Und führe mich nicht in Versuchung…

Das Hasi schwärmt von einer Schauspielerin aus Québec.

Ich so: Hach, ich hab da ja Connections in die örtliche Künstlerszene, da kennt sicher jemand jemanden, der jemanden kennt, der… Auf nach Kanada!

(Ich glaub, die is zwar hetero, aber egal, wenn die mein superscharfes Hasi sieht, ist sie direkt eines besseren belehrt!)

Das Hasi findet die Idee großartig hirnrissig und nur so zum Spaß guck ich mal, was uns das kosten würde.

500 € hin und zurück, wenn wir morgen in den Flieger steigen.

Scheff!!! Ich brauch grad mal drei Wochen!

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Throwback Thursday

Da sitzt man hier in seinem grauen Alltag und denkt an letztes Jahr…

Warum war ich noch gleich so kurz in Québec?

Mir fehlt die Unbeschwertheit, meine Entspanntheit – im Umgang mit anderen, mit mir selbst und meinem Leben.

Das hatte sicher mit der Tatsache zu tun, dass mein Tagesablauf im Wesentlichen aus mit-den-Hunden-durch-den-Wald-springen, im-Pool-planschen, mit-den-Pferden-durch-den-Wald-springen und im-Pool-planschen bestand (gut, und hin und wieder landwirtschaftliche Tätigkeiten).

Es hatte auch mit der Sprache zu tun, deren Benutzung bei mir direkt Serotonin freisetzt (vielleicht sollte ich in Zukunft nur noch Québécois sprechen, drauf geschissen, wenn mich keiner versteht…). Mit den Leuten, ihrer Offenheit und ihrer Spontaneität . Wir haben eigentlich ständig was angestellt, in dem abgeschiedenen Kaff, nix Spektakuläres, aber gelacht haben wir immer.

„Hier würde ich sogar als Lokalredakteurin arbeiten“ war ein Gedanke, der mir in meiner Zeit dort mehr als einmal durch den Kopf gegangen ist – hier in Deutschland bin ich mir für Lokalschnarchschnarch viel zu schön.

Und dann war da ja noch D

J’ai besoin de plus de Québec dans ma vie! Tabernac!

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3, 2, 1, Aufprall

D, ich und das Haus in der Wildnis.

Es ist das Paradies, himmlische Ruhe.

Er lacht über mich, weil ich mich wie ein Kind freue am Wald und am so farbenfrohen Herbst, der am Wochenende plötzlich vor der Tür stand und den üppigen Sommer mit einem kräftigen Fußtritt davongejagt hat, und weil ich mir einbilde, einen Waschbären anlocken zu können (wart’s ab, Baby).

Ich arbeite an seinem Nachholbedarf und sehe mit ihm Pornos, um ihm dann zu zeigen, was Frauen wohl noch so alles im Schmutzfilm und auch im richtigen Leben nicht nur tun, sondern auch genießen…

Stundenlang liegen wir nackt auf dem Sofa vor dem Kamin, er schlingt seine festen Arbeiterarme um mich, seine Nase an meinem Nacken.

Tagelang leben wir weitab von der Realität und weigern uns, über sie oder meine baldige Abreise zu sprechen.

Er verabschiedet sich für das Wochenende, um Überstunden für die nächste Woche mit mir in der Wildnis zu sammeln.

Ich fische meinen Laptop aus dem Rucksack, um meine E-Mails zu lesen. Seien wir ehrlich: Um zu sehen, ob No. 3 mir noch mal geschrieben hat.

Hat er und er ist online.

– Ich finde, wir verstehen uns sehr gut. Unsere Art, es zu tun… deine perverse Art begeistert mich. Es ist wirklich gut, man sollte es so oft wie möglich wiederholen (…) Und niemand bläst so gut wie du.

Hach, das – muss ich gestehen – geht mir runter wie Öl.

Dennoch ein Ablenkungsversuch:
– Ist deine Süße gar nicht in der Nähe?

– Doch, aber du weißt ja: Ich bin ein Zuchtbulle!

Seeeltsamer Vergleich. Das schmächtige Jungchen und ein Bulle… Naja, lassen wir das…

Er schwelgt in Erinnerungen.

– Es wäre großartig, wenn wir in der gleichen Stadt wohnen würden. Suchst du eigentlich immer noch einen Job?

– Hmmm, ja…

– Ich ziehe demnächst nach Kotzbrechwürgstadt.

Die Nummer 2 bis 3 auf meiner Liste der Städte, in denen ich NICHT wohnen möchte….

– Willst du dir nicht dort einen Job suchen? Versprich mir, dass du dich zumindest umguckst!

– Hmhmm, ich muss dann auch mal los!

– Ok. Ich wünsch dir viele Orgasmen und dass dir jemand ins Gesicht spritzt!

Warum habe ich eigentlich den Laptop mitgenommen???

Es dünkt sie, als läg sie im Fieber

So rennet nun alles in vollem Galopp
Und kürt sich im Saale sein Plätzchen;
Zum Drehen und Walzen und lustigen Hopp
Erkieset sich jeder ein Schätzchen.
Da pfeift es und geigt es und klinget und klirrt,
Da ringelt’s und schleift es und rauschet und wirrt,
Da pispert’s und knistert’s und flüstert’s und schwirrt.

    (aus dem „Hochzeitlied“ von et Goethe)

Langes Wochenende im Moloch Montréal.

Meine Schulfreundin V – Model, Schauspielerin, Malerin, arbeitslose PR-Schickse – schleppt mich mit auf Vernissage, Buchvorstellung, Künstlerparty. Ihr erstaunlich ungut aussehender Freund – mit einem BA in Kinematographie und damit qualifiziert, alle möglichen Beteiligten an teuren Hollywood-Filmen, die aus Kostengründen zum Teil in Kanada gedreht werden, durch die Stadt zu fahren – chauffiert uns. Mit Stil.

Ich tausche Küsschen mit lokalen Promis aus, die aufgrund der kulturellen Isolation Québecs außerhalb der Provinz kaum einer kennt. Entsprechend oft reagiere ich mit einem mäßig interessierten: Ah. Hm.

Die Situation ist seltsam irreal und ich frage mich, ob ich wohl zu viel getrunken habe.

Man lästert über M, der ebenfalls mit uns zur Schule gegangen ist, und hin und wieder im örtlichen Fernsehen auftaucht. Und Fotos und Videos von seinem Penis offensichtlich nach Zufallsprinzip an alle möglichen, weiblichen Facebook-Kontake verschickt. Selbst dieser unverschämt gut aussehenden Castingdirektorin, die ich schon seit einer halben Stunde anschmachte, ist er negativ aufgefallen. Ich sehe seinen Stern… ins Bodenlose fallen.

Anruf von MC, einer Freundin von V, die sich ihre Brötchen mit Live Painting verdient. Sie malert gerade irgendwo, ob wir Lust haben, zu kommen.

Der Kinematograph chauffiert, wir sammeln noch A ein und begeben uns zur genannten Adresse.

Ein schimmlig wirkender Club; direkt hinter der Tür lässt sich ein als Baby verkleideter Herr von einem Typen in Latex den bewindelten Hintern versohlen.

Wo ist der Fehler?

Die Mädels quietschen: Oh mon Dieu, eine BDSM-Party.

Ich denke: Pas sûre…

An der Theke stoßen wir auf eine übergewichtige Dame im billigen Krankenschwestern-Kostüm, die sich von einem Typen in Latex den wabernden Hintern versohlen lässt.

Man hätte auch attraktivere Akteure wählen können.

Auf der Tanzfläche ein „Experte“, der erklärt und demonstriert, wie man jemanden so fesselt, dass er sich selbst wieder befreien kann.

V bewundert die Ästhetik des Ganzen, A meldet sich als Versuchskaninchen. Ich schaue ganz tief in mein Glas. Träum ich, wach ich, bin ich im Rausch?

A hat viel Spaß, lässt sich so fesseln und so und bekommt am Ende einen Gutschein für ein Fesselseminar. Das nenn ich mal eine lohnende Ausbeute. Besser als Freibier.

Ein Typ in Latex schlendert vorbei und fragt, ob wir vielleicht auch versohlt werden wollen. Ich nehm dann noch ein Glas, bitte.

MC hat fertig gemalert, gesellt sich zu uns und berichtet von ihrem neuen Liebhaber. Dass er aussieht wie V in männlich. Dass sie an V denkt, wenn er sie küsst. Wenn er sie fickt. Und wenn er sie leckt.

Ist mein Glas schon leer?

Ich nehm dann wieder Elche und Bären, merci!

Sowas von reif für D und die Wildnis!

Outdoor fail

oder: Canadian problems

D und ich sitzen am Waldrand und sind endlich einigermaßen in Stimmung.

Allerdings: So gern ich draußen in der Natur bin, so ungern habe ich Sex in der Natur. Wo immer ich mich niederlasse, befindet sich garantiert eine Ameisenstraße oder da ist ein Mückensumpf hinterm Busch. Außerdem geht mir recht schnell die Konzentration flöten, wie gut, dass ich kein Aufmerksamkeitsdefi… oh ein Murmeltier!

Die sind aber auch niedlich!

Dieses nur so mittelkluge Exemplar murmelt gedankenversunken über die Wiese und da es sich mit dem Wind nähert, bemerkt es uns erst reichlich spät. Eilig verkrümelt es sich in eine Bauöffnung schräg hinter einem Busch. Durch die hektischen Bewegungen geraten allerhand Zweige und Blätter in Wallung und wedeln den beißenden Geruch von nicht besonders alter Bärenpisse zu uns rüber. Das brennt in meiner feinen Nase und ich muss niesen. Und niesen. Und niesen. Und niesen. Und zu dem Niesanfall gesellt sich ein Lachkrampf.

Stimmung!

Ich gebe ja ein ganz passables Cowgirl ab, aber ein Waldläufer werde ich nie…

Lassen wir die Katze aus dem Sack! … ?

Mein Urlaub rast unaufhaltsam dem Ende zu 😦 Und damit auch die flattrigen Teenager-Tage…

Finden D und ich blöde. Viel zu wenig Zeit zum Händchen halten, Sterne gucken, Knutschen, Füße im Fluss baden, Knutschen, wilde Tiere gucken, Reden, Knutschen…

Wir wollen ganz viel Zeit und möglichst ohne Ausreden und mit einem Dach überm Kopf, langsam wird’s kühl. Ich will morgens mit meiner Nase an seinem Hals aufwachen…

UND ICH WILL ENDLICH MIT IHM BUMSEN! (Das musste jetzt mal raus…)

Jemand hat da ein Chalet weit draußen in der Wildnis (noch weiter draußen als wir eh schon sind…) Fahren wir hin?

Spätestens DAS fällt dann allerdings auf, wenn wir zwei Wochen verschwinden – wenn uns nicht eh schon längst irgendjemand gesichtet und es direkt per Dorffunk verbreitet hat.

Wir wollen dringend unter uns sein – aber nicht unbedingt, dass es jemand seinen Kindern auf die Nase bindet.

Lassen wir die Katze aus dem Sack?

So ein Scheiß. In Zukunft dann wieder nur kinderlose Unbekannte…