Nachhersehbar

Weil die Welt ein Dorf ist und irgendwie ja jeder jeden kennt, wurde mir nun also über Ecken zugetragen, dass No. 3 jetzt tatsächlich Single ist. Die Trennung ereignete sich offenbar etwa ziemlich haargenau um die Zeit, als er mir so pseudobesorgt schrieb.

Überrascht das irgendjemanden?

Ich verkünde jedenfalls mit Stolz: Diese Neuigkeit macht rein gar nichts mit mir.

Festwochen

Es sind schon wieder die „Darf man das? hat mir mal einen geblasen und jetzt komm ich nicht drüber weg“-Festwochen.

Erst kommt No. 3 um die Ecke, tut, als mache er sich Sorgen. Wegen diesem Corona, ihr wisst schon, man soll ja auch nicht im Streit ins Jenseits gehen. Dann kommt No. 5 aus seinem Loch gekrochen, offensichtlich ist ihm langweilig in der Isolation, er versucht’s auf die lustige Tour. No. 2 hat ausländerrechtliche Fragen, nun gut, der Chile connection zuliebe…

Möchte jemand Wetten auf No. 1 abschließen?

Isolation und Hormone

Fünf Nächte, fünf Mal sehr heiße Sexträume. Unterschiedliche Partner unterschiedlichen Geschlechts mit sehr unterschiedlichen Stilen. Und alles sehr, sehr geil.

Selbst für meine Verhältnisse ist das eine ziemliche hohe Frequenz  – und es sorgt für eine enorme Masturbationsfrequenz. Einmal muss ich ja quasi nachm Aufwachen – und eigentlich jedes Mal, wenn ich dran denke.

Gar nicht mal so unanstrengend.

Fragt sich, wies kommt? Bin auch nicht untervögelter als sonst. Und ich mein, hey, Vögeln mit No. 3 war erst Anfang Februar. Nun ja. Befriedigend ist anders.

Sind’s die Hormone? Wer weiß. Mein Zyklus stammt ja von nem Planeten, auf dem Zeit sehr variabel ist. Ich kann es nicht immer eindeutig zuordnen.

Ist es die Isolation? Dabei ist ja gar nicht so viel anders. Aber: Ich kann meine sexuellen Energien nicht mehr so direkt am Arbeitsgatten und am Nerd ablassen.

Man weiß es nicht. Aber sobald die Sofa-Apokalypse beendet ist, muss einer dran glauben!

(Over und Finger in den Schritt.)

Splitter

Den Ex-Arbeitsgatten erfolgreich unter die Haube gebracht. Es war sehr schön. Ich bin sehr happy für die Beiden. So wenig ich selber mit dieser Liebe anfangen kann, so sehr freue ich mich an der von Anderen. Wie so ein Romantik-Vampir.

Ich war allerdings nach 12 Tagen Arbeit und davon die letzten 5 in der schlimmfrühen Frühschicht viel zu müde für derlei Veranstaltungen. Und mit den Gedanken eh woanders. Und ich lernte auf die harte Tour: Geh niemals alleine auf ne Hochzeit!

Kaum verkündete der Bräutigam, dass ich ja sozusagen seine Chefin war, hatte ich den T. am Hals. Der mir, qualifiziert durch ein Praktikum beim Dorf-Anzeiger und eins in D.C. (er ist ja so wichtig und polyglott), direkt mal das mit dem Journalismus erklärt hat. Ich bin SO froh, dass ich DAS jetzt endlich mal alles weiß…

Jedenfalls stellte der T. fest, dass wir als die beiden Alleinreisenden als Einzige ins Hotel in die Innenstadt ausgelagert wurden und wir angehalten sind, ein Taxi zu teilen und dann sind die Hotelzimmer ja eigentlich auch für zwei Personen und so… Ich habe vor, die Straßenbahn zu nehmen, erklärte ich und machte mich dünn.

Auch dem Stecher des Jahrtausends konnte ich einigermaßen ausweichen, ich musste nur drei Sätze mit ihm wechseln. Dafür schritt der komische und sehr betrunkene N. zur Tat, kaum dass seine Frau sich gen Kind verabschiedet hatte. Er ist weder attraktiv noch interessant und für 30 Sekunden war ich froh, dass der komische Typ, dessen Namen ich mir seit Jahren absichtlich nicht merke, einschritt, doch dann fiel mir wieder ein, warum ich mir seinen Namen nicht merken will. Und seine Frau half mir auch nicht, sie wat Trauzeugin und rotierte.

Frau L. hatte auch keine Zeit für mich, sie hat jetzt nen P. und musste knutschen. Wir sehr vermisste ich den Herrn P., doch der Bräutigam zerstritt sich mit dem schönsten Mann der Stadt und so konnte er mir die Typen nicht vom Hals halten und mit nicht den Rücken kraulen und mich nicht unterhaltsam unterhalten. Und das Sahneschnittchen  – der einzige Anwesende, den ich mit ins Bett genommen hätte – sagt mir den ganzen Abend nicht mal hallo.

Am Ende habe ich keinen Sex und trotzdem eine Blasenentzündung. Was soll ich sagen: Wie man’s macht, man macht es falsch. Dass ich spät am Abend feststellen musste, dass ich mir die Vögelei hätte importieren können, hats auch nicht besser gemacht. Mrmpf. Dann hätte der Preis wenigstens ein Vergnügen gehabt. Aber ich bin wirklich nicht mal auf den Hauch der Idee gekommen, zu fragen.

Auf dem Weg nach Hause verpasste ich den Anschlusszug in Berlin, saß eine Stunde in der Kälte und natürlich musste ich an No. 3 denken. ZUM.KOTZEN. Ich kann aber mit Stolz berichten: Es war kein guter Gedanke dabei. Trotzdem schade um die verschwendeten Gedanken.

Weil dann die Muddi zu Besuch kam und die wilde Katze aus der Tiefgarage ob des Besuchs völlig freidrehte, hatte ich keine Zeit, die Blase zu kurieren und mir irgendwelche weiteren Gedanken um No. 3 zu machen, der mir derweil auf das alte Nokia schrieb, mit dem man keine Nummern blockieren kann. Er schrieb typisch No. 3ig, keinerlei Bezug nehmend auf das, was war, sondern: „Ich hoffe, du findest bald ein besseren Job, der besser zu dir passt.“

Ich hatte nicht mal Zeit, mich zu fragen: wtf?, sondern drückte einfach den „löschen“-Knopf und vergaß das Ganze wieder.

Ich finde das ein bisschen unangenehm, dass er theoretisch weiter diesen Kanal zu mir hat, stelle aber mit Freude fest: Ist mir total egal, wenn er schreibt und ich habe auch keinerlei Bedarf, da irgendwas zu antworten. Er ist mir noch nicht egal, aber ich glaube, ich bin auf dem Weg dahin. Und: Er ist mir zwar nicht egal, aber da ist auch nichts Positives bei den Dingen, die ich für ihn fühle…

Ab morgen dann wieder Alltagswahnsinn. Derweil liegt die Wärmflasche auf meiner Blase und die Wärmkatze an meinem Po und das mit dem Sex lassen wir mal fröhlich weiter.

Hochzeitsvorbereitungen

Das darf ich eigentlich noch gar nicht verraten, schreibt der Bräutigam. Aber du wirst in das Amt des Protostrators befördert. Am byzantinischen Hof eine Art Hofmarschall. Heißt, du darfst bei Vollzug der Ehe die Kleider halten und Erfrischungen reichen.

Oh, wie ehrenvoll. Ich freu mich drauf! Darf ich auch Ratschläge geben und anfeuern?

Also, über Ratschläge bin ich nie erbost… Anfeuern war noch nie nötig… wenn ich einmal in Wallung gekommen bin… du verstehst?

Solange du mich nicht als Fluffer brauchst…

Prima, du hast dich gerade freiwillig gemeldet!

Ich kann zumindest nicht behaupten, nicht qualifiziert zu sein.

Wie stellst du dir deine Tätigkeit denn konkret vor? Einschlägige Arbeitserfahrungen?

 

Ich kann Empfehlungsschreiben einreichen…
Ich denke, ich werde da Absprachen mit der Braut treffen müssen. Wann braucht sie deine Erektion, wann will sie ne Pipi-Pause… Das müssen wir abgleichen mit: Wie lange kannst du?

 

Er wechselt einfach das Thema: Happy Valentinstag!, wünscht er.

Ich muss noch mal zurück

Ich hätte ihm einfach den Schwanz abbeißen sollen.

Aus irgendeinem Grund war es mir super wichtig, No. 3 bevor ich ihn blockiere noch mal klarzumachen, dass ich ihn nicht wegen der Aktion mit dem Dreier, sondern wegen seines beschissenen Abgangs blockiere.

Was soll ich sagen. Ich bin halt dämlich. Ich lass ihn auch noch erläutern. Er war halt genervt, weil wir uns nie sehen und dann habe ich nicht mal Bock, was auszuprobieren. Und ja, es tut ihm Leid, dass er nicht die Eier hatte, nach dem Gespräch mit seiner Muddi wieder zurückzukommen. Und warum ich denn nicht geschrieben habe, dass ich will, dass er zurückkommt (wa?!?). Und überhaupt, warum ich jetz son Drama mache, wenn ich doch eh gewusst habe, dass er nicht wiederkommt (100 Millionen Euro, Baby). Er muss sich nicht als scheiße bezeichnen lassen (ich hab ihn gar nicht als scheiße bezeichnet (obwohl er das ist), nur gesagt, dass er sich scheiße verhalten hat). Und wenn ich ihn so scheiße finde und es nur scheiße ist, mit ihm zusammenzusein, dann soll ich ihn doch einfach blockieren.

Aber bitte gerne, Baby! Adiós!

So sehr mich das Blockieren befriedigt, so wenig ändert es etwas daran, dass ich mich scheiße fühle. Es ist zum Kotzen, das zuzugeben, aber das Premium-Arschloch hat mich tatsächlich in eine ziemliche Krise geschubst. Nicht mit dem, was er gesagt oder getan hat – denn im Ernst: Wen hat das denn überrascht? – sondern mit dem, was nicht war.

Der einzige Grund, warum ich mich wider besseres Wissen und obwohl ich mich von Anfang unwohl gefühlt habe bei der Vorstellung, Zeit mit ihm zu verbringen, mit ihm getroffen habe, war, dass ich einfach nur mal dringend feste gefickt werden wollte. Weil ich das sehr brauche. Für mich, meine Hormone, meine Vagina, mein Selbstbewusstsein. Ich habe das am für mich dümmsten, aber eben auch sichersten Ort gesucht. So paradox das klingt. Bei No. 3 weiß ich, dass ich das kriegen KÖNNTE, was ich brauche, wenn er einfach täte, was er sonst auch tat. No. 3 brauche ich nicht erst von mir überzeugen. No. 3 hat mich so oft in so viele Situationen nackt gesehen, wenn ich jetzt anfange, mich da rumzuschämen, ist es auch irgendwie albern. Bei No. 3 kann ich meinen Seelenmüll parken, während ich gevögelt werde. Woher nimmt man so jemanden spontan?

Was bleibt ist die Erkenntnis: Pech im Job, Pech in der Familie, Pech mit den Typen, Pech mit dem Sex. Vielleicht sollte ich anfangen, Lotto zu spielen. Nichts läuft in meinem Leben. Und an kaum etwas kann ich was drehen.

So langsam fürchte ich, dass ich nie mehr Sex haben werde. Ich weiß nicht so recht, woher der kommen soll. Ich habe auf so viele Wege keine Lust mehr, weil ich schlechte Erfahrungen gemacht habe. Ich habe keine Lust und keine Energie und keinen Mut, mich ans Wasserloch zu begeben. An meiner Fresse kann ich auch nix ändern. Und die wenigen Gelegenheiten, die sich bieten, versau ich auch. Weil ich dämlich bin. (Beste Grüße an N. an dieser Stelle. Keine Erklärung, keine Entschuldigung. Einfach dämlich. Q.e.d.)

Ich hasse No. 3 dafür, dass er diese Macht über mich hat. Ich hasse mich dafür, dass ich so dämlich bin. Und ich hasse mein Leben für die Scheiße, die es immer vor mir auskippt.