FAST

… aber nur fast hätte ich DAS Auto kennengelernt. Am Ende durfte ich aber nur aus der Ferne freundlich winken…

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Ach watt!

Meine Freundin J. und ich schlurfen über die Buchmesse. Ich kommentiere einen ausgestellten Gegenstand. Ein Typ antwortet auf meinen Kommentar. Wie ich sowas hasse. Ich gebe eine schnippische Antwort, schließlich war er nicht gemeint. Kurzes Ich-muss-das-letzte-Wort-haben-Gefecht. Bis ich endlich irgendwas brumme und nen Abgang mache.

J. schimpft wie’n Rohrspatz, man könne ja auch mal weiterflirten und nich einfach so muffelig abhauen.

Und ich denk: Wenn datt n Flirt sein sollte, dann habe ich schon sehr, sehr viele Männer eiskalt stehen lassen. Und ich überlege mir kurz, ob mir das jetzt leid tut… Hmmm… Nein.

Back to the 90ies

Was tun, wenn man krank daniederliegt und das Hirn für Leistung nicht zu gebrauchen ist? – Seichte Unterhaltung lesen. Aus meinem Fundus ungelesener Bücher fischte ich eine Anthologie aus dem Jahr 1999. Thema: natürlich der Jahrtausendwechsel. Witzig, diese 90er. Niedlich, dieser Ausblick auf die Zukunft – und diese kuriosen Ängste, die mit dem neuen Jahrtausend verbunden waren (in einer Geschichte schickt der Autor seinen Protagonisten auf Zeitreisen und am Ende landet der just im Jahr 2019 – das leider (oder zum Glück?) so ganz anders geraten ist). Und hach, dieses Internet. Gnihihi, dieses Internet. Gemaule über die „Scheiß-Medien“, inklusive Übergriff auf ein Kamerateam. Jaja, auch das war schon da, nur ohne diesen Verstärker „Internet“. Und wann haben Drogen eigentlich aufgehört, so hip und arty zu sein?

Ich bin mir nicht so sicher, ob die Welt seitdem gewachsen oder geschrumpft ist…

The obvious choice of song would be:

Aber aus Gründen gibt’s den:

Grüßchen aus den 90ern!

My beautiful picture

 

Die Auto-Protokolle (Fazit)

Freitag

9 Uhr: Der Bolzen ist da, das Auto abholbereit. Der Arbeitsgatte ist müde, aber beschwingt.
Twitter erinnert mich daran, dass Weltschlaftag ist. Lass uns ins Bett gehen, Hase, sage ich zu ihm. Können wir machen, sagt er. Aber du wirst nicht viel Freude an mir haben, ich werde sofort einschlafen.

Mir deucht, er weiß genau, worauf ich hinauswill..

9:30 Uhr: Eine Leserin beschwert sich, dass wir in einem Artikel das generische Maskulinum benutzen. Es werde ja wohl auch TeilnehmerINNEN geben. Ich will ihr antworten: „NEIN! Mädchen sind nicht erlaubt. Die können eh nicht klar denken, schon gar nicht, wenn sie ihre Tage haben.“
Er kichert und meint: Stimmt doch, Frauen können nicht klar denken.
Es ist ungleich komplexer, mit dem Gehirn statt einfach nur mit dem Geschlechtsteil zu denken, belehre ich ihn. Natürlich denkt man mit dem Geschlechtsteil klarer.
DU musst es ja wissen, sagt er. Du denkst ja auch nur mit deinem Geschlechtsteil!

Er weiß genau, worauf ich hinauswill. Er will nur nicht. Muss mir ein neues Zielobjekt suchen…

Die Auto-Protokolle (2)

Donnerstag

12 Uhr: Vom Auto nichts Neues, weil immer noch ein Bolzen fehlt. Also können wir zur Abwechslung mal über die Arbeit reden und planen unseren Facebook-Feed. Er macht Vorschläge.
Was er meint: Nach diesem Artikel können wir ja den Artikel mit der Liebesgeschichte posten.
Was er sagt: Danach können wir ja ein bisschen Liebe machen.

Ich gebe ihm ein paar Sekunden Zeit, um sich zu korrigieren. Die so sehr frühe Frühschicht macht schließlich schlimme Dinge mit unseren Hirnen.
Dann sage ich: Können wir machen, mein Schatz.
Er macht mehrfach den Mund auf und zu wie ein Fisch auf dem Trockenen und bleibt dabei stumm wie ein Fisch. Dann dreht er sich um, geht davon und grummelt: Ich hör jetzt auf.

12:15 Uhr: Er verabschiedet sich in die Mittagspause und macht noch eine kurze Übergabe. Öi!, sage ich. Wir wollten doch Liebe machen!
Er breitet die Arme aus, auf die Schreibtische deutend: Aber doch nicht hier!
Ich gucke mir meinen Schreibtisch an und denke: Warum eigentlich nicht? Breit genug isser! Und alle machen jetzt Mittag…
Wo denn?, frage ich.
Er stöhnt laut und verzweifelt und geht.

Muss ich eben allein Liebe machen…

Die Auto-Protokolle

Montag

8:30 Uhr: Der Arbeitsgatte hat eine Woche Sonntagsdienste abgebummelt. Weil ich ne nette Kollegin bin, frage ich ihn, wie seine freien Tage waren. Er berichtet ausführlich von seinen Abenteuern mit der neuen Play Station 4. Immerhin keine Gschichtn vom Auto, denke ich und stelle auf höflich nicken bei Durchzug. Als ich das Gespräch für beendet halte, mache ich mich auf in die Küche. Er greift seine leere Kaffeetasse und tappt mir hinterher. Ich stehe an der Kaffeemaschine und er redet von seinem Auto. Ich nehme die volle Kaffeetasse und gehe zurück in die Redaktion. Er latscht mir mit seiner immer noch leeren Kaffeetasse hinterher und redet von seinem Auto.

Dienstag

8:30 Uhr: Er latscht mir in die Küche hinterher und redet von Kanada. Immerhin keine Gschichtn vom Auto. Sondern ein Thema, bei dem ich mitschwärmen kann.

12:30 Uhr: Er kommt an meinen Schreibtisch und zitiert mich in die Küche. Oha, denke ich, was geht nu? Wenn’s ums bloße Kaffeetrinken geht, ruft er eigentlich immer nur rüber. In der Küche stellt er sich so dicht neben mich, dass ich es bei jedem Menschen, den ich grade nicht akut vögeln will, als übergriffig empfunden hätte. Körperkontakt und so. In einem Winkel, der eigentlich ideal zum Knutschen wäre, denke ich, und es kribbelt in meinen Lippen.
Er redet von seinem Auto.

14:30 Uhr: Ich mache Pause und er Feierabend. Gehst du zum Supermarkt?, fragt er. Dann geh ich n Stück mit. Er wohnt 200 Meter hinter dem Supermarkt. Wir wandern los und er redet von Autos (immerhin mal nicht von seinem – oder nur am Rande). Vorm Supermarkt will ich mich verabschieden, aber er kommt mit rein. Läuft mir kreuz und quer durch den Laden hinterher und redet von Autos. Am Ende kauft er sich eine Alibi-Brause und verabschiedet sich endlich.

Mittwoch

7:45 Uhr: Schreibst du mir eine Entschuldigung?, schreibe ich ihm. Keine Lust…
Hab ich auch nicht und ich bin trotzdem hier. Schwing deinen Arsch rüber, mir ist langweilig, schreibt er zurück. Der arme Mann ist schon seit fast zwei Stunden im Dienst.
Ich gebe zu, du bist ärmer dran als ich, räume ich ein.
Dann komm her und sei auch arm dran. Zusammen sind wir ärmer.

8:20 Uhr: Ich plumpse auf den Stuhl neben ihm und verkünde: So, nu sind wir ärmer. Er brummt. Dann der kapitale Fehler: A propos, sage ich, hast du dein Auto wieder? Es steht seit zwei Wochen beim TÜV. Die Litanei beginnt. Ich breche auf in die Küche. Er folgt und jammert. In der Küche ist bereits ein Lokalreporter. Ich übergebe ihm das Gespräch und verdrücke mich mit dem Kaffee in die Redaktion. Grade noch mal gut gegangen…

Ich bin mir allerdings sicher, dass er auch morgen wieder neue Gschichtn vom Auto parat haben wird… 🙄

Love thy Kollegen (3)

– Irgendwann kann man als Gesellschaft doch reifen!, finde ich. Man kann erkennen, dass Sachen scheiße sind und dann einfach damit aufhören, statt daran festzuhalten, „weil man das immer so gemacht hat“. Das ist doch kein Argument! Wir haben ja auch irgendwann aufgehört, kräuterkundige Rothaarige zu verbrennen, das tut ja auch keinem weh!

Der Chef und einige Kollegen winden sich. „Najaaaa“ und „Bei einigen Frauen…“ und „Ob das so ne gute Idee war…“, sagen sie im Chor. Mein Kopf explodiert kurz und dann bin ich raus.

Später spreche ich mit einem Kollegen über eine Nachricht zum Thema Frauen in Führungspositionen.

– Na, das wird diesen rückständigen Konservativen da drüben ja nicht passen, sage ich und fuchtele in Richtung der Hexenverbrenner.

Der Nerd ist entrüstet.
– Hast du mich grade als rückständigen Konservativen bezeichnet?, fragt er.

– JAHAA, du wolltest vorhin auch noch Frauen verbrennen.

– Aber doch nur dich!, sagt er entsetzt. Und ich will dich nicht als Frau verbrennen, sondern als Individuum! Ich bin ein Mörder, aber doch kein Sexist!

Alles klar, schmeißt den Scheiterhaufen an! Es ist politisch korrekt.