Schäume

Langsam macht die Pandemie auch mir die Birne weich. Ausgerechnet ich sehne mich nach menschlicher Aufmerksamkeit. Die Katze ist flauschig und süß und so, aber ich könnte halt auch ein bisschen – uneigennützige – Zuwendung vertragen.

Neulich Nacht habe ich von einem Mann geträumt. Keine Ahnung, wer das war, nie gesehen. In meinem Traum war er mir aber sehr vertraut. Deutlich älter als ich, enorm attraktiv, definitiv weit außerhalb meiner Liga. Aus einem Grund, den ich vergessen habe, der rational absurd war, mir aber im Traum total logisch erschien, hatte sich der Typ fünf Jahre lang in seinem Hotelzimmer eingeschlossen. Irgendwie haben eine Hotelangestellte und ich ihn da rausgelockt (mit Lakritzkaffeebohnen? Alles absurd!), und wir haben uns umarmt und geküsst – sehr intensiv geküsst, mit Zunge und so, ausgerechnet ich – und es war warm und vertraut und geborgen und definitiv etwas, was ich nie mit einem Mann hatte.

Seit diesem Traum laufe ich rum wie ein Zombie. Mein ganzer Körper schreit nach Umarmungen und meine Seele nach Zuneigung und Geborgenheit und alles in mir – nicht nur die Eidechse – will Wärme.

Ich sag ja: Mir wird die Birne weich!

Fick Neujahr

Kurz erwog ich, das Projekt amaaaaaazing year wiederzubeleben. Um mich vielleicht auch auf schöne Dinge zu konzentrieren. So zur Abwechslung.

Was soll ich sagen: Die erste Woche des Jahres wollte gern ein Arschloch sein. Selbst wenn ich sie auf links drehe und schüttel: Das war nicht amaaaaaazing. Bin bloß um 200 nutzlos verpulverte Euro ärmer, eine Narbe reicher und einige Nerven runterer. Und dazu singt der Tinnitus in der 4. Woche in Folge sein eintöniges Lied.

Langsam wird das hier zum Leidmotiv (kein sic). Warum fangen neue Jahre immer so dämlich an? Gut, dass ich eh nix von diesem Neujahrsquatsch halte.

Vielleicht mache ich ein anderes Jahresprojekt. Hat jemand ne Idee?

Meh

Es ist doch die schönste Zeit des Jahres: die Zeit der Jahresend-Roundup-Depression.

Was soll ich sagen: Ich stecke gar nicht so tief drin, dieses Jahr. Es war ein schlimmschlimm furchtbares Jahr. Ich hatte recht mit meiner Prognose vom letzten Jahr: „Die ersten 4 Monate werden wie ein ICE auf mich zu und über mich rüber rasen. Danach könnte der Krise die Chance folgen. Aber Optimismus liegt mir nicht.“

Tatsächlich ist der ICE bestimmt 4 oder 5 Mal über mich rübergerollt. Es wurde so richtig schlimm, richtig richtig schlimm und richtig schlimm.

Es ist allerdings alles unfassbar weit weg. Ich weiß, mir ging’s beschissen und alles war beschissen und scheiße und bäh, aber es fühlt sich an, als wäre das in einem anderen Leben gewesen. Und alles, was danach kam: naja. Joa. Meh. Ich weiß, was ich dieses Jahr gemacht habe und was ich erlebt habe, ich kann da ne schöne Liste von machen. Aber meh. Es ist alles komplett gleichgültig. Es liegt dicke, fluffige Decke aus Meh und Gleichgültigkeit und weit weg drüber. Zwar transparent, aber wolkig. Selbst Frankreich: meh. Vielleicht hab ich mir das alles auch nur eingebildet. Oder jemand anderes hat es erlebt. Was weiß denn ich.

Das spiegelt sich auch im Blog wieder. Ich habe selten geschrieben. Nicht, dass nix los war. Aber es hat mich nicht ausreichend bewegt, um es aufzuschreiben. Weil: meh.

In diesem Sinne. Frohes Neues. Ich arbeite rein. Weil: eh egal.

Kalte Füße

Es ist mal wieder die Jahreszeit, in der ich feststelle, dass meine Kombi aus Söckchen und Halbschuhen unter der 7/8-Jeans für normale Beine und normalen Jeans für meine Beine irgendwie n büschen früsch ist.

Und so nehme ich mir mal wieder vor, mal etwas wärmere Schuhe zu kaufen. Im Schuhladen spielt sich wie immer dasselbe Szenario ab. Hässlich, hässlich, hässlich – oooo. Aber dann stelle ich fest, dass diese schönen Schuhe nicht zu meinen Klamotten passen. Und würde ich mir Klamotten anziehen, die zu den Schuhen passen, würde ich komplett lächerlich aussehen. Weil ich zu hässlich bin für schöne Klamotten.

Wär das schön, wenn ich schön wär. Dann könnt ich auch schöne Schuhe anziehen. Und so werde ich einen weiteren Winter mit kalten Füßen verbringen.

34

Schon lange älter als ich je werden wollte.

Offensichtlich war ich sehr klarsichtig, was das angeht.

Ich habe schon vor einer Weile einen Haken an mein Leben gemacht. Ich finde es eigentlich schon immer ziel-, sinn- und freudlos. Ich glaube mittlerweile nicht mehr daran, dass sich das noch ändern wird. Habe schon an so vielen Schrauben geschraubt: Immer noch nur anstrengend. Liege weiter mit dem Gesicht auf dem Asphalt und werde vom Leben weitergeschliffen. Sätze wie „das Leben ist schön“ sind für mich ein Paradebeispiel für ein Oxymoron.

Wenn ich Pech habe, habe ich noch nicht mal die Hälfte von diesem Ätz geschafft.

In diesem Sinne: Happy Birthday to me. 🥂

Pflaumen

Ich stecke mitten in einem stressigen Spätdienst und jemand ruft mich mit unterdrücker Rufnummer an. Ich denke, das hat mit Arbeit zu tun, ich bin im Home Office und das Telefon sollte auf mich umgeleitet sein, auf die private Nummer, es ist zum Kotzen, der Betriebsrat ist informiert, macht aber auch nicht wirklich was. (Selbst bei meinem schäbigen vorherigen Arbeitgeber hatten wir Diensthandys.)

Jedenfalls gehe ich einfach dran, was ich sonst bei unterdrücken Nummern nicht tue, weil nö.

Ich brauche ein bisschen, um zu schalten, weil er seinen Namen deutsch ausspricht, aber es ist No. 3. Er hat schon nen halben Satz fertig, als ich auflege. Blä. Er tut immer so, als gäbe es etwas Wichtiges zu besprechen. Wüsste nicht was. Ich werde ihn ja damals kaum geschwängert haben.

Dann bekomme ich eine Nachrichtenanfrage bei Signal, à la „lange nichts gehört, biste noch in ..“ Schon seit 4 Jahren nicht mehr, was alles darüber sagt, wie lange da schon Funkstille herrscht. Ich kann nicht rekonstruieren, ob es sich um No. 4 oder No. 5 handelt, sie haben denselben Vornamen.

Wie immer kommen die Idioten in Rudeln.

Und ich frage mich, warum ich das eigentlich immer mit so Pflaumen zu tun habe.

Und dann denke ich, dass sie ja eigentlich nicht immer Pflaumen waren. Bei fast allen meinen Sexpartnern habe ich mir zwischenzeitlich durchaus mehr vorstellen können. Wissen die nur nicht.

Und dann denke ich, vielleicht bin ich die Pflaume. Ich bin ja zwischenmenschlich nun wirklich kein großes Talent.

Und dann denke ich, so eine schlimme Pflaume kann ich ja eigentlich nicht sein, sonst würden die ja nicht immer wieder ankommen. So toll können meine Blowjobs nicht sein. Also, dass man dafür immer wieder Pflaumigkeit in Kauf nimmt.

Bleibt also nur der Schluss: alles Pflaumen. Ich bin halt zwischenmenschlich wirklich kein großes Talent…

Discomfort zone

Neulich stolperte ich über den Begriff „discomfort zone“. Nicht im Sinne der „growth zone“, die man betritt, wenn man die Komfortzone verlässt und über sich hinauswächst. Sondern einfach im Sinne von ungemütlich. Ende. Nach dieser Definition ist die discomfort zone ein Ort, an den sich Menschen mit Depressionen oder Traumaerfahrungen begeben, weil sie mit der Komfortzone nix anfangen können. Ihr Gehirn ist so an den Panikmodus gewöhnt, dass es sich falsch anfühlt, wenn alles in Ordnung ist. Das bedeutet Stress. Also wird die discomfort zone aufgesucht, die zwar auch nicht schön ist, aber vertraut, was auf paradoxe Weise beruhigend wirkt.

Ich finde mich in dieser Theorie sehr wieder. Ich sehe das:

… und in meinem Hirn passiert Tod und Verderben – absolut naheliegend, oder? Ich produziere Bilder und Geschichten, die niemand seinen Kindern vorlesen würden. Ich reproduziere sie, wenn ich nicht schlafen kann. Und schlummere dann friedlich ein – obwohl ich gerade alle vorstellbaren negativen Emotionen durchlebt habe. Alltag halt.

Mir ist schon lange ganz rational bewusst, dass ich vielleicht ein Problem habe. Ich komme sehr, sehr langsam an einen Punkt, an dem ich beginne, den Gedanken zuzulassen, dass mein Gehirn nicht „normal“ funktioniert. Dass ich permanent im „Kampf-oder-Flucht“-Modus bin. Dass das Folgen und Konsequenzen hat, nicht nur psychisch, sondern auch ganz physisch. Allein schon, weil ich immer die Zähne zusammenbeiße. Nicht nur im übertragenen Sinne: Nur wenige Menschen dürften ein so durchtrainiertes Gesicht haben wie ich… Die Verspannungskaskade, die ich damit verursache, legt mich regelmäßig lahm. Man kann übrigens nicht lächeln, wenn man die Zähne aufeinanderpresst.

Und all die Energie, die mich das kostet… Es ist unfassbar anstrengend, ständig auf den nächsten Schlag in den Nacken zu warten und ihn im Zweifel dann einfach selber zu produzieren, weil das Warten halt auch keiner ertragen kann. Wollte noch jemand wissen, warum mein liebstes Hobby Rumliegen ist? In der mentalen discomfort zone, versteht sich.

Wahrscheinlich wird es mindestens so lange dauern, bis ich etwas für mein Spatzenhirn tue, wie es gedauert hat, bis ich verstanden habe, dass ich etwas tun sollte. Solange beobachte ich weiter andere Leute dabei, wie sie mehr als eine Sache pro Tag machen. Einkaufen nach der Arbeit oder vergleichbare Herkulesaufgaben. Verrückt.

Snowflake

Der große Häuptling gewährte mir in seiner großen Güte und Gnade eine Sonderregelung, mit der ich bis Ende Juli im Home Office bleiben darf. (Was genau im August an der Situation so anders sein soll – außer dass die Ansteckungsgefahr NOCH ein bisschen größer ist, so wie die Dinge laufen – weiß ich auch nicht so genau.) Er tat das natürlich nicht ohne ekelhafte Großkotzigkeit, sonst wäre er nicht großer Häuptling. Er wolle „die Gelegenheit nicht ungenutzt lassen, darauf hinzuweisen“, dass er in keiner Weise verpflichtet ist, mir das in seiner großen Güte und Gnade zu gewähren. 🤢 Und das alles in einer Mail, der man anmerkte, dass er eigentlich gar nicht mehr so genau weiß, wer ich bin. Weil wir uns genau einmal gesehen haben, weil meine Anwesenheit in der Redaktion bisher kein Stück notwendig war, aber ich denke, bis nächsten Sonntag werden sich dringende betriebliche Gründe manifestiert haben, deretwegen ich UNBEDINGT da sein muss.

*Scrollt durch Stellenanzeigen*

Derweil höre ich, dass das Haus mit dem Blick auf den Pazifik und die vorbeiziehenden Wale und den krächzenden Langschnabelsittichen oben an den 383 Stufen verkauft werden soll. Es ist wie ein zweiter Verlust nach dem Verlust des Home Office. Dass mir dieser wunderherrliche, inspirierende Ort für mich verloren gehen soll.

Besonders fies ist eigentlich, dass ich mir das sogar fast leisten könnte. Abgesehen davon, dass es für Ausländer nicht ganz einfach ist, Grundstücke in Chile zu kaufen: Moarrr. Geht schon allein wegen der Katze nicht. Und: Das Geld, mit dem ich für eine Weile wie die Bohemienne leben könnte, als die ich mich dort sehe, wäre dann futsch.

Und dann denke ich: Alte, du hast dieses Geld auf Kante, schmeiß doch den Quatsch hin und überleg dir zwei Jahre lang was Besseres! Du kannst immerhin drei Sachen, die andere nicht können. Immerhin haben diese Skills dir im letzten Monat zwei kleinere Projekte nebenher eingebracht, für die die Auftraggeber zu doof waren und die ich mit einer halben Stunde Arbeitsaufwand geklärt habe – und mit denen ich mir allerhand Chichi gegönnt habe, den ich sonst erstmal nicht angeschafft hätte.

Und dann kommt die Stimme der Vernunft und sagt: Und wenn dir nichts Besseres einfällt? Passiert ja schon seit Jahren nicht. Und diese Jobs fallen gelegentlich vom Himmel, zuverlässig beschaffen kannste dir das nicht.

Ich bin ein fucking millenial snowflake und ich will mich bitteschön auf ganz hohem Niveau beklagen und dass gefälligst meine Bedürfnisse beachtet werden und mein Bedürfnis ist halt grad Home Office, kann doch nicht so schwer sein!

Mimimi.

Anti-Panik-Dancing in Underwear

Ich hatte drei Tage frei. Drei Tage habe ich mein Arbeitspostfach nicht geöffnet. Keine Ahnung, ob der große Häuptling auf mein „Bitte, darf ich bis nach der zweiten Impfung zu Hause bleiben“-Gesuch geantwortet hat. Heute Nachmittag bin ich wieder im Dienst. Muss das Postfach öffnen. Habe Panik. Panik, wieder ins Büro zu müssen.

Ihr kennt das… Aggressives Frusttanzen und so…