Ganz lange Leitung

Ich musste heute aus unerfindlichen Gründen an meinen Musiklehrer in der 7. Klasse denken, der uns eines Tages scheinbar zusammenhangslos einen Vortrag hielt à la: Vielleicht merkst du irgendwann, dass du homosexuell bist und das ist voll ok. Er hat es nur viel, viel umständlicher und ungelenker formuliert und es war irgendwie super peinlich und wir waren halt 13 und entsprechend albern. Und die Jungs fragten Dinge wie: „Also laufe ich irgendwann die Straße lang und rufe: ‚Aaaah, ich bin schwul!‘ oder was?“ und „Erzählen Sie uns das, weil sie selber betroffen sind?“ (Was ich nicht ausschließe, auch wenn er mit einer Frau verheiratet war, aber das muss ja nichts heißen.)

Für mich war diese Ansprache damals total „bof“, wie der Franzose sagt, und habe total unberührt weiter meinen Hesse gelesen (was ich halt immer so im Unterricht gemacht habe), weil ich zu der Zeit schon jedem, der es nicht hören wollte, auf die Nase band, dass ich lesbisch sei (und auch schon sehr offen mit No. 1a rumgemacht habe). Diese Aussage musste ich – Jahre später – etwas nuancieren, was nicht heißt, dass es nicht mein Ernst war. Das war nie ein Thema für mich und hätten sie mich deshalb gemobbt, wärs auch nicht so drauf angekommen, weil ob sie mich nun gemobbt hätten, weil ich ich war oder weil ich lesbisch war: Kommt aufs Gleiche raus. Aber sie waren nur Arschlöcher, keine homophoben Arschlöcher…

Ich habe exakt heute kapiert, dass sich diese Ansprache damals gar nicht so sehr an die ganze Klasse richtete als an die Leute, die sich eben nicht getraut haben, aus ihrem Schrank zu kommen – was, wie ich heute weiß, tatsächlich mehrere meiner Mitschüler betraf. Und dass das eigentlich eine coole Nummer von diesem etwas seltsamen Lehrer war (ich hatte so viele so unfassbare Arschlöcher unter meinen Lehrern, dass ich den guten kaum ne Chance gegeben habe). Und dass Jungs halt wirklich Idioten sind (ich war halt mit 13 schon ziemlich klug…).

Wort zum Dienstag

Ich würde mich voll über dieses Flausch-wedding freuen. Mich hat das glücklich gemacht, dass die beiden endlich ausm Schrank raus sind. So.

Hangman

Ich lass den Artikel HIER mal so da stehen. Mache ein bisschen Dududu mir selbst gegenüber, weil ich immer ungeschützten Oralverkehr habe. Obwohl ich ja sonst so sehr auf ohne Dings kein Bums bestehe. Der Geschmack von den Dingern is halt abartig. Is auch ne saudumme Ausrede. Und ich denke jetzt die ganze Zeit an das HEISSE Gefühl von Frischhaltefolie an meiner Muschi. Rrrr.

UND notiere mir das Wort Lecktuchmarkenname für die nächste Partie Galgenraten.

Kino und Kopfkino

  1. Im Zug Richtung dunkle Provinz. Zwei Teenager steigen ein, wie die Jungs halt mit 16 so sind: C-O-O-L. Setzen sich hin und fangen an zu kuscheln und zu knutschen. Und ich so: haaaaaach. Wie toll ist das denn bitte, dass die Jungs heute ganz offen cool und schwul sein können? In manchen Dingen gibt es doch noch Hoffnung.
    Und jetz glotz nich so, Alte! Aber es ist so romantisierend…
  2. Und wo kommt jetz bitte die heiße Lesbenaction in meinem Kopf her? Und wo krieg ich jetz bitte ne heiße Braut für heiße Lesbenaction her?

Because it’s 2017

Ich bin ja schon ein alter Nachrichtenhase. Ein zynischer Nachrichtenhase. Mich überrascht eigentlich nix mehr. Mich bewegt auch nix mehr so richtig.

Heute hat einer in der Redaktion Zwiebeln geschnitten!

Morgens wollt ich ja gar nicht glauben, dass das mit der „Gewissensentscheidung“ in absehbarer Zeit was wird, jaja, Sommerpause, Wahl, noch dümmere Ausreden als „ich tu mich schwer damit“. Wurde dann immer zuversichtlicher und habe mich mit dem Hasi ganz emotional gechattet. (Ausgerechnet heute, da haben die ganze Zeit der Chef und der Bewerber bei mir im Büro gehockt..)

Sollte es möglich sein, einen kleinen Schritt ins 21. Jahrhundert zu machen? So einen ganz kleinen? Nach jahrelangem sinnfreien Geschwurbel noch DIESE Woche? Ein Schabowski-Moment?

Naja, bleiben wir mal auf dem Teppich, ein winziges Mini-Schrittchen. Nichts Rechtsverbindliches. Alle werden nächste Woche nicht heiraten können. Es wird immer noch 1000 andere Probleme geben. Aber immerhin ein Grund, meinem Facebook-Kontakt ganz viel Homo-Kram in die Timeline zu liken. Mehehe.

Und dann hat mich der Chef auch noch drei Mal (!) gelobt heute („meeegageil!“).

Es muss am Wetter liegen…

Sorry gays

Jemand fragte mich, warum ich denn auf Facebook so oft „irgendwelchen Homo-Kram“ like, obwohl ich doch selbst nicht homo sei.

Mal ganz abgesehen davon, dass ich mich auch nicht wirklich als hetero bezeichnen würde: Muss ich denn direkt betroffen sein, um mich für etwas einzusetzen?

Ich bin hier auch kein Ausländer und finde Ausländerfeinde doof. Ich bin kein Tier und setze mich trotzdem für Tierrechte ein.

Soll ich lieber achselzuckend hinnehmen, dass Leute diskriminiert werden, weil ich grad mal nicht Opfer bin?

Wo genau ist der Unterschied zwischen Einsatz für Minderheitenrechte und dem Einsatz zum Schutz des Urwalds, lieber Facebook-Kontakt? Außer, dass dich das eine stört und dir das andere egal ist?

Ja, kann sein, dass überproportional häufig „irgendwelcher Homo-Kram“ in der Timeline auftaucht, wenn man mit mir befreundet ist. Das liegt unter anderem daran, dass ich trotz meines Einsatzes für Tiere oft einschlägige Seiten meide, weil man da immer wieder sehr viel Qual sehen muss, das kann ich schwer ertragen. Der „Homo-Kram“ kommt dagegen oft klug und witzig daher, da gibt’s halt mal ein schnelles Like. Glücklicherweise muss man nur sehr selten gequälte Homosexuelle sehen. Eben auch, weil es nicht (mehr) einfach achselzuckend hingenommen wird, wenn einer angegriffen wird, weil er schwul ist. Eben auch, weil auch Leute, die nicht direkt betroffen sind, mal den Mund aufgemacht haben.

Aber nee, is klar, ich lass das in Zukunft lieber – on- und offline. Das stört und es geht mich ja auch gar nix an.

So weit das Wort zum Sonntag.