Hä? Wa?

Der Doc findet, ich befinde mich auf dem Weg der Besserung. Dem Tod grad so von der Schippe gesprungen. Nur mein linkes Ohr fällt ihm negativ auf, also überweist er mich zum HNO-Arzt.

Dort guckt die Sprechstundenhilfe mich groß an und sagt: Der nächste freie Termin ist im Juni. Eine Antwort, die ich so oder so ähnlich auch in mehreren anderen Praxen erhalte. In einer ist man bereit, mich dazwischenzuquetschen, wenn ich mitten in der Nacht da aufkreuze.

Der HNO-Arzt guckt in mein Ohr und brüllt mich an: WIE LANGE HÖREN SIE SCHON NICHTS MEHR?

Ich rutsche vom Stuhl. Aua. Auf mein gutes Gehör bilde ich mir was ein. Bitte nicht anschreien!

Von einer Taubheit weiß ich nix.

Er ist überrascht, brüllt nicht weiter, spricht aber immer noch laut und überdeutlich.

 – Sie müssen das nächste Mal früher kommen!

Jetzt bin ICH überrascht.

 – Meinen Sie nicht, ich wäre schon längst da gewesen, wenn ich nix mehr gehört hätte? Möglicherweise sogar total hysterisch. Auf mein gutes Gehör bilde ich mir was ein.

Er brummelt in seinen Bart und pult in meinem Ohr rum. Lautstark. Aua. Schließlich hält er mich für ausreichend verarztet und stellt zum Abschied fest: Aber das nächste Mal kommen Sie früher.

Ich buch dann schon mal den nächsten freien Termin, falls ich bald mal wieder nicht nichts höre…

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Mimimi 2 – Letzte Zuckungen

(Ich sollte Texter für die Titel des Sat. 1 Film Films werden.)

Tag 3 – kurz vor Dekubitus.

Selbst vom Rumliegen fühle ich mich wie nach einem Gewaltmarsch auf 5000 Metern Höhe. Jaaaps. Nach jedem Hustenanfall dreht sich die Welt lustig.

Ich bin bereit für die kleine Spritze, blauen Traum und vor allem eine Sauerstoffmaske.

Also befreie ich mich in unbändiger Anstrengung aus der Umklammerung meiner Bettdecke und hangele mich an Hauswänden entlang zu einem Arzt. Unterwegs fresse ich den Staub von Omis, die mich mit ihren Rollatoren weit hinter sich lassen.

Beim Doc klatsche ich meine Chipkarte auf den Tresen und sacke auf eine Stuhlreihe, um dort die finale Schlacht gegen den Schleim in meinen Bronchien auszutragen. Ich setze auf den Schleim.

Eine Mutti mit einem Kind kommt an mir vorbei und das Kind springt erschreckt zur Seite. Als es sich neben mich setzen soll, fängt es an zu heulen und schiebt den Kopf unter Muttis Jacke.

Der Doc ruft mich auf und setzt an: „Was füh… Ach, eigentlich brauch ich das ja gar nicht fragen… Sie sind mir ja eine, sind dem Tod näher als dem Leben und warten artig, bis man Sie aufruft…“

Und erklärt mir das System Triage… (Junge, ich glotze ALLE superrealistischen Ami-Arztserien und gugel dann alles nach, Sie dürfen auch Frau DOKTOR Fragezeichen zu mir sagen.)

Was hätt ich denn NOCH machen sollen? Den sterbenden Schwan tanzen?

Ich zeige ihm den Wisch, den mir der Bereitschaftsarzt neulich Nacht hinterließ. Ich sehe einen kurzen Herzstillstand (erkennt die Frau Doktor mit bloßem Auge). „Der hat nen Puls von 160 gemessen und Sie ZU HAUSE GELASSEN?“

„Hmhmm“, petze ich. „Und abgehört hat er mich auch nicht.“ Wilder Blick. Kurzer Blick auf den Zettel. „Ah ja, ich weiß schon.“ Die Schwester guckt fragend. „Sie wissen schon, der Sie wissen schon.“ Alles klar.

„Wie hoch war Ihre Temperatur?“ Ich trau mich kaum noch, ihm zu antworten. „40 Grad.“ Theatralisches Murmeln in den Bart. Irgendwas von Afrika.

Ich werde auskultiert, ultrageschallt, elektrokardiogrammt und mit einem Stapel Rezepte ausgestattet.

Und aufgefordert, das nächste Mal doch bitte die 112 zu wählen.

Den Sauerstoff und die Spritze habe ich nun nicht bekommen. Sterben werde ich am Ende wohl doch.

War schön mit euch, eure Drama Queen!

Mimimi

Knapp drei Wochen bin ich hier. Fühlt sich deutlich länger an. Immer busy gewesen. Entweder bei der Arbeit, beim Flauschige-Tiere-Kurs oder beim Ficken.

Es ist Erkältungszeit und eigentlich nehme ich immer eine mit. Nur jetz wär halt doof. So ganz neu im Job. Also gehe ich nach dem ersten Wochenende praktisch völlig stimmbefreit hin. Nach dem zweiten Wochenende ordentlich hustend. Am dritten Montag krieche ich (und ja, ihr dürft mich jetzt hauen) mit 38 Grad Fieber zur Frühschicht. Halte irgendwie durch. Falle danach tot ins Bett. Und die Temperatur geht durch die Decke.

Irgendwann rufe ich, die ich sonst immer alles aussitze und einen riesen Bogen um Ärzte mache, den Notdienst. Der mich nachts um 1 mit Entzündungshemmern, Betablockern und Antitussiva vollstopft und 10 Tage lang krank schreibt.

Und ich denk noch: Oooh, endlich kann ich mal ein bisschen Ordnung in der Bude schaffen. Einfach mal die eigene Bude genießen. Schöön.

Legte mich hin, kroch noch einmal kurz in die Apotheke (fast 500 Meter, ALTER ist das weit) und stand nicht wieder auf. Und mir ist auch nicht nach Aufstehen in den nächsten 48 Stunden. Mindestens.

Ich fände eine Notschlachtung ganz schön…

Während ich also auf den Schlachter warte, quäle ich mich mit Salzstange Nr. 10 des Tages. Mehr brauchts doch nicht, oder? Essen ist doch total überbewertet… Bäh.

Adieu du schnöde Welt…

 

Stopptaste

Mein Papa riet mir nach dem ganzen Drama bei der Arbeit zu einem Urlaub auf Rezept. Einfach mal Abstand nehmen, in mich gehen, nachdenken.

Weil ich mich in der Tat in einem emotionalen Chaos befinde und überhaupt keinen klaren Gedanken fassen kann, tappte ich am Montag zum Doc und schilderte ohne groß zu übertreiben meine Wehwehchen.

Und je länger ich sprach, desto mehr fiel mir ein. Der Schwindel, die Atemnot, die ständigen Kopfschmerzen, die Bauchschmerzen, die Übelkeit, der Haarausfall, der Hautausschlag, das Zähneknirschen, der verkrampfte Nacken, die allabendliche Schlaflosigkeit…

Die Ärztin ließ zig Liter Blut abzapfen und verordnete zwei Wochen wegfahren. Eine davon an nix denken, in der zweiten dann den Plan B entwerfen. Und bei Bedarf wiederkommen.

Das mit dem an nix denken is schon mal gescheitert. Richtig wegfahren lohnt sich nicht, weil ich am Samstag Flauschige-Tiere-Kurs habe und gerade eine Einheit, die ich auf keinen Fall verpassen will. Und ein Kurztrip ist mir im Moment zu anstrengend (was zeigt, wie ausgelaugt ich tatsächlich bin).

Und so lungere ich nach fast vier Jahren zum ersten Mal mehrere Tage am Stück ohne Verpflichtungen in dieser Stadt rum.

Und ich bin ja so gestresst. Ich muss, ich muss, ich muss. Endlich dieses tun, endlich jenes tun. All die Dinge, die ich immer aufgeschoben habe, weil neben der Arbeit und dem Unterwegssein keine Zeit und keine Kraft mehr waren. Das Großreinemachen, der Papierkram, der Behördengang, der Anruf, was muss ich alles bedenken, wenn ich kündige und umziehe, und à propos, ich muss mich bewerben, bewerben, bewerben. Die üblichen Ausreden gelten nicht mehr. Zwei Wochen sind gar nichts. Ich muss, ich muss, ich muss.

Nebenbei habe ich permanent ein schlechtes Gewissen. Ich fühl mich halt wie ein Schwänzer. Schließlich bin ich ja nicht wirklich krank. Die Schmerzen, die Erschöpfung, das is doch Normalzustand.

Einfach in der Sonne liegen und ein Buch lesen, das muss ich mir erstmal zugestehen. Erst, wenn das, das und das erledigt sind! Und dann auch nur mit einem Lehrbuch.

Und dann versacke ich doch wieder vor dem Internet und verliere die Geduld mit mir, weil ich ja schon wieder nix auf die Kette krieg!

Ich stehe stärker unter Strom als an jedem Arbeitstag.

Heute zog ich die Reißleine und setzte mich in den Zug gen Pampa. Gegend, Gegend, Gegend. Sonne. Noch mehr Gegend. Tiere, lebende und plüschige. Sonne und kühles Wasser an den Füßen.

Schön.

Nun sitz ich hier und muss schon wieder. Hab einen ganzen Tag verloren. Ich blöde Kuh.

Reif für die Klapse.

Melde mich offiziell infektionsfrei

Amaaaaaazing!

Bazillen, Viren und freundlichen Antibiotika-Abschiedsgruß überwunden!

Habe ich erwähnt, dass ich nie wieder Sex habe?

Ich mein, 24 Stunden wild vögeln und dann 2,5 Wochen rumdoktern… das steht wirklich in gar keinem Verhältnis!

In Zukunft finden nur noch ich und (der sorgfältigst desinfizierte) Hans-Dieter statt!

Wobei er unauffindbar ist, was is meinem Wohnüngchen ne Leistung ist – weshalb ich nicht ausschließe, ihn in einem Anfall von „drauf geschissen“ entsorgt zu haben…

Also wird es vielleicht ein Hans-Dieter-Nachfolgemodell, dann aber mit glatter Oberfläche, diese „Äderchen“ waren uncool.

Empfehlungen, anyone?

Ganz und gar unamaaaaaazing war mein Chef, eine Stundenreduktion sei „aus technischen Gründen“ nicht möglich. Jaja, eine Excel-Tabelle ist immer so dumm wie ihr Bediener… Halbtags ginge… Ich habe kurz erwogen, immer so intervallmäßig zu arbeiten, ein, zwei Wochen voll und dann frei, aber… Nee. Finanziell wäre das möglich, aber eigentlich finde ich es ganz nett, mich nicht mehr einschränken zu müssen und dass mich ein 500€-Ticket nach Kanada tatsächlich in Versuchung führt, weil mir das nicht wehtäte, und dass ich jeden Monat ein paar Hunderter beiseite schaffen kann für die Unwägbarkeiten des Lebens.

Immerhin bezahlt er mir jetz mehr für meine vergeudete Lebenszeit.

Um jetz das Gleichgewicht wiederherzustellen, bringe ich noch ein bisschen Vorausamaaaaaazingness ins Spiel: Am Sonntag kommt No. 2 aus seiner Heimat zurück und er behauptet, meine ganze Einkaufsliste abgearbeitet zu haben. Ich werde also zumindest königlich speisen können 🙂 Er darf auch gerne 10, 20 Grad Außentemperatur mitbringen…

So 1 amaaaaaazing year!

Frage an die Schlauberger, die sich diesen amaaaaaazing-year-Quatsch ausgedacht haben: Was mach ich denn, wenn in der Woche nix so richtig amaaaaaazing war?

Ich mein, bei der Nummer am Wochenende hab ich mir erst mal schön ne Blasenentzündung gefangen (ich hab NIE wieder Sex!), dann bekam ich auch noch meine Tage (ekelhafteste Kombi!) und dann habe ich mich endlich mit dem in der Redaktion grassierenden Männerschnupfen angesteckt. Mein Leben geht zu Ende!

Insofern habe ich in dieser Woche nicht nur zu viel gearbeitet und viel gelernt, sondern auch viel Zeit damit verbracht, in Bärchensocken und dem flauschigen Snoopy-Pyjama leidend im Bett zu liegen und weil es so sexy war, hatte ich die ganze Zeit (sogar bei der Arbeit) Morpheus zwischen den Beinen – einen gelben Teddy mit Wärmflasche im Bauch (man gewöhnt sich ja wahnsinnig schnell an sone schön gewärmte Muschi, ich werd direkt ungehalten, wenn ich ohne die Wärm rumlaufen muss…)

Und jetz hat es zu allem Überfluss auch noch angefangen, wie wild zu schneien und ich muss dringend einkaufen. Meeh.

Alles in allem voll amaaaaaazing!

Ich könnte das jetzt auch auf Krampf in Richtung positiv drehen, so nach dem Motto: Ich hab mir davon immerhin nicht die Stimmung verderben lassen. Normalerweise suhle ich mich um diese Jahreszeit in der Winterdepression (wenn ich da an letztes Jahr denke… oder vorletztes!).  Ein bisschen Galgenhumor läuft noch.

Und ich hab das goldigste Hasi von der Welt!

Is ja auch nich alles schlimm…