Pawlowscher Hund

Ich bin so gewöhnt an negative Aufmerksamkeit, dass ich eigentlich davon ausgehe. Sollte mir doch mal positive Aufmerksamkeit zuteil werden, verwandle ich mich direkt in das alberne Schoßhündchen, das bei jedem Leckerchen eine Pirouette dreht. Egal, von wem sie kommt. Oft bilde ich mir direkt ein, ich sei verliebt. In egal wer da die Leckerchen schmeißt. Es ist an Lächerlichkeit nicht zu überbieten. Glücklicherweise geht der Quatsch in der Regel schnell vorbei. Aber so lang er dauert, bin ich nicht zu gebrauchen.

Schäume

Langsam macht die Pandemie auch mir die Birne weich. Ausgerechnet ich sehne mich nach menschlicher Aufmerksamkeit. Die Katze ist flauschig und süß und so, aber ich könnte halt auch ein bisschen – uneigennützige – Zuwendung vertragen.

Neulich Nacht habe ich von einem Mann geträumt. Keine Ahnung, wer das war, nie gesehen. In meinem Traum war er mir aber sehr vertraut. Deutlich älter als ich, enorm attraktiv, definitiv weit außerhalb meiner Liga. Aus einem Grund, den ich vergessen habe, der rational absurd war, mir aber im Traum total logisch erschien, hatte sich der Typ fünf Jahre lang in seinem Hotelzimmer eingeschlossen. Irgendwie haben eine Hotelangestellte und ich ihn da rausgelockt (mit Lakritzkaffeebohnen? Alles absurd!), und wir haben uns umarmt und geküsst – sehr intensiv geküsst, mit Zunge und so, ausgerechnet ich – und es war warm und vertraut und geborgen und definitiv etwas, was ich nie mit einem Mann hatte.

Seit diesem Traum laufe ich rum wie ein Zombie. Mein ganzer Körper schreit nach Umarmungen und meine Seele nach Zuneigung und Geborgenheit und alles in mir – nicht nur die Eidechse – will Wärme.

Ich sag ja: Mir wird die Birne weich!

Ich alte Romantikerin

Damals, in präpandemischen Zeiten (wisst ihr noch?), war ich mal ein bisschen verliebt.

Damals war ich eines Tages im August auf Sternschnuppenjagd in recht ergiebiger Gegend. Damals stellte ich den Sternen Fragen und wenn sie eine Schnuppe geworfen haben, wertete ich das als „ja“. (Jaja, so eine bin ich.)

Ich fragte die Sterne also, ob das mit mir und ihm wohl mal was wird und die Sterne warfen die fetteste Schnuppe, die ich in meinem Leben je gesehen habe. Einmal quer übers Firmament, die war so fett, ich bilde mir ein, dass die sogar ein Geräusch gemacht hat. (Vielleicht wars auch nur n Mähdrescher.)

Der Typ, der nicht mal ne Nummer gekriegt hat, geistert immer noch manchmal durch mein Leben. Meistens mit einem arg romantischen: Ficken? Und meistens hab ich gar keine Lust. Und wenn ich das kommuniziere, wird er zur Diva. Und genau deswegen ist er mir den Aufwand nicht wert.

Und dann meldet sich ein dünnes Stimmchen ganz hinten in meinem Spatzenhirn: Aber die Sternschnuppe!

Und dann muss ich immer hart lachen über dieses alberne Stimmchen. Und dann blockiere ich ihn doch nicht, wegen des Stimmchens.

Entscheidungen und Handlungen

Ich las jüngst irgendwo, Liebe sei kein Gefühl, das einem einfach so passiert, sondern eine bewusste Entscheidung, nach der man dann auch handeln muss.

Ich denke, das ist eine gute Erklärung für den Platz, den die Liebe in meinem Leben einnimmt.

Ich habe irgendwann an einem kalten Oktobertag die Entscheidung getroffen, ein strubbliges, kleines, schwarzes Etwas in mein Leben zu lassen und sehr zu lieben. Und ich handle danach: Ich gehorche Mistress Scarlett blind, räume ihren Kram weg, stehe zu nachtschlafender Zeit auf, um ihr die Tür zu öffnen, bin immer bereit für Flauuuusch und Küsschen – im Grunde mach ich am liebsten nix anderes. Ich liebe meine immer noch ganz schön kleine, wunderschöne schwarze Queen. Und deshalb – und weil sie ganz schön süß ist! – bin zu einer ziemlich sesshaften Helikoptermuddi mutiert. Mehr oder weniger willentlich.

Menschen haben mehr Bedürfnisse als schlafen, kuscheln, fressen, kacken, jagen. Eine Entscheidung für die Liebe führte zu mehr Handlungen. Handlungen, auf die man selber nicht unbedingt Lust hat. Kompromisse. Faule Kompromisse, von denen ich schon mehr als genug habe in meinem Leben. Ich entscheide mich gegen weitere Kompromisse.

Ich möchte mich selbst zitieren: „Die Welt macht nen Riesenaufstand, schreibt Lieder und Gedichte, beginnt Kriege und ich bin nicht mal bereit, morgens früher aufzustehn…“ (*Außer für das schwarze Weichwesen.)

Das rosa Nilpferd

Kurz vor Weihnachten bin ich aus Versehen in die Stadt des Grauens geraten. Tief in Gedanken Autobahn-Ausfahrt verpasst, die nächste genommen und weil die zwei Kilometer von dort bis zu mir bekannten Wegen ein schwarzes Loch auf meiner geistigen Landkarte sind, im Ghetto gelandet. Im Früher.

Vielleicht habe ich dort T. gesehen. Ich bin nicht sicher, ich habe den Weg gesucht und im Dezember sind die Tage dort im Norden etwa zweieinhalb Minuten lang und das Tageslicht kommt in 50 Grauschattierungen durch 50 Wolkenschichten. Vielleicht habe ich T. gesehen, vielleicht habe ich eine graue Katze gesehen.

Ich erzähle das nie jemandem, weil es mir wahnsinnig peinlich ist, aber T. ist vielleicht der einzige Typ, in den ich je wirklich verliebt gewesen bin.

Das Peinlichste ist, dass ich ihm in sentimentalen Momenten immer noch nachhänge. Es kommt gelegentlich vor, dass ich mir vorstelle, wie es wäre, wenn er noch in meinem Leben wäre.

Im Grunde ist es komplett absurd. T. und ich, das war in einem anderen Leben. In diesem schlimmen Früher. Ich war ein anderer Mensch und er war… ein Mensch, den ich heute nicht mehr ertragen könnte.

Es gibt kein realistisches Szenario, in dem wir uns noch nicht gegenseitig den Hals umgedreht hätten. Wir mussten schon damals für die Definition von Hassliebe herhalten. Er wusste genau, wie man mich provozieren kann.

Natürlich habe ich ihn gegugelt. Was man findet: Seinen Vater, der gefühlt zweimal die Woche in der Lokalpresse auftaucht. Seine Mutter, der jemand das mit den Privatsphäre-Einstellungen in diesem Facebook erklären sollte. Seine Brüder in der großen Stadt, Jura, BWL, dickes Auto, blonde Freundin, 2.-Generation-Einwanderer-guck-her-ich-habs-geschafft. T. hat keine digitale Spur hinterlassen. Ich weiß nichts über den T. von heute.

Vielleicht habe ich T. gesehen, vielleicht habe ich eine graue Katze gesehen. Es reicht, um meinen Kopf zu ficken. Von der Bettkante stoßen würde ich ihn auch heute möglicherweise nicht. Und der Rest…? So ein Schwachfug!

Manchmal frage ich mich, ob ich damals meinen ganzen Vorrat an Verliebtsein aufgebraucht habe. Oder setze ich nur das Feuer von damals als viel zu hohe Messlatte an?

Manchmal frage ich mich, wie ernsthaft er mich zurückgeliebt hat. Und in ganz schwachen Momenten denke ich, wie schön es wäre, wenn es einer täte. Also, mich lieben. Nicht unbedingt er, sondern irgendwer.

Aber dann fällt mir ein, was für ein egoistischer Gedanke das ist. Denn ich liebe nicht zurück. Und überhaupt, man kann mich ja nicht lieben.

Am Ende ist es egal, ob ich T. gesehen habe, eine graue Katze oder ein rosa Nilpferd (rückblickend war es wahrscheinlich ein rosa Nilpferd). Wahrscheinlich ist es doch nur mein Hirn, das sich an das einzig sexye aus dem schlimmen Früher klammert. Die ultimative Vermeidungsstrategie. Vielleicht möchte mein Gehirn gar nicht, dass sich irgendetwas Besseres, Intensiveres, Realistischeres über diese Gefühle legt. Weil das Früher dann nur noch unerträglich wäre.

Sentimentäler

No. 3 jammert, er will mich sehen und fantasiert davon, wie er mich im Arm hält und meinen Nacken küsst.

Ich gebe zu, fast will ich mich ein bisschen drauf einlassen, wider besseres Wissen und ich schimpfe sehr mit mir selbst. Frage mich, was da kaputt ist in meinem Hirn. Und dann fällt mir auf, das die Erklärung leicht ist: Ich möchte mich gern begehrenswert fühlen, obwohl ich weiß, dass ich es nicht bin. Mit seinem dummen Gelaber erfüllt er dieses Bedürfnis.

Ich werde nicht schwach, denn ich weiß, er wird mir nicht geben, was ich will und noch weniger, was ich brauche. Aber ach, wenn ich mir so jemanden backen könnte…

Dummherzchen

Dies ist ein älterer Archivbeitrag, den ich zum Zeitpunkt des Geschehens nicht veröffentlichen wollte – wie immer: aus Gründen. Das Ganze hat sich erstaunlich schnell aufgelöst, die Person war schnell vergessen. In dieser Hinsicht geht’s mir gut…

Fast hätte ich vielleicht ein bisschen oder möglicherweise sogar einen Hauch von tatsächlich mein Herz verloren. Glücklicherweise prallte es ab an einer Wand aus… Zurückweisung? Abgestoßenheit? Verletzter Eitelkeit? Ich weiß es nicht und werde es auch nie erfahren. Obwohl ich wohl die Steine für die Mauer selbst angereicht habe. Es prallte also ab und kehrte dorthin zurück, wo es hingehört; gut gekühlt und fest verschlossen. Das Ungewöhnliche – oder eher das für mich Ungewohnte – dabei ist, dass es sich bei seinem kurzen Abenteuer eine winzige vielleicht gar nicht mal so kleine Beule zuzog.

Ich gehe davon aus, dass es aus seinem Abenteuer gelernt hat und solche Ausflüge in Zukunft bleiben lässt. Denn die Mauern werden bleiben. Meine eigenen und die anderer – mit meinen und mit anderen Steinen.

Rettungsweste aus Blei

Wahrscheinlich habt ihr es mitgekriegt: Hier war ein paar Wochen Sendepause. Aus Gründen und sowieso. Das war nicht geplant und schon gar nicht für so lange und eigentlich… total egal. Am Anfang war ich ja noch n büschen auf Entzug, aber mittlerweile muss ich sagen: Ich hab kein Bock auf Blog.

Im Grunde hat sich der Sinn dieses Blogs – so er denn je einen hatte – erübrigt. Ich habe keine Lust mehr, mich mit meinen Befindlichkeiten auseinanderzusetzen. Es ist enorm ermüdend, und wie ihr mitbekommen habt, immer wieder das Gleiche in Variationen. Und es führt zu absolut nichts.

In den vergangenen Wochen ist in meiner kleinen Welt allerhand passiert, manche Dinge einfach so, andere habe ich angestoßen, einige wurden von außen angeschubst. Ich kann’s sehr kurz zusammenfassen: Es hat sich praktisch nix verändert. Ich kann strampeln wie ich will, wilde Sprünge wagen, alles einstellen: Irgendjemand setzt mich immer wieder in mein bekacktes Hamsterrad zurück und ich kann überhaupt nichts machen. Es ist im wahrsten Sinne des Wortes zu Heulen.

Ich habe auch keine Lust mehr, mich mit den Befindlichkeiten von irgendwelchen Typen auseinanderzusetzen. Leider kann ich ja nicht einfach mit irgendwelchen x-beliebigen Typen rumvögeln, ich muss ja immer auch irgendwas mit denen anfangen können. Kack Hirn, das mitfickt. Dumm nur, dass wirklich jeder Mensch mit seinem eigenen Päckchen daherkommt. Entweder, man macht das Hirn aus, oder man setzt sich eben damit auseinander. Beides will ich nicht. Allein, was ich in den vergangenen Monaten mit verschiedenen Männern erlebt habe… nä! Dafür ist der Sex, den ich habe, nicht gut genug. Das ist schon bitter: Wenn ich drüber nachdenke und mich richtig ehrlich mache, hatte ich zuletzt wirklich guten Sex, als das mit No. 3 frisch war. Das ist jetzt halt auch schon 7 Jahre her. Da kann ich den Laden auch dicht machen. Und dass ich mich so lange nicht mehr locker machen konnte, zeigt auch noch mal sehr deutlich, dass ich mich in einer gewaltigen Abwärtsspirale befinde (und dass es immer zwei Leute braucht für schlechten Sex). Gut, dass ich derzeit eh keine Lust habe…

Mir ist im Moment alles eine Last, der Blog, das Leben und vor allem ich selbst. Selbst ein Sommerurlaub wie damals, mit nur barfuß im Sand und immerzu die Haare nass vom Meer und Sonnenbrand, bis sich die Pelle häutet, bringt nix Gutes.

Denn Starren aufs Meer (SCHLIMMER Anblick übrigens)

– also, richtig schlimm –

und in Sternschnuppen (enorme Ausbeute dieses Jahr) führt bloß zu Grübeleien, die bei mir ja ausschließlich Unfreundliches hervorbringen.

Da ist mir so viel Dreck widerfahren im Leben und ein Strandurlaub reißt mich in das möglicherweise tiefste Loch… Kein Tag vergeht, ohne dass ich nicht wegen irgendwas reichlich grundlos rumheule, und jeder klare Gedanke, den es mir zu fassen gelingt, löst eine Panikattacke aus. Alles geht in Zeitlupe und dabei rast die Zeit so schnell, dass mir von der Erdrotation schlecht wird.

Mir ist das Leben zu schwer geworden, um mich weiter damit auseinanderzusetzen. Und das führt ja doch zu nix.

Die lange Antwort

„Warum haderst du so mit dir?“, fragt er und es ist ein bisschen lustig, weil es doch so offensichtlich ist. Und doch kann ich in dem Moment die Frage nicht beantworten.

Die kurze Antwort ist: Weil ich mein Leben stornieren will. Ist einfach nix so, wie ich das bestellt hätte.

Die lange Antwort ist: Ich wär halt gern einfach ganz anders. Und dabei geht’s nicht nur darum, wie ich aussehe. Ja, das hätt ich auch gern anders. Ich muss ja nicht irre schön sein, nur so, dass ich nicht brechen möchte, wenn ich in den Spiegel schaue.

Aber das ist nur ein kleiner Teil. Ich wär auch gern mutiger, schlauer, kreativer, origineller. Vor allem mutiger. Und ich würde gern ein bisschen mehr Glück mit meinen Entscheidungen haben. Und dabei konsequenter sein.

Ich wär gern in der Lage, mit Menschen zu interagieren, ohne mir dabei permanent selbst mit der flachen Hand gegen die Stirn kloppen zu wollen. Weil ich selber merke, wie merkwürdig ich mich verhalte. Und was für einen Blödsinn ich von mir gebe. Ich würde gern irgendwo dazugehören können und nicht hinterher alle meine Handlungen analysieren und mich für komplett bekloppt zu befinden.

Ich wär gern kein Arschloch zu Leuten und bin es doch andauernd, weil mich Leute einfach total überfordern. Dann bin ich gestresst und genervt und habe keine Lust mehr auf Leute und dann bin ich ein Arsch.

Ich würde gerne nicht erlebt haben, dass Beziehungen zu Menschen in egal welcher Form immer wieder einfach nur zu Schmerz führen – ohne Ausnahme. Schon allein, weil ich es erwarte und einfach schon mal ganz vorausschauend ein Arsch bin.

Ich könnte ganz gern einfach Sex haben und ihn genießen, ohne hinterher heulend neben nem schlafenden Kerl zu liegen, weil ich meinen Selbsthass nicht in den Griff kriege und weil ich mich mal wieder besseren Wissens der Bewertung eines Menschen ausgesetzt habe, die ich ihm natürlich vorweggenommen habe: ekelhaft und unerträglich. Total egal, was er wirklich denkt, kann und werde ich eh nicht hören, weil an der emotionalen Plexiglasscheibe, die ich da hochgezogen habe, eh alles abprallt. Und sollte doch mal jemandem einfallen, etwas Nettes zu sagen, fühlt es sich an wie Betrug, denn es kann ja gar nicht stimmen und wer weiß, warum er sich genötigt fühlt, das zu sagen.

Man kann es gar nicht richtig machen und ich weiß das und auch das stört mich an mir. Und selbst wenn ich wüsste, wie man es wenigstens besser machen könnte, krieg ich den Mund nicht auf, um es zu sagen, weil ich nicht will, dass irgendjemand etwas tut, was er eigentlich nicht will bloß wegen mir. Dann ist es auch gleich wieder vergiftet.

Ich weiß, dass ich mir selber im Weg stehe. Und auch dafür finde ich mich scheiße. Wenn ich mir ein bisschen Mühe gäbe, könnte alles ganz anders sein. Alles könnte besser laufen, wenn ich mich nur mal anstrengen würde. Ich hasse mich, weil ich nichts auf die Reihe krieg und dann doch wieder alles außer Kontrolle gerät und ich mich wieder genauso dumm und nutzlos verhalte wie immer.

Loslassen

Dinge ändern sich, Menschen ändern sich, Umstände ändern sich. Man muss sich trennen von Gewohnheiten, Überzeugungen, Sicherheiten, Gefühlen. Loslassen.

Es geht. Man weiß, dass es geht. Man hat es so oft getan. Und dennoch erscheint einem der Trennungssschmerz immer wieder unüberwindlich. Kann man es je ertragen?