Confieso que he vivido

Übel gejetlagged mit viel Kaffee in der Hand und Streichhölzern zwischen den Augenlidern melde ich mich zurück aus Chile. Und meine Freundin J. nagelt mich sofort auf unseren bisher noch vagen Planungen für unseren Barcelona-Trip fest. Sie will ihren runden Geburtstag dort feiern, ich habe ihr versprochen, dass ich ihr meine Hood zeige.

Claro, sage ich, es bleibt dabei. Und muss ein bisschen irre grinsen. Stimmt, ich habe da mal gewohnt. So wie ich in Chile gewohnt habe. Und in Kanada. Du bist ganz schön irre, denke ich. Da biste grad mal 31 und hast in vier Ländern auf drei Kontinenten gewohnt. (Und sonst schimpfe ich mich immer furchtbar alt…)

Doch, ich hab da schon viel richtig gemacht. Viel Glück gehabt. Viele Chancen beim Schopf gepackt. War hier und da ein bisschen unvernünftig. Oarch, ich habe gelebt. Und ich bin noch längst nicht fertig!

Je vais bien, ne t’en fais pas.

Letztes Jahr war alles furchtbar. Job furchtbar furchtbar. Aber ja schon gekündigt. Aussichten düster. Keine Ahnung, was da kommen würde. Zukunftsängste.

Jetzt habe ich einen neuen Job, irre viel Spaß, einen Chef, der mich schätzt und das sogar sagt (vor Publikum), tolle Kollegen, viel gelernt, ne deutlich bessere Wohnung, viel mehr Freizeit und auch mehr Freiheiten.

Alles toll. Oder?

Die ganzen letzten Jahre war da diese lähmende Watte im Kopf. Alles war dunkelschwarz. Jetzt lache ich dauernd und lache alles weg. Als ob nichts mehr an mir kratzte. Oder lass ich es einfach nicht mehr an mich ran?

Letztes Jahr war dunkelschwarze Watte, aber ich habe immer noch alles hingekriegt. Dieses Jahr ist Leere und ich tauche noch pünktlich und zuverlässig auf. Aber ich kümmere mich nicht mehr um mich. Fragt mich nicht, wann ich das letzte Mal ne Pediküre gemacht habe. Oder ne Gesichtsmaske. Oder wenigstens meine Augenbrauen anständig gezupft. Meine Wohnung wird auch immer erst dann aufgeräumt, wenns schon an Verwahrlosung grenzt. Und dann dieses Geschirr… Und wann habe ich eigentlich das letzte Mal den Papiermüll weggebracht? (Zum Container, den ich übrigens aus meinem Schlafzimmerfenster sehen kann – IRRE weit weg.) Bin ich einfach nur unsagbar faul oder lähmt mich was anderes?

Ich bin den ganzen Tag unter Menschen. Ich sabbel viel, ich lache viel. Ich bin eigentlich ganz froh, wenn ich abends die Tür hinter mir zumache und Ruhe ist. Und doch fühle ich mich einsamer als letztes Jahr. Da habe ich zwar immer allein vor mich hingearbeitet, aber ich hatte wenigstens noch den liebsten Ex-Kollegen, mit dem ich mindestens einmal die Woche auch nach Feierabend noch rumgehangen habe. Hier treffe ich keinen mehr. Nicht mal Nummern.

Ich habe auf einmal Sehnsüchte, die ich so nicht kannte. Die total schwachsinnig, weil unerfüllbar sind. Aber die mir deutlich zeigen, was ich alles nicht habe.

Mein Ich von vor zwei Jahren würde mich erschießen bei diesem Gejammer auf höchstem Niveau. DAS war ein Drecksleben.

Ich weiß wirklich nicht, was ich hab…

 

Winkewinke aus Nimmerland

Die Tatsache, dass ich gestern als Gefangene der Deutschen Bahn mehr als 6 Stunden für eine Strecke von 250 Kilometern gebraucht habe, hat einmal mehr deutlich gemacht: Du wohnst in der Provinz, du bräuchtest mal ein Auto.

In mir sträubt sich alles gegen den Kauf eines Autos. Und gar nicht mal so sehr, weil ich so ein Öko bin. Auch, aber eben nicht primär.

Auch nicht, weil ich die Gräfin Geiz bin. Obwohl, naja… Ich könnte tatsächlich ein einigermaßen brauchbares Wägelchen direkt vollständig bezahlen, ohne jemanden anpumpen zu müssen. Die Tatsache, dass danach mein Konto aber Wüste ist, macht mich nicht so an. Für sonen profanen Blödsinn hab ich eigentlich nicht gespart.

Und da liegt der Hase im Pfeffer. Ein Auto… Das ist so… oll. Und so erwachsen. ICH BIN NOCH NICHT BEREIT FÜR SOWAS.

Autos sind so muttihaft. Mutti fährt zu Aldi, Mutti fährt zur Arbeit, Mutti fährt zur Häkelgruppe. (Für den coolen Mustang reicht die Knete eben noch nicht ganz…)

Ein Auto ist irgendwie eine Verpflichtung. Es muss mit jeder Menge Geld gefüttert und Versicherungen ausgestattet werden. Bläh.

Und dann mach ich es bestimmt direkt kaputt und dann muss es noch mehr Geld haben und das Ganze hat möglicherweise wahrscheinlich auch noch Konsequenzen. Örks. Das erwachsenste aller Wörter.

Weil ich eben alles immer kaputt mache, habe ich auch fast jedes Mal Bauchschmerzen, wenn ich Auto fahre. Und jedes Klappern macht mich erst recht nervös. Und dann weiß ich nicht, was ich mit dem doofen Ding machen soll. Ich kann ja nicht mal richtig tanken, geschweige denn, andere Autoprobleme lösen.

Es wär irgendwie nett, auch mal spontan zügig von A nach B zu kommen. ABER… Sprach es, stampfte mit dem Fuß auf und verkrümelte sich nach Nimmerland

:)

Ich habe mich immer gefragt, wer diese Leute sind, die an einem normalen Montagvormittag mit einem Lächeln auf den Lippen durch die Stadt laufen. Ich mein: Was ist denn los mit denen? Das ist doch nicht normal!

Nun: Ich, das Vorzeige-Exemplar für das Resting-Bitch-Face und die ja geradezu übersprudelnde norddeutsche Emotionalität *hust*, bin neuerdings eine von ihnen.

Ich radle hier lächelnd, wenn nicht gar dümmlich grinsend durch die Gegend. Und das ohne besonderen Anlass. Es gäbe genug Gründe, miesepetrig rumzulaufen. Viel zu tun bei der Arbeit, Scheiß-WM-Gedöns überall, die tote Oma, das tote Pony einer Freundin, das auch Teil meiner Kindheit war, das schmerzende Bein… Und dann sind da noch meine Emotions-Antennen, die dieser Tage irgendwie besonders empfindlich sind. Ich sauge jeden Hauch einer negativen Stimmung auf und nehme sie an. Selbst wenns nur im Fääärnsehn is.

Aber an der allgemeinen Grundstimmung rührt das alles nicht. So anstrengend, nervig, traurig und schmerzhaft die Dinge sind – ich mags kaum aussprechen, wer weiß, was ich damit lostrete, aber: Das Leben ist grad ganz ok. (Wer hätte nach all dem Drama der vergangenen Jahre jemals gedacht, dass ich das mal sage. Ich jedenfalls habe nicht dran geglaubt.)

Irgendwie sind alle Störfaktoren weg: Die kleine Wohnung, die doofe Stadt, der Nachbar, die beschissenen Arbeitszeiten und -bedingungen, die eintönige Arbeit.

Meine alte Arbeit fand ich am Anfang auch noch super, am Anfang habe ich noch irre viel gelernt und mir Chancen auf mehr ausgerechnet. Ich denke, beim neuen Job wird sich irgendwann ebenfalls die Euphorie legen und das ein oder andere wird mich nerven. Aber ich lerne endlich wieder was und ich rechne auch wieder mit neuen Chancen.

Ich bin nicht der Meinung, dass ich am Ende der Karriereleiter angekommen bin, ich will nicht bis zur Rente in diesem Verlag bleiben.

Aber irgendwie kann ich mir auch gar nicht so recht vorstellen, wieder in eine Großstadt zu ziehen… Wo halt die ganzen großen Medienhäuser sind…

Wir werden sehen, wie es sich entwickelt. Und so lange wundere ich mich über das dümmliche Grinsen.

‚tis the season

*Vorweihnachtsflitter streu*

So, ich bin meine Wohnung in der bösen Stadt endgültig los (amaaaaaazing), lebe wieder in der Pampa (amaaaaaazing) und bin seit Mitternacht offiziell arbeitslos (hm ach).

Ich habe auch nur geringfügig gemault beim Ausfüllen meines Assi-Lunger-Grunz-Antrags und nur FAST auf den Computer eingeschlagen.

Zerstreuung bot das Reitsportgeschäft, in dem meine Muddi und ich nur kurz Reflektorengedöns für das Pferd holen wollten, keinen komischen rosa Mädchensch… Ooooh, guck mal, mit Einhörnern!!! (Keine Sorge, wir haben unsere Pferde noch nie mit Rosa-Glitzer-Einhorn-Geraffel behängt – nicht mal die Erbsenprinzessin und auch nicht meinen Schimmel damals (meinen verzauberten Prinzen <3)). Jedenfalls stand ich irgendwann bei den Reitgerten – sowas hab ich ja schon eeewig nicht benutzt – und war plötzlich mit meiner Fantasie beschäftigt. Und plötzlich war es meine Muddi, die die schmutzigen Sachen erwog. Gnihihihi, amaaaaaazing die Gene 😉

Ach ja, und: ADVENT 🙂

Krönchen richten, Krönchen richten…

Jule stellt wie immer die schwierigen Fragen.

Rückblick auf 2017:

  1. Wenn dein Jahr 2017 verfilmt werden würde, welchen Titel würde der Film tragen?
    „Abreißen, liegenlassen“
  2. Welchen Tag aus 2017 möchtest du gerne nochmal erleben?
    Den. „Gegend, Gegend, Gegend. Sonne. Noch mehr Gegend. Tiere, lebende und plüschige. Sonne und kühles Wasser an den Füßen.“ Nehm ich in Dauerschleife.
  3. Was hast du dieses Jahr besonders gut gemacht?
    Überlebt. Weitergemacht. Keine größeren Katastrophen produziert.
  4. Welche drei Menschen hatten 2017 ein besseres Jahr, weil es dich gibt?
    J. aus dem Flauschige-Tiere-Kurs. Hat sie selber gesagt: Wenn 2017 was Gutes hatte, dann, dass ich dich getroffen habe. ❤
    Darüber hinaus wirds schwierig.
    Vielleicht die Herzoginfreifraugräfin vonundzu, ihres Zeichens Vermieterin von No. 2. Er trägt der Endsechzigerin immer ihre Wasserflaschen und wird auch sonst für gröbere Arbeiten und Computerprobleme rangepfiffen und wann immer ich mich im Haus aufhalte, muss ich als Dolmetscherin und Kulturbotschafterin fungieren. Sie verstehen sich zwar schon irgendwie, aber auch nicht immer 100 pro. Jedenfalls werde ich natürlich immer wieder ausgequetscht wie eine Zitrone und eines Abends zitierte sie uns gegen 22 Uhr (!) per Whatsapp (!) zu einem Glas Wein in ihr Wohnzimmer. „Sie können doch so gut Französisch“, sagte sie zu mir und berichtete mir, sie wolle mit ihren beiden älteren Schwestern nach Paris und da einiges reservieren, nur ihr Französisch reiche nicht. Also bekam ich ihre Kreditkarte in die Hand gedrückt, reservierte artig Ausstellungstickets und Restauranttische und ihr fiel immer noch mehr ein. Dann telefonierte sie mit ihren Schwestern und prahlte damit, was sie nicht alles online bewerkstelligt habe. Sie hatte wochenlang Oberwasser, jaja, was die kleine Schwester nicht alles kann (ich und No. 2 grinsten und schwiegen). Und ich bekomme jetzt regelmäßig Biokosmetik und abgelegte Blusen und Strickjacken (feinster Zwirn) angedreht. Sie hatte einen netten Paris-Urlaub 😉
    Über die dritte Person muss ich noch sinnieren.
  5. Was hat sich 2017 für dich unerwartet zum Guten verändert? Und was war dein Anteil daran?
    Den Helene-Fischer-Nachbarn losgeworden. Da habe ich mit meinem Rumgemaule bei der Hausverwaltung zu beigetragen.
    Den Kotzjob losgeworden. Die Kündigung hab ich ganz allein geschrieben 😉

Ausblick auf 2018

  1. Wenn du wüsstest, dass dir nichts Schlimmes passiert und du alles schaffst, was du dir vornimmst, welchen Vorsatz würdest du für 2018 fassen?
    Habe ich unbegrenzt Kohle? Ein Haus am See erstehen und einen Roman verfassen (und mal wirklich dranbleiben und nicht nach der Hälfte sagen: Was für eine banale Scheiße!). Und dann werd ich NATÜRLICH reich und berühmt.
  2. In der Silvesternacht hast du eine Rakete in den Himmel geschickt, die schöner war, als alle Raketen zuvor. Das war eine Wunderrakete. Denn über Nacht ist ein Wunder passiert: Dein größer Traum ist in Erfüllung gegangen. Was ist jetzt, am 01.01.2018, anders?
    Jemand hat mir versehentlich mehrere Millionen Euro überwiesen und will das Geld nicht zurück?
    Nein, im Ernst. Natürlich läuft in meinem Leben grad nix nach Plan und ich hätte da einige Änderungsvorschläge. Und natürlich wäre das schön, wenn sich dafür zügig ne Lösung findet. Aber dafür sind eigentlich keine Wunder nötig. Es sind alles Dinge, die sich schon irgendwie lösen lassen. Und bei denen es sehr befriedigend wäre, wenn ich selbst zu dieser Lösung komme.
    Wobei so Knete natürlich einiges erleichtern würde 😉
  3. Ein neuer Laden öffnet seine Pforten. Dort gibt es allerlei Charaktereigenschaften zu kaufen. Du kannst dir für 2018 eine dazukaufen oder eine bestehende stärken. Welche landet in deinem Einkaufswagen? Und warum?
    Darüber hab ich jetz lange rumgegrübelt.
    Erst dachte ich, oooch, das wär nett, wenn ich nicht mehr so naiv wäre.
    Dann dachte ich, ich wär gern mutiger.
    Dann fiel mir ein, dass ich zu diesen Frauen gehöre, die einige IQ-Punkte für besseres Aussehen hergeben würden. Ich geb euch die Hälfte von meinem IQ und dafür seh ich aber megabombe aus!
    Denn wer doof is, merkt nich, dass er doof is. Ich merke aber sehr wohl Nachteile durch fehlende Attraktivität. Wer doof is, denkt weniger an wäre, hätte, könnte, sollte und macht mehr. Auch wenns doof ist.
    Also, ich nehm dann einmal saudoof!
  4. Wenn du am 31. Dezember 2018 auf das Jahr zurückblickst, worauf möchtest du besonders stolz sein?
    Dass ich meinen Superjob super mache.
  5. Gib deinem Jahr 2018 einen Claim!
    Alles neu!

Diese Fragen darf jeder beantworten, für sich oder öffentlich. Ich gebe sie euch allen weiter!