Stream of Consciousness

Ich las irgendwo: „Gott hat Burnout.“

Ich glaube nicht an Gott, aber ja, der hat definitiv Burnout. Lauter Zeug angefangen und dann keine Energie mehr gehabt. „Eh wurscht, die machen das schon und wenn nicht, ist auch egal.“ Und dann guckte er in die Luft und vergaß, was er machen wollte.

Ein Freund schreibt: „Krieg, Seuche und bald noch Hunger. Und die FDP gibt es auch noch, von der war aber in der Bibel keine Rede.“

Er liegt mit Corona flach, zwei Meter Mann gefällt wie ein Bäumchen und ich motze über den Quark mit der Eigenverantwortung bis ich Schaum vorm Mund habe. Und wir möchten doch bitte eigenverantwortlich in Büro zurückkehren, der oh so wichtige Austausch, blabla. People are fucking stupid! Eigenverantwortung, dass ich nicht lache. Eigenverantwortlich.

Ich fühle mich wie ein Nichtraucher prä Rauchverbot. Ich handle eigenverantwortlich, aber so super coole Typen bringen trotzdem meine Gesundheit in Gefahr. Und ich bin diejenige, die sich rechtfertigen muss, wenn sie eigenverantwortlich keinen Bock auf Rudelbumsen in der Redaktion oder sonstwo hat. FUCKING SCHAUM VORM MUND.

Mein Kopf funktioniert immer noch nicht wieder. Nur, um Pfeifen in meinem Ohr zu produzieren. Eine Physiotherapeutin hat mein durchtrainiertes Gesicht bearbeitet, bis ich nach drei Wochen Bearbeitung meinen Kiefer wieder öffnen konnte. Sogar halbwegs schmerzfrei. Weil mir ohne das Zähnezusammenpressen alle Spannung aus Nacken und Schultern gerutscht ist und ich tagelang vor Schmerzen heulte, hat sie mich wieder zusammengeklebt. Stellt sich raus: Ich bin arschallergisch gegen Tape. Und während sich die wenigen verbliebenen Reste meiner Haut schälen wie nach einem Sonnenbrand, scheint sich auch meine Intelligenz zu schälen. Vielleicht bin ich irgendwann dumm genug, um Menschen zu ertragen. Ist dann halt auch alles egal.

Vielleicht mach ich n Yoga-Retreat mit Gott.

Überdruss

Was ist denn hier los? fragte der Quasselkasper einen Bären.
Überdruss, sagte der Bär. Kennst Du Überdruss Kamerad? Scheißstimmung. Das ist Überdruss.

Aus „Janoschs Traumstunde – Der Quasselkasper“

Ich hab Überdruss. Ich reihe mich ein in die Masse der Leute die gestrichen die Schnauze voll haben von Pandemie.

Ja, ich mag das Homeoffice, mich den ganzen Tag nicht anziehen müssen und 24/7 mit der Katze kuscheln und kaspern. Ja, ich schätze es, dass Menschen Abstand halten müssen, dass ich sie ganz legitim anschnauzen kann, wenn sie mir zu nahe kommen. Nö, an meinem Alltag hat sich kaum etwas geändert, schließlich bin ich kein Ausgeher.

Und doch werd ich wahrscheinlich ein bisschen Pipi in den Augen haben, wenn… also sollte ich irgendwann mal die Impfung kriegen. Mir ist klar, dass das eine falsche Sicherheit vorgaukelt, aber trotzdem würde mich das erleichtern.

Ich hab wirklich Angst, mich mit dem Dreck anzustecken. Meine Lunge eskaliert bei jedem kleinsten Erreger völlig und ich brauche immer Monate, damit ich nach einer Infektion wieder auf dem Damm bin. Ich lese Long Covid und denke: NEIIIIN. Neinneinneinneinnein. Keine Lust. Wirklich so überhaupt gar keine Lust.

Meine Cousine, die wegen schwanger und so sehr bedacht war auf Social Distancing und dann erst vor ein paar Wochen in Quarantäne war, weil ihr Bruder sich angesteckt hatte, alles gut gegangen, kam nun coronapositiv ins Krankenhaus, Komplikationen bei der Geburt, Kaiserschnitt und alles isoliert und ganz allein.

Jetzt steh ich meiner Cousine nicht nahe – ihr erstes Kind ist 8 Jahre alt und ich habe es noch nie gesehen, so nahe stehen wir uns – und aus Babys mach ich mir auch so überhaupt gar nix. Trotzdem: Sowas gönnt man keinem. Und es macht doch noch mal erschütternd deutlich, in was für einem dreckigen Dreck wir da stecken.

Ich mag solche Geschichten nicht mehr hören. Ich hab auch keine Lust mehr, dauernd ne Maske aufzuhaben und ständig drüber nachdenken zu müssen: Kann ich das jetzt machen oder nicht? Ich möchte angstfrei in ein Flugzeug steigen können und ja, auch ein paar Leute sehen. Von mir aus auch ohne Körperkontakt, den mag ich wirklich nur, wenns sexuell ist. Oder wenn ich mal ne Umarmung bräuchte, weil halt grad jemand gestorben ist. Ich möchte wieder spontaner sein können, nicht ständig daran denken müssen, ne Maske mitzunehmen und mich nicht einen großen Teil meiner Arbeitszeit mit komischen Querfickern auseinandersetzen müssen. Und überhaupt: mimimi.

Ich kann mir eigentlich kaum vorstellen, dass wir irgendwann wieder zu dem zurückkehren werden, was wir als „normal“ kennen. Gleichzeitig habe ich ein bisschen Angst davor. Ich will mich eigentlich nicht wieder jeden Tag mit Menschen auseinandersetzen müssen. Ich will nicht wieder komisch wirken, weil ich Körperkontakt vermeide wie die Pest. Ich will eigentlich nicht aus meiner kuschligen kleinen Blase raus. Und dennoch: Genau jetzt habe ich Überdruss.

Fassaden

Diese Isolation ist wirklich voller Vorteile.

Hier, allein mit der Katze, muss ich wenigstens keine Fassaden aufrecht erhalten. Abgesehen von so simplen Dingen wie Haare kämmen und Klamotten überziehen muss man für die Welt da draußen auch ne Rüstung anlegen und die Fassade hochziehen.

Kann ich mir alles sparen. Ich muss nicht die fröhliche Quasselstrippe voller dummer Antworten und Peniswitzen geben. Ich muss mich nicht mit meiner Hässlichkeit, meiner unfassbaren Nutzlosigkeit und meiner menschlichen Unerträglichkeit beschäftigen.

Weil sie hier, in der Isolation, egal sind.

Außer vielleicht die Nutzlosigkeit. Nutzlos bin ich immer noch.

Corontänen-Presseschau – voll veraltet

Da habe ich in der Isolation mal Zeit, endlich den Stapel Zeitschriften und Magazine durchzulesen, der hier so vor sich hinstaubt. In einer „Frankfurter Allgemeinen Woche“, die so alt ist, dass sich darin eine Meldung mit der Überschrift „Neuer Virus in China aufgetreten“ findet – tja und hier sitzen wir nun – findet sich im Wirtschaftsteil das:

Im Jahr 2018 hat Streaming demnach mehr als 300 Megatonnen CO2 freigesetzt – so viel wie ganz Spanien. Besonders pikant finden die Autoren der Studie den Anteil von Pornographie an alledem. 27 Prozent aller gestreamten Videos im Internet seien Pornos. Das Streaming der Sexfilme habe so viel CO2 produziert wie ganz Rumänien.

Ich hoffe, ihr fühlt euch jetzt genauso schlecht wie ich, ihr Umweltsäue!

Gute Nachrichten für alle Fatalisten: Der Artikel kommt zu folgender Conclusio:

Salopp zusammengefasst: Bloß auf Pornos zu verzichten wird das Klima wohl nicht retten.

(Online findet sich das ganze hier, kostet aber Knete. Weil guter Journalismus nich umsonst is, nech?)

Im Wissensteil wird dann übrigens erläutert, warum in Rudeln von Tieren eigentlich alle mit allen Sex haben und das ein evolutionärer Vorteil ist. (Liest man gegen Währung hier.) In diesem Sinne: Sport frei und vielleicht statt Pornos gucken einfach mal in den Wald gehen und ein Rudel Tiere beobachten.

Frohes Eiersuchen.

Zeit in Zeiten von Corona

Ich habe die Vorzüge der Isolation ja hier schon ausgiebig gepriesen. Ich bleibe dabei: im Großen und Ganzen ein Win.

Wäre da nicht das ewige Gedankenkarussell, das da durch Ereignisse vor dem ganzen Gedöns in Gang gesetzt wurde und von dem ich eigentlich gedacht hatte, dass man es relativ schnell anhalten könnte. Oder zumindest mal das zugrunde liegende Problem aus einer anderen Perspektive zu betrachten könnte – woraufhin es sich in Luft aufgelöst oder zumindest weiterentwickelt hätte. Vielleicht sogar in ein – igitt – Happy End.

Jetzt sitze ich hier seit Wochen mit meinem Gedankenkarussell und der Perspektivenwechsel ist dank Reiseentfehlung nicht in Sicht. Mir würde helfen, zu wissen, wann ich mich dann wieder an die Lösungsbetrachtung setzen könnte, aber: Keiner weiß gar nix. Und eigentlich weiß mein gesunder Menschenverstand: Das vernünftigste wäre, wenn der Zustand noch ein ganzes Weilchen aufrecht erhalten würden.

Eins kann ich sagen: Vom Wälzen werden Probleme nicht leichter. Und die Zeit wird nicht kürzer.

Erkenntnisse in Zeiten von Corona

Während ich so die Isolation genieße, arbeite, sonne, sportle, schimmle, sind die Missionare fleißig und unverantwortlich weiter in Aktion, verteilen Viren und schwachsinnige Ideen und klären mit einem simplen Stück Altpapier eine uralte Frage, die ich da hatte:

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Also, warum Jesus starb und wieder auferstand, interessiert mich nicht die Bohne, nur wie es zur Gleichzeitigkeit von „Jesus lebt!“ und „Jesus ist für dich gestorben!“ kommen konnte, hat mich beschäftigt. Ich hatte das mit der Wiederauferstehung verdrängt. Furchtbar überzeugend das alles.

Und damit zurück ins Boffice.