Splitter

Den Ex-Arbeitsgatten erfolgreich unter die Haube gebracht. Es war sehr schön. Ich bin sehr happy für die Beiden. So wenig ich selber mit dieser Liebe anfangen kann, so sehr freue ich mich an der von Anderen. Wie so ein Romantik-Vampir.

Ich war allerdings nach 12 Tagen Arbeit und davon die letzten 5 in der schlimmfrühen Frühschicht viel zu müde für derlei Veranstaltungen. Und mit den Gedanken eh woanders. Und ich lernte auf die harte Tour: Geh niemals alleine auf ne Hochzeit!

Kaum verkündete der Bräutigam, dass ich ja sozusagen seine Chefin war, hatte ich den T. am Hals. Der mir, qualifiziert durch ein Praktikum beim Dorf-Anzeiger und eins in D.C. (er ist ja so wichtig und polyglott), direkt mal das mit dem Journalismus erklärt hat. Ich bin SO froh, dass ich DAS jetzt endlich mal alles weiß…

Jedenfalls stellte der T. fest, dass wir als die beiden Alleinreisenden als Einzige ins Hotel in die Innenstadt ausgelagert wurden und wir angehalten sind, ein Taxi zu teilen und dann sind die Hotelzimmer ja eigentlich auch für zwei Personen und so… Ich habe vor, die Straßenbahn zu nehmen, erklärte ich und machte mich dünn.

Auch dem Stecher des Jahrtausends konnte ich einigermaßen ausweichen, ich musste nur drei Sätze mit ihm wechseln. Dafür schritt der komische und sehr betrunkene N. zur Tat, kaum dass seine Frau sich gen Kind verabschiedet hatte. Er ist weder attraktiv noch interessant und für 30 Sekunden war ich froh, dass der komische Typ, dessen Namen ich mir seit Jahren absichtlich nicht merke, einschritt, doch dann fiel mir wieder ein, warum ich mir seinen Namen nicht merken will. Und seine Frau half mir auch nicht, sie wat Trauzeugin und rotierte.

Frau L. hatte auch keine Zeit für mich, sie hat jetzt nen P. und musste knutschen. Wir sehr vermisste ich den Herrn P., doch der Bräutigam zerstritt sich mit dem schönsten Mann der Stadt und so konnte er mir die Typen nicht vom Hals halten und mit nicht den Rücken kraulen und mich nicht unterhaltsam unterhalten. Und das Sahneschnittchen  – der einzige Anwesende, den ich mit ins Bett genommen hätte – sagt mir den ganzen Abend nicht mal hallo.

Am Ende habe ich keinen Sex und trotzdem eine Blasenentzündung. Was soll ich sagen: Wie man’s macht, man macht es falsch. Dass ich spät am Abend feststellen musste, dass ich mir die Vögelei hätte importieren können, hats auch nicht besser gemacht. Mrmpf. Dann hätte der Preis wenigstens ein Vergnügen gehabt. Aber ich bin wirklich nicht mal auf den Hauch der Idee gekommen, zu fragen.

Auf dem Weg nach Hause verpasste ich den Anschlusszug in Berlin, saß eine Stunde in der Kälte und natürlich musste ich an No. 3 denken. ZUM.KOTZEN. Ich kann aber mit Stolz berichten: Es war kein guter Gedanke dabei. Trotzdem schade um die verschwendeten Gedanken.

Weil dann die Muddi zu Besuch kam und die wilde Katze aus der Tiefgarage ob des Besuchs völlig freidrehte, hatte ich keine Zeit, die Blase zu kurieren und mir irgendwelche weiteren Gedanken um No. 3 zu machen, der mir derweil auf das alte Nokia schrieb, mit dem man keine Nummern blockieren kann. Er schrieb typisch No. 3ig, keinerlei Bezug nehmend auf das, was war, sondern: „Ich hoffe, du findest bald ein besseren Job, der besser zu dir passt.“

Ich hatte nicht mal Zeit, mich zu fragen: wtf?, sondern drückte einfach den „löschen“-Knopf und vergaß das Ganze wieder.

Ich finde das ein bisschen unangenehm, dass er theoretisch weiter diesen Kanal zu mir hat, stelle aber mit Freude fest: Ist mir total egal, wenn er schreibt und ich habe auch keinerlei Bedarf, da irgendwas zu antworten. Er ist mir noch nicht egal, aber ich glaube, ich bin auf dem Weg dahin. Und: Er ist mir zwar nicht egal, aber da ist auch nichts Positives bei den Dingen, die ich für ihn fühle…

Ab morgen dann wieder Alltagswahnsinn. Derweil liegt die Wärmflasche auf meiner Blase und die Wärmkatze an meinem Po und das mit dem Sex lassen wir mal fröhlich weiter.

Where did all the love come from?

Plötzlich ist da also diese kleine schwarze Weichwesen mit nem Hackenschuss. Ich meine: DAS DA!

Was man so alles in der Tiefgarage findet… Ihre königliche Hoheit ist noch weicher, als sie aussieht und ihre Lieblingstätigkeiten sind Schmusen und Pupsen.

Sie treibt mich in den Wahnsinn, weil sie natürlich ihre Krallen in die Vorhänge haut, drei Stunden lang Haselnüsse übers Laminat kickt, 700 Mal über meine Tastatur latscht und dabei zielsicher irgendwas blockiert, das Ladekabel meines Diensthandys in drei Teile zerlegt hat, voll gerne in mein Gesicht pupst, mich morgens weckt und wenn ich nicht sofort aufstehe, Randale macht, den Inhalt ihrer Spielzeugkiste großflächig im Wohnzimmer verteilt, sich 1000 Tricks ausdenkt, um sich mein Essen zu klauen (sie war noch nie erfolgreich, aber wen hindert das?), immerzu an meinen Haaren nuckelt, irgendwie immer im Weg sitzt, nachts um 2 ne Angstattacke kriegt, jedesmal, wenn ich den Kühlschrank öffne, den verhungernden Schwan gibt, den empfindlichsten Katzenmagen hat, den ich je erlebt habe, meinen chilenischen Schwarzhalsschwan zerfetzt hat, natürlich jedes Mal dann aufs Klo geht, wenn ich grad sauber gemacht habe, im Ficus rumwühlt (aber immerhin nicht mehr reinpischt), am Ficus rumkaut, mich beißt, wenn sie mich grad blöd finde, weil sie irgendeinen Quatsch nicht machen darf, meine Socken durch die Bude schleppt , weil sie – wie jede vernünftige Katze – dauernd irgendwas runterschmeißt und weil sie ein sehr effektives Verhütungsmittelist.

Meine Gene eben.

Jeden Menschen, der irgendwas von all dem täte, hätte ich schon längst rausgeschmissen. Da muss man nicht mal in meine Zimmerpflanze pissen, mich morgens wecken weckt schon ausreichend Hass in mir!

Aber sie kann machen, was sie will: Ich will sie immer bloß knutschen und knuddeln und finde, sie ist einfach die schönste, schlauste, süßeste und flauschigste Katze der Welt. Und dann mach ich halt ihre Scheiße weg und räum ihre Unordnung auf und steh morgens auf und serviere Frühstück und koche ihr ihre Extrawurst und fall auf ihre Kulleraugen rein – am Ende des Tages liegt sie ja zum Glück auf mir drauf und schnurrt

Was soll ich sagen: Es ist Liebe!

Aus dem Nichts aufgetaucht und ganz viel davon. Da war offensichtlich nicht nur ein Plätzchen, sondern ne große Villa mir Meerblick in meinem Herzen frei.

Und ich stelle wieder fest: Ich kann das Katzi lieben. Ich kann das Pony lieben. Aber mit der Liebe, mit der mache ich einfach keine Bekanntschaft. 

Introducing

… Scarlett aus der Tiefgarage!

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Ich weiß, das sagen alle Mamis, aber isso: Ist sie nicht perfekt? ❤

Eigentlich hatte ich mir dieser Tage ja frei genommen, um mal nen Ausflug zu machen und möglicherweise mal wieder Sex zu haben.

Nun bin ich ganz ohne Vögeln unerwartet Mutti geworden.

Engelchen und Teufelchen

Ich finde dieses ganze Verknalltsein nicht nur psychisch, sondern auch physisch sehr, sehr anstrengend. Das kann wirklich mal weg.

Und eine kleine Stimme in mir zetert: Könnte das nicht EINMAL hinhauen, dass ich mich in jemanden verliebe und der verliebt sich in mich und es gibt kein „ja, aber“ und nix spricht dagegen und die Schmetterlinge flattern und der Sex ist aufregend? WÄR DAS NICHT TOLL?

Und die andere sagt schnippisch und altklug: Neenee, das soll schon so sein. Wenn das mit dem Verknalltsein alle is, dann hast du wieder nur Langeweile und ziehst weiter. Und wenn du Pech hast, haste nen neuen Stalker, oder, noch schlimmer, der liebt dich. Und dass du das mit dieser Liebe nicht kannst, das haben wir ja schon hinreichend besprochen.

Und dann ich: NA DANN MACHT HALT DOCH DIESE GANZE SCHEISS GEFÜHLSDUSELEI AUS!!!

Harr.

Arbeitseheleben

Der Arbeitsgatte und ich sitzen bei einer Fortbildung. Schreiben derweil aber gemeinsam an Nachrichten. Denn es ist langweilig.

Ich weise ihn auf etwas reichlich Offensichtliches hin, das er mindestens genauso gut weiß wie ich – und das schon länger als ich. Er sagt: Danke, Mammi. Ich sage: Gerne, mein Schatz. Er boxt mich in den Arm. Ich kraule seinen Bart. Aus Gründen. Er droht mit Stockhieben. Ich schnurre: Heißßß. Er guckt plüschig.

Wir teilen uns die Tasse Kaffee.

Wir tauschen die Laptops, weil an meinem der Rechtsklick nicht funktioniert und ich so nix exportieren kann und weil er an seinem mit der Tastatur nicht klarkommt und lauter Tippfehler fabriziert. Dann ist das auch irgendwie falsch. Am Ende sitzen wir eng aneinandergekuschelt da und unsere Arme sind ganz verknotet, weil wir halt beide an beide Laptops müssen.

In der Pause füttert er mich mit seinem Salat. Ich beende seine Witze.

Am Ende der Fortbildung weist mich eine Kollegin schmallippig darauf hin: Der hat schon eine Freundin, das weist du, nä?

Ja, sage ich. Die is nett.