Ich sentimentale Alte

Ich sehe irgendwelche Schmonzetten und finde sie langweilig, unoriginell, schmalzig und übertrieben klischeebehaftet. In mir tut sich nichts.

Ich sehe praktisch die gleiche Story mit einem homosexuellen Pärchen und bin total romantisiert…

Mein Hirn ist komisch.

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Torschlusspanik

30, unverheiratet, kein potentieller Gatte in Aussicht. Ob mich das nicht beunruhigt, werde ich gefragt. Mir vielleicht sogar peinlich ist.

Ich verschlucke mich vor lachen. Warum in aller Welt sollte mir das peinlich sein??? In meiner Welt haben Familienstand und Alter nach Erreichen der Volljährigkeit überhaupt nix miteinander zu tun. Ob man nun mit 20, 40, 109 oder eben gar nicht heiratet: wurscht.
Und keine Sorge, als alte Jungfer werde ich wohl nicht enden. Der Zug ist abgefahren.

Aber alle wollen doch heiraten!?

Erstens bin ich nicht alle. Zweitens fallen mir spontan ein Dutzend Leute ein, die das ebenfalls nicht wollen. Drittens: Von mir aus können ja alle heiraten wollen und auch heiraten. Aber das zwingt mich doch nicht, das ebenfalls zu tun. Ich weiß, dass viele Frauen (und auch Männer) sich das wünschen, dass viele Frauen in meinem Alter verzweifelt nach Heiratsmaterial suchen – ich kann noch so tief in mich reinhorchen: Ich verspüre diesen Wunsch nicht. So wie es Leute gibt, die nicht den Wunsch verspüren, in den Arsch gefickt zu werden (soll es geben).

Und wie soll dein Leben aussehen in 10, 20 Jahren, wenn du immer noch unverheiratet bist?

Äh, in etwa so wie jetzt? Tatsächlich fände ich es schlimm, wenn sich das änderte, sollte ich aus irgendeinem Grund heiraten.

Aber was ist mit der Liebe?

Ach Gottchen, die Liebe. Erstens sind wir ja eh eher Unbekannte. Und zweitens muss man doch nicht verheiratet sein für die Liebe.

Aber dann ist das doch alles viel sicherer!?

Hä? Muss ich jemanden mit einem Stück Papier an mich fesseln und ihm den Lauf eines Rings an die Brust halten, damit er mich liebt? Ich glaube nicht, dass man jemanden mehr liebt, weil  man verheiratet ist. Und ich glaube nicht, dass eine Heirat eine Beziehung wirklich stabiler macht. Natürlich ist die Hemmschwelle höher, aber auch verheiratet kann man einfach eines Tages sagen: Ich hab keinen Bock mehr auf dich, tschüs. Ein Ehepartner kann einem genauso auf die Nerven gehen, wie ein „Nur“-Partner, man kann genauso aufhören ihn zu lieben. Man kann genauso aus Gründen – Bequemlichkeit, Knete, Abhängigkeit, wasweißich – mit einem „Nur“-Partner zusammenbleiben, auch wenn man den eigentlich schon ätzend findet. Man kann aber auch genauso jemanden über alles lieben, wenn man nicht verheiratet ist (hab ich gehört).
Für mich macht das keinen Unterschied, ob man nu verheiratet ist oder nicht.

Wenn dir das so egal ist, warum bist du dann so für die Ehe für alle?

Ich sach ja, von mich aus kann jeder heiraten oder nicht heiraten. Was ich will, ist, dass alle dasselbe Recht hat, das zu entscheiden.

Deine Argumente sind ja schön und gut. Aber Heiraten hat ja auch was Irrationales. So, wie wenn man sich eine Katze anschafft, sie liebt und füttert und Geld reinsteckt – und im Gründe gar nichts davon hat.

Sehr, sehr seltsamer Vergleich… Ich habe überhaupt nichts gegen Irrationales. Ich kann das voll gut. Ich schließe ja auch gar nicht aus, dass ich irgendwann etwas derart Irrationales mache – auch wenn ich, wie gesagt, nicht den Wunsch danach verspüre. Aber ich kann die Katze ja auch lieben und sie füttern, ohne sie zu heiraten, nech?

Das mit der Liebe und dem Magen

Muddi und ich sitzen mit frisch gebackenen Olivenlaibchen und Artischockencreme auf dem Sofa und überlegen, welche DVD wir gucken.

„Ein Film über das Wichtigste im Leben: die Liebe“, liest sie vor.

Hm, grunze ich.

Ist Liebe nich das Wichtigste in deinem Leben, fragt sie.

Nä, sag ich.

Was dann, fragt sie.

ESSEN!, sagen wir im Chor und grabbeln nach den Olivenlaibchen.

Lab rat

Manchmal kann ich meinem PMS direkt was abgewinnen.

Ich finde mich mit PMS selbst so unerträglich, dass ich einen Schritt Abstand von mir nehme. Früher fand ich die komische Alte, die ich dann aus sicherer Distanz betrachtete, nur ätzend. Heute beobachte ich einigermaßen amüsiert dieses possierliche Tierchen, das da so in seinem mehr oder weniger natürlichen Habitat vor sich hin wütet und komme zu allerhand Erkenntnissen.

Die Stimmungsschwankungen sind brutal. Und die daraus resultierenden Entscheidungen… interessant.

Derzeit fühle ich, das PMS-Tier, mich wie so ein albernes Schoßhündchen, dass permanent um sie herumscharwenzelt und bei jedem Leckerchen eine Pirouette dreht. Ist das dämlich. Und nervig.

Und schon habe ich das Bedürfnis, mich aus der ganzen Sache komplett zurückzuziehen und/oder mich mehr wie ein bissiger Kampfhund zu verhalten. Kläff.

Womit die Frage geklärt sein dürfte, warum das possierliche Tierchen und die Liebe nie so recht zueinander gefunden haben.

Liebe und Wetter

– Was machst du heute noch?, schreibt No. 2.

– Keine Ahnung. Zum Pferd gehen…? Mal sehen, wie das Wetter wird, antworte ich.

– Du gehst doch sowieso zum Pferd, ganz egal wie das Wetter wird, schreibt er.

– Stimmt… ❤ , tippe ich dümmlich grinsend.

– Liebe ist stärker als das Wetter, stellt er fest.

Wo er recht hat…

Liebe in Stockholm

In Sachen Liebe glaube ich ja nicht so an Schicksal (dem ich sonst nicht abgeneigt bin).

Ich vertrete eher die Ansicht: Gelegenheit macht Liebe.

Wir verlieben uns in den Typen von der Arbeit, aus dem Sportverein, aus dem Wohnheim oder aus dem Freundeskreis…

Die Version: „Unsere Blicke trafen sich in der U-Bahn und wir wussten sofort, dass wir füreinander bestimmt waren und noch bevor wir unsere Namen kannten, versanken wir in einen innigen Kuss“ halte ich für wenig realistisch. Eher glaube ich: „Wir haben jeden Morgen um die gleiche Zeit die gleiche U-Bahn genommen, irgendwann fingen wir an uns zu grüßen, dann kamen wir ins Gespräch, tauschten Nummern aus und jetzt sind wir seit fünf Jahren zusammen.“

Leute sind mit dem komischen Typen zusammen, der immer mit irgendeiner Bekannten in die Mensa kam und mit an ihrem Tisch saß. Dabei könnte irgendein Typ auf dieser Welt viel besser zu ihnen passen, er ist ihnen vielleicht sogar über den Weg gelaufen, man lernte sich eben nicht kennen.

Wenn ich mir die Freunde meiner Freundinnen angucke, frage ich mich manchmal, ob die Liebe nicht nur ein Schutzmechanismus ist. Der Typ bewegt sich halt ständig in ihrem Umfeld und damit sie es mit dem Bekloppten da überhaupt aushalten können, haben sie sich eben in den verliebt.

Stockholm-Syndrom im Alltag.

Ich las als Teenie mal in einer dieser wertvollen Zeitschriften, dass es wahrscheinlicher ist, dass man sich ineinander verliebt, wenn man gemeinsam etwas Außergewöhnliches erlebt. Das schweißt zusammen. Man schafft gemeinsame, einzigartige Erinnerungen. Deshalb wurde empfohlen, den „Schwarm“, wie es dort immer so entzückend hieß, in den Freizeitpark zu schleppen. Das Adrenalin, die Hormone, zack, Liebe.

Stockholm-Syndrom auf Rezept sozusagen.

Da fragt man sich doch, ob das Stockholm-Syndrom nicht eher sogar der Normalzustand ist…

Aber gut, was weiß ich schon von der Liebe…

Der Waldschrat nimmt ein Bad im Selbstmitleid

Ich sinniere über die Liebe, das unbekannte Wesen. 

In der Folge übermäßigen Konsums von kitschigen Filmen und Serien ist in mir in den vergangenen Wochen der Wunsch nach einem Prinzen gewachsen, der mich wachküsst und in einen Kokon aus Liebe hüllt, in dem ich mich fallen lassen kann…

Nach einem, der tatsächlich zu mir durchdringt.

Mit positiven Emotionen habe ich es nicht so. Sie sind wie betäubt, oder mit einer dicken Schicht Dreck bedeckt, so dick, dass man sie nicht sehen und kaum fühlen kann.

Ich kann mich nicht erinnern, mich jemals ausgelassen über etwas gefreut zu haben und wenn man mich fragt, wann ich mal so richtig glücklich war, kann ich höchstens ein paar Momente aufzählen, in denen ich nicht unglücklich war. Und ich kann nicht wirklich sagen, ob ich einfach nur gern Zeit mit jemandem verbringe oder ob ich verliebt in diese Person bin…

Es ist vorgekommen, dass Männer in mich verliebt waren (wie es dazu kommen konnte, ist mir unerklärlich).

Sie haben es mir gesagt, sie haben es mir gezeigt und rational wusste ich, der ist in mich verliebt. Geliebt gefühlt habe ich mich nicht.

Ich kann mir kaum vorstellen, dass ein Prinz plötzlich große Gefühle in mir wecken könnte. Und selbst wenn, fürchte ich, dass das nichts werden kann. Schließlich kann ich einem Menschen, den ich liebe, nicht so eine gestörte Alte zumuten…

Lassen wir das also.

Ich bleibe halt ein Waldschrat…