Die Kühe (heilig oder dumm?)

Es ist so abgelutscht, aber so sieht’s aus: Ich bin mit der Gesamtsituation unzufrieden. Von der Sexsituation brauchen wir gar nicht reden, sie ist nicht existent. Mi.

Meine Beziehung zu mir selbst ist an einem ziemlichen Tiefpunkt, vielleicht verbringe ich zu viel Zeit mit mir. Ich finde mich noch scheißer als sonst, ein Wunder, dass mich je irgendein Mensch ertragen hat. Da werde ich immer allen vor, sie seien Arschlöcher und dann bin ich selber eins. Und nicht nur innerlich – auch äußerlich bin ich ekelig. Dass ich mein Gesicht ganz gerne umtauschen würde, ist nix Neues. Aber derzeit finde ich mich auch noch unförmig und fett. Bin ich eigentlich schon ein Weilchen, seit ich den Job wechselte, habe ich ganz schön zugelegt. Aber seit ich mich nicht ehr anziehen muss, fällt es natürlich besonders auf. Jetzt quäle ich mich mit deutlich verschärftem Sportprogramm und … freudloser Ernährung. Seit ich nicht mehr einkaufen gehe – das habe ich schon immer gehasst und mittlerweile ist der Wahnsinn nicht mehr zu ertragen – findet auch nix mehr Ungesundes in die Wohnung. Keine Impulskäufe, nur noch gesundes Zeug. Ich hab Hunger. Und wenn man dann so am Kalorienzählen ist und feststellt, wie wenig eigentlich diese ewige Quälerei mit diesem Sport ins Gewicht fällt, warum mach ich das eigentlich? Und die Waage macht auch keinen Mut. Miii.

Auch dass ich meinen Job zum Brechen finde, ist keine Nachricht. Es ist … freudlos. Seelenlos. Schmutzig. Es ist nicht das, was ich mal machen wollte. Ich wollte immer Journalistin werden und jetzt sitz ich da und arbeite nach Schema F den schmutzigen Stuss ab, den das fette Arschloch und sein Herrchen, der Chefchef, so wollen. Zu was anderem komme ich ja nicht und selbst dabei werde ich noch aufgehalten, weil Fetti mir permanent dazwischen quakt. Keine Ahnung aber richtig große Fresse. Der sitzt in seiner Blase und denkt, er ist geil, weil er in der Isolation den Hass nicht mitbekommt, der ihm von allen Seiten entgegenschlägt. ALLE außer seinem Herrchen hassen ihn. Sogar die Unperson ist genervt – und hat offenbar Angst vor ihm (wie ich aus zwei sehr nervösen Telefonaten gestern und einer beinahe verzweifelten Nachricht heute schloss). Er ist respektlos, dumm, inkompetent, ein Arschloch und absolut kritikunfähig. Wenn man weit weg ist, kann man Einwände ja besser ignorieren. Als ich ihn vergangene Woche nachäffte und ihn mehrfach im Gruppenchat aufforderte, seine Fehler oder Versäumnisse zu korrigieren – wie er das eben immer so tut – kam irgendwann ein bockiges: Mach doch selber! (Lustig, genau das, was ich immer denke.) Moarrr.

Es ist furchtbar ermüdend. Es stresst mich viel mehr, als es sollte. Der Jobmarkt ist leergefegt und zu allen offenen Bewerbungen bekam ich die Nachricht: Sorry, Corona, wir können grad keine Personalentscheidungen treffen. Ich höre hier von mehreren Kollegen: Ignorier Fetti einfach, nimm’s nicht so schwer. Den schweren Typen kann man allerdings schwer ignorieren. Und dann kommt immer: „Fetti schätzt dich sehr, das sagt er immer wieder, du bist seine heilige Kuh. Er kann’s nur nicht zeigen.“ Haha, DAS stimmt allerdings. Ich bin eher ne dumme Kuh. Dass ich mir seinen dummen Dummfug immerzu gebe und das bei dem Gehalt… Mit mir kann man’s ja machen und am Ende reparier ich immer den Blödsinn der Anderen und er setzt sich die Lorbeeren auf. Ganz dumme Kuh – mit zu hohen Ansprüchen an ihre Arbeit. Moarrrr.

Und dann hab ich nach meinem unerfreulichen Abenteuer auf der Autobahn auch noch Panik beim Autofahren (im Sinne von: Ich dreh völlig durch bei jeder Bodenwelle) und mag nirgendwo hin. Zugfahren is ja auch keine Option. Miiii.

Das Schlimmste ist, dass ich im Grunde eine ziemlich klare Vorstellung davon habe, wie mein Leben aussehen sollte. Das ist nicht mal wahnsinnig fancy. Aber wahnsinnig anders, als das, was grade stattfindet.

Ich habe schon vor Jahren geschrieben: „Man sagt ja immer so megaklug, man müsse sich nur klar darüber werden, was man wirklich will. Tja, im Haus am See auf der Veranda sitzen und schreiben ist halt einfach nicht realistisch. Davon werden keine Rechnungen bezahlt. Ich muss halt was anderes wollen…“

Ich nehm auch n Haus an der Ostsee übrigens, das wird dann sicher einfacher.
Was zu dieser Fantasie dazugehört: Die Katze aufm Schoß. Den Punkt haben wir immerhin schon mal abgehakt, wir wollen ja mal nicht so tun, als gäbe es hier keine Fortschritte. Problem eins: Das ist ein ganz schönes Luxuskätzchen, ich möchte mir lieber nicht so genau ausrechnen, was eigentlich teurer ist, mein oder ihr Futter. Also, die zu bezahlenden Rechnungen sind höher geworden. Problem zwei hat mit meiner Beziehung zu mir selbst zu tun: Ich finde einfach generell alles kacke und komplett belanglos, was ich schreibe. Es gibt nichts, was ich irgendjemandem zum Lesen gäbe – einfach weil ich vor Scham im Boden versänke.

In meinem Kopf geistert in letzter Zeit immer stärker der Gedanke herum, aus dem was ich mit diesem Blog und um ihn herum so treibe, mehr zu machen. Irgendwas aus ihm heraus zu entwickeln, womit ich vielleicht Geld verdienen könnte. Weil es mir Spaß macht. Weil es mehr „ich“ ist als mein Beruf, der so anders ist als das, was ich wollte. Ich kannte diesen Teil von mir nicht, bevor ich das hier gemacht habe. Und mir meine Blase hier geschaffen habe. Und ich muss sagen: Es gefällt mir sehr.

Nun sind mein Blog und ich ja nicht gerade Freunde. Er ist ein bockiges Biest und macht, was er will und ist nie das geworden, was ich wollte, das er wird. Und wenn ich mir was anderes für ihn überlegt habe, hat er sich das auch anders überlegt. Nur anders als ich. Wie in drei Teufels Namen soll ich hier was … öhöm.. „Vernünftiges“ draus machen? (Ich und vernünftig ist ja ein Oxymoron.)

Außerdem ist mein Blog meine heilige Kuh. Es ist ja doch eine Hassliebe. Ich kann nicht mehr ohne ihn. Auskotzen, rummuffeln, Gedanken ordnen, Gedanken von Lesern ordnen lassen, Zeug halt. Er ist meine Spielwiese. Ich will hier nix müssen.

Natürlich bin ich auch vollkommen ideenlos. Was, was ich anbieten könnte, wäre so speziell, dass man dafür Geld verlangen könnte. Und selbst wenn ich eine Idee hätte, mein Ich fände sie scheiße.

Nun ja. Mit der Gesamtsituation unzufrieden und so.

Stimmlos

Ich habe meine Stimme verloren. Ich habe meine Stimme verloren und es ist meine eigene Schuld. Aus Dummheit. Aus Gier. Vielleicht aus Verzweiflung.

Ich habe mir meine eigene Stimme genommen, in einem Moment, in dem ich sie dringend brauche.

So viele Dinge, die ich aussprechen will. Aussprechen muss. Und bleibe stumm.

Harte Realität

Sex, Sonne, mein Pony, Fohlen, flauschige Hunde, Familie, Frühling – war alles superschön. War alles natürlich viel zu kurz. Wurde nicht nur durch den sehr unfreundlichen Reifenplatzer unterbrochen, sondern schließlich endgültig durch die Rückkehr ins Bett Office.

Was man nie tun sollte: Die Kollegen fragen, wies denn so war letzte Woche. Dann müsste man nicht die Geschichten von freidrehenden Chefs hören, die sich kritische Anmerkungen verbitten, denn wenn man mit dem, was die Chefs sagen, nicht einverstanden ist, möge man sie doch bitte einfach ignorieren, oder – noch besser – trotzdem einfach tun, was sie sagen, weil meistens haben sie ja doch ein bisschen Recht. Ohne jetzt sagen zu wollen: Haben sie meistens nicht (haben sie meistens wirklich nicht) – warum stellt man Leute für einen bestimmten Job ein, den man selber eben nicht kann, wenn man dann ihre Expertise nicht hören will? Dann sollen sie den verfickten Scheiß doch einfach selber machen.

Moarr. Es ist unfassbar ermüdend. Mit jeder solcher Bemerkungen fühlt sich mein Job nutzloser an und das ist unfassbar unbefriedigend. Weil ich ihn eigentlich gut kann. Aber man zwingt mich dazu, ihn schlecht zu machen.

Es hat keine 24 Stunden gebraucht, um mich in einen Zustand enormer physischer und psychischer Erschöpfung zurückzuwerfen. Mein Hirn hat schon wieder die Psychoquatschscheiß-Spule am Laufen wegen der Sexgeschichte, ich hab Sonnenbrand von der Sonne, mein Pony fehlt mir, (wenigstens die Fohlen und die Hunde haben mir nix getan), die Familie ist nur in geringen Dosen zu ertragen, der Frühling macht mir Schnupfen (danke Raps, sah wieder hübsch aus, kannst das Blühen wieder einstellen) und in der Stadt ist er auch nur maximal ein Drittel so schön, der olle Reifen ist geplatzt und jetz hab ich Panik vor dem armen Auto und dann die Drecksarbeit und potenzielle neue Arbeitgeber, die da schreiben: Sorry, es ist Apokalypse, wir können grad nix entscheiden… Nun ja.

Immerhin die Katze kuschelt intensiv (sie hat offensichtlich Nachholbedarf nachdem ich tagelang außer Haus war), aber eigentlich würde ich mich grad schon gern bei jemandem in die Arme hängen und intensiv mimimin. Aber mehr als 30 Jahre Social Distancing hinterlassen ihre Spuren: Ich wüsste nicht, bei wem. Ich weiß auch ganz ohne Körperkontakt nicht mehr, wen ich noch vollheulen soll. Ich dreh mich ja permanent im Kreis und eigentlich haben sie’s alle nu schon 1000 Mal gehört. Ich hab schon das Gefühl, dass ich mittlerweile alle auf die Nerven geh. Und mich nerven die meisten „guten“ Ratschläge, besten Dank, wenn’s so einfach wär, meinste, ich hätt das nicht schon längst gemacht?!? (Mein Favorit: Such dir einfach nen neuen Job. Muha. Ja. Mit Betonung auf EINFACH. Wär ich auch NIE alleine drauf gekommen.) Gute Ratschläge ohne Anführungszeichen sind selten.

Und wenn dann doch mal Körperkontakt möglich wäre, erstarre ich zur Salzsäule. Mein Name ist Eisprinzessin, halten Sie 1,5 Meter Abstand!

Vieles mag ich außerdem gar nicht erzählen. Da komm ich mir noch blöder vor, als ich eh schon bin.

Hmpf ach. Mimimi. Ich hab keine Lust mehr auf den ganzen Quatsch. Ich möchte bitte mehr Kurzarbeit für mehr Frühlingsspaß und so. Und wenn wir grad bei Wünsch-dir-was sind…

Splitter

Den Ex-Arbeitsgatten erfolgreich unter die Haube gebracht. Es war sehr schön. Ich bin sehr happy für die Beiden. So wenig ich selber mit dieser Liebe anfangen kann, so sehr freue ich mich an der von Anderen. Wie so ein Romantik-Vampir.

Ich war allerdings nach 12 Tagen Arbeit und davon die letzten 5 in der schlimmfrühen Frühschicht viel zu müde für derlei Veranstaltungen. Und mit den Gedanken eh woanders. Und ich lernte auf die harte Tour: Geh niemals alleine auf ne Hochzeit!

Kaum verkündete der Bräutigam, dass ich ja sozusagen seine Chefin war, hatte ich den T. am Hals. Der mir, qualifiziert durch ein Praktikum beim Dorf-Anzeiger und eins in D.C. (er ist ja so wichtig und polyglott), direkt mal das mit dem Journalismus erklärt hat. Ich bin SO froh, dass ich DAS jetzt endlich mal alles weiß…

Jedenfalls stellte der T. fest, dass wir als die beiden Alleinreisenden als Einzige ins Hotel in die Innenstadt ausgelagert wurden und wir angehalten sind, ein Taxi zu teilen und dann sind die Hotelzimmer ja eigentlich auch für zwei Personen und so… Ich habe vor, die Straßenbahn zu nehmen, erklärte ich und machte mich dünn.

Auch dem Stecher des Jahrtausends konnte ich einigermaßen ausweichen, ich musste nur drei Sätze mit ihm wechseln. Dafür schritt der komische und sehr betrunkene N. zur Tat, kaum dass seine Frau sich gen Kind verabschiedet hatte. Er ist weder attraktiv noch interessant und für 30 Sekunden war ich froh, dass der komische Typ, dessen Namen ich mir seit Jahren absichtlich nicht merke, einschritt, doch dann fiel mir wieder ein, warum ich mir seinen Namen nicht merken will. Und seine Frau half mir auch nicht, sie wat Trauzeugin und rotierte.

Frau L. hatte auch keine Zeit für mich, sie hat jetzt nen P. und musste knutschen. Wir sehr vermisste ich den Herrn P., doch der Bräutigam zerstritt sich mit dem schönsten Mann der Stadt und so konnte er mir die Typen nicht vom Hals halten und mit nicht den Rücken kraulen und mich nicht unterhaltsam unterhalten. Und das Sahneschnittchen  – der einzige Anwesende, den ich mit ins Bett genommen hätte – sagt mir den ganzen Abend nicht mal hallo.

Am Ende habe ich keinen Sex und trotzdem eine Blasenentzündung. Was soll ich sagen: Wie man’s macht, man macht es falsch. Dass ich spät am Abend feststellen musste, dass ich mir die Vögelei hätte importieren können, hats auch nicht besser gemacht. Mrmpf. Dann hätte der Preis wenigstens ein Vergnügen gehabt. Aber ich bin wirklich nicht mal auf den Hauch der Idee gekommen, zu fragen.

Auf dem Weg nach Hause verpasste ich den Anschlusszug in Berlin, saß eine Stunde in der Kälte und natürlich musste ich an No. 3 denken. ZUM.KOTZEN. Ich kann aber mit Stolz berichten: Es war kein guter Gedanke dabei. Trotzdem schade um die verschwendeten Gedanken.

Weil dann die Muddi zu Besuch kam und die wilde Katze aus der Tiefgarage ob des Besuchs völlig freidrehte, hatte ich keine Zeit, die Blase zu kurieren und mir irgendwelche weiteren Gedanken um No. 3 zu machen, der mir derweil auf das alte Nokia schrieb, mit dem man keine Nummern blockieren kann. Er schrieb typisch No. 3ig, keinerlei Bezug nehmend auf das, was war, sondern: „Ich hoffe, du findest bald ein besseren Job, der besser zu dir passt.“

Ich hatte nicht mal Zeit, mich zu fragen: wtf?, sondern drückte einfach den „löschen“-Knopf und vergaß das Ganze wieder.

Ich finde das ein bisschen unangenehm, dass er theoretisch weiter diesen Kanal zu mir hat, stelle aber mit Freude fest: Ist mir total egal, wenn er schreibt und ich habe auch keinerlei Bedarf, da irgendwas zu antworten. Er ist mir noch nicht egal, aber ich glaube, ich bin auf dem Weg dahin. Und: Er ist mir zwar nicht egal, aber da ist auch nichts Positives bei den Dingen, die ich für ihn fühle…

Ab morgen dann wieder Alltagswahnsinn. Derweil liegt die Wärmflasche auf meiner Blase und die Wärmkatze an meinem Po und das mit dem Sex lassen wir mal fröhlich weiter.

100 Millionen Euro

Ich wette 100 Millionen Euro, dass der heute Abend nicht mal mehr ne SMS schreibt.

Es ist Leipzig-Wochenende. Das war ja schon ein bisschen länger geplant und weil man im Februar ja nie weiß mit dem Wetter und das mit dem ICE eh schneller geht als mit meinem alten Töff, habe ich halt die Deutsche Bahn gebucht. Und weil ich in Berlin umsteigen muss, habe ich vor einiger Zeit No. 3 geschrieben: Wenn du ein Hotel organisierst, mach ich auf dem Rückweg am Sonntag ein langes Umsteigen.

No. 3 ist natürlich voll aus dem Häuschen und plant schon wieder wer weiß was. Ich bremse und erinnere ihn daran, dass er mein Vertrauen nachhaltig beschädigt hat und er vielleicht daran erst mal arbeiten sollte. Ich will vor allem feste durchgefickt werden und alles andere ist Bonus. Und das geht nach MEINEN Regeln.

Nun bekam ich am Donnerstag eine ungewöhnlich heftige Regelblutung und gab Kommando zurück. Klar kann ich ihm damit fröhlich einen blasen, aber MEIN Vergnügen wird dadurch nachhaltig getrübt.

Weil am Sonntag von der heftigen Blutung nur noch sanftes Getröpfel übrig war, schrieb ich ihm kurz vor Abfahrt (1. Fehler): Wenn es dich nicht stört, dass ich noch etwas vor mich hinsiffe, organisier was zum Pennen. Ich komm um kurz vor halb acht an, um kurz nach halb acht fährt mein Anschlusszug. In den steig ich ein, wenn du dann nicht da bist.

Der Anschlusszug fuhr bereits ein, als er anrief. Die S-Bahn fährt nicht. Ich komm aber wirklich. Nun gut, denke ich, der nächste Zug fährt in ner Stunde, ich hab irre Hunger, ich besorg mir was zum Futtern und wenn er DANN nicht da ist (was mich nicht überraschen würde), DANN nehm ich den Zug. (2. Fehler)

Tatsächlich tauchte er zwei Minuten später auf. Was soll ich sagen: Manche Männer altern besser als andere. Er ist mehr so von den anderen. Und was sollen diesen gelackten Haare? Nun ja. Bäh. Da war mit der strubblige Junge lieber.

Ich bin vorbereitet auf maximales Arschlochverhalten und daher maximal eisprinzessig. Er ist so nervös, dass er kaum nen graden Satz rauskriegt und man sein Herz durch – wie ich später feststelle – 2 Pullis und Mantel klopfen sieht. Er ist super anhänglich, drückt mich an sich und hält Händchen. Unnatürlich.

Er sagt, er habe ein Airbnb organisiert, was ich nur so mitteltoll finde, ich hab da so meine Vorbehalte. Vor Ort denke ich, wird wohl doch eher die hastig verlassene Hütte eines Kumpels sein als n Airbnb. Man könnte wenigstens bei angekündigtem Damenbesuch die Bartstoppeln aus dem Waschbecken entfernen und den überfüllten Mülleimer darunter leeren, nech?

Wir fallen übereinander her wie die Tiere, aber ich kann mir nicht helfen, das Hühnerauge bleibt wachsam. Er fragt mich, ob ich gerne einen zweiten Schwanz hätte und ich sage nö. Und als er nach dem Handy fummelt, während ich ihm einen blase, landet ganz zufällig die Hand auf Decke über Telefon. Irgendwann drapiert er mich ein bisschen zu kunstvoll, um mich doggystyle zu ficken. Das Hühnerauge zuckt. Und – Pech für ihn – mein Sehfehler hat den Vorteil, dass ich eine ausgezeichnete Nachtsicht habe und auch bei pseudoromantischem Schummerlicht und aus dem Augenwinkel ganz gut sehen kann, was da so vor sich geht. Doppelt Pech für ihn: Yoga is a bitch und ich kann ohne die Penetration zu unterbrechen, weil ich meine Hüfte gar nicht bewegen muss, auch in dieser Position das Handy aus seiner Hand ruppen und es in einer fließenden Bewegung unterm Kopfkissen verstauen. Ich unterbreche dann trotz allem sehr rüde die Penetration, weil einfach nein! Er beschwichtigt und weil ich wirklich needy bin, darf er doch noch ran, kommt aber praktisch sofort, „weil du es bist“, wie immer. Ich bin sexuell frustriert und menschlich genervt.

Wir liegen da und er fragt mich: Hättest du jetzt gern noch jemanden dabei? Ich kann jemanden anrufen. – NEIN, ALTER! – Warum nicht? – Ich kann ja ganz offensichtlich nicht mal dir vertrauen und dann soll ich mich hier auf jemand anders einlassen?!!? VERGISS ES!

Er windet sich. Du wirst mich hassen, sagt er und ich habe das Arschlochbingo voll, bevor er überhaupt Budder bei die Fische tut. Er wollte mich überraschen, mit nem anderen Typen und das ist übrigens seine Wohnung, das Handy hatte er in der Hand, weil er ihm sagen wollte, dass er dazustoßen kann.

Ich bin in 30 Sekunden angezogen. Und das hat nur so lange gedauert, weil ich meine Unterhose nicht gleich gefunden habe. Ich bin nicht bereit, dieser Stadt und vor allem diesem Typen einen weiteren meiner Lieblingsschlübbis zu opfern!

Falls der Typ mitliest, dessen Wohnung das nu war: Tut mir ehrlich leid, dass ich deine Bettwäsche jetzt mit meinen Körpersäften vollgesaut habe und du nicht mal was davon hattest. Falls es dich tröstet: Es war ihm angemessen unangenehm, DAS abzublasen (pun intended).

Während ich wutzwergig Richtung U-Bahnhof stapfe und kleine Flämmchen aus meinen Nasenlöchern kommen, entschuldigt er sich 1000 Mal und stellt richtigerweise fest, dass er ein Idiot ist und alles kaputt gemacht hat. Du willst zu viel zu schnell, sage ich und überhaupt: Ich habe mehr als einmal gesagt, dass ich Leute kennen muss, bevor ich sie ficke. Er wollte mir wirklich nur was Gutes tun, wenn er mich nicht überrascht, dann würde das ja nie was und er gehe halt einfach gerne Risiken ein und er hätte gedacht, ich ticke da ähnlich, blabla. Todesblick Stufe 5. Ich habe auch gesagt, dass ich mich derzeit noch unwohler als sonst in meinem Körper fühle und mir das mit dem Ficken eh schon schwer genug fällt. Ob ihm als Typen klar ist, dass Menstruation nicht unbedingt zu einem Gefühl von Sexyness beiträgt? Wohl nicht. Ob er den anderen Typen darüber informiert hat? Wäre interessant, zu wissen.

Er ärgert sich, dass nicht nur seine Überraschung eins Griff ins Klo war, sondern immerhin, dass ich jetzt so unbefriedigt bin, weil er ja wieder nur fünf Minuten gehalten hat. Ob ich mir das nicht noch überlegen will, damit es mir wenigstens der andere Typ ordentlich besorgen kann. NEIN!!!!! Und wenn der super nett ist und voll gut aussieht? UND WENN ADONIS PERSÖNLICH VOR MIR STEHT, WERDE ICH IHM SAGEN, ER SOLL MIR AUS DEM WEG GEHEN!!!

Am U-Bahnhof fällt mir auf, dass ich auch den Folgezug des Folgezugs nicht mehr erwischen werde und ob danach noch einer fährt? Auf ausprobieren habe ich keine Lust und er tut so, als habe er kein Netz und die Deutsche-Bahn-App ist ja sooo scheiße und ich sage: Lass dir was einfallen, rette den Abend. (3. Fehler)

Er organisiert erstaunlich schnell ein richtiges Hotel und zahlt ohne Mucken. Ich schweige eisig. Er fragt, ob wir noch was essen gehen wollen und weil ich immer noch Hunger habe und wirklich reden will, stimme ich zu. (4. Fehler) Ich bringe noch den Rucksack hoch und dort bricht Specki das Eis.

Ich sehe Specki zuerst, weil die Wut mich trotz Unsportlichkeit und Muskelkater in einem Mordstempo die Treppe hochtreibt und der alte Raucher mit Alkoholkater so schnell nicht hinterherkommt.

Specki ist ein südländischer Typ, wie man so idiotisch sagt, der mit nacktem Oberkörper seinen beachtlichen Speckbauch auf dem Flur hin- und herparadiert. Gutes Gerät muss gut überdacht werden, wa? Als er mich sieht, stiert er lüstern und streichelt die Plauze. No. 3 schließt auf und grinst. Der hätte wohl nix dagegen, dich zu vögeln, stellt er fest und ich sage irgendwas darf man dassiges und wir gackern. Specki ist VOLL mein Typ, sage ich und er guckt ein bisschen irritiert. Als wir zurück zum Treppenhaus gehen, wirft Specki sich wieder in Positur und ich pruste und sage „rrrrr“ ins Treppenhausecho und wir gackern wieder.

Beim Essen dann real talk. Endlich mal von Angesicht zu Angesicht. Er sagt, er verstehe, warum ich ihm nicht mehr vertrauen könne. Er sagt, dass wir vielleicht doch nicht so gut zusammenpassen würden, wie er sich das immer ausmalt. Weil wir eben doch sehr unterschiedlich sind. Weil wir unterschiedliche Dinge wollen. Vom Leben und voneinander. Habe ich immer gesagt, sage ich und er muss gestehen: ja.

Er erläutert, dass er mich falsch eingeschätzt hat, auch weil ich nicht klar kommuniziere. Muss ich zugeben. Ich befinde mich in einem zähen Lernprozess. Wir reden sehr ehrlich über Gefühle und Erwartungen, über meine Nicht-Beziehungen und seine Ist-Beziehung und seine Ist-Affäre. Er erläutert die Probleme mit seiner Freundin und erzählt zum ersten Mal einfach so, dass sie weiß, dass wir uns treffen, auch um zu vögeln, dass sie das verunsichert, weil wir uns vergleichsweise nahe stehen und viel schreiben, und weil ich schon vor ihr da war. Mir scheint schon, dass die Beziehung längst nicht so im Arsch ist, wie er sie in den vergangenen Wochen dargestellt hat. Was er auch erzählt: Dass es ihn sehr gestört hat, dass es sie gestört hat, dass seine Muddi in Deutschland war. Und dass es sie stört, dass er jeden Sonntag mit seiner Muddi skypet. Da krieg ich schon nen inneren Lachanfall, weil es Sonntag ist und ich an unser letztes Treffen denken muss (ich werde noch erläutern, warum).

Wir reden über das Früher, das Jetzt und die Zukunft und wie so oft schafft er es irgendwie, dass ich es schaffe, meine Ängste und Nöte, die ich sonst nicht mal für mich ausformulieren kann, in Worte fassen kann. Und wie so oft platzt mir ein Knoten und ich heule mich aus und ich hasse ihn ein bisschen dafür, dass er das kann.

Er saldabert wie die ewig gesprungenen Platte was von unserer besonderen Verbindung und dass er mit mir so ehrlich sein kann wie mit sonst keinem und ich frage mich, warum er das dann nicht einfach mal ist! Er hat Angst, dass er das kaputt gemacht hat und ich habe da keine Antwort drauf. Mir kommen immer noch kleine Rauchwölkchen aus der Nase.

Am Ende kommt er doch noch mit aufs Hotelzimmer (ich hab den Überblick verloren, der wie vielte Fehler war das jetzt?). Specki ist leider nicht mehr da und ich sage wieder was darf man dassiges und er schlägt vor, Specki auf einen Dreier einzuladen. Er hängt wohl nicht so an seinem Leben.

Während ich ihm einen blase, denke ich darüber nach, ihm die Zähne in den Schwanz zu hauen, bin dann aber doch so nett, meine Wut an seiner Brustwarze auszulassen. Es ist bezeichnend, dass er auf meine Brüste kommt, als ich Blut schmecke.

Er zieht mich an sich und meint, dass es eben doch was anderes, mit jemandem Sex zu haben, mit dem man eine emotionale Verbindung hat. Er denkt laut an die Kaffeebohnen, die er damals noch monatelang in seiner Wohnung fand. Und dass er es damals so albern fand, dass ich mit „diesem Chilenen“ zusammen war. War doch klar, dass das nicht klappen würde. Vor allem nicht, wenn dann so jemand wie er daher kommt und mit mir vögelt.

Ich sage, dass das total egal ist, ob jemand am anderen Ende des Planeten lebt oder in derselben Wohnung, Leute wie du und ich können eh nicht treu sein. Und ich kenne keine Beziehung, die funktioniert. Und die Liebe ist eine Illusion. Menschen sind Arschlöcher!

Er spring auf und zieht sich an. Wasn nu, frage ich. Ich bin ein Arschloch, sagt er. Warum denn jetzt?, frage ich. Hast du grade gesagt! Und es stimmt!

Aha.

Außerdem sei ihm grad eingefallen, dass Sonntag sei und er mit seiner Mutter skypen müsse. Ich brülle vor lachen. Es ist EXAKT dieselbe dünnste aller Ausreden, die er beim letzten Mal präsentiert hat. (Keine Ahnung, warum ich euch dieses liebreizende Detail beim letzten Mal vorenthalten habe.) Das hast du beim letzten Mal auch gesagt, lache ich. Ja, aber diesmal komme ich wieder, sagt er. DAS hast du beim letzten Mal auch gesagt, gackere ich und wische mir die Tränen weg. Diesmal ist die Situation anders, sagt er eingeschnappt. Natürlich.

Newsflash tesoro, zum Skypen muss man heutzutage nicht mehr nach Hause zur Freundin, mit der das schon ach so so gut wie vorbei ist. Aber lüg du nur, mit mir kann man ja so ehrlich sein.

Ich gehe mir die Zähne putzen. Du bist hübscher geworden, sagt er und ich sage den Satz, den ich ihm jedes Mal und immer auf Deutsch sage: Leck mich am Arsch! Deine Haare sind toll, sagt er. Leck mich am Arsch! Würde ich sehr gerne, sagt er. Grüß deine Muddi!, sage ich. Ja, ich sage ihr schöne Grüße von der Frau, zu der ich gleich zurück muss, um sie am Arsch zu lecken, sagt er. Ich ziehe meine Unnerbüx runter. Er klatscht mir den nassen Regenschirm auf den Arsch und ich knalle einen adiós-förmigen Eiszapfen zwischen uns.

Ich wette 100 Millionen Euro, dass der heute Abend nicht mal mehr ne SMS schreibt, um mir wenigstens noch ne andere fadenscheinige Ausrede zu präsentieren, schreibe ich kurz darauf einem geschätzten Leser. Schade, dass der nicht auf die Wette einging. Ich wäre reich!!!!

Ich frage mich, ob der mich, hätte ich mich auf den Dreier eingelassen, bei dem Typen allein gelassen hätte, um mit Muddi zu skypen um zu seiner Alten ins Bett zu kriechen.

Letztlich bin ich kein bisschen sauer wegen der unheimlich dollen „Überraschung“. So ist No. 3 und der hat halt oft Pech beim Denken. Sauer bin ich wegen seines Abgangs. Dass er die exakt gleiche saudumme Nummer noch mal abzieht, nachdem ich ihm haarklein erläutert habe, dass er genau damit meinen kleinen Vertrauensfisselrest zerstörte, Respekt Alter. So ein Arschloch muss man erst mal sein!

Das seltsame Verhalten von Dumpfbirnen – ein Protokoll

Wochenende. Ich bin 48 Stunden auf Achse und habe wenig Gelegenheit, Menschen vollzuquatschen. Und somit wenig Gelegenheit, das Getöse in meinem Kopf mit Getöse aus meinem Mund zu übertönen. Ich bin viel unterwegs, unter anderem auf Pfaden meiner Vergangenheit. In meinem Kopf töst ganz viel „was wäre wenn“. Und aaach, meine Dumpfbirne, ganz viel No. 3.

Meine Post-No.3-Verwirrung hat sich in eine Prä-No.3-Verwirrung verkehrt. Ich stelle ihn mir in meiner Welt vor, will auf einmal ganz viele Dinge mit ihm teilen und allerhand Sachen mit ihm machen. Wie so oft stelle ich fest: Wir hatten damals einfach nicht genug Zeit, unsere Leidenschaft verglühen zu lassen, bevor das Leben uns unterschiedliche Pfade hingeworfen hat. Wir sind nie dazu gekommen, uns satt zu haben. Der Alltag hat uns nie die Sexyness verdorben.

Und nun schwirrt diese nie aufgebrauchte Leidenschaft tatenlos umher, um sich immer in den unpassendsten Momenten möglichst überfallartig und aus dem toten Winkel hervorspringend in Erinnerung zu rufen. Als könne sie nur durch Benutzung ins Jenseits befördert werden.

Und jetzt WILL ich ihn gegen alle Vernunft und alle überzeugenden Argumente. Ich will ihn in meinem Leben, in meinem Bett, in mir. Seinen Körper, seinen Geruch, seinen Geist.

Nicht gerade hilfreich, dass er mir am Sonntagmorgen schreibt: „Meine Freundin will mich anscheinend verlassen.“

„Anscheinend“, soso. Möglicherweise noch in diesem Jahrzehnt? So oft, wie er von bevorstehender Trennung sprach, glaube ich nicht einmal daran, wenn sie es wirklich tun – wahrscheinlich wären sie nach einer Woche wieder zusammen.

Ich habe keine Zeit dafür, ich will zum Pony, ich will spinnen mit dem großen Bruder, ich muss nach Hause fahren.

Ich sitze stundenlang im Auto, höre „unsere“ Musik und wälze den Fall No. 3. Ja, irgendwie will ich ihn, aber nein, ich will sicher nicht die nächste Frau sein, die er belügt und betrügt. Ich will nicht sein Trostpflaster sein, weil er einfach ne andere braucht, weil er Angst vorm Alleinsein hat. Ich bin nicht so naiv zu glauben, dass sein Gesäusel nicht von purer Berechnung rührt. Ich bin nicht so naiv zu glauben, dass ICH die Frau bin, die ihn zu einem besseren Menschen macht.

Mag sein, dass mein Körper nach ihm schreit und mein Bauch auch, aber trotz aller Hirnaussetzer weiß ich, dass ich der Arschkrampe nicht vertrauen kann. Dass das eine tiefe Verletzung mit Ankündigung wird.

Zu Hause angekommen, fühle ich ihm auf den Zahn. Was ist passiert, warum sollte sich jetzt wirklicher getrennt werden als bei den 100 Malen zuvor?

Immerhin, es kommt sowas wie Selbstkritik. Er weiß selbst, dass seine offene Beziehung nur mit Ehrlichkeit funktioniert und das war er wohl nicht. Er sei emotional woanders gewesen und sie habe es gemerkt. (Ich rechne seine Timeline nach und könnte mich treten für den großen kleinen Finger, den ich ihm reichte…) Er habe sich von ihr distanziert und sie habe kein Vertrauen mehr. Und nun habe sie angekündigt: Über die Semesterferien wolle sie eine Pause und dann sehen, wie sie sich fühlt. Also: Sie studiert immer noch? Was macht die denn? Und: Keine unmittelbar bevorstehende Trennung, die Semesterferien haben ja noch nicht mal angefangen.

Ich gehe in den Kumpel-Modus und erläutere ihm, warum ich nicht an eine Trennung glaube. Wenn die wirklich ohneeinander könnten, dann wären sie schon längst getrennt. Sie lieben sich halt. Und sind total abhängig voneinander. Er fürchtet sich vor der Zukunft ohne sie. Ich teile die Weisheiten der alten, lebenserfahrenen Darf man das? Dass es eben manchmal auch sinnvoll ist, gezwungen zu sein, Entscheidungen für sich selbst zu treffen.

Er sinniert über die Zukunft ohne sie, dafür mit mir. Ich teile ihm schonungslos meine Autogedanken mit: Ich will nicht die nächste Frau sein, die er belügt und betrügt. Er hat zig Gründe, warum er mich ja gar nicht belügen und betrügen müsste. Ich bin nicht so naiv zu glauben, dass ICH die Frau bin, die ihn zu einem besseren Menschen macht. Er weiß: Das weiß man nie. Und: Manchmal ist die Liebe alles andere als rational. „Ich frage mich manchmal auch, warum ich immer noch so an dir hänge“, fragt er sich und ich frage mich, was das nun damit zu tun hat. Und damit der Fragen nicht genug: „Was hast du bloß mit mir gemacht und warum bin ich in dich verliebt?“, will er wissen.

Wir werden uns für immer im Kreis drehen.

Schlagloch

Das spezifische Gewicht meines Lebens erhöht sich graduell. 500 Kilo November auf den Schultern. 700 Kilo Arbeitsfrust und Chefhass. 200 Kilo Absagen auf Bewerbungen. 10000 Kilo Ausweglosigkeit und Perspektivlosigkeit. 240 Kilo Monotonie und Einsamkeit. 165 Kilo Elternwahnsinn.

Und trotz des Kilos Kätzchen, das gerade auf meiner Brust schnurrt, das so süß ist, dass mir das Herz platzt, das mich jeden Tag zum Lachen bringt, weil es wild, tollpatschig, frech und völlig verrückt ist:

Ich mag dieses Leben nicht mehr leben.

Musik-nackich

Drei Wochen der himmlischen Ruhe und des produktiven Arbeitens sind vorbei – das fette Arschloch der stellvertretende Chefredakteur ist aus dem Urlaub zurück.

Schon bevor er den Raum betritt, stopfe ich mir die Ohren mit Kopfhörern, alle seine Gesprächsversuche lenke ich gekonnt und auffällig auf meinen armen Kollegen M. ab, ich egoistisches Schwein.

Ich tue so, als ob ich arbeite – auf Anraten des Betriebsrats krümme ich praktisch keinen Finger mehr – bringt eh nix, solange die Personaldecke derart anorektisch ist – und höre Musik.

Etwas, was ich außerhalb des Autos nur noch selten tue, da ich nach meinem Studium die Schnauze von Kopfhörern gewaltig voll hatte und auch gar keine Geräusche direkt aufm Ohr mehr ertrug…

Jedenfalls gebe ich mich so ganz der Musik hin, weil alles besser ist als das störende Gelaber von Fetti und stelle mal wieder fest: All die gute Musik in dieser stunden- wenn nicht gar tagelangen Playlist lässt mich an No. 3 denken. Egal wie oft ich auf weiter drücke. Alles behaftet mit Gedanken – und wieder nicht an das unfassbare Arschloch, das er ist, sondern an den heißen, wilden, zärtlichen Typen von ganz damals, der für die 16-Jährige in mir Kryptonit ist. Den Typen, der schon längst nicht mehr existiert.

Jetzt ist ja nichts gegen schöne Erinnerungen einzuwenden, nur: Ich denke dann auch immer an seinen Körper, seinen Geruch, das Gefühl von seiner Haut unter meinen Händen. Und ich weiß, dass diese drei Dinge nur eine kurze Nachricht weit weg sind. Noch diese Woche könnte ich wild mit ihm vögeln. Und wahrscheinlich würde ich ihn direkt im Anschluss wieder einen Kopf kürzer machen wollen.

Mein Kopf ist sowas von durch mit diesem Typen, aber mein Körper irgendwie nicht. Und schon erst recht nicht mein Musik-Gedächtnis.

Mir bleibt keine Wahl: Ich brauche einen neuen Musik-Geschmack…

Wurmloch

Es fing an mit einem leisen Selbstzweifel. Weiß nicht mal mehr warum.

Dann die komplette Überforderung. Totalversagen. Vollständige Blockade. Und die Frage, was ich hier eigentlich mache. Wozu das alles? Und dann mach ich das ja auch noch alles falsch.

Versagerin auf der ganzen Linie. Nix erreicht. Auf dem Weg nach Nirgendwo.

Ganz viel Wut und Frust. Wegen mir und anderen.

Und plötzlich Angst. Wovor, warum? Keine Ahnung.

Aber es reicht, um mir den Magen zusammenzuschnüren und den Schlaf zu rauben…

Hör auf dein Bauchgefühl.

Und das Bauchgefühl so: Jajajajaja. Hm. Warte. Nein. Keine gute Idee. Aber eigentlich will ich. Doch schon irgendwie. Ja. Oder? Och nööö. Eigentlich nicht. Vielleicht nächste Woche? Weil, jetz grade? Neee. Aber wenn nich, dann ärgerste dich. Frag doch mal den Kopf.

Und der Kopf so: DU NERVST. Mach doch was du willst!