Freunde erkennt man in der Not

Da muss ich doch noch mal drauf rumreiten.

Es gibt so ein paar Leute, die nicht einfach sagen: Könntest du nicht…? Solltest du nicht…?, sondern die einfach machen. Selber Hand anlegen und konkret helfen.

Und dann ist da der große Bruder. Mit dem ich eine gepflegte Nicht-Beziehung habe. Wir rufen uns zum Geburtstag an. Wir laufen uns manchmal bei den Eltern über den Weg. Er freut sich dann daran, wie leicht ich mich doch von ihm provozieren lasse, ich teile ihm mit, wie ätzend ich das finde. Penner. Er hat ein paar Mal versucht, mit mir über ein paar Dinge zu reden, und stellte fest und akzeptierte, dass ich ein Nicht-drüber-Reder bin. Über andere Dinge reden wir in stillem Einvernehmen nicht.

Der große Bruder hat immer überall verkündet, wie ätzend die kleine Schwester ist. Und war doch immer da, wenn die Hütte brannte.

Die kleine Schwester bittet nie um Hilfe. Jetzt hat sie sich mal durchgerungen, weil sie allein wirklich nicht weiterkommt. Deutlich gesagt, dass er auch nein sagen kann.

Keine Fragen. Er schreibt: „Sag mir wann“ und das Thema ist erledigt.

Amaaaaaazing.

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Lass uns Freunde bleiben, bittebitte

Es war ja abzusehen, dass meine windelweiche Ansage an No. 3 nicht so unendlich lange vorhalten würde. Es hat genau zwei Tage gedauert, bis er fragte, ob ich denn immer noch nicht mit ihm reden wolle. Ganz normal, ohne den Ficken-Anteil. Ich habe ihn ne knappe Woche lang ignoriert, bis ich dem Rat von Herrn Zimmermann folgend (wenn es von einem Mann kommt, ist es vielleicht verständlicher als mein Frauengebrabbel?) schrieb: Sorry nee, ich habe weder Lust noch Platz in meinem Leben für Leute, mit denen ich den Kontakt nur noch als negativ empfunden habe. Und sorry, aber mit dir fühle ich mich nicht mehr wohl.

Und ja, ich konnt mir nicht verkneifen noch nachzubitchen: Du hast ja auch selbst schon festgestellt, dass es sich nicht mehr lohnt.

Ich dachte eigentlich, dass er direkt zurückzickt. Wie das so seine Art ist. Und dann irgendwann angekrochen kommt.

Stattdessen kam er gleich angekrochen. Er möchte doch einfach nur, dass wir Freunde sind. Bittebitte. „Ich verlange gar nichts von dir“ und „Ich verspreche, dass ich dich nicht unter Druck setzen werde“.

Er hat Redebedarf. Hat seinen Job gekündigt. (Hab ich ja geahnt, dass seine Begeisterung nicht lange halten würde, aber dass das so schnell geht…) Da sieht man mal, dass 550 Facebook-Freunde auch nichts heißen. Und redet der eigentlich nicht mit seiner Freundin?

Egal. Notmyfuckingproblem.

Wobei ja doch was in mir nagt. Er war auch mal ein guter Freund, als ich ihn brauchte.

Aber dann nicht mehr so.

Notmyfuckingproblem!

Kopfkino

Da ist diese Frau.

Wir haben losen, aber immer herzlich-fröhlichen Kontakt.

Wir reden über alles und nichts und immer wieder über Männer. Über Männer die waren, sind und sein könnten.

Irgendwann muss ich wegen eines albernen Facebook-Memes an sie denken und plötzlich verspüre ich das Verlangen, mit ihr zu knutschen. Und so. Abendelang mit ihr in Jogginghose auf dem Sofa zu liegen. Mit ihr nach Frankreich zu fahren. Drei Katzen mit ihr zu haben.

Und genau in dem Moment kommt eine Nachricht von ihr. Sie fragt, ob ich mit ihr so nen Lesbenfilm gucken will.

HALLOOO Kopfkino.

Wie son Teenie.

Ich muss an sie denken und 30 Sekunden später schickt sei mir ein Blümchenbild, „einfach so, weil ich an dich denke“.

HILFE!

Und manches löst sich von ganz allein

Was mir doch immer noch ein wenig Bauchschmerzen bereitet hat, war der Transport meiner Möbel.

Toller Rat, immer wieder: Miete halt nen Transporter. Ja danke, und den fährt wer?

Ich bin nie gut gefahren, ich bin nie gerne gefahren und ich bin seit etwa zehn Jahren nicht mehr regelmäßig gefahren. Und nu soll ich einen Transporter, der weder mir noch der Familie gehört, voll mit Kram quer durch die Republik schaukeln?

SCHNAPPATMUNG.

Mein Papa stand bereit, mit seinem Anhänger vorbeizukommen, aber der stresst sich immer so und der hat Hüfte, das war mir irgendwie unlieb. Und in sein Hängerchen geht auch nicht mein ganzer Kram. Mpf.

Da rief mich gestern mitten in der Nacht (halb zehn, wie unchristlich ist das denn bitte?) eine Bekannte an, weil sie im Stau stand und sich langweilte und mal hören wollte, wies so läuft. Und wos denn nu hingeht? Wieder gen Norden? Sollen wir dir beim Umzug helfen?

Hm? Und Hunderte Kilometer durch die Gegend donnern?

Ja klar, wir ham doch n großes Auto und nen Pferdehänger und dann können wir uns da mal die Stadt angucken.

Sie sind doch amaaaaaaazing.

Als Gegenleistung soll ich während ihres Urlaubs nächstes Jahr ihre Pferde und den Kater hüten. Das sollte ich ja wohl hinkriegen…

Vom Überleben und den ganz kleinen Dingen

Diese Woche back ich mit der Amaaaaaazingness ganz kleine Brötchen.

Ich hab den Sonntag überlebt. Yeaaaaay. Und ich finde, dass meine Berichterstattung zur Bundestagswahl trotz massiven Gezickes der Technik ziemlich gut gelaufen ist. Kühlen Kopf bewahrt, keine Zahlendreher fabriziert, flink dabeigewesen. Sprach sie und klopfte sich auf die Schulter.

Und das größte alle Wunder: Der Chef hat kein einziges Mal angerufen, um zu motzen. Und mich von der Arbeit abzuhalten. Zeichen und Wunder.

Er hat schlicht NICHTS gesagt. Auch bei der Übergabe nicht. Ich will ja keinen Verdienstorden, aber ein bisschen Manöverkritik…? Mir wären auch drei Dinge eingefallen, die man noch toller hätte machen können. Aber gut, nicht gemotzt ist genug gelobt. Ich bild mir jetzt was ein.

Ach, und dann doch noch ein bisschen was Großes… Die liebe J. aus dem Flauschige-Tiere-Kurs… Die mich immer wieder aus meinem Trott holt, mit der ich Tränen lache und mit der ich immer mehr Zeit verbringe. Sie sagt, sie mag mich, weil ich bin wie sie vor 20 Jahren und ich hoffe, ich bin in 20 Jahren so wie sie. Herrlich wie sie ihre Sex-Dates koordinierte, während wir beim Italiener saßen und – na klar – übers Ficken redeten…

Da gibt es tatsächlich etwas – oder eher jemanden – den ich vermissen werde, wenn ich hier verschwinde.

En la burbuja

Ich öffne die Tür und betrete die Blase in blau-weiß-rot. Heimelig.

Ich lasse mich fallen auf die wattige Wolke der Sprache. Der vertraute Singsang, der so wenig mit dem hektischen Gefauche und Gezischel des europäischen Spanisch zu tun hat.

Ich brauche einen Moment, um mich wieder an den herben, doppeldeutigen und manchmal ganz schön fiesen Humor zu gewöhnen. Um ganz schnell voll dabei zu sein.

Mit vollem Mund, denn schließlich muss ich Empanadas fressen, bis sie mir aus den Ohren kommen. Alfajores bis ich Diabetes kriege.

Wie immer bin ich erst la Rubia, dann la Gringuita, dann la Roja und schließlich la Mapuchita. Mein Widerspruch ist schon längst zum Ritual geworden.

Alles wie immer.

Alle singen schlecht, alle tanzen schlecht, alle lachen laut, alle haben Heimweh.

Sogar ich…

Feliz 18!