Alma mater

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Früher, also ganz damals, hatte ich einen Heidenrespekt vor Universitäten. So viel Wissen und Weisheit auf einen Haufen, da war ich immer ganz ehrfürchtig. So schlau werd ich NIE, dachte ich ganz niedlich. Als ich dann selbst hintappte, stellte ich fest: Die sind auch nich schlauer als ich. Einige sogar – ühüü – weniger schlau. Eigentlich viele. Ühüüüüü.

Meine chilenische Uni schafft es allerdings immer noch, ein bisschen respekteinflößend auszusehen (und vielleicht bin ich ein ganz kleines bisschen nostalgisch… Sooo viele Erinnerungen).

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Die Intello-Fakultät (also meine):

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Praktischerweise direkt neben dem Platz, auf dem Polizei und Studenten regelmäßig Steine und Tränengas austauschen. Es heißt, die Geisteswissenschaftler seien die krawalligsten. Sicherlich die politischsten.

Sogar aufm Klo:

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Inklusive Rechtschreibfehler. So viel zu Wissen und Weisheit…

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Nö.

Ich hab ja noch nie so richtig Silvester gefeiert.

Der erste Grund war: Ich hab einfach Angst vor Feuer. Feuerwerk ist ein Alptraum. Habe kein Problem damit, mich mit zitternden Hunden unters Bett zu schieben. Und da ich mit Tieren aufwuchs, habe ich da schon die kuriosesten Dinge erlebt (der Gipfel: das überraschend im Winter geborene Flaschenlamm, das ich an Silvester aus der Weihnachtsbaumdeko befreite und das mir dann vor lauter Panik auf die Puschen pullerte…).

Der zweite Grund war pubertär: Alle feiern Silvester, also ich nicht. Geh dann um acht ins Bett, schüüüs.

Später kamen dann so Dinge hinzu wie: Wie kann man bitte so immens viel Geld für wenige Sekunden pfffft bezahlen? Und seit ich an Silvester und Neujahr immer arbeiten gehe, nervt mich der Lärm noch einmal mehr. Wofür denn das Ganze? Was soll denn das? Das hat mir immer noch keiner plausibel erklären können.

Außerdem ist der Zeitpunkt ja völlig willkürlich festgelegt. Jede verdammte Nanosekunde geht ein Jahr vorbei! In jeder Zeitzone zu einer anderen Stunde. Wenn ich irgendwo im Wald sitze und meine Uhr geht falsch, dann feiere ich das um 23:46 Uhr. Und das ändert was? Genau nix. Sowas Bescheuertes.

Das schönste Silvester hatte ich mal in einem kleinen Dorf in Spanien: Kein Feuerwerk weit und breit, nur das kollektive Ploppen von Sektkorken. Und Ende.

Dieses Mal war’s mal richtig bescheuert. Da bin ich gestern schon mit Halskratzen aufgewacht, hatte den langweiligsten Arbeitstag meines Lebens (rumsitzen kann so anstrengend sein), ging früh ins Bett, war wegen irgendwas sauer und frustriert, hatte immer noch albernen Eifersuchtsgroll über, hatte aus einem mir unerklärlichen Grund eine Panikattacke anrollen und überall Scheißlärm, Scheißmusik, Scheißlichter.

Um 1 rief mich eine total aufgelöste Freundin an, weil ihr Pferd völlig unerwartet eingeschläfert werden musste. Der große Bär, den ich schon vor gerade mal 12 Jahren am Tag seiner Geburt flauschte und der erst vor ein paar Tagen noch glücklich grunzend versuchte, seine 1,5 Tonnen Kampfgewicht unter meine Jacke zu schieben, damit ich ihn noch besser abkuscheln kann.

Um 7:45 Uhr holt mich dann der Wecker ins Bettoffice, ich hab Halsweh und Schwindel und Kotzerei und meine Tage und nö.

Nö, so fängt mein Jahr nicht an. Ich werde mir einen anderen willkürlich ausgewählten Zeitpunkt aussuchen, an dem mein Jahr beginnt. So.

Allen anderen ein frohes Neues.

Und nun das Fazit.

Normalerweise beginne ich um diese Jahreszeit das große Gemaule. Alles schlimm. Dieses Jahr ist so vieles anders.

Ja, schlimm: Die Oma ist gestorben. Die Eltern sind total ausgeflippt. Die Muddi ist im Krankenhaus verschollen (es ist übrigens fast GAR NICHT stressig, wenn man nach einer riskanten OP nix von der Muddi hört. Für euch getestet.) Ich war ewig totsterbenskrank.

War schon doof.

Dafür bin ich endlich umgezogen. In eine zwar abgelegene, aber doch sehr, sehr nette Gegend. Am See. Herrlich.

Ich habe endlich einen neuen Job. Der ist jetzt zwar nicht das Anspruchsvollste, was ich tun könnte, dafür habe ich Spaß. Mit meinem geliebten G. Dem schönen L. Dem fabelhaften F. Dem stilltiefen Wasser M. Dem uncharmanten Herrn B. Dem fetten (seine Worte!) G. Dem völlig irren Chef. Und ja, irgendwie auch dem Nerd. Hassliebe. Meine verrückten Jungs…

Ich war viel unterwegs. In Polen und auf Usedom. In diesem komischen Sachsen. In Russland. In Norwegen. Beim Schneewittchen hinter den sieben Bergen. Auf Rügen. Und auf Usedom – und dann auch gleich wieder in Polen. In München. Und eh dauernd in Hamburg und in Schleswig-Holstein. Und ja, auch in Berlin. Und am Mittwoch geht’s gleich weiter mit diesem Unterwegs.

Ich war viel am Wasser. Hier am See. An der Ostsee überall. An der Nordsee, am Nordmeer, an der Barentssee. Am Stettiner Haff. An der Elbe, der Oder, der Moskwa, der Newa, der Isar, dem Siebenbergebach.

Ich hatte viel Sonne. Schon allein wegen diesem irren Sommer. Und der Mitternachtssonne in St. Petersburg. Und der Mitternachtssonne in Norwegen. Nehm ich mehr von. Diese Woche noch 🙂

Ja, doch, war ganz ok, dieses 2018. Wer hätte das gedacht. Nur das mit dem Sex war irgendwie… Lassen wir das…

Was will ich von diesem 2019? Mehr Unterwegs! Chile ist klar, geplant sind Buchmesse und endlich, endlich wieder Batzelooona. Vielleicht Portugal? Auf jeden Fall zur Eheschließung des liebsten Exkollegen. Und irre viel Hamburg. Und was immer noch so anfällt 🙂
Im Job: Mal sehen, wie der Chef sich rührt. Er hatte ja „Großes“ mit mir vor. Ich habe eine Ahnung, was er plant, DEN Zahn muss ich ihm ziehen. Ich habe einen anderen… Wir werden sehen… Vielleicht wird’s dann weniger schimpansig…
Und das mit diesem Sex… lassen wir das. Ich bezweifle, dass das unter diesen Vorzeichen noch was wird.

In diesem Sinne: Frohes Neues!

Jahresendzeitstimmung?

Offensichtlich müssen alle noch schnell was zum Ficken kriegen, bevor das Jahr zu Ende geht. Ich nehme mich da nicht aus.

Dieser eine Typ, der ständig in meinem Kopf umhergeistert, kuschelt mit einer Tussi rum. Ich will ja gar nichts mit ihm anfangen, das wäre ja eine dumme Idee. Aber mein dummes Ego will, dass er mich will (sehr faires Arrangement, finde ich…). Und so kriege ich eine höchst erwachsene Eifersuchtskrise und verbreite schlechte Laune.

Der Nerd turtelt wie üblich mit der Volontärin rum, schließlich machen sie gemeinsam nen Abflug. Den dritten Tag in Folge, wie der Redaktionsleiter feixend feststellt. Vielleicht hat sich die Sache für mich jetzt endlich wirklich erledigt.

Schließlich sind der Arbeitsgatte und ich allein in der Redaktion. Wir kaspern rum, er hellt meine Stimmung deutlich auf. Ich himmle ihn ein bisschen an, fordere ihn auf, sich nackich zu machen (was er ignoriert) und biete ihm – wenn auch sehr durch die Blume – die Aussicht auf Blow-Jobs. Entweder hat er es nicht verstanden, oder es sehr galant ignoriert. Es gibt ja auch Männer, die ihren Frauen treu bleiben…

Derweil schreibt mir No. 8. Unerwartet, aber nicht ganz überraschend. Es geht auf Januar. Männer sind so sentimental. Er lädt mich ein für’s nächste Wochenende, ins Hotel und so… Abgeneigt bin ich wahrlich nicht, endlich mal wieder hemmungslos vögeln… Aber da bin ich dann schon in Chile. Er schlägt ein Treffen nach dem Urlaub vor, aber wer weiß. Vielleicht bin ich bis dahin wieder abgekühlt…

Vom Vermissen

Ich bin Tausende Kilometer gefahren in den vergangenen Wochen (warum wollte ich noch gleich kein Auto?). Tausende Kilometer Zeit, meine Haare zu dem guten alten Indie-Punk aus den 2000ern zu schütteln. Und an die gute alte Zeit mit No. 3 zu denken, die irgendwie untrennbar mit derlei Musik verbunden ist.

Und ich muss gestehen, dass ich ihn vermisse. Aber nur die No. 3 von damals. Nicht die Arschkrampe von heute.

Ich würde gern Zeit mit der alten No. 3 verbringen. Wild und leidenschaftlich und verzweifelt vögeln.

Aber mir ist klar, dass die alte No. 3 unwiederbringlich verloren ist. Nur noch in der Erinnerung existiert. Dass ich das, was ich vermisse, nicht bekomme, wenn ich die Arschkrampe von heute treffe.

Er jault derweil mein Handy voll. Weil ich mich nicht melde. Wenn ich keinen Kontakt mehr wolle, solle ich ihm das sagen. Stimmt, ich will keinen Kontakt mehr. Aber ich muss mich noch ein wenig an der alten No. 3 festhalten, bis ich soweit bin, der neuen No. 3 sagen zu können, dass sie endgültig aus meinem Leben geflogen ist.

Von Creeps und Unzurechnungsfähigkeit

Meine Stimmung ist wieder so leuchtend wie ein Novembertag. Ich komme die Tür auftretend in die Redaktion und alle schon so: Ohoh. Und dann ist der Nerd da. Mehr als einen Monat hatte ich Ruhe. Ruhe vor seinem Geklugscheiße, Ruhe vor seinem Gebalze mit der Volontärin. Und da sitzt er wieder und macht sich wichtig. Das Pfauengefieder ist maximal ausgebreitet.

Alle halten zwei Meter Abstand von mir und ich setze mir die Kopfhörer auf, höre Punk und tue wie immer während der Mittelschicht: nichts. Und ärgere mich, dass ich nichts tue.

Immerhin heitert mich der alberne Alltag in der Redaktion einigermaßen auf, der Nerd muss in der Lokalredaktion aushelfen und sitzt damit maximal weit weg von mir. Ruhe. Und eine Facebooknachricht: „Wenn du jemanden zum Reden brauchst, sag bescheid“, schreibt der Nerd. Finde ich fast ein bisschen süß, klicke die Nachricht weg und denke: NIEMALS!

Ich mache Feierabend und hinter mir höre ich ihn fragen: „Na, alles wieder gut?“ Sei schlau, sage: Jaja, denke ich und sage: „Wird nicht so einfach alles wieder gut.“

Wir stapfen gemeinsam durch die Kälte, steuern denselben Supermarkt an. Und er fragt und bohrt und am Ende schütte ich ihm mein Herz aus. Erzähl ihm all das große Drama, das ich sonst maximal andeute, weil ich nicht die Kraft habe, mich ernsthaft damit auseinanderzusetzen. Erzähl ihm all meine kleinen Nöte, die ich sonst nicht mal vor mir selbst eingestehe, weil sie so mega albern sind. Die aber zur Verschlimmerung all meiner Dilemmata beitragen. Rege mich auf, dass ich nach all dem Kack letztes Jahr alles in die richtigen Bahnen gelenkt habe – und mir äußere Umstände, auf die ich wirklich keinen Einfluss habe, alles wieder kaputt machen. Heule ein bisschen (aber wirklich nur ein Bisschen!). Lasse mich ein bisschen knuddeln (aber nur ein ganz kleines, maximal norddeutsches Bisschen).

Er küchenpsychologisiert. Hält sich dabei erstaunlicherweise aber mit guten Ratschlägen zurück. Analysiert einfach. Versucht, nachzuvollziehen. Versucht, Positives hervorzuheben.

Trotzdem versuche ich, das Gespräch umzulenken. Stelle dabei fest, dass er offensichtlich jedes Wort gehört hat, das ich im Laufe des Tages gesagt habe. Obwohl er am anderen Ende der Redaktion saß. Was mich vor allem daran erinnert, dass ich wirklich mal an meiner Lautstärke arbeiten muss. Gleichzeitig frage ich mich: Hatte er sonst nichts zu tun? Und: Da waren noch zig andere Leute, warum hat er denen nicht zugehört??

Im Grunde überrascht es mich dann nicht, als er recht direkt fragt, ob ich eigentlich grad so auf Beziehung aus bin oder mir mehr so danach ist, jedes Wochenende einen anderen zu vögeln. Oder was ganz anderes?

Ich verstaue meine Einkäufe im Fahrradkorb, schniefe den Novemberkälterotz hoch und meine: „Rumvögeln wär schon ganz geil.“ Und verkünde: „Muss wirklich mal los. Schüs!“

Verpasse ihm eine Abschiedsumarmung, schwinge mich aufs Rad und radle in die Nacht. Mir gegen die Stirn schlagend.

Wie werd ich den nu wieder los?

Sinn und Unsinn

No. 3 schreibt immer mal wieder, meistens ein bis drei Fragezeichen, oder er fragt, ob ich ihn ignoriere (ach was!) oder ob ich irgendwie sauer sei (iiiwo, warum denn?). Im Grunde habe ich den ganzen Vorfall schon längst abgehakt, das Einzige, was mich tatsächlich wurmt, ist, dass No. 3 mich dazu brachte, mehr über diesen einen Typen nachzudenken. Viel mehr als mir lieb ist.

Der Typ und ich, wir oszillieren – in unterschiedlichen Rhythmen. Und gelegentlich treffen wir uns in der Mitte. Dann sind wir beste Freunde, Dick und Doof und, wenn wir am gleichen Ort sind, reichlich verschmust. Manchmal hingegen wechseln wir tagelang kein Wort miteinander, selbst wenn wir uns sehen. Einfach, weil wir uns grad nichts zu sagen haben. Manchmal sagt er unheimlich kalte und gemeine Dinge zu mir – wobei ich nicht weiß, ob er sich dessen bewusst ist oder ob es bei mir nur falsch ankommt. Dann will ich manchmal tagelang nicht mit ihm reden. Manchmal werde ich total anlasslos einfach sauer auf ihn und muffele rum. Manchmal wirkt er irgendwie verstimmt und muffelt rum. Und davon werde ich dann muffelig.

Meistens will ich mich aber an ihn kuscheln. Mit ihm rumknutschen. Mich mit ihm im Bett rumrollen und unsere komischen Gespräche endlos vertiefen. Ihm einen blasen.

Und es ist alles eine total doofe Idee…