Erledigt

Ich stelle fest, dass ich ein bisschen bis ganz schön verknallt in den Nerd-Kollegen bin.

Wie ein Teenie fange ich an, alles was er mir gegenüber tut und was er mir schreibt und so, zu analysieren.

Das Ergebnis meiner Analyse ist natürlich nicht zufriedenstellend.

Mpf.

Und dann fällt mir wieder ein, dass ich eh eine unerträgliche Person bin und dass es nichts an mir gibt, was ein Tüp an mir gut finden könnte – außer meinen Blow-Jobs vielleicht.

Also bin ich – natürlich – total eklig zu ihm.

Und so erledigt sich die Sache von selbst.

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:)

Ich habe mich immer gefragt, wer diese Leute sind, die an einem normalen Montagvormittag mit einem Lächeln auf den Lippen durch die Stadt laufen. Ich mein: Was ist denn los mit denen? Das ist doch nicht normal!

Nun: Ich, das Vorzeige-Exemplar für das Resting-Bitch-Face und die ja geradezu übersprudelnde norddeutsche Emotionalität *hust*, bin neuerdings eine von ihnen.

Ich radle hier lächelnd, wenn nicht gar dümmlich grinsend durch die Gegend. Und das ohne besonderen Anlass. Es gäbe genug Gründe, miesepetrig rumzulaufen. Viel zu tun bei der Arbeit, Scheiß-WM-Gedöns überall, die tote Oma, das tote Pony einer Freundin, das auch Teil meiner Kindheit war, das schmerzende Bein… Und dann sind da noch meine Emotions-Antennen, die dieser Tage irgendwie besonders empfindlich sind. Ich sauge jeden Hauch einer negativen Stimmung auf und nehme sie an. Selbst wenns nur im Fääärnsehn is.

Aber an der allgemeinen Grundstimmung rührt das alles nicht. So anstrengend, nervig, traurig und schmerzhaft die Dinge sind – ich mags kaum aussprechen, wer weiß, was ich damit lostrete, aber: Das Leben ist grad ganz ok. (Wer hätte nach all dem Drama der vergangenen Jahre jemals gedacht, dass ich das mal sage. Ich jedenfalls habe nicht dran geglaubt.)

Irgendwie sind alle Störfaktoren weg: Die kleine Wohnung, die doofe Stadt, der Nachbar, die beschissenen Arbeitszeiten und -bedingungen, die eintönige Arbeit.

Meine alte Arbeit fand ich am Anfang auch noch super, am Anfang habe ich noch irre viel gelernt und mir Chancen auf mehr ausgerechnet. Ich denke, beim neuen Job wird sich irgendwann ebenfalls die Euphorie legen und das ein oder andere wird mich nerven. Aber ich lerne endlich wieder was und ich rechne auch wieder mit neuen Chancen.

Ich bin nicht der Meinung, dass ich am Ende der Karriereleiter angekommen bin, ich will nicht bis zur Rente in diesem Verlag bleiben.

Aber irgendwie kann ich mir auch gar nicht so recht vorstellen, wieder in eine Großstadt zu ziehen… Wo halt die ganzen großen Medienhäuser sind…

Wir werden sehen, wie es sich entwickelt. Und so lange wundere ich mich über das dümmliche Grinsen.

Evolution

Ich wühlte in alten Posts auf meinem Blog – aus Gründen. Und stellte allerhand fest.

So ist zum Beispiel meine Erinnerung an No. 5 irgendwie schief – ich nehme an, bedingt durch seine recht nervigen Stalking-Anfälle der letzten Jahre. Ja, er hatte mich zuletzt unglaublich gelangweilt und genervt und dann hatten wir beide andere Prioritäten. Aber davor hatte ich offensichtlich ziemlich aufregenden Sex mit ihm. Oder zumindest kam mir das so vor… Letztlich kann ich das gar nicht mehr beurteilen, ziemlich aufregenden Sex hatte ich schon ziemlich lange nicht mehr.

So habe ich mich zum Beispiel Ende 2015 sehr über das vergangene Jahr beschwert, aber in den Posts davor nicht so richtig einen vernünftigen Grund gefunden.
Liebe Darf man das? von damals: Ja, es kam schlimmer. Viel, viel, viel schlimmer. Du jammerst auf ganz hohem Niveau.

So habe ich zum Beispiel Mitte 2014 in einem Kommentar geschrieben: „ich hätte gern DEN EINEN“.
Liebe Darf man das? von damals: Whaaat? Hattest du Fieber? Sind wir die gleiche Person?-
Ich kann mich überhaupt nicht erinnern, dieses Bedürfnis mal gehabt zu haben. In meinem Kopf habe ich mit dem Beziehungsquatsch nur mal angefangen, weil ich dachte, das muss so, machen ja alle so. Und habe dann ziemlich schnell festgestellt: So richtig ist das nichts für mich. Und dann noch eine Weile überlegt, ob es vielleicht einfach NOCH nichts für mich ist. Oder ob „der Richtige“ einfach noch nicht vorbeigetanzt ist.
Mittlerweile sage ich in voller Überzeugung: Das ist WIRKLICH nichts für mich. Ja, es ist nett, wenn man mal mit jemandem kuscheln kann, jemanden hat, mit dem man 1.003 Insider-Witze hat, mit dem man alles Mögliche teilen kann und will. Aber insgesamt bin ich zu gern allein. Ich möchte selbst steuern, wann ich etwas mit jemandem teilen möchte. Sei es mein Bett, ein Erlebnis, etwas Lustiges… Ein Partner funktioniert aber nicht auf Knopfdruck. Deswegen habe ich mir dafür andere Wege gesucht. Für jedes Interesse eine/n passende/n Freund/in. 2.006 Insider-Witze. Mir fehlt… nichts. Ich habe keine unstillbaren Sehnsüchte. Sex könnte ich durchaus mehr haben, aber ich bemühe mich grade nicht ernsthaft darum. Es scheitert derzeit am ehesten daran, dass ich grad keine Lust hab, mir die Beine zu rasieren und das Haus zu verlassen und dann auch noch schön zu tun, bis endlich die Klamotten vom Leib sind. Da sind im Moment die Prioritäten für den Einsatz meiner Ressourcen anders. Aber WENN ich dann mal wieder rumficke, dann nicht nur mit einem. Ich fand das eigentlich ganz nett, mal hier, mal da zu naschen. Unterschiedliche Stile zu genießen. Hin und wieder was zu lernen. Und woanders wieder einzusetzen. Das ist aufregend. Das möchte ich mir gerne bewahren.

Mal sehen, wie ich darüber in drei Jahren denke. Ob ich mich überhaupt an das erinnere, was ich jetzt denke. Die Dinge entwickeln sich. Ich entwickle mich.

Alles fließt.

Das mit der Liebe und dem Magen

Muddi und ich sitzen mit frisch gebackenen Olivenlaibchen und Artischockencreme auf dem Sofa und überlegen, welche DVD wir gucken.

„Ein Film über das Wichtigste im Leben: die Liebe“, liest sie vor.

Hm, grunze ich.

Ist Liebe nich das Wichtigste in deinem Leben, fragt sie.

Nä, sag ich.

Was dann, fragt sie.

ESSEN!, sagen wir im Chor und grabbeln nach den Olivenlaibchen.

Wir mussten reden

– Und, haste das Maul aufgemacht?, fragt mich No. 1a.

No. 1a kennt mich gut. Denn natürlich habe ich das Maul nicht aufgemacht. Laute bilden, Worte, Sätze gar, wenn es mir womöglich zum Vorteil gereichen könnte – never!

Wir mussten also reden.

Die ganze Zugfahrt über ermahne ich mich: Du sollst sie nicht einfach knutschen! Nur weil das in deinem Kopf irgendwie zur Normalität geworden ist, heißt das nicht, dass das auch wirklich normal (oder erwünscht) ist.

Sie ist dann eh irgendwie hektisch und grummelig – keine Gefahr.

Sie schleppt mich in ein fancy Restaurant – ein wahrlich wunderbarer Ort zum Reden.

Sie steigt noch leicht ein, ob ich mit ihr im März zur Buchmesse gehe, bütte bütte. Das Kopfkino geht schon wieder ab, drei Tage mit ihr, na warum nicht…

Und dann patscht sie schön mit dem Finger in die Wunden, ach was, sie geht bis zum Ellenbogen rein. Was wird nu, was machst du, was willst du? Sie weiß genau, wo sie nachfragen muss, um die ganz empfindlichen Nervenbündel zu treffen, zielsicher kitzelt sie meine Existenzkrise aus mir heraus. Verdammt was tu ich nur, wann ist es von „geil, läuft, alles richtig gemacht“ in „verdammt, falsch abgebogen, scheiße, jetzt klebt der Karren an der Wand, war doch alles falsch“ umgeschlagen und was zum Teufel mach ich jetzt nur mit mir?

Ich sitze im fancy Restaurant und heule.

Sie sagt all die Dinge, die alle sagen und die ich selber schon weiß. Ja danke.

Sie macht nicht mal Anstalten, mich ein bisschen zu knuddeln. Ja danke.

Sie spricht No. 2 an, der – bei genauerer Betrachtung (und das sind längst nicht alle Begegnungen) – viel präsenter in meinem Leben ist, als mir lieb ist. Und das viel zu selbstverständlich.

Und sie rührt ewig in dem Thema rum…

Da wechsel ich doch lieber zurück zu meinem „mein Leben ist die reinste Katastrophe“-Geheule. Ist doch viel erhebender!

Ich merke an, dass ich ja auch einfach nicht um Hilfe bitten kann. Das Maul aufmachen und so. Mir käme es nie in den Sinn, irgendwelche Freunde anzurufen, um ihnen mein Leid zu klagen. Sie haben ja auch Besseres zu tun. Und im Zweifel schlimmere Probleme.

Sie fordert mich dringend auf, sie doch bitte anzurufen, bevor ich mich von der Brücke stürze. Oder einfach vorbeizukommen.

Ich würde sie eigentlich gerne fragen, ob ich den Rest des Abends auf ihrer Couch versacken könnte. Mit ihrer Therapiekatze auf der Plautze. Aber ich mache das Maul nicht auf.

Und sie verkündet, dass sie sich schon darauf freut, sich gleich mit ner Kippe in die Wanne zu klatschen.

Nein, ich mache das Maul nicht auf.

Sie fährt mich noch zum Bahnhof, wo sie mich nicht wie üblich knuddelt.

Ich muss das Maul auch nicht mehr aufmachen…

Und No. 1a zieht mir die virtuelle Bratpfanne über den Schädel.

Lab rat

Manchmal kann ich meinem PMS direkt was abgewinnen.

Ich finde mich mit PMS selbst so unerträglich, dass ich einen Schritt Abstand von mir nehme. Früher fand ich die komische Alte, die ich dann aus sicherer Distanz betrachtete, nur ätzend. Heute beobachte ich einigermaßen amüsiert dieses possierliche Tierchen, das da so in seinem mehr oder weniger natürlichen Habitat vor sich hin wütet und komme zu allerhand Erkenntnissen.

Die Stimmungsschwankungen sind brutal. Und die daraus resultierenden Entscheidungen… interessant.

Derzeit fühle ich, das PMS-Tier, mich wie so ein albernes Schoßhündchen, dass permanent um sie herumscharwenzelt und bei jedem Leckerchen eine Pirouette dreht. Ist das dämlich. Und nervig.

Und schon habe ich das Bedürfnis, mich aus der ganzen Sache komplett zurückzuziehen und/oder mich mehr wie ein bissiger Kampfhund zu verhalten. Kläff.

Womit die Frage geklärt sein dürfte, warum das possierliche Tierchen und die Liebe nie so recht zueinander gefunden haben.