Time well hust

Ich weiß nicht, ob ich heute schon oft genug gesagt habe, dass ich keine Lust habe, morgen wieder zur Arbeit zu gehen…

Seit zwei Wochen war ich da nicht. Erst bummelte ich Wochenddienste ab, dann nagelte mich eine Bronchitis ordentlich ins Bett.

Zwei Wochen im November, wenn es sowieso egal ist, wann man wach ist und wann man schläft: Dunkel ist es eh immer. Tage, die ineinander verschwimmen und kein Zeitgefühl mehr. Außer, dass es sicher acht Uhr ist, wenn die Katze laut schnurrend vor meinem Gesicht sitzt. Frühstückszeit.

So richtig was geschissen gekriegt habe ich nicht in der Zeit, nur mit dem Katzi kampfgekuschelt ( ❤ ).

Was ich getan habe: Mehrere Abschlussarbeiten und Artikel von verschiedenen Leuten in verschiedenen Sprachen und aus verschiedenen Fachgebieten Korrektur gelesen, diskutiert und übersetzt – was sehr anstrengend aber auch sehr befriedigend war. Endlich wieder was Sinnvolles getan, endlich wieder was getan, was nicht auch ein dressierter Affe erledigen könnte, endlich wieder mein Gehirn angestrengt. In meinem Bett, im Pyjama am Frühstückstisch um zwei Uhr nachmittags, mit der Katze auf dem Bauch, mit der Katze auf den Beinen, mit der Katze, die ihr Näschen ganz feste in meinen Hals drückt und an meinen Haaren nuckelt (büschen unappetitlich, aber gut).

Wenns nach mir ginge, könnte das immer so weiter gehen.

Grmpf.

Gesprächsfetzen – Freizeitpark-Edition

– Also, dass du wenig Emotionen zeigst, dass kennt man ja von dir. Aber das is doch nich normal, dass du in der schlimmsten Achterbahn aussiehst, als wärst du grad Tee trinken bei Tante Trude!

– Is doch so ähnlich. Ich denk halt nur an die Gesetze der Physik. Und den TÜV.

The other shoe

Es ist alles ein bisschen unwirklich.

Ich fühle mich… wohl.

Ja, ich bin in der tiefsten Provinz, aber es ist eigentlich ganz schön. Die Stadt ist niedlich, die Gegend ist ein Träumchen und überall ist Wasser.

Es dauert deutlich länger, bis hier mal was ankommt – egal was; von der Post, über Nachrichten, MODE, Erkenntnis, die 2000er, dieses Internet bis hin zu Smartphones. Man sieht hier wirklich selten Smombies… Was zum einen am Durchschnittsalter und zum anderen an diesem Internet aus dem letzten Jahrtausend liegen dürfte.

Jedenfalls sorgt das alles für eine enorme Entschleunigung und die Leute sind irgendwie entspannter. Kreativer in ihrer Freizeitgestaltung. (Was wirklich unterhaltsam ist.) Und immer gut gelaunt. Eine unaufdringliche Freundlichkeit, die meine norddeutsch reservierte Toleranzgrenze nie unterschreitet.

Die Arbeit ist auch ganz gut. Es ist mir oft zu viel Regionalgeblubber, aber es ist auch mal ganz angenehm, nicht nur für andere Journalisten, die sich gegenseitig mit dem langweiligsten Kram hochschaukeln können, zu schreiben, sondern wirklich mal zu sehen, was für die Leute wichtig ist. Und was ihnen wichtiger sein sollte.

Ich lerne irre viel, endlich ist mein Hirn mal wieder richtig satt. Ich habe Spaß. Vor allem mit den Kollegen. Die ganze Redaktion muss uns Onliner hassen, dauernd sind wir am Quatschen, Kichern, Dünschiss verkünden. Ich krieg noch Falten vom vielen Lachen. Ja, G nervt manchmal, wenn er wieder den Erklärbär gibt, ja, S spaltet ständig Haare und ja, SL könnte ruhig mal das Maul aufmachen, wenn ihn was stört und aufhören, so zu tun, als könnt ich nix und mich zu übergehen, aber alles in allem mag ich die Jungs. Vor allem den schönen L

Ich habe endlich eine vernünftige Wohnung, ich kann auf dem Balkon (!) in der Sonne rumschlunzen, ich habe freie Wochenenden (!!!) und Geld ist auch nicht so das Problem.

Alles ist irgendwie ok.

Und ich traue dem Frieden nicht. Ich warte immerzu darauf, dass mich endlich wieder die dicke Scheiße niederknüppelt. Es kann doch nicht so einfach gewesen sein.

Aber vielleicht reicht es auch einfach, dass meine Oma gestorben ist…

Vom Leben am Arsch der Welt

Liebe Freunde.

Ihr wisst alle, dass ich am Arsch der Welt wohne. Ihr wisst alle, dass ich viel arbeite. Dass ich oft an den Wochenenden arbeite. Oder meinen Kurs habe. Oder beides.

Verzeiht mir bitte, wenn ich, wenn ihr mich fragt, ob wir uns mal sehen wollen, nicht gleich verkünde: ja klar, nächstes Wochenende! Sondern eher: Hm, ja, in zwei Monaten könnte es klappen. Kurzfristige Absage möglich.

Kommt mir dann nicht mit: Du willst es also gar nicht wirklich. Sag doch gleich, dass du keinen Bock hast!

Ja, manchmal möchte ich meine freie Zeit dazu nutzen, einfach mal rumzuliegen und mit den Zehen zu wackeln. Muss ich mich dafür rechtfertigen?

Meistens würde ich euch wirklich gerne sehen.

Aber leider wurde das Beamen noch nicht erfunden. Ich muss den Zug oder den Bus nehmen. Da ich aber in der Regel bis 23 Uhr arbeite, kann ich nach der Arbeit nicht noch los. Die Bahn schlägt dann eine Verbindung vor, die einen vierstündigen Aufenthalt an einem Bahnhof vorsieht, an dem nachts gerne Typen rumlaufen, die so wenig Haare auf dem Kopf haben wie Hirn darin.

Wenn ich erst am nächsten Tag losfahre, bin ich trotzdem stundenlang unterwegs und von meiner Freizeit – unserer gemeinsamen Zeit also – bleibt kaum etwas übrig.

Damit Fahrzeit und Freundezeit in einem vernünftigen Verhältnis zueinander stehen, muss ich mir mitunter extra Urlaub nehmen.

Bitte versteht, dass ich meine wenigen Urlaubstage lieber für Leute investiere, die auch mal auf den Gedanken kommen, an den Arsch der Welt zu kommen. Dann im Zug zu sitzen, wenn ich noch bei der Arbeit hocke. Damit wir die Zeit optimal nutzen können.

Vielen Dank.

Grummel.

Freudlos

Wir streiten.

Er will etwas machen. Ich hab eigentlich auch Lust. Aber irgendwie auch nicht.

Ich druckse rum. Kann wieder nicht nein sagen.

Er macht Pläne. Mir fallen immer mehr Gründe dagegen ein.

Ich nenne sie. Er ist sauer. Nie hast du Lust. Ich will dir nur eine Freude machen.

Ich fühl mich kacke. Weil ich nix mehr machen will. Mich das selber nervt. Weil er sauer is. Ich zicke.

Wir streiten.

So viele Dinge, die mir mal Spaß gemacht haben. Reisen, Lesen, Malen, Schreiben, Sex, Musik im Allgemeinen und Singen im Besonderen, Reiten, Schwimmen.

Keine Lust. Keine Zeit. Keine Energie. Keine Freude.

Merke

Wenn du in einer Studentenstadt wohnst und für einen Chef arbeitest, der selber gerne noch Student wäre, gehe niemals mit den Kollegen, die nebenher noch an ihrem 20. BA-Semester laborieren, einen trinken, wenn du keine Sexgeschichten über deinen Chef hören willst!