Engelchen und Teufelchen

Ich finde dieses ganze Verknalltsein nicht nur psychisch, sondern auch physisch sehr, sehr anstrengend. Das kann wirklich mal weg.

Und eine kleine Stimme in mir zetert: Könnte das nicht EINMAL hinhauen, dass ich mich in jemanden verliebe und der verliebt sich in mich und es gibt kein „ja, aber“ und nix spricht dagegen und die Schmetterlinge flattern und der Sex ist aufregend? WÄR DAS NICHT TOLL?

Und die andere sagt schnippisch und altklug: Neenee, das soll schon so sein. Wenn das mit dem Verknalltsein alle is, dann hast du wieder nur Langeweile und ziehst weiter. Und wenn du Pech hast, haste nen neuen Stalker, oder, noch schlimmer, der liebt dich. Und dass du das mit dieser Liebe nicht kannst, das haben wir ja schon hinreichend besprochen.

Und dann ich: NA DANN MACHT HALT DOCH DIESE GANZE SCHEISS GEFÜHLSDUSELEI AUS!!!

Harr.

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Gehen Sie weiter…

Ein Psychologe sagt im Fernsehen: Es ist oft schwerer, den Co-Abhängigen zu helfen, als den Abhängigen selbst. Bis DIE mal aufhören, sich für alles verantwortlich zu fühlen und alles zu regeln…

Und das Darf man das? sitzt da und heult.

Schnieft und richtet sich die Haare.

ICH KANN NICH AUFHÖREN MICH ZU KÜMMERN, DANN FLIECHT HIER DOCH ALLES AUSEINANDER.

Ehem. Hier gibt es nichts zu sehen!

Wir befinden uns im elften Jahr nach Beendigung des Co-Abhängigen-Verhältnisses…

Old habits die hard.

Ich habe beschlossen…

…dass meine aktuelle Phase der akuten und sehr anstrengenden Verknalltheit schlicht und ergreifend auf meine akute und recht beklemmende Phase der Einsamkeit zurückzuführen ist. Die mich derzeit besonders hart trifft, nachdem ich in Chile praktisch nur während einiger Busfahrten allein war und sonst Tag und Nacht Leute um mich hatte.

Es wird also vorbeigehen! (So ein Glück!)

ICH.WILL.DICH.FICKEN!

Drei Wochen lang habe ich es erfolgreich geschafft, nicht an diesen einen Typen zu denken. Ich bin im Nachhinein tatsächlich ein wenig überrascht, habe ich doch in den Wochen davor an nichts anderes gedacht…

Wie dem auch sei: Ich bin zurück und er ist da. Und ich will ihn. Und natürlich ist er jetzt mit der Tussi zusammen. Ausgerechnet.

Dennoch: Wir befinden uns wieder in einer Flausch-Phase. Und so ergibt es sich praktisch aus dem Gespräch (und den Resten von Chile-Spirit, die mir innewohnen), dass ich ziemlich direkt und mit nur einem Hauch Blume auf den Tisch knalle: FICKEN! (Dass ich mir durchaus mehr vorstelle, lasse ich dann lieber weg.)

Er steigt sogar ein, packt mich sozusagen verbal aus und dann passiert… nichts.

OARRRR.

Aber gut. Es wäre ja sowieso eine doofe Idee.

Jahresendzeitstimmung?

Offensichtlich müssen alle noch schnell was zum Ficken kriegen, bevor das Jahr zu Ende geht. Ich nehme mich da nicht aus.

Dieser eine Typ, der ständig in meinem Kopf umhergeistert, kuschelt mit einer Tussi rum. Ich will ja gar nichts mit ihm anfangen, das wäre ja eine dumme Idee. Aber mein dummes Ego will, dass er mich will (sehr faires Arrangement, finde ich…). Und so kriege ich eine höchst erwachsene Eifersuchtskrise und verbreite schlechte Laune.

Der Nerd turtelt wie üblich mit der Volontärin rum, schließlich machen sie gemeinsam nen Abflug. Den dritten Tag in Folge, wie der Redaktionsleiter feixend feststellt. Vielleicht hat sich die Sache für mich jetzt endlich wirklich erledigt.

Schließlich sind der Arbeitsgatte und ich allein in der Redaktion. Wir kaspern rum, er hellt meine Stimmung deutlich auf. Ich himmle ihn ein bisschen an, fordere ihn auf, sich nackich zu machen (was er ignoriert) und biete ihm – wenn auch sehr durch die Blume – die Aussicht auf Blow-Jobs. Entweder hat er es nicht verstanden, oder es sehr galant ignoriert. Es gibt ja auch Männer, die ihren Frauen treu bleiben…

Derweil schreibt mir No. 8. Unerwartet, aber nicht ganz überraschend. Es geht auf Januar. Männer sind so sentimental. Er lädt mich ein für’s nächste Wochenende, ins Hotel und so… Abgeneigt bin ich wahrlich nicht, endlich mal wieder hemmungslos vögeln… Aber da bin ich dann schon in Chile. Er schlägt ein Treffen nach dem Urlaub vor, aber wer weiß. Vielleicht bin ich bis dahin wieder abgekühlt…

Rudelwinseln

Wie immer treten meine Nummern im Rudel auf. Nach dem Gewinsel von No. 3 gestern finde ich heute die mittlerweile jährliche Post von No. 4 im elterlichen Briefkasten. Ich wiederhole mich: Der Stalker!

Der Brief ist praktisch inhaltsgleich mit einer E-Mail, die mir kurz nach meinem Geburtstag ins Postfach flatterte.

Ein bisschen Geblubber über ihn selbst, ein bisschen mimimi, ich will so gern Kontakt mit dir, was tust du so, was ist nur passiert.

Irgendwie geht er immer noch davon aus, mich verletzt zu haben. Niedlich, dieses Ego. Nach der E-Mail war ich ein bisschen versucht, tatsächlich mal die 10 Minuten zu investieren, um zu antworten. Um ihm ein bisschen gehässig den Zahn zu ziehen, er hätte mich verletzen können (womit denn eigentlich?). Um ihm einfach sachlich zu erklären, was tatsächlich war: Dass er mich erst gelangweilt und dann schrecklich genervt hat.

Wie das immer so ist, habe ich die Antwort bis heute nicht verfasst. Und nach der Nummer mit No. 3 werde ich sicher nicht nett schreiben. Schluss mit nett!

Nett und Arschloch

Ich hatte mir fest vorgenommen, heute endlich mal loszulassen und No. 3 bestimmt, aber unfreundlich mitzuteilen, dass er raus ist. Richtig raus. Ohne weitere Erklärung, ohne Rechtfertigung. Einfach Ende.

Doch er kam mir zuvor, als ich zum Handy griff, war da schon eine längere Nachricht.

No. 3 schwurbelt was vom Vermissen und bemüht Versalien: ES TUT MIR LEID. (Übrigens nicht, dass er verschwand wie ein Riesenarsch, nein, dass er an dem Abend „so wenig Zeit“ für mich hatte, tat ihm leid.)

Digitaler Hundeblick.

Und ich komme mir direkt schlecht dabei vor, unfreundlich keine Erklärung vorzubringen. Also schreibe ich ihm freundlich, dass er sich zu einem Arschloch entwickelt hat. Oder so auf mich wirkt; ich will ja nicht behaupten, ich hätte mich nicht verändert in den letzten 5 Jahren. Sage dann freundlich, aber bestimmt: Ende!

Denke, damit habe sich die Sache erledigt.

Da sollte man meinen, nach mehr als 5 Jahren kennte ich ihn besser.

Er findet ja, wir müssten nur mehr Zeit miteinander verbringen, dann würden wir schon zum alten Groove zurückfinden.

Ich.bin.zu.nett.