Feste feiern, wie sie fallen

Der Dienstag ist mein Montag und ich verschlaf erstmal gepflegte 45 Minuten und während ich dann so verpennt gucke, was an meinem Wochenende so in „meinem“ Internet rumgepfuscht wurde, trudelt eine Chefmail ein.

Viel Geblubber und Geschwurbel und das fette Arschloch wird mehr Management übernehmen und seine Aufgaben in der Redaktion nicht mehr so wahrnehmen und die die Unperson wird ihre bei uns „aufgebauten Kompetenzen“ (äh, die da wären? Und: Kam sie nicht schon ganz furchtbar kompetent zu uns? Versicherte man mir schließlich mehrfach!) jetzt in der Regional-Abteilung einbringen und soll ich wirklich hoffen, dass ich bald wieder in Ruhe und Frieden vor mich hinarbeiten kann, unter einem Vorgesetzten, der anerkennt, dass ich von diesem Internet zweifellos mehr Ahnung habe als er? (Denn das neue fette Arschloch ist sicher nicht der größte Sympath unter der Sonne, aber er weiß, was er kann und was nicht. Und sofern er im Rahmen seiner Kompetenzen brüllt, darf er mich dann auch anbrüllen.)

Kaum war die Mail gelesen, kam ne Nachricht vom Nerd. Bleibst du jetzt bei uns?

Weiß ich noch nicht, muss erst sehen, wie die Dinge sich entwickeln. Aber erstmal: Schampus!

Geh mit Gott, aber geh!

Wir haben ja eine goldene Regel: Man ist nicht fies zu Volontären. Man redet nicht schlecht über Volontäre. Die armen, unterbezahlten jungen Menschen sind schließlich bei uns, um (von uns) zu lernen. Man kann nicht sofort Perfektion von ihnen erwarten, das kriegen ja nicht mal wir hin. Das Einzige, was wir erwarten ist LernBEREITschaft.

Die meisten Volontäre machen am Anfang Arbeit, können einem aber schnell auch Arbeit abnehmen. Manche sind talentiert, manche weniger, einige haben hier ihre Stärken, andere dort, manche sind sehr motiviert und manche weniger und manche… Nunja, manche sind wie Frau M.

Ich will nicht sagen, dass die Sektkorken flogen, als wir erfuhren, dass sie nicht übernommen wird, nachdem wir uns zwei Jahre mit ihr rumgeplagt haben und sie immer wieder bei uns landete, weil auch die Lokalredaktionen sich nicht mit ihr abgeben wollten, aber: STÖSSCHEN!

Der Arbeitsgatte und ich haben da schon mal ein Arbeitszeugnis entworfen:

„Frau M. waren die Arbeitszeiten bekannt. Sie war bemüht, regelmäßig und pünktlich zum Dienst zu erscheinen. Frau M. war während ihrer Dienstzeit ansprechbar. Dabei hat sie sich intensiv dem Studium des Mediums Twitter gewidmet. Frau M. kannte die Anforderungen ihres Arbeitsbereiches. Auch die Grundlagen der Recherche waren ihr bekannt. Sie hat Kenntnisse der deutschen Rechtschreibung und Grammatik. Gelegentlich sind Texte von Frau M. in der Zeitung oder online erschienen. Auch Texten, die nicht erschienen sind, hat sie sehr viel Zeit gewidmet. Frau M. hat hingenommen, dass ihre Texte redigiert wurden. Frau M. hat Kritik und Verbesserungsvorschläge zur Kenntnis genommen. Auch Arbeitsaufträge und Hierarchien hat sie zur Kenntnis genommen. Frau M. hat sich rege in Diskussionen in der Redaktion eingebracht und sich dabei sehr meinungsstark gezeigt. Frau M. war bestimmten männlichen Kollegen sehr zugewandt.
Wir freuen uns, dass Frau M. nun die Möglichkeit zu einer beruflichen Weiterentwicklung bekommt und wünschen ihr dabei alles Gute.“

Irgendjemand hätte ihr schon vor langer Zeit sagen sollen, dass das vielleicht nicht der richtige Beruf für sie ist…

Ja, wir sind fies. Aber auch endlich von einer zeitintensiven und irgendwie unnötigen Aufgabe befreit…

(Ich möchte dazu sagen, dass ich eigentlich gerne mit Volontären arbeite und die meisten mich sehr mögen. Viele fragen mich um Rat und ich lerne auch was dabei…)

Die Kühe (heilig oder dumm?)

Es ist so abgelutscht, aber so sieht’s aus: Ich bin mit der Gesamtsituation unzufrieden. Von der Sexsituation brauchen wir gar nicht reden, sie ist nicht existent. Mi.

Meine Beziehung zu mir selbst ist an einem ziemlichen Tiefpunkt, vielleicht verbringe ich zu viel Zeit mit mir. Ich finde mich noch scheißer als sonst, ein Wunder, dass mich je irgendein Mensch ertragen hat. Da werde ich immer allen vor, sie seien Arschlöcher und dann bin ich selber eins. Und nicht nur innerlich – auch äußerlich bin ich ekelig. Dass ich mein Gesicht ganz gerne umtauschen würde, ist nix Neues. Aber derzeit finde ich mich auch noch unförmig und fett. Bin ich eigentlich schon ein Weilchen, seit ich den Job wechselte, habe ich ganz schön zugelegt. Aber seit ich mich nicht ehr anziehen muss, fällt es natürlich besonders auf. Jetzt quäle ich mich mit deutlich verschärftem Sportprogramm und … freudloser Ernährung. Seit ich nicht mehr einkaufen gehe – das habe ich schon immer gehasst und mittlerweile ist der Wahnsinn nicht mehr zu ertragen – findet auch nix mehr Ungesundes in die Wohnung. Keine Impulskäufe, nur noch gesundes Zeug. Ich hab Hunger. Und wenn man dann so am Kalorienzählen ist und feststellt, wie wenig eigentlich diese ewige Quälerei mit diesem Sport ins Gewicht fällt, warum mach ich das eigentlich? Und die Waage macht auch keinen Mut. Miii.

Auch dass ich meinen Job zum Brechen finde, ist keine Nachricht. Es ist … freudlos. Seelenlos. Schmutzig. Es ist nicht das, was ich mal machen wollte. Ich wollte immer Journalistin werden und jetzt sitz ich da und arbeite nach Schema F den schmutzigen Stuss ab, den das fette Arschloch und sein Herrchen, der Chefchef, so wollen. Zu was anderem komme ich ja nicht und selbst dabei werde ich noch aufgehalten, weil Fetti mir permanent dazwischen quakt. Keine Ahnung aber richtig große Fresse. Der sitzt in seiner Blase und denkt, er ist geil, weil er in der Isolation den Hass nicht mitbekommt, der ihm von allen Seiten entgegenschlägt. ALLE außer seinem Herrchen hassen ihn. Sogar die Unperson ist genervt – und hat offenbar Angst vor ihm (wie ich aus zwei sehr nervösen Telefonaten gestern und einer beinahe verzweifelten Nachricht heute schloss). Er ist respektlos, dumm, inkompetent, ein Arschloch und absolut kritikunfähig. Wenn man weit weg ist, kann man Einwände ja besser ignorieren. Als ich ihn vergangene Woche nachäffte und ihn mehrfach im Gruppenchat aufforderte, seine Fehler oder Versäumnisse zu korrigieren – wie er das eben immer so tut – kam irgendwann ein bockiges: Mach doch selber! (Lustig, genau das, was ich immer denke.) Moarrr.

Es ist furchtbar ermüdend. Es stresst mich viel mehr, als es sollte. Der Jobmarkt ist leergefegt und zu allen offenen Bewerbungen bekam ich die Nachricht: Sorry, Corona, wir können grad keine Personalentscheidungen treffen. Ich höre hier von mehreren Kollegen: Ignorier Fetti einfach, nimm’s nicht so schwer. Den schweren Typen kann man allerdings schwer ignorieren. Und dann kommt immer: „Fetti schätzt dich sehr, das sagt er immer wieder, du bist seine heilige Kuh. Er kann’s nur nicht zeigen.“ Haha, DAS stimmt allerdings. Ich bin eher ne dumme Kuh. Dass ich mir seinen dummen Dummfug immerzu gebe und das bei dem Gehalt… Mit mir kann man’s ja machen und am Ende reparier ich immer den Blödsinn der Anderen und er setzt sich die Lorbeeren auf. Ganz dumme Kuh – mit zu hohen Ansprüchen an ihre Arbeit. Moarrrr.

Und dann hab ich nach meinem unerfreulichen Abenteuer auf der Autobahn auch noch Panik beim Autofahren (im Sinne von: Ich dreh völlig durch bei jeder Bodenwelle) und mag nirgendwo hin. Zugfahren is ja auch keine Option. Miiii.

Das Schlimmste ist, dass ich im Grunde eine ziemlich klare Vorstellung davon habe, wie mein Leben aussehen sollte. Das ist nicht mal wahnsinnig fancy. Aber wahnsinnig anders, als das, was grade stattfindet.

Ich habe schon vor Jahren geschrieben: „Man sagt ja immer so megaklug, man müsse sich nur klar darüber werden, was man wirklich will. Tja, im Haus am See auf der Veranda sitzen und schreiben ist halt einfach nicht realistisch. Davon werden keine Rechnungen bezahlt. Ich muss halt was anderes wollen…“

Ich nehm auch n Haus an der Ostsee übrigens, das wird dann sicher einfacher.
Was zu dieser Fantasie dazugehört: Die Katze aufm Schoß. Den Punkt haben wir immerhin schon mal abgehakt, wir wollen ja mal nicht so tun, als gäbe es hier keine Fortschritte. Problem eins: Das ist ein ganz schönes Luxuskätzchen, ich möchte mir lieber nicht so genau ausrechnen, was eigentlich teurer ist, mein oder ihr Futter. Also, die zu bezahlenden Rechnungen sind höher geworden. Problem zwei hat mit meiner Beziehung zu mir selbst zu tun: Ich finde einfach generell alles kacke und komplett belanglos, was ich schreibe. Es gibt nichts, was ich irgendjemandem zum Lesen gäbe – einfach weil ich vor Scham im Boden versänke.

In meinem Kopf geistert in letzter Zeit immer stärker der Gedanke herum, aus dem was ich mit diesem Blog und um ihn herum so treibe, mehr zu machen. Irgendwas aus ihm heraus zu entwickeln, womit ich vielleicht Geld verdienen könnte. Weil es mir Spaß macht. Weil es mehr „ich“ ist als mein Beruf, der so anders ist als das, was ich wollte. Ich kannte diesen Teil von mir nicht, bevor ich das hier gemacht habe. Und mir meine Blase hier geschaffen habe. Und ich muss sagen: Es gefällt mir sehr.

Nun sind mein Blog und ich ja nicht gerade Freunde. Er ist ein bockiges Biest und macht, was er will und ist nie das geworden, was ich wollte, das er wird. Und wenn ich mir was anderes für ihn überlegt habe, hat er sich das auch anders überlegt. Nur anders als ich. Wie in drei Teufels Namen soll ich hier was … öhöm.. „Vernünftiges“ draus machen? (Ich und vernünftig ist ja ein Oxymoron.)

Außerdem ist mein Blog meine heilige Kuh. Es ist ja doch eine Hassliebe. Ich kann nicht mehr ohne ihn. Auskotzen, rummuffeln, Gedanken ordnen, Gedanken von Lesern ordnen lassen, Zeug halt. Er ist meine Spielwiese. Ich will hier nix müssen.

Natürlich bin ich auch vollkommen ideenlos. Was, was ich anbieten könnte, wäre so speziell, dass man dafür Geld verlangen könnte. Und selbst wenn ich eine Idee hätte, mein Ich fände sie scheiße.

Nun ja. Mit der Gesamtsituation unzufrieden und so.

11/12

Elfter Tag in Folge im Dienst. Akku komplett leer. Chefs völlig freigedreht. Komplett beratungsresistent. 3. Shitstorm in … weiß nicht  wie wenig Tagen. Weil Chefs komplett beratungsresistent. Schließlich haben wir Online-Menschen keine Ahnung.

Stimmt, sonst hätten wir ja was Richtiges gelernt.

Ich.will.nicht.mehr.für.die.arbeiten.

Also hier noch mal: Ich, motzig, kann nix, will nix, weiß nix, suche neue Betätigungsfeld.

Ich möchte einfach nur noch daliegen. Nicht mal zum entspannenden Masturbieren reicht die Energie. Da muss er gar nicht mehr wollen.

Öfter mal arbeiten wie die Unperson

Anruf vom Chefchef. Ich denk an nichts Böses, halt Arbeit, da ruft er schon mal an und da krieg ich nicht direkt Pickel, wie wenn sein Wauwau, das fette Arschloch, anruft.

Der Chefchef druckst rum. Aaaa, es geht um die Kurzarbeitfür Mai, denke ich, bevor er auch nur einen graden Halbsatz herausgebracht hat.

Er blubbert was von: Aufgrund der Erfahrungen der vergangenen Wochen,  wegen der Praktikabilität und den Abläufen in der Redaktion – OH GOTT, denke ich, während er immer noch keinen vollständigen Satz gebildet hat, er will, dass ich wieder in die Redaktion komme zum Arbeiten! – und ich weiß ja auch nicht, wie’s Ihnen so geht in dieser schwierigen Situation, da geht ja auch jeder anders mit um – wie sag ich ihm: NUR ÜBER MEINE LEICHE, ICH SETZ NIE WIEDER EINEN FUSS IN DIESEN SCHEISSVEREIN!!!? – und es muss ja auch jeder sehen, wie er mit der Situation zurecht kommt, mit Kinderbetreuung – kurzes Stocken – oder der Katzenbetreuung – jaja, die ist arbeitsintensiv! – jedenfalls angesichts der Entwicklung des Unternehmens wollten wir beginnen, einige Mitarbeiter… also, SIE zu fragen, ob sie möglicherweise ab kommenden Monat wieder 100% arbeiten wollen.

Mir fallen so viele Steine vom Herzen, dass ich viel zu schnell ja sage. Es direkt wieder zurücknehmen will. Weil hey, 80% sind großartig! Und dann denke ich an den Kollegen M., der ja auch noch zwei kleine Kinder schaukeln muss, und denke, dann lasse ich dem den Vortritt beim Nein-Sagen und sage noch mal ja. Der Chefchef ist happy und hat fertig. Ich beklage mich beim Arbeitsgatten über meine Blödheit und der Arbeitsgatte ist sauer, weil man ihn nicht gefragt hat. Er bohrt nach und stellt fest: Man hat NUR mich und M. gefragt.

Nun also… Es ist ja schön, dass sie gemerkt haben, dass sie ohne uns beide am Arsch sind. Aber das dürfen sie uns dann auch gern mit ein paar Hundertern mehr auf dem Konto jeden Monat sagen. Und so lange muss ich endlich lernen, so zu arbeiten wie die Unperson. Die hätte nämlich niemand gefragt. Weil den Unterschied sowieso keiner merkt.

M. hat übrigens auch ja gesagt. Weil er dachte, dass ich bestimmt nein sage, weil ich keinen Bock habe. Und ach so, ja, wollt ich dir noch erzählen, die Kinder sind ab Montag in der Notbetreuung.

Er hat Angst, dass uns jetzt alle hassen, weil wir jetzt die Einzigen sind, die volles Gehalt kriegen. Aber eigentlich hasse nur ich ihn ein bisschen, weil ich für ihn ja sagte und dann braucht er das gar nicht. Hrmpf. (Aber wirklich nur ein bisschen.)

Wenn alle wieder echtes Geld kriegen, werde ich reduzieren. Bei vollem Gehaltsausgleich, versteht sich. Denn ich bin indispensabel. 😎

Mistress Scarlett II

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Mistress Scarlett überwacht GENAUESTENS meine Tätigkeiten im Bett Office. Bitte auf jeden Fall Müdigkeit vorschützen und alle Aufmerksamkeit ihrem weichen Fell widmen!!! Für ihre Überwachungstätigkeiten legt sie sich am liebsten auf meine Brüste – da hat man den besten Überblick.

Beim leisesten Fehlverhalten erhebt sie sich mit gestrengem Blick und ihre Krallen bohren sich unerbittlich und höchst treffsicher tief in meine Nippel… Regelmäßig.

Ich bin in harter Hand.

Krisen und Chancen und Alkohol

Die Geschäftsführung meines Verlags lebt in einem Universum, in dem in diesen Zeiten „erhebliche Arbeitsausfälle“ in der Redaktion zu verzeichnen sind.

Ich habe noch nie so viel gearbeitet wie in den vergangenen drei Wochen. Mein Kollege M. hat noch nie so viel gearbeitet, wie in den vergangenen Wochen (und nebenbei noch zwei kleine Kinder auf seinem Schoss geschaukelt). Und eigentlich wars das auch schon, denn habe ich mal erwähnt, dass unsere Online-Redaktion massiv unterbesetzt ist? Wir beide haben also – hallo liebe Geschäftsführung – erhebliche Mehrarbeit geleistet, denn vielleicht ist es dem Einen oder Anderen aufgefallen: Da war n büschen was los die vergangenen Wochen, so nachrichtenmäßig.

Nun also Kurzarbeit und kaum erhielten wir die E-Mail haben wir alles fallen gelassen. Kein Finger mehr als nötig für die Leute, die uns frech ins Gesicht logen. Was wir heute während unserer Arbeitszeit machten: Lange miteinander telefonieren. Lange mit dem Arbeitsgatten telefonieren. Lange zu dritt telefonieren. Mit Kindern/Katze spielen. Essen machen. Ein Übergabegespräch führen, in dem wir feststellten, dass es eigentlich ganz angenehm ist, wie die Unperson zu arbeiten.

Was ich jetzt noch während meines Dienstes mache: Mit der Katze spielen. Lange mit einer Freundin telefonieren. Die E-Mail vom Betriebsrat noch mal genau lesen. Feststellen, dass die Präsenzpflicht in der Redaktion bis 31.12. aufgehoben ist. Mit mir selbst auf DIESE hervorragende Nachricht anstoßen (jaja, mit Alkohol). Bloggen.

Ich befinde mich ja in der komfortablen Lage, mir Kurzarbeit leisten zu können. Ich freue mich über jede Stunde weniger, die ich mich mit dem Scheißverein abgeben muss. Und wie geil ist das denn bitte, dass ich den Scheißverein dieses Jahr nicht mehr betreten muss? KATZE, hol die Umzugskartons aus dem Keller, wir ziehen ans Meer!

Es ist alles noch sehr frisch. Ich bin ein bisschen beschwipst. Aber ich freu mich auf weniger Arbeit. Ich freu mich, dass ich die Redaktion möglicherweise nie mehr von innen sehen muss (weil ich immer noch hoffe, bis zum Ende des Jahres einen neuen Job gefunden zu haben). Und wer weiß, vielleicht fällt mir mit mehr Zeit ein Plan B ein.

Prost! (Ich muss jetzt doch noch ein bisschen Arbeit simulieren.)

Boffice

Habe ich mal  erwähnt, wie herrlich ich es in meinem Bettoffice finde? Einfach mega der Win. Das fette Arschloch bekomme ich nur noch sehr gedämpft mit und man merkt, wie schwach er auf einmal ist ohne die Rückendeckung vom Chefchef. Da der Chefchef statt wie vorher durch Fetti mit mir zu kommuniziert, jetzt einfach direkt mit mir telefoniert, bekomme ich manchmal sogar gegenläufige Ansagen. Fetti ist einfach nicht gut im Long-Distance-Speichellecken. Der traut sich offenbar schon gar nicht mehr, sich direkt an mich zu wenden, sondern schickt ausgerechnet die Unperson vor. Und selbst die lässt sich dazu hinreißen, über ihn zu lästern, wenn sie seine Direktiven weitergibt. Und auch sie bekommt sehr unterschiedliche Ansagen von Fetti und dem Chefchef.

Alles sehr, sehr possierlich.

Meine Linie: Einfach machen, was ich denke. Löpt.

Jedenfalls, meinetwegen kann das ewig so weitergehen. Ich fürchte nur, Fetti wird das nicht gefallen, weil er sich kaum noch durchsetzen kann.

Der Arbeitsgatte fragt mich zum 1000. Mal, warum ich mir nicht eigentlich nen ganz anderen Job suche.

Die Nymphomane Laterne erzählt von ihrer verschnupften Pornostimme und fragt: Sexhotlines dürfen doch noch arbeiten, oder? Ich hab da eine Idee für einen Nebenjob.

Kannste ja im Home Office machen, antworte ich und frage: Warum mache ich das eigentlich nicht???

Ihre berechtigte Frage: Ja, warum eigentlich nicht?

Kann man auch ungekämmt im Bett machen. Oder in Schlabberklamotten aufm Balkon. Oder, fürs praktisch echte Rumgestöhne, auf dem Rudergerät. Hier oder woanders.

Hmmmm.

Social whaat? – Alltag

Ein weiser Mann sagt mir dieser Tage immer wieder, ich soll die Dinge positiv sehen. Na jut.

Was soll ich sagen. In der Redaktion ging bereits letzte Woche die Panik um, nachdem der Chefchef ein Verdachtsfall war. Das fette Arschloch faselte irgendwas von Feldbetten und ich machte mich dünne.

Nun befinde ich mich in der sehr privilegierten Lage, dass meine Arbeit komplett onlinebasiert ist und ich das von egal wo machen kann. Bloß, dass das fette Arschloch immer meint, wir sollen nicht ganze Wochen im Home Office bleiben und wenn dies und das, dann dürfen wir nicht ins Home Office, bla. Letzte Woche konnten wir auf einmal nicht schnell genug verschwinden.

Win für mich: Ich muss seine dumme Fresse nicht sehen und sein dummes Gelaber nicht hören. Dasselbe gilt für die Unperson. Kleiner Nachteil: Weil alle im Home Office vor sich hinwurschteln, kommuniziert niemand und am Ende bleibt alles an mir hängen. Es geht doch nichts übers Gebrülle quer durch die Redaktion à la: Tu dies, zackzack! Wenn ich dafür erst telefonieren oder mailen muss – selbst Chat dauert zu lange, weil ich nicht so schnell tippe, wie ich brülle – mache ichs doch lieber schnell selbst. So habe ich unfassbar viel zu tun, neben der unfassbar geschäftigen Nachrichtenlage. Und wir sind ja so irre gut besetzt, weil ja alle voll gern unter der Fuchtel von Fetti arbeiten… Ich beneide die Kollegen nicht, die „nebenbei“ noch Kinder betreuen müssen. Ich liege nur mit Laptop und Katze – der Fell-Good-Managerin – im Bett rum.

Win für die Katze: Abgesehen davon, dass sie jetzt 24/7 unterhalten wird, ist sie postkastrationslädiert und kann den ganzen Tag auf mir liegen und sich gesund schnurren. (Definitiv kein Win für bequemes Liegen.)

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Win: Social distancing. ENDLICH muss ich mich nicht mehr dafür rechtfertigen, ein ungeselliger Waldschrat zu sein! Endlich fühle ich mich nicht mehr verpflichtet, an sozialen Aktivitäten teilzunehmen. Ist das herrlich. Wer hätte gedacht, dass das mal ein Vorteil sein könnte, ein Assi zu sein. Bett, Rudermaschine, Spaziergang am See – was soll ich sagen: Mir reicht das völlig!

See

Im Grunde hat sich für mich nix verändert – außer, dass ich nicht mehr die 10 Minuten zur Arbeit radeln muss. Wie gesagt: Privilegierte Lage. Ich weiß, dass es viele Menschen gibt, für die sich sehr viel ändert, die noch unfassbar viel mehr zu tun haben, die es unendlich viel schwerer haben, die es mir ermöglichen, mich hier im Bett am Arsch kratzen zu können, die für unser aller Sicherheit und Gesundheit da draußen unterwegs sind. Danke an die. Und dann sind da noch ganz viele Leute, die auf ganz hohem Niveau jammern. Naaa aaach. Ich lass das jetzt.

Ich jammer ein bisschen: Madagaskar fällt flach, das ist ganz schön bitter. Um es mal gelinde auszudrücken. (Win für die Katze.) Sex natürlich auch, aber das wollte ich ja eh nicht mehr, nech? …

In diesem Sinne: Haltet alle durch, genießt die Sonne und bleibt gesund!