Ich alte Romantikerin

Damals, in präpandemischen Zeiten (wisst ihr noch?), war ich mal ein bisschen verliebt.

Damals war ich eines Tages im August auf Sternschnuppenjagd in recht ergiebiger Gegend. Damals stellte ich den Sternen Fragen und wenn sie eine Schnuppe geworfen haben, wertete ich das als „ja“. (Jaja, so eine bin ich.)

Ich fragte die Sterne also, ob das mit mir und ihm wohl mal was wird und die Sterne warfen die fetteste Schnuppe, die ich in meinem Leben je gesehen habe. Einmal quer übers Firmament, die war so fett, ich bilde mir ein, dass die sogar ein Geräusch gemacht hat. (Vielleicht wars auch nur n Mähdrescher.)

Der Typ, der nicht mal ne Nummer gekriegt hat, geistert immer noch manchmal durch mein Leben. Meistens mit einem arg romantischen: Ficken? Und meistens hab ich gar keine Lust. Und wenn ich das kommuniziere, wird er zur Diva. Und genau deswegen ist er mir den Aufwand nicht wert.

Und dann meldet sich ein dünnes Stimmchen ganz hinten in meinem Spatzenhirn: Aber die Sternschnuppe!

Und dann muss ich immer hart lachen über dieses alberne Stimmchen. Und dann blockiere ich ihn doch nicht, wegen des Stimmchens.

Entscheidungen und Handlungen

Ich las jüngst irgendwo, Liebe sei kein Gefühl, das einem einfach so passiert, sondern eine bewusste Entscheidung, nach der man dann auch handeln muss.

Ich denke, das ist eine gute Erklärung für den Platz, den die Liebe in meinem Leben einnimmt.

Ich habe irgendwann an einem kalten Oktobertag die Entscheidung getroffen, ein strubbliges, kleines, schwarzes Etwas in mein Leben zu lassen und sehr zu lieben. Und ich handle danach: Ich gehorche Mistress Scarlett blind, räume ihren Kram weg, stehe zu nachtschlafender Zeit auf, um ihr die Tür zu öffnen, bin immer bereit für Flauuuusch und Küsschen – im Grunde mach ich am liebsten nix anderes. Ich liebe meine immer noch ganz schön kleine, wunderschöne schwarze Queen. Und deshalb – und weil sie ganz schön süß ist! – bin zu einer ziemlich sesshaften Helikoptermuddi mutiert. Mehr oder weniger willentlich.

Menschen haben mehr Bedürfnisse als schlafen, kuscheln, fressen, kacken, jagen. Eine Entscheidung für die Liebe führte zu mehr Handlungen. Handlungen, auf die man selber nicht unbedingt Lust hat. Kompromisse. Faule Kompromisse, von denen ich schon mehr als genug habe in meinem Leben. Ich entscheide mich gegen weitere Kompromisse.

Ich möchte mich selbst zitieren: „Die Welt macht nen Riesenaufstand, schreibt Lieder und Gedichte, beginnt Kriege und ich bin nicht mal bereit, morgens früher aufzustehn…“ (*Außer für das schwarze Weichwesen.)

Das rosa Nilpferd

Kurz vor Weihnachten bin ich aus Versehen in die Stadt des Grauens geraten. Tief in Gedanken Autobahn-Ausfahrt verpasst, die nächste genommen und weil die zwei Kilometer von dort bis zu mir bekannten Wegen ein schwarzes Loch auf meiner geistigen Landkarte sind, im Ghetto gelandet. Im Früher.

Vielleicht habe ich dort T. gesehen. Ich bin nicht sicher, ich habe den Weg gesucht und im Dezember sind die Tage dort im Norden etwa zweieinhalb Minuten lang und das Tageslicht kommt in 50 Grauschattierungen durch 50 Wolkenschichten. Vielleicht habe ich T. gesehen, vielleicht habe ich eine graue Katze gesehen.

Ich erzähle das nie jemandem, weil es mir wahnsinnig peinlich ist, aber T. ist vielleicht der einzige Typ, in den ich je wirklich verliebt gewesen bin.

Das Peinlichste ist, dass ich ihm in sentimentalen Momenten immer noch nachhänge. Es kommt gelegentlich vor, dass ich mir vorstelle, wie es wäre, wenn er noch in meinem Leben wäre.

Im Grunde ist es komplett absurd. T. und ich, das war in einem anderen Leben. In diesem schlimmen Früher. Ich war ein anderer Mensch und er war… ein Mensch, den ich heute nicht mehr ertragen könnte.

Es gibt kein realistisches Szenario, in dem wir uns noch nicht gegenseitig den Hals umgedreht hätten. Wir mussten schon damals für die Definition von Hassliebe herhalten. Er wusste genau, wie man mich provozieren kann.

Natürlich habe ich ihn gegugelt. Was man findet: Seinen Vater, der gefühlt zweimal die Woche in der Lokalpresse auftaucht. Seine Mutter, der jemand das mit den Privatsphäre-Einstellungen in diesem Facebook erklären sollte. Seine Brüder in der großen Stadt, Jura, BWL, dickes Auto, blonde Freundin, 2.-Generation-Einwanderer-guck-her-ich-habs-geschafft. T. hat keine digitale Spur hinterlassen. Ich weiß nichts über den T. von heute.

Vielleicht habe ich T. gesehen, vielleicht habe ich eine graue Katze gesehen. Es reicht, um meinen Kopf zu ficken. Von der Bettkante stoßen würde ich ihn auch heute möglicherweise nicht. Und der Rest…? So ein Schwachfug!

Manchmal frage ich mich, ob ich damals meinen ganzen Vorrat an Verliebtsein aufgebraucht habe. Oder setze ich nur das Feuer von damals als viel zu hohe Messlatte an?

Manchmal frage ich mich, wie ernsthaft er mich zurückgeliebt hat. Und in ganz schwachen Momenten denke ich, wie schön es wäre, wenn es einer täte. Also, mich lieben. Nicht unbedingt er, sondern irgendwer.

Aber dann fällt mir ein, was für ein egoistischer Gedanke das ist. Denn ich liebe nicht zurück. Und überhaupt, man kann mich ja nicht lieben.

Am Ende ist es egal, ob ich T. gesehen habe, eine graue Katze oder ein rosa Nilpferd (rückblickend war es wahrscheinlich ein rosa Nilpferd). Wahrscheinlich ist es doch nur mein Hirn, das sich an das einzig sexye aus dem schlimmen Früher klammert. Die ultimative Vermeidungsstrategie. Vielleicht möchte mein Gehirn gar nicht, dass sich irgendetwas Besseres, Intensiveres, Realistischeres über diese Gefühle legt. Weil das Früher dann nur noch unerträglich wäre.

Dummherzchen

Dies ist ein älterer Archivbeitrag, den ich zum Zeitpunkt des Geschehens nicht veröffentlichen wollte – wie immer: aus Gründen. Das Ganze hat sich erstaunlich schnell aufgelöst, die Person war schnell vergessen. In dieser Hinsicht geht’s mir gut…

Fast hätte ich vielleicht ein bisschen oder möglicherweise sogar einen Hauch von tatsächlich mein Herz verloren. Glücklicherweise prallte es ab an einer Wand aus… Zurückweisung? Abgestoßenheit? Verletzter Eitelkeit? Ich weiß es nicht und werde es auch nie erfahren. Obwohl ich wohl die Steine für die Mauer selbst angereicht habe. Es prallte also ab und kehrte dorthin zurück, wo es hingehört; gut gekühlt und fest verschlossen. Das Ungewöhnliche – oder eher das für mich Ungewohnte – dabei ist, dass es sich bei seinem kurzen Abenteuer eine winzige vielleicht gar nicht mal so kleine Beule zuzog.

Ich gehe davon aus, dass es aus seinem Abenteuer gelernt hat und solche Ausflüge in Zukunft bleiben lässt. Denn die Mauern werden bleiben. Meine eigenen und die anderer – mit meinen und mit anderen Steinen.

Splitter

Den Ex-Arbeitsgatten erfolgreich unter die Haube gebracht. Es war sehr schön. Ich bin sehr happy für die Beiden. So wenig ich selber mit dieser Liebe anfangen kann, so sehr freue ich mich an der von Anderen. Wie so ein Romantik-Vampir.

Ich war allerdings nach 12 Tagen Arbeit und davon die letzten 5 in der schlimmfrühen Frühschicht viel zu müde für derlei Veranstaltungen. Und mit den Gedanken eh woanders. Und ich lernte auf die harte Tour: Geh niemals alleine auf ne Hochzeit!

Kaum verkündete der Bräutigam, dass ich ja sozusagen seine Chefin war, hatte ich den T. am Hals. Der mir, qualifiziert durch ein Praktikum beim Dorf-Anzeiger und eins in D.C. (er ist ja so wichtig und polyglott), direkt mal das mit dem Journalismus erklärt hat. Ich bin SO froh, dass ich DAS jetzt endlich mal alles weiß…

Jedenfalls stellte der T. fest, dass wir als die beiden Alleinreisenden als Einzige ins Hotel in die Innenstadt ausgelagert wurden und wir angehalten sind, ein Taxi zu teilen und dann sind die Hotelzimmer ja eigentlich auch für zwei Personen und so… Ich habe vor, die Straßenbahn zu nehmen, erklärte ich und machte mich dünn.

Auch dem Stecher des Jahrtausends konnte ich einigermaßen ausweichen, ich musste nur drei Sätze mit ihm wechseln. Dafür schritt der komische und sehr betrunkene N. zur Tat, kaum dass seine Frau sich gen Kind verabschiedet hatte. Er ist weder attraktiv noch interessant und für 30 Sekunden war ich froh, dass der komische Typ, dessen Namen ich mir seit Jahren absichtlich nicht merke, einschritt, doch dann fiel mir wieder ein, warum ich mir seinen Namen nicht merken will. Und seine Frau half mir auch nicht, sie wat Trauzeugin und rotierte.

Frau L. hatte auch keine Zeit für mich, sie hat jetzt nen P. und musste knutschen. Wir sehr vermisste ich den Herrn P., doch der Bräutigam zerstritt sich mit dem schönsten Mann der Stadt und so konnte er mir die Typen nicht vom Hals halten und mit nicht den Rücken kraulen und mich nicht unterhaltsam unterhalten. Und das Sahneschnittchen  – der einzige Anwesende, den ich mit ins Bett genommen hätte – sagt mir den ganzen Abend nicht mal hallo.

Am Ende habe ich keinen Sex und trotzdem eine Blasenentzündung. Was soll ich sagen: Wie man’s macht, man macht es falsch. Dass ich spät am Abend feststellen musste, dass ich mir die Vögelei hätte importieren können, hats auch nicht besser gemacht. Mrmpf. Dann hätte der Preis wenigstens ein Vergnügen gehabt. Aber ich bin wirklich nicht mal auf den Hauch der Idee gekommen, zu fragen.

Auf dem Weg nach Hause verpasste ich den Anschlusszug in Berlin, saß eine Stunde in der Kälte und natürlich musste ich an No. 3 denken. ZUM.KOTZEN. Ich kann aber mit Stolz berichten: Es war kein guter Gedanke dabei. Trotzdem schade um die verschwendeten Gedanken.

Weil dann die Muddi zu Besuch kam und die wilde Katze aus der Tiefgarage ob des Besuchs völlig freidrehte, hatte ich keine Zeit, die Blase zu kurieren und mir irgendwelche weiteren Gedanken um No. 3 zu machen, der mir derweil auf das alte Nokia schrieb, mit dem man keine Nummern blockieren kann. Er schrieb typisch No. 3ig, keinerlei Bezug nehmend auf das, was war, sondern: „Ich hoffe, du findest bald ein besseren Job, der besser zu dir passt.“

Ich hatte nicht mal Zeit, mich zu fragen: wtf?, sondern drückte einfach den „löschen“-Knopf und vergaß das Ganze wieder.

Ich finde das ein bisschen unangenehm, dass er theoretisch weiter diesen Kanal zu mir hat, stelle aber mit Freude fest: Ist mir total egal, wenn er schreibt und ich habe auch keinerlei Bedarf, da irgendwas zu antworten. Er ist mir noch nicht egal, aber ich glaube, ich bin auf dem Weg dahin. Und: Er ist mir zwar nicht egal, aber da ist auch nichts Positives bei den Dingen, die ich für ihn fühle…

Ab morgen dann wieder Alltagswahnsinn. Derweil liegt die Wärmflasche auf meiner Blase und die Wärmkatze an meinem Po und das mit dem Sex lassen wir mal fröhlich weiter.

Where did all the love come from?

Plötzlich ist da also diese kleine schwarze Weichwesen mit nem Hackenschuss. Ich meine: DAS DA!

Was man so alles in der Tiefgarage findet… Ihre königliche Hoheit ist noch weicher, als sie aussieht und ihre Lieblingstätigkeiten sind Schmusen und Pupsen.

Sie treibt mich in den Wahnsinn, weil sie natürlich ihre Krallen in die Vorhänge haut, drei Stunden lang Haselnüsse übers Laminat kickt, 700 Mal über meine Tastatur latscht und dabei zielsicher irgendwas blockiert, das Ladekabel meines Diensthandys in drei Teile zerlegt hat, voll gerne in mein Gesicht pupst, mich morgens weckt und wenn ich nicht sofort aufstehe, Randale macht, den Inhalt ihrer Spielzeugkiste großflächig im Wohnzimmer verteilt, sich 1000 Tricks ausdenkt, um sich mein Essen zu klauen (sie war noch nie erfolgreich, aber wen hindert das?), immerzu an meinen Haaren nuckelt, irgendwie immer im Weg sitzt, nachts um 2 ne Angstattacke kriegt, jedesmal, wenn ich den Kühlschrank öffne, den verhungernden Schwan gibt, den empfindlichsten Katzenmagen hat, den ich je erlebt habe, meinen chilenischen Schwarzhalsschwan zerfetzt hat, natürlich jedes Mal dann aufs Klo geht, wenn ich grad sauber gemacht habe, im Ficus rumwühlt (aber immerhin nicht mehr reinpischt), am Ficus rumkaut, mich beißt, wenn sie mich grad blöd finde, weil sie irgendeinen Quatsch nicht machen darf, meine Socken durch die Bude schleppt , weil sie – wie jede vernünftige Katze – dauernd irgendwas runterschmeißt und weil sie ein sehr effektives Verhütungsmittelist.

Meine Gene eben.

Jeden Menschen, der irgendwas von all dem täte, hätte ich schon längst rausgeschmissen. Da muss man nicht mal in meine Zimmerpflanze pissen, mich morgens wecken weckt schon ausreichend Hass in mir!

Aber sie kann machen, was sie will: Ich will sie immer bloß knutschen und knuddeln und finde, sie ist einfach die schönste, schlauste, süßeste und flauschigste Katze der Welt. Und dann mach ich halt ihre Scheiße weg und räum ihre Unordnung auf und steh morgens auf und serviere Frühstück und koche ihr ihre Extrawurst und fall auf ihre Kulleraugen rein – am Ende des Tages liegt sie ja zum Glück auf mir drauf und schnurrt

Was soll ich sagen: Es ist Liebe!

Aus dem Nichts aufgetaucht und ganz viel davon. Da war offensichtlich nicht nur ein Plätzchen, sondern ne große Villa mir Meerblick in meinem Herzen frei.

Und ich stelle wieder fest: Ich kann das Katzi lieben. Ich kann das Pony lieben. Aber mit der Liebe, mit der mache ich einfach keine Bekanntschaft. 

Introducing

… Scarlett aus der Tiefgarage!

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Ich weiß, das sagen alle Mamis, aber isso: Ist sie nicht perfekt? ❤

Eigentlich hatte ich mir dieser Tage ja frei genommen, um mal nen Ausflug zu machen und möglicherweise mal wieder Sex zu haben.

Nun bin ich ganz ohne Vögeln unerwartet Mutti geworden.

Engelchen und Teufelchen

Ich finde dieses ganze Verknalltsein nicht nur psychisch, sondern auch physisch sehr, sehr anstrengend. Das kann wirklich mal weg.

Und eine kleine Stimme in mir zetert: Könnte das nicht EINMAL hinhauen, dass ich mich in jemanden verliebe und der verliebt sich in mich und es gibt kein „ja, aber“ und nix spricht dagegen und die Schmetterlinge flattern und der Sex ist aufregend? WÄR DAS NICHT TOLL?

Und die andere sagt schnippisch und altklug: Neenee, das soll schon so sein. Wenn das mit dem Verknalltsein alle is, dann hast du wieder nur Langeweile und ziehst weiter. Und wenn du Pech hast, haste nen neuen Stalker, oder, noch schlimmer, der liebt dich. Und dass du das mit dieser Liebe nicht kannst, das haben wir ja schon hinreichend besprochen.

Und dann ich: NA DANN MACHT HALT DOCH DIESE GANZE SCHEISS GEFÜHLSDUSELEI AUS!!!

Harr.