Es ist ein Kleinkind!

No. 3 fragt, ob er vorbeikommen kann.

– Wenn du den ganzen Weg hier rauskommen willst, um mich maximal circa zwei Stunden lang wach anzutreffen, tu dir keinen Zwang an. Bring Kondome und Falafel mit.

No. 3 fragt, wann ich endlich mit diesem Job durch bin und abends endlich wieder vernünftig Zeit habe. Und wohin ich dann eigentlich will.

– Weißichnich.

No. 3 fragt, ob er mir bei der Suche nach einer Wohnung in Berlin helfen soll.

Ich erläutere mindestens zum dritten Mal, dass ich lieber nicht nach Berlin ziehen möchte.

– Na dann lohnt sich nicht, zu dir zu fahren, wenn ich weiß, dass wir nie in der gleichen Stadt wohnen werden.

Und beendet das Gespräch.

 

 

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Multitasking

Ich schlage (aus rein zeitökonomischen Gründen) eine 69 vor.

Er lehnt ab.

– Aber wiesu?

– Weil ich n Mann bin!

– Hmmhä?

– Na, weil ich mich dabei nicht auf deine Muschi konzentrieren kann!

Befindlichkeiten und Widersprüche

Ich will grad einfach nur gefickt werden.

Will mich bücken und einen Schwanz in mir spüren.

Will die Beine breit machen und gestoßen werden.

Ich habe aber keine Lust, mich mit irgendwelchen Befindlichkeiten auseinanderzusetzen. Keine Lust auf Smalltalk.

Hose runter, Schnauze halten.

Auf der anderen Seite habe ich auch keine Lust auf Beliebigkeit. Will mich halt auch nicht von irgendeinem Typen bumsen lassen, mit dem ich mich in einer anderen Stimmungslage nicht unterhalten könnte.

Ist das schön, eine Frau zu sein… 🙄

Ein Stecher auf Knopfdruck wär ein Traum! Dann hat man auch nie mehr Terminprobleme…

Oh, ein Jubiläum

Zur Abwechslung schreibt No. 1 mal wieder. Der alte Stalker hat sich sogar extra ein neues Facebook-Profil zugelegt.

Weil ich bei der Arbeit sitze und mir sehr, sehr langweilig ist, lasse ich mich auf einen Chat ein. Letztlich schreiben wir meine ganze Schicht lang. Es ist über weite Strecken eine ganz normale Unterhaltung mit viel des von mir so geliebten Intello-Gedanken-Ping-Pongs. Oft muss ich sehr lachen.

Und wie immer frage ich mich: Was treibt ihn immer wieder dazu, mir so aus dem Nichts zu schreiben? Wer läuft denn rum und denkt: Hach, heut schreib ich mal meiner Ex?

Er schreibt: Ich weiß auch nicht, was ich mir dabei gedacht habe, als ich mich damals auf dich eingelassen habe. Ich hatte doch so glücklich vor mich hingelebt.

Ich denke: Du hättest dich nicht einlassen müssen. DU hast darauf gedrängt, das was läuft.

Ich denke an die warme Septembernacht, in der er mir auf einer Bank am Fuße der Sagrada Familia zum ersten Mal auf die Pelle gerückt ist.

Und plötzlich weiß ich, warum er ausgerechnet heute schreibt: Das ist ziemlich haargenau zehn Jahre her. Wie sentimental von ihm…

Bretonisches Wetter

Ich weiß nicht, warum er mir jetzt wieder in den Sinn kommt.

Wahrscheinlich liegt es am Wetter. Die feuchtkalten Morgen, deren Kälte erst an den warmen Nachmittagen aus den Fingern weicht. Der Geruch nach bearbeiteter Erde. Der leicht modrige Geruch im Wald.

Jedenfalls habe ich ihn schon seit Jahren nicht gesehen und zack, isser wieder da. In meinem Spatzenhirn. Dieser Typ, den ich kennenlernte, als ich 16 oder 17 war. Jedenfalls in einem schrecklich albernen Alter. Er, fast 30, supersexy, und ein feines Händchen für große und kleine Pferde. Wie aus dem Lehrbuch: „Wie man einen Backfisch um den Finger wickelt“. Ich hab ihn jahrelang angeschmachtet. Selbst als ich schon No. 1 am Start hatte. Und später dann No. 2. Ich habe immer gesagt: Ein Move vom Bretonen und die No. ist Geschichte.

Natürlich kam kein Move vom Bretonen. Näher als zur obligatorischen (dort dreifachen) Bise sind wir uns nicht gekommen. Zum Verzweifeln.

Da schwirrt er nun in meinem Kopf herum und ich stelle fest: Er ist deutlich googlebarer als damals. Jaja, ich habe ihn gegooglet. Ganz verschämt im privaten Modus, obwohl außer mir keiner meinen Laptop benutzt. Geistig bin ich keinen Tag gealtert.

Was soll ich sagen: Ich hab den Mann unterschätzt. Und wir haben noch viel mehr gemeinsam, als ich dachte. Na toll!

Mir fällt ein, dass er mir mal angeboten hat, bei ihm abzusteigen, sollte ich mich dazu entschließen, in der Bretagne nach einem Job zu suchen. (Wenn DAS kein Move war, du oberdoofe Kuh.)

Verzeihung, wir wohnen zwar beide mittlerweile ganz woanders, aber kann ich vielleicht noch mal auf dieses Angebot von vor zehn Jahren zurückkommen?

Ich muss dringend mal erwachsen werden…

Der Stecher des Jahrtausends

Wir sehen das TV-Duell in feucht-fröhlicher Runde. Ich kenne nicht alle Anwesenden, habe aber direkt ein Stück Frischfleisch entdeckt, das mir ausgesprochen sympathisch ist. Und Ahnung hat er auch. Und eine ganz akzeptable Meinung. Ficken? Also… nachher…?

Und dann ist da noch Herr W. Herr W., der mir zunächst gar nicht aufgefallen war. Er ist klein, dick, flusigblonde Metalerfrise, schwarzes Bandshirt. Zwischendurch bekomme ich mit, dass er irgendwas mit IT macht.

Ziemlich bald stößt er mir recht sauer auf, weil der Herr W. ja alles weiß und dazu alles besser – nachdem er selbst das Thema gewählt hat. Gerne fragt er: Wisst ihr warum…? Und auf die kollektive Antwort: Ja, wissen wir! erläutert er, warum. Oär.

Während mein Prachtexemplar mir ein Bierchen holt und Frau L., die zu meiner Linken gesessen hatte, sich ins Raucherkabuff zurückzieht, rutscht Herr W. neben mich aufs Sofa. Öh, pardon? Er beginnt mir die Inhalte des Duells, das wir gerade hinter uns gebracht haben, zu erklären.

ÖH, PARDON, MON CHER? Vielleicht hättste dich vorher erkundigen sollen, was ich beruflich mache? Zuhören, was andere sagen und albern? Dann hättste mitgekriegt, dass ich mal die Vorgesetzte des Gastgebers war. Dass ich mich 24/7 mit sowas beschäftige. Du kannst gerne deine Meinung darlegen, dich nach meiner erkundigen und dann reden wir drüber. Aber mir aktuelle Tagespolitik erklären? Verzeihung, wenn ich lache…

Ich wende mich wieder dem Männchen zu, dessen Balzverhalten deutlich besser zu meiner Art passt. Und kuschlig ist er auch… mmmh 🙂

Herr W. guckt konsterniert und kaum verlässt mein großartiges Nummernpotenzial den Raum, um mit den Jungs zu tun, was Jungs tun müssen, drängt er sich wieder auf. Und verkündet, er habe erst kürzlich Seminare darüber gegeben (!), wie man Mädchen (!) aufreißt. Ich überlege, ob ich zu tief ins Bier geguckt habe, ob ich ihn falsch verstanden habe oder beides. Ich hoffe beides! Wirklich. Für ihn.

Ich weiß gar nicht, was ich antworten soll und wende mich ab, um schnellschnell einen neuen Gesprächspartner zu finden. Glücklicherweise betreten in diesem Moment Frau L. und McHotty den Raum und Frau  L. fläzt sich zwischen mich und Herrn W. Auch sie hat stattliche Brüste und kann so seine Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Es dauert 30 Sekunden, bis Frau L. irritiert guckt. Dann höre ich, wie er „Fräulein“ sagt und sie an die Decke geht. Sich diese Bezeichnung verbittet. Er „Frauchen“ sagt. Ich denke, dass sich verdammt viele Stichwaffen im Raum finden, die Jungs kommen vom Campen. Wo eigentlich der Wischlappen lagert. Sie dreht sich zu mir und murmelt für alle im Raum deutlich hörbar (jahrelange Theatererfahrung): „Er könnte so nett sein, wenn er er selbst wäre. Aber so Chauviallüren machen mich wütend.“ Er verlangt Erklärung.

Der strahlende Ritter Herr P. betritt den Raum und verhindert das Massaker. Herr P. ist der schönste Mann der Stadt. Er ist klug. Er hat Humor. Er hat sicher eine dreistellige Anzahl an Nummern durch sein Bett geschleust. Frau L. und ich heißen ihn jubelnd willkommen. Noch nie haben wir uns so gefreut, ihn zu sehen. Du musst dich nicht ausziehen, das machen wir schon, wenn du dich nur zwischen uns und ihn setzt. Ihn mit deinem Geruch nach Sex überstrahlst.

Irgendwann sind wieder fast alle rauchen. Herr P. will nur kurz die Augen zu machen, doch Herr W. meint, ihm politische Ereignisse einer Stadt, in der er nicht lebt, erläutern zu müssen. Der Stadt, aus der Herr P. kommt. Hätte man erst fragen können, muss man ja aber nicht. Ich weiß nicht, ob ich lachen oder schreien soll und verlasse fluchtartig den Raum. Rausche ins Damenzimmer. Die Gastgeberin bittet tausendfach um Entschuldigung. Und um Nachsicht. Der arme Herr W. habe schließlich noch nie eine Freundin gehabt. Frau L. kommt aus dem Lachen nicht mehr heraus. Begibt sich in die Höhle des Löwen. Und kurz darauf darf die halbe Straße miterleben, wie Frau L. Herrn W. mitteilt, er sei hässlich, dumm und humorlos und seine einzige Chance auf Ficken sei Authentizität. Während die halbe Straße nach Luft schnappt entgegnet er: Allein die Tatsache, dass sie und ich mit ihm redeten, zeige ja, dass seine Strategie erfolgreich sei.

Wir müssen einschreiten. Frau L. ist zu erkältet für einen solchen Lachkrampf.

Wir verwickeln sie in ein Gespräch über unsere BHs und während wir gegenseitig unsere Unterwäsche in Augenschein nehmen und uns selbst und einander an die Brüste greifen, kriegen die armen Jungs Schluckauf. Herr W. ist angenehm still. Und ich kann mich schließlich wieder meinem Sahneschnittchen widmen. Das zwar mit schwerer Zunge beteuert, noch für Bettsport zur Verfügung zu stehen, gegen halb drei jedoch schließlich selig lächelnd in Herrn T.s Schnarchkonzert einstimmt. Pfüüh.

Wir lassen also die Schwächelnden zurück und erst als Herr P. in der Küche die Hand unter meinem T-Shirt meinen Rücken krault (schnurrr), regt Herr W. sich wieder. Lässt uns an seinen unendlichen Weisheiten teilhaben. Bevor ihm noch alle Felle davonschwimmen. Selbst der unerschütterliche Herr P. wird langsam ungehalten.st. Denn auch konsequentes Ignorieren wirkt nicht ruhestiftend. Wir sind am Rande der Verzweiflung.

Und am Ende war es dann so leicht, Herrn W. zum Schweigen zu bringen. Denn irgendwann sehen wir uns genötigt, ihm zu erläutern, dass man durch Petting durchaus schwanger werden kann, stellt man sich dumm genug an (hat der Mann denn nie die Bravo gelesen? Ächz). Ich demonstriere das mit einem beherzten Griff in Herrn P.s Schritt, Herr P. übernimmt und greift ebenfalls beherzt in meinen Schritt. Himmlische Ruhe.

Ich rufe an dieser Stelle die Teilnehmer der Seminare des Herrn W. auf, sich bei mir zu melden. Ich möchte ihnen die Teilnahmegebühr erstatten. Ich glaube, der Stecher des Jahrtausends ist nicht nur Dauersingle, sondern auch Jungfrau…

Axt -> Kopf

Müde, genervt, durchgefroren, Blase voll.

Ich eile nach Hause.

Jemand macht mich von der Seite an.

Zu müde, zu genervt, zu durchgefroren, Blase zu voll, um auch nur ansatzweise zu reagieren.

Ich eile weiter.

Noch jemand macht mich von der Seite an.

Alta, hab ich n 1000-Mark-Schein anner Buxe klemmen, oder watt?!?

Zu müde, zu genervt, zu durchgefroren, Blase zu voll, um auch nur ansatzweise zu reagieren.

Ich eile weiter.

„Hallo, Schönheit!“, kommt von der Seite.

ALTA!

Ich eile weiter.

Und er rotzt mir gegen die Buxe.

Vollbremsung.

Gewaltanwendung.

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