The people vs Helene Fischer

(Title by Pendolino70)

Da stand ich nu also in aller Herrkotzfrühe auf, um gegen meinen liebsten Nachbarn auszusagen und dann wurden die Zeugen auf den Flur geschickt und nach 45 Minuten schickte man uns nach Hause. Unbefragt.

(Es wird also keine Gerichtszeichnung geben, lieber Michael, ich sah nix.)

Der Mann von der Wohnungsgesellschaft erzählte uns noch, dass man sich mit den reichlich alkoholisierten Helene-Fischer-Fan darauf geeinigt hat, dass er bis zum 31.3. auszieht, am 1.4. übernehmen das dann die Behörden…

Ende in Sicht.

Kein Gewarte auf ein Urteil, keine Berufung. Immerhin.

Während wir so auf dem Flur schimmelten, erzählte mir mein Nachbar, der Staatsanwalt, dass er sich, weil er in zwei Wochen in Rente geht, Akteneinsicht gegönnt hat.

Der gute Helene-Fan hat nicht nur 18 Vorstrafen (unter anderem, weil er ein gestandener Nazi ist, wie… sympathisch…), er ist derzeit auch auf Bewährung draußen. Und schafft es immer wieder, wegen irgendwelcher Ordnungswidrigkeiten die Bewährungsfrist zu verlängern. Er hat auch schon gesessen, weil er besoffen zur Verhandlung kam und es brauchte 10 Mann, um ihn aus der Wohnung zu holen, als er mal eine Polizistin angriff, die wegen der lauten Musik bei ihm geklingelt hatte. Da hatte er nur 4,einige Promille… (Warum bin ich bei so coolen Nummern nie im Haus?) Und mir wurde bestätigt, dass der Fahrstuhl nicht durch tollpatschige Umzugshelfer so zertrümmert wurde…

Traumhaft. Die wahrlich hellste Birne am Leuchter. Fast wird er mir fehlen…

Der Psycho

Ich habe No. 5 schon immer „Psycho“ genannt. Mehr oder weniger scherzhaft

Nun bekam ich wieder einmal eine Nachricht von ihm… Er berichtet mir breit von seiner Ex. Erwägt, mir „irgendwelchen Sexkram“ zu schreiben. Fragt mich was ich so tue. Und erklärt, er versuche immer mal wieder, was bei Google über mich zu finden.

Der Psycho!

Bin ja beruhigt, dass er nix gefunden hat…

Das hat jetz aber nix mit der Hautfarbe zu tun…

Ich sitze in Paris auf einer Parkbank und suche im Stadtplan nach Inspiration für unser nächstes Abenteuer. Zu meiner Rechten sitzt der Bodybuilder-Latino und raucht gemütlich. Zu meiner Linken sitzt der Zwei-Meter-Latino, das alte Krümelmonster, und wühlt in meiner Handtasche nach den Keksen.

Zwei Polizisten schlendern vorbei, gucken, schlendern, gucken, einer dreht sich schließlich um und fragt das völlig verdatterte Mich, ob ich Französisch spreche.

Eh, oui…?

Und ob die da zu mir gehören.

Eh… oui?!?

Er erläuterte mir dann, es habe ausgesehen, als wäre man dabei, mich einzuschüchtern und zu beklauen…

Genau, und da bleibe ich ganz gemütlich sitzen und lese den Stadtplan und lasse die Polizei vorbeiziehen.

Es war nicht gerade hilfreich, dass die Spinner von der Südhalbkugel jedes Mal meinen Arm packten und in meiner Tasche rumwühlten, wenn sie irgendwo Flics gesehen haben -.-

Dafür gehen also die Rundfunkgebühren drauf…

Mich bei einem gebührenfinanzierten Sender beworben.

Post bekommen.

– Unser Auswahlverfahren dauert ewig und drei Tage (schließlich sind wir eine Behörde), bitte nerven Sie nicht mit Anrufen.

Danke. Ne E-Mail hätts sonst auch getan. Nicht, dass ich vorhatte, anzurufen. Sonst wird man ja auch ignoriert.

Wenn ich denke, wie viele Leute sich da bewerben…

Rückerstattungen meiner Gebühr nehme ich gerne entgegen!

Allerdings beantwortet das eine der Fragen, die das Stellenangebot bei mir aufwarf: Was MACHEN die da bloß den ganzen Tag??

Es dünkt sie, als läg sie im Fieber

So rennet nun alles in vollem Galopp
Und kürt sich im Saale sein Plätzchen;
Zum Drehen und Walzen und lustigen Hopp
Erkieset sich jeder ein Schätzchen.
Da pfeift es und geigt es und klinget und klirrt,
Da ringelt’s und schleift es und rauschet und wirrt,
Da pispert’s und knistert’s und flüstert’s und schwirrt.

    (aus dem „Hochzeitlied“ von et Goethe)

Langes Wochenende im Moloch Montréal.

Meine Schulfreundin V – Model, Schauspielerin, Malerin, arbeitslose PR-Schickse – schleppt mich mit auf Vernissage, Buchvorstellung, Künstlerparty. Ihr erstaunlich ungut aussehender Freund – mit einem BA in Kinematographie und damit qualifiziert, alle möglichen Beteiligten an teuren Hollywood-Filmen, die aus Kostengründen zum Teil in Kanada gedreht werden, durch die Stadt zu fahren – chauffiert uns. Mit Stil.

Ich tausche Küsschen mit lokalen Promis aus, die aufgrund der kulturellen Isolation Québecs außerhalb der Provinz kaum einer kennt. Entsprechend oft reagiere ich mit einem mäßig interessierten: Ah. Hm.

Die Situation ist seltsam irreal und ich frage mich, ob ich wohl zu viel getrunken habe.

Man lästert über M, der ebenfalls mit uns zur Schule gegangen ist, und hin und wieder im örtlichen Fernsehen auftaucht. Und Fotos und Videos von seinem Penis offensichtlich nach Zufallsprinzip an alle möglichen, weiblichen Facebook-Kontake verschickt. Selbst dieser unverschämt gut aussehenden Castingdirektorin, die ich schon seit einer halben Stunde anschmachte, ist er negativ aufgefallen. Ich sehe seinen Stern… ins Bodenlose fallen.

Anruf von MC, einer Freundin von V, die sich ihre Brötchen mit Live Painting verdient. Sie malert gerade irgendwo, ob wir Lust haben, zu kommen.

Der Kinematograph chauffiert, wir sammeln noch A ein und begeben uns zur genannten Adresse.

Ein schimmlig wirkender Club; direkt hinter der Tür lässt sich ein als Baby verkleideter Herr von einem Typen in Latex den bewindelten Hintern versohlen.

Wo ist der Fehler?

Die Mädels quietschen: Oh mon Dieu, eine BDSM-Party.

Ich denke: Pas sûre…

An der Theke stoßen wir auf eine übergewichtige Dame im billigen Krankenschwestern-Kostüm, die sich von einem Typen in Latex den wabernden Hintern versohlen lässt.

Man hätte auch attraktivere Akteure wählen können.

Auf der Tanzfläche ein „Experte“, der erklärt und demonstriert, wie man jemanden so fesselt, dass er sich selbst wieder befreien kann.

V bewundert die Ästhetik des Ganzen, A meldet sich als Versuchskaninchen. Ich schaue ganz tief in mein Glas. Träum ich, wach ich, bin ich im Rausch?

A hat viel Spaß, lässt sich so fesseln und so und bekommt am Ende einen Gutschein für ein Fesselseminar. Das nenn ich mal eine lohnende Ausbeute. Besser als Freibier.

Ein Typ in Latex schlendert vorbei und fragt, ob wir vielleicht auch versohlt werden wollen. Ich nehm dann noch ein Glas, bitte.

MC hat fertig gemalert, gesellt sich zu uns und berichtet von ihrem neuen Liebhaber. Dass er aussieht wie V in männlich. Dass sie an V denkt, wenn er sie küsst. Wenn er sie fickt. Und wenn er sie leckt.

Ist mein Glas schon leer?

Ich nehm dann wieder Elche und Bären, merci!

Sowas von reif für D und die Wildnis!

Merkt ihr selber wohl nicht, ne?

Post von meinen Vermietern.
Teilen mir mit, dass ich 88 Euro Nebenkosten zurückbekomme.Und dass ich doch ab 1.8. bitte 8 Euro mehr zahlen soll, weil die Nebenkosten gestiegen sind.

Jaaa.
Aber danke für den Lacher.

Scheißverein.

Fundstück II

Habe auf dem PC meiner Mutter die „Männercheckliste“, ein uraltes Machwerk von No. 1a und mir, gefunden… Eine (komplett unsortierte) Auflistung von Punkten, die für uns bei einem Mann wichtig waren. Es existiert noch eine spätere Version, in der wir die einzelnen Punkte gewichtet haben und je nach erreichter Punktzahl Einordnungen wie „Nicht-existenter Traumtyp“, „Ganz passabel – zieh ne Nummer“ oder „Geh weg, du stinkst“ geschaffen haben. Keine Ahnung, wo die abgeblieben ist…

Damals waren wir 15 oder 16 und wussten ja sooo Bescheid. Heute muss ich grinsen über unsere wirklich niedliche Naivität (muss ich erwähnen, dass wir zu der Zeit noch komplett unbemannt waren?) Auch interessant, was uns so wichtig war (gut, viele Punkte waren schon damals nicht ganz ernst gemeint). Und worüber wir uns ganz offensichtlich noch keine Gedanken gemacht haben… (Die in Klammern angegebenen Sachen waren jeweils nur einer von uns wichtig…) Heute würde meine Liste wohl ETWAS anders aussehen…

Nach wie vor finde ich allerdings den Gedanken an ein Date, bei dem ich erstmal die Liste (ausgedruckt immerhin drei Seiten lang) vorhole und abhake, großartig 😀

Folgendes sollte ein Kerl also mitbringen:

muskulös, groß (>1,78m), dunkelhaarig/-häutig, Augen: dunkelblau/-braun, hilfsbereit, kein Egoiist!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!, kein Machogehabe!!!!!, pickelfrei, nicht albern!!! – oder nur in Grenzen, älter als 20 3/4, nicht älter als 35!, vernunftbegabt, tierlieb, sollte trösten können, guter Zuhörer, Kein Trinker/ Raucher!, keine Drogen!!, reich, sozial, (Kochkünstler, aber kein Berufskoch), süß, (kinderlieb), freundlich, tolerant (toleriert Freundinnen + Hobbys), auf gar keinen Fall eifersüchtig!!!!!!!!!, großzügig, umweltbewusst, keine Klette!!!!, intelligent, eigenständig, ehrlich, treu!!!!, romantisch, lieb!, nicht vergesslich!!, keine Anrufe außerhalb der Werbepause!!, keine Tennissocken im Bett!, kein Fußballfan, kein Fußballgelaber!!!, kein Schleimer!!!!!, kein Draufgänger, sollte gesund leben, anständige Kleidung!, keine Prügeleien, Gentleman!, verantwortungsbewusst, kein Opernsänger!!!, kein Schauspieler!, guter Buchgeschmack, sportlich, sollte dich zum Orgasmus bringen, guter Musikgeschmack, (kein Morgenmuffel), humorvoll!!!!!!!!!!!, sollte Kritik abkönnen!, sollte einem nicht das Wort im Mund umdrehen!, interessant, nicht zu schüchtern, man muss ihm vertrauen können!!!!!!!!!!!!!!!!!!, sollte dich seinen Freunden vorstellen, kulturelles Interesse, wohlriechend, sollte auch mal Gefühle zeigen, sollte auf gar keinen Fall Tobias/ Hauke/ Benjamin heißen!, sollte nicht nur aufs Aussehen achten, (streitschlichtend), fürsorglich, sollte seine Meinung sagen, erfahren, kein Angeber!, gepflegte Frisur (kein Gel), kann sich auch mal schmutzig machen, kein Waschlappen, sollte mit der Waschmaschine umgehen können, ordentlich, fotogen, phantasievoll, sprachbegabt, anregend, kein Sensibelchen, schnelle Reaktionsfähigkeit, gebildet, sollte über seinen Schatten springen können, gepflegt, selbstbewusst (nicht zu sehr), Tischmanieren, sollte nicht auf Tussen stehen, erfolgreich, kein Vollbart/ Dreitagebart!, kein Blindfisch!, kein Politiker!!!!, kein Polizist!, kein Perfektionist!, muss gut in Mathe sein, muss gut erklären können, Weltenbummler, nicht rechthaberisch!!!, (kein Harry-Potter-Fan), sollte nicht in den Ohren/ der Nase popeln, zärtlich, kein FKK-Liebhaber, sollte dich zu nichts drängen, sollte deine Liebe nicht in Frage stellen, Gummiträger, Villa in Südfrankreich, keine Wäscheklammer am Sack, sollte den Müll runtertragen, Hausmann, kein Metrosexueller, kein Affenpelz, kein Hundehalter, kein Fußballer, (keine langen Haare), kein VWL-Student, kein Laschi, keine Labertasche, kein Rechthaber, kein Besitzergreifender, sollte dich auch mal alleine loslassen, guter Masseur, einfühlsam, muss wissen, wann er dich in Ruhe lassen muss, Frauenversteher, aber dennoch ein Mann, muss sich in der Vitrine wohlfülen, sollte die Kreditkarte (die goldene natürlich) herausgeben, wohl dressiert, sollte dich Sonntags mit Frühstück am Bett wecken, Charakter/Persönlichkeit, Stil, kein Aufreisser, starke Nerven!!!, kein Kehlkopfsänger, kein Erklärertyp, kein Physiker, kein Chemiker, DUSCHEN!, Badewannentyp bei Kerzenschein, keine Haare in Nase/Ohren, gepflegte Hände, ordentliche Hose, kein Rapper, sollte nicht dem Familienideal entsprechen, guter Gärtner, kein Reiter (sollte aber trotzdem verstehen können, dass du den ganzen Tag bei den Pferden bist), muss auch mal gemütlich sein, spontan, kein Sofaplattlieger, Theater/ Oper etc. stehen sowieso auf dem Programm, überrascht dich ab und an mit Kurztrip nach Paris, eigener Jet + Pilotensschein, Abenteurer, Muss Ironie abkönnen, Schwarzbrotliebhaber, zeichnogen, guter Blick für Unterwäsche, kein Bayer, kein Sachse, kein Ossidialekt, keiner, der sich Pornobilder auf den Rechner oder sonstwohin lädt, kein Playboy, kein Leider!!!!, anständiger Freundeskreis, mind. so verrückt wie wir, ausgeglichen, kein Sonnenstudiotyp, kein Beachvolleyballer, einfallsreich, kein Spürhund, kein Perverser, sollte nicht davon ausgehen, dass du die perfekte Hausfrau bist, kein Spießer, starke Schulter, keine Angst vor Spinnen, kein Turnbeutelvergesser, kein Paragraphenfresser, kein Spanner, handwerklich begabt, kein Heiratstyp, kein Soapie, keine Tratschtante, muss seine Hemden selber bügeln, kein Golfer

Willkommenskultur

Wahre Geschichte:

No. 2 besorgte das blaue Formular, das rosa Formular, das gelbe Formular, das grüne Formular, das hellbraune Formular, das violette Formular, das lila Formular und bestimmt noch drei weitere in Hamburg, in Berlin, sogar aus seiner Heimat am anderen Ende des Planeten musste er Zeug besorgen. Nur um den Passierschein A38 zu bekommen, den er zur Verlängerung seines Aufenthaltstitels braucht. Nun hakt es am roten Formular – von dem er noch nie gehört hatte und das auch auf keinem Infoblatt oder sonstigem Formular aufgetaucht war -, das die Berliner Behörde an die Hamburger Behörde übermitteln muss, das kann schon mal drei bis vier Wochen dauern, wie man ihm heute am Telefon mitteilte (telefonische Erreichbarkeit nämlich NUR Freitags und auch nur außerhalb der Frühstückspausen). Schneckenpost und so, E-Mails werden ja überschätzt. Dann dauert es noch mal vier bis sechs Wochen, bis der Passierschein A38 ausgehändigt wird. Dumm nur, dass sein bisheriger Aufenthaltstitel Ende des Monats ausläuft. Trockener Kommentar der Tussi am anderen Ende des Hörers: Dann hätte er sich eben früher drum kümmern müssen.

Manchmal wünschte ich mir, bei den Formularen handelte es sich tatsächlich um gravierte Marmorplatten. Das wäre dann nämlich deutlich effektvoller, wenn man die den Vollidioten da um die Ohren hauen würde.

No. 2 ist ein furchtbar qualifizierter Wissenschaftler mit Job und Motivation und leidlichen Sprachkenntnissen. Und dann sieht er – während wir nackich in seinem Bett die Nachrichten sehen -, wie ein bestimmter Minister vor ein Mikro tritt, wegen des Fachkräftemangels heult und fordert, man müsse die Leute aus dem Ausland anlocken. Sein Lösungsvorschlag: Nicht etwa ein Abbau der bürokratischen Hürden, neinnein. Eine Willkommenskultur. Naja, ihr wisst schon, freundliches Lächeln, bunte Fähnchen und so. Ich bin für einen Moment nicht sicher, ob No. 2 lieber gelacht oder doch lieber gebrüllt hätte. Aber er nimmt es erstaunlich gelassen:

– Naja, man könnte es auch einfach einfacher machen, brummelt er.
Aber das mit der scharfen, nackten Deutschen in seinem Bett und den regelmäßigen Blowjobs habe schon ganz gut funktioniert. Er habe sich sehr willkommen gefühlt.

Ob der Minister DAS damit gemeint hat…?