Love thy Kollegen (3)

– Irgendwann kann man als Gesellschaft doch reifen!, finde ich. Man kann erkennen, dass Sachen scheiße sind und dann einfach damit aufhören, statt daran festzuhalten, „weil man das immer so gemacht hat“. Das ist doch kein Argument! Wir haben ja auch irgendwann aufgehört, kräuterkundige Rothaarige zu verbrennen, das tut ja auch keinem weh!

Der Chef und einige Kollegen winden sich. „Najaaaa“ und „Bei einigen Frauen…“ und „Ob das so ne gute Idee war…“, sagen sie im Chor. Mein Kopf explodiert kurz und dann bin ich raus.

Später spreche ich mit einem Kollegen über eine Nachricht zum Thema Frauen in Führungspositionen.

– Na, das wird diesen rückständigen Konservativen da drüben ja nicht passen, sage ich und fuchtele in Richtung der Hexenverbrenner.

Der Nerd ist entrüstet.
– Hast du mich grade als rückständigen Konservativen bezeichnet?, fragt er.

– JAHAA, du wolltest vorhin auch noch Frauen verbrennen.

– Aber doch nur dich!, sagt er entsetzt. Und ich will dich nicht als Frau verbrennen, sondern als Individuum! Ich bin ein Mörder, aber doch kein Sexist!

Alles klar, schmeißt den Scheiterhaufen an! Es ist politisch korrekt.

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Männer, Frauen und Autos 2

Eine mittlerweile alltägliche Situation in der Redaktion:

Der Arbeitsgatte und ich schreiben uns schlüpfriges Zeug auf Facebook (also, wir nutzen das auch dienstlich und überhaupt arbeiten wir sogar manchmal und das sehr überragend zusammen). Ein Außenstehender könnte meinen, da gäbe es einen gewissen Willen zum Ficken. Oder wir fickten bereits.

Irgendwann schreibt dann einer von uns beiden: „Snäck?“ Oder ich stehe einfach auf und verkünde: „Snäck!“, woraufhin er alles fallen lässt, nach seinem Portemonnaie langt und mit mir loszieht. Dann wandern wir schweigend durch Flur und Treppenhaus, doch kaum verlassen wir das Gebäude, holt er tief Luft und fängt an zu quatschen.

Von seinem Auto. Je nachdem, ob wir was essen gehen oder einfach durch den Supermarkt schlendern, muss ich mir 30 bis 60 Minuten die neuesten Neuigkeiten von seinem Auto anhören. Und er hat wirklich jeden Tag Neuigkeiten. VON SEINEM AUTO!

Warum er das ausgerechnet mir erzählt? Man weiß es nicht. Ich habe jedenfalls nie ernsthaftes Interesse bekundet, ich meine… AUTOS! Ich hmhmme immer nur und bekunde sarkastisch Mitleid, wenn sein Auto wieder Bubu hat. Etwas ernsthafter, als er es um die Leitplanke wickelte. Woraufhin er tagelang unausstehlich zu allen außer mir war und sich dasselbe Modell neu kaufte. Eines, das ich jedes Mal vergesse, sobald ich es höre. Es ist… emmm… weiß.

Warum ich mir das antue? Man weiß es nicht. Naiv wie ich bin, hoffe ich immer wieder, dass wir mal über was Anderes reden können. Ich denke gelegentlich an Übersprungshandlungs-Sex. Supermarkt und Innenstadt sind allerdings nur so mittel geeignete Locations für sowas.

Und da er sich in unserer arbeitsfreien Zeit mehr für Autos als fürs Ficken interessiert, glaube ich langsam, dass er auch nicht so recht dafür zu haben ist. Zumal die letzte neueste Nachricht ist: Dies Wochenende repariert er mit seinem Schwiegervater das Auto…

Weihnachts-Männer

Weihnachtsessen mit No. 1a und unseren Muddis. Ich schenke No. 1a, die derzeit nach einem Erzeuger ihrer zukünftigen Kinder sucht, ein Klemmbrett, auf dass ich unsere Männercheckliste – die Originalversion von ganz damals, als wir so adoleszent waren wie geht – geklemmt habe und einen quietschpinken Stift zum Abhaken der einzelnen Punkte. Mit der Hausaufgabe, das Teil auf das nächste Date mitzunehmen und das Gesicht des Glücklichen zu filmen, wenn sie die Liste auspackt und Punkt für Punkt durchgeht.

No. 1a quietscht vor Lachen und die Muddis gucken kariert. Meine Muddi wusste zwar von der Existenz der Liste, kannte ihren Inhalt aber nicht. Die Muddi von No. 1a hört zum ersten Mal von der Sache.

No. 1a liest die Liste laut vor. Selbst ich konnte mich nicht mehr an alles erinnern. Wir lachen Tränen. Ihre Muddi guckt immer karierter. Dann sagt sie zu meiner Muddi: Weißt du, die waren kreuzbrav, nie in der Disco und immer um 11 zu Hause. Hauptsache, die machen so ne Liste für nen Typen, den sie nie hätten aufreißen können! Und meine Muddi antwortet: Wer weiß, wie viele Hausaufgaben die in der Zeit nicht gemacht haben. (Kann ich beantworten: Wir haben eh nie was für die Schule gemacht, Zeitverschwendung! (Französisch ausgenommen…))

Was wir nicht sagen: Dass wir viel zu beschäftigt waren, miteinander zu schlafen, um noch nen Typen mit ins Boot zu holen. Was wir auch nicht sagen: Was wir seitdem angestellt haben. Wir tauschen nur bedeutungsvolle Blicke und gackern noch mehr.

Haach, schönstes Weihnachtsgeschenk.

True Soulmates

Wahre Seelenverwandtschaft zeigt sich unter anderem im geteilten, herausragenden Sockengeschmack…

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#TraumfrauendieeinemdenTagretten ❤

… und in dem, was der Kollege G. mir in der Konferenz auf den Notizzettel malte:

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#bemyworkhubby ❤

Berechtigte Fragen zu unsrer geistigen Reife beantworte ich mit: 12.

Fucking Feminism

Wir haben da so eine Volontärin… Unter Welt retten geht gar nichts: Wenn ihr ein Thema nicht relevant genug ist, lehnt sie es ab. Oder sie nölt so lange rum, bis es ihr jemand entnervt abnimmt, weil man den Artikel in der Zeit, die sie ins Nölen gesteckt hat, schon längst fertig geschrieben haben könnte.

Als ob Volontäre sich sonst ihre Themen aussuchen könnten… Das geht ihr nur durch, weil sie den Chef amüsiert – noch. Eines Tages wird ein gewaltiges Donnerwetter auf sie herabgehen.

Sie ist vegan, Feministin, ehrenamtliche Flüchtlingshelferin, linke Demoteilnehmerin… das ganze Paket – im Grunde so wie ich. Nur viel penetranter. Sie reibt es jedem unter die Nase. Moralisiert permanent. Sie sagt im Grunde dauernd das Richtige. Nur klingt es, als käm sie grad aus dem linksgrün-versifften Emanzenseminar. Wenn sie anfängt, Vorlesungen über „toxische Maskulinität“ und was Kant gesagt hat zu halten, muss ich immer spontan aufs Klo – ich, die ich sonst so sehr auf Intello-Geschwafel abfahre.

Ich will das gar nicht schlecht reden, sie hat ja meistens Recht. Ich frage mich allerdings, ob man damit was erreichen kann, wenn sie selbst mich damit nervt. Ob man sich nicht ein bisschen der Realität anpassen muss, um viel subtiler das Richtige zu erreichen. Oder ob es Leute wie sie braucht, die als das Engelchen auf unserer Schulter immer wieder darauf pochen, dass sich Zeug gefälligst zu verändern hat und dass wir schon viel zu viel Zeit verplempert haben.

Mich alte Zynikerin straft sie jedenfalls immer mit höchst missbilligenden Blicken, wenn ich wieder unpassende Witze mache, mit den Macho-Sprüchen der Kerls mitgehe und immer noch einen draufsetze (immerhin bin ich die Sexismus-Beauftragte) oder ausführlich über Blow-Jobs und Pornos spreche.

Wochenlang hat man ihr eine gewisse Verachtung angemerkt: Wir Online-Lümmel waren ihr einfach nicht korrekt genug – und ich ganz besonders nicht. Da kommt so eine mit eng anliegenden Klamotten und hohen Absätzen an und kommentiert Gespräche wie: „irgendwas mit Mob“ – „hier ist kein Mops“ mit: „nee, nur Möpse“ und ruckelt ihre Brüste in ihrem BH zurecht. Findet es nicht TOTAL verwerflich, wenn in einer Überschrift „Weib“ steht (passte halt zum Inhalt). Verwerflich von mir.

Und dann drücke ich ihr auf, etwas zu dem Buch „Das ist Alpha“ von Kollegah zu schreiben und sie nölt. Immerhin: Sie liest ein paar Artikel dazu. Liest mir Zitate vor wie:

Sex zu bekommen wird dank deiner Bossaura für dich so alltäglich und selbstverständlich werden wie pissen gehen.

Die Frau hat natürlich ein Mitspracherecht bei Entscheidungen, aber der Initiator und Durchsetzer, der das letzte Wort hat, bist du.

…ich darf dir verraten, dass es ganz sicher nicht am Geiz ihres Gemahls liegt, wenn sich eine 23-jährige Millionärsgattin kleidet wie eine Hure. Vielleicht fehlt der Dame einfach Stil.

Ich will jetzt gar nicht die Chauvi-Macho-Keule auspacken, aber wenn ich mir die unüberschaubare Menge an Bitches ansehe, die nach jedem Konzert auf den Boss wartet, dann weiß ich, wie die Realität aussieht.

Und ich bekomme Schnappatmung. Einen Tourette-Anfall. Ich will ihr das Thema entreißen. Auf 5000 Zeichen abkotzen. Tue es dann doch nicht, weil ich weiß, dass das nicht gut ausgeht.

Und sie macht große Kulleraugen. „Wusste gar nicht, dass du dich auch für Feminismus-Themen interessierst…“

Schätzchen… Ich bin eine Frau in einem Männerberuf, in einem Team, das vor deiner Ankunft nur aus Typen und mir bestand. Ich habe mir in kurzer Zeit eine Menge Respekt erarbeitet. Ich habe recht viel Verantwortung an mich gerissen – oder sie wurde mir überlassen. Ich hab die allergrößte Klappe. Und ich kann, was ich tue.

Ja, ich trage weibliche Kleidung. Weil ich da Bock drauf hab. Ja, ich lasse die Jungs ihre Kleine-Chauvi-Seite raushängen. Weil ich da Spaß dran hab und weil sie sich bei mir eh nix trauen. Und ja, ich quassel permanent über Sex. Mache Witze darüber. Ich sende sexuelle Signale und ich habe Sex – und dann rede ich da drüber. Das alles – und ich meine wirklich das ganze Paket – ist Teil meiner sexuellen Selbstbestimmung. Ich tue, was Männer tun. Kann man gut finden, man kann es auch lassen. Aber was ich tue, ist mein Ding. Das ist Fucking Feminism.

Und das ist mein Beitrag für die Gesellschaft, den ich weit verbreite, aber niemandem aufdränge. Wer sich gestört fühlt, darf mir das sagen, der wird dann nicht mehr beschwallt…

Aber ich wiederhole mich gerne: Die Welt muss weniger verklemmt sein. Sex muss aus der Schmuddelecke. Sex ist Alltag – behandelt ihn so. Je mehr vor Menschen – vor allem junge Menschen – über Sex wissen und je weniger sie glauben, dass es was „Schmutziges“ ist, desto bessere und sicherere Entscheidungen können sie treffen. Eigene (!) Entscheidungen.

Es ist übrigens nicht besonders feministisch, mich dafür schief anzugucken. „Ich bin gar keine Schlampe – ich hab heut erst drei Typen gehabt“, sprach ich und zog ab.

Dings, äh: Gender

Die Männer diskutieren über das Thema Frauenquote.

Darf man das? wirft ein: Fragt bloß nicht die Quotenfrau in der Redaktion!

Chef (völlig unmotiviert): Sie machen nen guten Job, Frau Fragezeichen! Und das sage ich nicht, weil Sie ne Frau sind.

Kollege (murmelt in seinen Bart): Sie is ja auch n Mann!

Chef: Sie sind n toller Kollege, Frau Fragezeichen.

Etwas später will mir der leitende Redakteur ne Aufgabe aufdrücken.

Darf man das? (Salat müpfelnd): Maff iff niff, iff hab Pause

Leitender Redakteur: Du Schwein!
Und zu sich selbst: Darf man zu einer Frau „Schwein“ sagen?

Kollege (mit Nachdruck): Sie ist ja auch ein Mann!

Leitender Redakteur: Guter Mann, diese Fragezeichen!

Darf man das? … kratzt sich am Sack…