Bauchschmerzen

Da bin ich jetzt gut zwei Monate arbeitslos und habe nichts von dem getan, was ich mir für die Zeit vorgenommen hatte. Nicht mal einfach genießen konnte ich die Zeit, weil mir immer die Frage auf den Magen schlug: „Was, wenn ich keinen neuen Job finde?“

Dann tat sich ein neuer Job auf und ich Volltrottel habe den Arbeitsbeginn auf den nächstsinnvollen Zeitpunkt gelegt, nicht etwa auf den 1. März oder so, ein Datum, das es mir ermöglich hätte, noch in Ruhe und ohne nervige Termine ein bisschen Südhalbkugelsommer zu genießen.

So bin ich in dieser kurzen Zeitspanne zwischen Zusage und Arbeitsbeginn damit beschäftigt, einen Umzug über mehrere Hundert Kilometer zu organisieren. Und nichts klappt, wie ich mir das vorstelle. Oarrr. Und ich bin wirklich ein alter Umzugshase: In den vergangenen zehn Jahren bin ich ohne Übertreibung fast 20 Mal umgezogen. (Davon allerdings mindestens etwa 15 Mal mit nicht viel mehr als einem Koffer…)

Und es ist nicht so, dass sich das Thema Zukunftsangst erledigt hätte. Ich hadere mit meiner Entscheidung, die ja nun schon aus der Verlegenheit heraus getroffen wurde, dass sonst nichts in Aussicht war. Ich fürchte, ich werde viel Zeit mit Dingen beschäftigt sein, für die ich mir immer zu schön war (ein Grund, warum ich nicht schon viel früher den Job gewechselt habe). Auf der anderen Seite werde ich mit Vielem konfrontiert sein, von dem ich keine Ahnung habe. Ich habe mich im Vorstellungsgespräch recht großkotzig gegeben und auch beim Gehaltswunsch auf die Kacke gehauen – ich fürchte, damit habe ich die Latte selbst ganz schön hoch gehängt. (Gut, die haben auch selber Schuld, dass sie meine Fähigkeiten nicht kritisch hinterfragt haben – tolle Journalisten – und meine Gehaltsvorstellungen einfach so geschluckt haben.)

Ich habe keine Ahnung, wie lange ich Bock auf den Job haben werde und ob ich überhaupt die Probezeit überstehe – und dafür ziehe ich jetzt ans Ende der Welt und versenke den ein oder anderen Euro in den Umzug.

Nein, mir ist nicht wohl dabei…

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Von Creeps und Vietnamveteranen

Ich schreibe hier ja ganz öffentlich vor mich. Setze mich also bewusst unbekannten Lesern aus. Ich weiß, dass ich keine Kontrolle darüber habe, wer wann was und wie viel von meinem Kram liest. Ich kann mich also auch überhaupt nicht beschweren, wenn hier Leute vorbeischleichen, gucken, lesen, sich ihren Teil denken und von dannen ziehen.

Ich freue mich aber, wenn sie zwischendurch kurz innehalten und sagen: Interessant. Spannend. Lustig. Scheiße. Laaangweilig (denn geben wir zu, ich werde älter und öder). Oder irgendwas. Wenigstens ein Likechen. Ich freue mich, wenn mir irgendwann mal  irgenwer erklärt, warum es Leute gibt, die diese Ergüsse hier regelmäßig lesen und einige von denen verrückterweise schon seit Jahren… (Ist ja auch nicht so, dass ich hier besonders Erquickendes oder Tiefschürfendes von mir gäbe.) Das geht ja auch ganz unöffentlich via Kontaktformular.

Natürlich kann ich keinen dazu zwingen und jeder hat das Recht, einfach schweigend teilzuhaben. Muss ich mit leben.

Manchmal ist es aber schon komisch, wenn ich anhand meiner Statistiken sehen kann, dass da irgendjemand fleißig alles durchliest. Und dann nichts sagt. Das ist irgendwie creepy. Ich fühle mich da manchmal wie beim Scheißen beobachtet.

Da macht man sich zum Zootier… Selbaschuld.

Und dann kommt da der Capt’n, von dessen Existenz ich nicht die geringste Ahnung hatte, und empfiehlt meinen Blog auf seinem Blog. Und dann erklärt er nicht mal, was daran so empfehlenswert ist. Seufz. Wirklich sehr nett, aber: Seufz. Jetzt sitzt das arme Darf man das? da und wundert sich und zieht die Klotür feste zu.

Eines kann ich aber klären: Warum ich mal mit einem Sack über dem Kopf lebte. Das stand mal auf meiner About-Seite, wurde aber im Rahmen der Blogumtaufung unwiederbringlich gelöscht. Ich find mich ätzend und hässlich. Mich macht das irre, wenn Leute mich angucken (nich nur aufm Scheißhaus). Ich fühl mich direkt angestarrt wie ein Autounfall. Da bietet ein Sack über dem Kopf doch enormen Trost 😉

Sehr gefreut habe ich mich über das „Heute ist ein Spruch, der wohl von einer Feuerzeug-Gravur eines amerikanischen Vietnamveteranen inspiriert ist, ihr Motto.“ Nein, ganz so war es nicht, aber schön ist es trotzdem. (Mir gefällt die Idee auch andersrum; dass ich das Feuerzeug inspirierte… Gestaltet sich aber angesichts der zeitlichen Abläufe irgendwie schwierig.) Ohne einen Vietnamveteranen oder sein Denken zu kennen, ich finde das ne angemessene Haltung! So als Ergebnis der Nicht-Erziehung von soner Öko-Aktivistin und sonem Kommu-Pazifisten aus der späten Make-Love-Not-War-Generation pflege ich eine früh übernommene Tradition von „Ihr-da-oben: Leckt mich doch alle am Arsch.“ Gerne auch noch, wenn ich in die Grube gefahren bin. Von daher kommt der Blogtitel nicht von ungefähr und es gibt schon eine (wenn auch sehr an den Haaren herbeigezogene) Verbindung zu besagtem Veteranen.

Treffende Beschreibung, Herr Capt’n 😉 Danke auch dafür. Und willkommen in meinem Zoo.

 

Unterbeschäftigt

Jetzt, wo es aussieht, als käme ich demnächst wieder in Lohn und Brot, stellt sich eine gewisse Beschäftigungslosigkeit ein. Kein Gesuche, kein Bewerbe mehr, nur noch Geflausche mit dem Pony. Etwas ziellos.

Nicht mal ein Blogprojekt hab ich mehr, ausgeamaaaaaazingt.

Und was macht das hirnverbrannte Darf man das? mit der freien Zeit?

Schreibt mit No. 3, der grad zufällig mal wieder des Wegs kam, und den ich mit meiner neuen, zenigeren Stimmung gleich wieder viel besser ertragen kann.

Hirnverbrannt, mehr kann ich dazu einfach wirklich nicht sagen.

Und natürlich direkt wieder total aufgegeilt.

Ooooch, was hat der Typ bloß an sich!?!

Und wie er so schön sagte: Du hast irgendwas mit meinem Kopf gemacht. Das ist mir noch nie mit einer Frau passiert.

Ja toll. Er hat sich ja auch nachhaltig in meinem Hirn festgesetzt. Wie so ein Bandwurm.

Und zum Schluss ein Fazit

So, es ist der letzte Freitag im Jahr. Damit geht auch das Projekt amaaaaaazing year zu Ende. Wider Erwarten hielt ich durch. Um das Fazit gleich vorwegzunehmen: Nein, das Jahr war nicht grade amaaaaaazing. Es war zwar nicht so eine Katastrophe wie 2016. Aber es war wirklich nur eine Steigerung auf ziemlich niedrigem Niveau.

Was ich mitnehme: Viele Momente, die ganz ok waren. Ich habe mich oft dabei erwischt, wie ich darüber nachdachte, ob ich das jetzt im Blog verwursten kann. Erst hab ich gedacht: Du hast sie ja nich mehr alle, lebst du jetzt nur noch für deinen Blog, oder watt? Und dann wurde mir klar, dass ich da nur drüber nachdenke, weil ich grad was Gutes erlebe. Das ist schon was Wertvolles. Ein Bewusstsein, das ich hoffentlich auch über das Ende des Projekts bewahren kann.

Mal sehen, 2017 habe ich:

  1. Mich daran gefreut, dass ich wieder etwas habe, das mich intellektuell fordert. Der Flauschige-Tiere-Kurs geht auch in neuem Jahr weiter, an einem neuen Standort, mit neuen Leuten und etwas anderer, aber gleichbleibend hoher Motivation.
  2. Mich daran gefreut, dass ich auch dann meinen Galgenhumor bewahre, wenn’s dicke kommt. Ach komm, und guten Sex hatt ich auch (danke Lila für die Erinnerung). Und ich hab das goldigste Hasi von der Welt (grad erst zweieinhalb goldige Stunden mit ihr telefoniert <3)
  3. Mich darüber gefreut, dass ein Abschied vom Helene-Fischer-Terrornachbarn absehbar wurde. Was lange gärt und so.
  4. Mich über die Überwindung mehrer unappetitlicher Infektionen gefreut. Und schon mal auf die Rückkehr von No. 2 mit Spezialitäten aus seiner Heimat. War megalecker!
  5. Mich über mehr Sozialkontakte gefreut. Habe tatsächlich im Exil einen wertvollen Menschen getroffen, der mir nun glatt fehlt. Ach ja, und am Ballett hab ich mich erfreut. Schööön.
  6. In Erinnerung an Budapest-mon-amour geschwelgt und mich auf Irland gefreut. Mit der Befürchtung vor dem regennassen Kältetod lag ich allerdings leider nicht soo falsch.
  7. IRLAND!!!
  8. Und weil’s so schon war: Noch mal Irland. Irisch und Linksverkehr.
  9. Das Nichtstun genossen.
  10. Einfach eine weitere Woche überstanden. Eine der wenigen Wochen, in denen mir nicht so richtig was Dolles eingefallen ist.
  11. Mich mal schadengefreut an der Dussligkeit des (Ex!!!) Chefs. Und mich echt gefreut an den ersten Zeichen des Frühlings.
  12. Kurz alte Zeiten genossen und Herztöne für mich entdeckt. Sollte ich mich mal wieder mehr mit beschäftigen.
  13. Mich über einen unerwartet freien Tag enorm gefreut. Ich kann mich überhaupt nicht erinnern, aber ich muss den wirklich nötig gehabt haben.
  14. Mich auf eine Zeit in der Heimat gefreut.
  15. Das endgültige Verschwinden des Nachbarn gefeiert. Schlaaaaf, oh süßer Schlaf!
  16. Mich ein bisschen kindisch-gemein verhalten und es genossen. Gnihihi.
  17. Bücher!!! Ach, und Yoga. Mach ich viel zu wenig in letzter Zeit. Man kommt zu nix als arbeitsloser Assi.
  18. Mich an Überwundenem, Verlorenem und Überstandenem gefreut. Und dann kam das olle Jojo.
  19. Mich schon wieder kindisch-gemein verhalten. Naja, damals war ich noch 29, JETZT bin ich ja viel erwachsener.
  20. Ein Koala! Hach, süß.
  21. Mich vorgefreut auf ein Konzert von den Punker-Jungs. War wie immer… interessant.
  22. Mich darüber gefreut, dass der Sommer wenigstens kurz seine Existenz andeutete und die Eidechse mal ihre Glieder strecken konnte.
  23. Mich an Normalität, Freizeit und Freunden gefreut. Kann mich wieder nur an die Hälfte erinnern. Ist das traurig.
  24. Pfeeeeeeerdeeeee!!!
  25. Und noch mal!
  26. Die Ehe für alle gefeiert. Hach, das war fein! Darauf nochn Sekt.
  27. Einen schönen Heimatbesuch gemacht.
  28. Mich auf den Sommerurlaub vorgefreut. Und dann war er noch besser als erhofft!
  29. Noch mal ne schöne Zeit in der Heimat gehabt.
  30. Beschlossen mit dem Nettsein aufzuhören. Hm, gut, dass ich mich daran erinnere. Ich habe schon Fortschritte gemach. Einmal mehr einfach nö gesagt. Aber da ist noch Luft nach oben.
  31. Angefangen, Norwegisch zu lernen. Macht immer noch Spaß. Ich muss mich allerdings immer wieder dran erinnern, dass ich noch keine fünf Monate dabei bin und ich es vielleicht nicht mit meinem Spanisch vergleichen sollte. Dafür habe ich auch mehr als fünf Monate gebraucht…
  32. Mir zwei Wochen Drückebergerkrankheit gegönnt, um endlich die Kräfte zu sammeln, um den Scheißjob zu kündigen. Was ein Befreiungsschlag. Wahnsinn, das Gewicht, das in den Wochen von mir abgefallen ist.
  33. Mich am Nichtstun in Kombination mit Heimat gefreut. Haaaaach. Wackle jetzt noch entspannt mit den Zehen.
  34. Mich von erstem Ballast befreit.
  35. Alle Stricke gekappt. Ich Wahnsinnige! Im Nachhinein kann ich sagen, dass ich einiges überstürzt habe. Es hätte nicht alles SO wahnsinnig laufen müssen. Aber es war SO NÖTIG.
  36. Mich darüber gefreut, dass ich nicht zur Mörderin wurde.
  37. PIZZA!!!
  38. Mich an meiner chilenischen Blase gefreut.
  39. Die Bundestagswahl ohne Kratzer überstanden. Und mich an der wertvollen Person aus dem Kurs gefreut. Hach, mein Lachsschnittchen.
  40. Mich über Freunde gefreut. Leute, die ohne dass man damit rechnet einfach da sind, sind doch die geilsten.
  41. Mich am Sonnenuntergang auf der Elbe gefreut. Und meiner emotionalen Lösung von No. 3. Er ist mir mittlerweile tatsächlich völlig wurscht.
  42. Mich nochmal über Freunde gefreut. Auch wenn ich den konkreten Anlass schon vergessen hab.
  43. Mich über meine Betriebskostenabrechnung gefreut. Gäld! Hat auch nur sechs Wochen gedauert, bis ich es bekam. Und ich war schon wieder schadenfreudig. Weil die von der Konkurrenz halt nich so schlau sind wie ich.
  44. Mich noch mehr schadengefreut, weil auch die Kollegen im mittlerweile Ex-Laden nix können. Ich lese nicht, was sie treiben. Ich habe seit meinem letzten Arbeitstag nicht ein einziges Mal geguckt, was da so produziert wird, ob sich die Jungs noch eingekriegt haben, obs wen Neues gibt oder ob der Laden vor die Hunde geht. Is mir wurscht.
  45. Mir bewusst gemacht, dass es immer schlimmer geht.
  46. Hach, der große Bruder. Wir sind irgendwie wacklig zusammengerückt…
  47. Mich über das Geburtstagsgeschenk vom großen Bruder gefreut. Eheh, das wird super. Also… Sollte jemals wieder gutes Wetter sein.
  48. Den Wahnsinn endgültig hinter mir gelassen.
  49. Den Amaaaaaazing-Freitag einmal ausgelassen, weil’s mich mal wieder hart getroffen hatte. Dann aber doch noch nen süßen Igel nachgeschoben.
  50. Mich auf die Party beim liebsten Ex-Kollegen vorgefreut. Die nett war, aber unsexy
  51. Mich über die Wintersonnenwende gefreut.
  52. Und mich über Weihnachten gefreut. Immer wieder schön.

Wie man sich so ein Jahr schönreden kann, wenn man den ganzen Dreck zwischendurch weglässt…

Damit ist die Reihe offiziell beendet. Wie erwähnt: Sie hatte ihre Vorteile, eine literarische Bereicherung war sie aber sicher nicht. Und in meinem Blog wird es kein „Muss“ mehr geben. Im Leben darf jedoch gerne weiter vieles amaaaaaazing sein. Und – ein Vorsatz fürs neue Jahr – glorious.

I feel glorious, glorious
Got a chance to start again

Guten Rutsch, everyone.