. Wer sich gestört fühlt, darf mir das sagen, der wird dann nicht mehr beschwallt…

Aber ich wiederhole mich gerne: Die Welt muss weniger verklemmt sein. Sex muss aus der Schmuddelecke. Sex ist Alltag – behandelt ihn so. Je mehr vor Menschen – vor allem junge Menschen – über Sex wissen und je weniger sie glauben, dass es was „Schmutziges“ ist, desto bessere und sicherere Entscheidungen können sie treffen. Eigene (!) Entscheidungen.

Es ist übrigens nicht besonders feministisch, mich dafür schief anzugucken. „Ich bin gar keine Schlampe – ich hab heut erst drei Typen gehabt“, sprach ich und zog ab.

Dings, äh: Gender

Die Männer diskutieren über das Thema Frauenquote.

Darf man das? wirft ein: Fragt bloß nicht die Quotenfrau in der Redaktion!

Chef (völlig unmotiviert): Sie machen nen guten Job, Frau Fragezeichen! Und das sage ich nicht, weil Sie ne Frau sind.

Kollege (murmelt in seinen Bart): Sie is ja auch n Mann!

Chef: Sie sind n toller Kollege, Frau Fragezeichen.

Etwas später will mir der leitende Redakteur ne Aufgabe aufdrücken.

Darf man das? (Salat müpfelnd): Maff iff niff, iff hab Pause

Leitender Redakteur: Du Schwein!
Und zu sich selbst: Darf man zu einer Frau „Schwein“ sagen?

Kollege (mit Nachdruck): Sie ist ja auch ein Mann!

Leitender Redakteur: Guter Mann, diese Fragezeichen!

Darf man das? … kratzt sich am Sack…

Torschlusspanik

30, unverheiratet, kein potentieller Gatte in Aussicht. Ob mich das nicht beunruhigt, werde ich gefragt. Mir vielleicht sogar peinlich ist.

Ich verschlucke mich vor lachen. Warum in aller Welt sollte mir das peinlich sein??? In meiner Welt haben Familienstand und Alter nach Erreichen der Volljährigkeit überhaupt nix miteinander zu tun. Ob man nun mit 20, 40, 109 oder eben gar nicht heiratet: wurscht.
Und keine Sorge, als alte Jungfer werde ich wohl nicht enden. Der Zug ist abgefahren.

Aber alle wollen doch heiraten!?

Erstens bin ich nicht alle. Zweitens fallen mir spontan ein Dutzend Leute ein, die das ebenfalls nicht wollen. Drittens: Von mir aus können ja alle heiraten wollen und auch heiraten. Aber das zwingt mich doch nicht, das ebenfalls zu tun. Ich weiß, dass viele Frauen (und auch Männer) sich das wünschen, dass viele Frauen in meinem Alter verzweifelt nach Heiratsmaterial suchen – ich kann noch so tief in mich reinhorchen: Ich verspüre diesen Wunsch nicht. So wie es Leute gibt, die nicht den Wunsch verspüren, in den Arsch gefickt zu werden (soll es geben).

Und wie soll dein Leben aussehen in 10, 20 Jahren, wenn du immer noch unverheiratet bist?

Äh, in etwa so wie jetzt? Tatsächlich fände ich es schlimm, wenn sich das änderte, sollte ich aus irgendeinem Grund heiraten.

Aber was ist mit der Liebe?

Ach Gottchen, die Liebe. Erstens sind wir ja eh eher Unbekannte. Und zweitens muss man doch nicht verheiratet sein für die Liebe.

Aber dann ist das doch alles viel sicherer!?

Hä? Muss ich jemanden mit einem Stück Papier an mich fesseln und ihm den Lauf eines Rings an die Brust halten, damit er mich liebt? Ich glaube nicht, dass man jemanden mehr liebt, weil  man verheiratet ist. Und ich glaube nicht, dass eine Heirat eine Beziehung wirklich stabiler macht. Natürlich ist die Hemmschwelle höher, aber auch verheiratet kann man einfach eines Tages sagen: Ich hab keinen Bock mehr auf dich, tschüs. Ein Ehepartner kann einem genauso auf die Nerven gehen, wie ein „Nur“-Partner, man kann genauso aufhören ihn zu lieben. Man kann genauso aus Gründen – Bequemlichkeit, Knete, Abhängigkeit, wasweißich – mit einem „Nur“-Partner zusammenbleiben, auch wenn man den eigentlich schon ätzend findet. Man kann aber auch genauso jemanden über alles lieben, wenn man nicht verheiratet ist (hab ich gehört).
Für mich macht das keinen Unterschied, ob man nu verheiratet ist oder nicht.

Wenn dir das so egal ist, warum bist du dann so für die Ehe für alle?

Ich sach ja, von mich aus kann jeder heiraten oder nicht heiraten. Was ich will, ist, dass alle dasselbe Recht hat, das zu entscheiden.

Deine Argumente sind ja schön und gut. Aber Heiraten hat ja auch was Irrationales. So, wie wenn man sich eine Katze anschafft, sie liebt und füttert und Geld reinsteckt – und im Gründe gar nichts davon hat.

Sehr, sehr seltsamer Vergleich… Ich habe überhaupt nichts gegen Irrationales. Ich kann das voll gut. Ich schließe ja auch gar nicht aus, dass ich irgendwann etwas derart Irrationales mache – auch wenn ich, wie gesagt, nicht den Wunsch danach verspüre. Aber ich kann die Katze ja auch lieben und sie füttern, ohne sie zu heiraten, nech?

Erkenntnisse

Da geh ich mit einem Kollegen essen, mit dem ich bisher nicht soo viel zu tun hatte, weil wir erst seit Anfang des Monats in einem Team sind. Und dann war er direkt mal ne Woche im Urlaub.

Ich heute so – wie ein ganzer Kerl eben – total aufgemädchent, Klamotten, die den geilen Arsch und die dicken so mittelgroßen Titten betonen, Ohrringe und Flitterarmband.

Jedenfalls stellt er fest: Du siehst aus und wirkst son bisschen wie ein Nerd. Ich weiß nur noch nicht, was für ein Nerd.

Waaaa?

Jetzt weiß ich auch, warum ich immer so Nerds anziehe…

Meine ganze Sexyness zersplittert mit einem Satz.

Immerhin kann ich mir jetzt sicher sein, dass ich hier nie in die Verlegenheit kommen werde, mich zwischen einen Kollegen vögeln oder lieber nicht vögeln werde entscheiden müssen…