Troll dich!

Der Arbeitsgatte und ich haben uns in den letzten Wochen wenig gesehen. Erst hatte ich Urlaub, dann hatte er Urlaub, dann habe ich Wochenenddienste abgebummelt…

Jedenfalls sind wir nun wieder vereint und er ist… anhänglich! Gibt mir Kaffee aus, füttert (!) mich mit Kuchen (nicht etwa: stellt mir Kuchen hin, sondern schiebt mir die Gabel – seine Gabel – in die Fresse), nötigt mich, seinen Bart zu flauschen, schreibt mir liebevolle Nachrichten und eigentlich grabbeln wir ständig aneinander rum.

Und er hat ständig sowas parat wie: Ficken? … Da träumste von, was?

Mein Hase, nein, ich träume nicht davon. Aber prinzipiell hätte ich nix gegen ficken. Aber dann mach halt auch! Trau dich einfach, ziehs durch! Aber wenn dus doch nicht ernst meinst, verzieh dich einfach!

So eine Energieverschwendung.

Grmpf.

(Mal ganz abgesehen davon, dass ich gerade wirklich schlimm doll untervögelt bin. Das ist einfach seelische Grausamkeit!)

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Musik-nackich

Drei Wochen der himmlischen Ruhe und des produktiven Arbeitens sind vorbei – das fette Arschloch der stellvertretende Chefredakteur ist aus dem Urlaub zurück.

Schon bevor er den Raum betritt, stopfe ich mir die Ohren mit Kopfhörern, alle seine Gesprächsversuche lenke ich gekonnt und auffällig auf meinen armen Kollegen M. ab, ich egoistisches Schwein.

Ich tue so, als ob ich arbeite – auf Anraten des Betriebsrats krümme ich praktisch keinen Finger mehr – bringt eh nix, solange die Personaldecke derart anorektisch ist – und höre Musik.

Etwas, was ich außerhalb des Autos nur noch selten tue, da ich nach meinem Studium die Schnauze von Kopfhörern gewaltig voll hatte und auch gar keine Geräusche direkt aufm Ohr mehr ertrug…

Jedenfalls gebe ich mich so ganz der Musik hin, weil alles besser ist als das störende Gelaber von Fetti und stelle mal wieder fest: All die gute Musik in dieser stunden- wenn nicht gar tagelangen Playlist lässt mich an No. 3 denken. Egal wie oft ich auf weiter drücke. Alles behaftet mit Gedanken – und wieder nicht an das unfassbare Arschloch, das er ist, sondern an den heißen, wilden, zärtlichen Typen von ganz damals, der für die 16-Jährige in mir Kryptonit ist. Den Typen, der schon längst nicht mehr existiert.

Jetzt ist ja nichts gegen schöne Erinnerungen einzuwenden, nur: Ich denke dann auch immer an seinen Körper, seinen Geruch, das Gefühl von seiner Haut unter meinen Händen. Und ich weiß, dass diese drei Dinge nur eine kurze Nachricht weit weg sind. Noch diese Woche könnte ich wild mit ihm vögeln. Und wahrscheinlich würde ich ihn direkt im Anschluss wieder einen Kopf kürzer machen wollen.

Mein Kopf ist sowas von durch mit diesem Typen, aber mein Körper irgendwie nicht. Und schon erst recht nicht mein Musik-Gedächtnis.

Mir bleibt keine Wahl: Ich brauche einen neuen Musik-Geschmack…

Bleibender Eindruck

No. 1a zeigt ihrem neuen Stecher ihre Geburtsstadt Lübeck. Ich schlappe als nörgelnder Sidekick nebenher (diese Stadt und ich, wir werden nie wieder auf einen grünen Zweig kommen).

Sie erklärt ihrem Typen aus der Provence die Geschichte von der Marienkirche und dem Teufel. Und dass es Glück bringen soll, die Teufelsfigur vor der Kirche anzufassen. Er piekst den Teufel halbherzig in den Oberarm. Ich erläutere ihm vor einer kompletten französischen Reisegruppe in meinem breitesten Bauernquébécois: Naaan, faut qu’t’touches icitte! und lange der Figur in den Schritt. Kichern und betretenes Schweigen. Er guckt sich völlig ungerührt noch mal den Teufel an und sagt: Sieht aber an den Hörnern viel abgegriffener aus als im Schritt… Aber da gefällts ihm sicher VIEL besser!

Am Ende findet er auch noch, ich hätte viel mehr Klasse als No. 1a – weil ich nach dem Verzehr eines Salmi-Lollis nicht wie sie überall Schokolade im Gesicht hatte…

Möglicherweise kann man mit dem Typen fast vielleicht ein bisschen arbeiten…

Nö. Nönönö.

Der Nerd ist seit seinem Wochenende in Berlin ganz weit weg. Lässt sich auf keinen Schweinkram mehr ein. Gevögel grad nicht abzusehen.

Als No. 3 ankommt und fragt, ob ich diese Woche Zeit habe, scheint sich einfacher, schneller Sex anzubahnen. Harter Sex wie ich ihn mag. Sex ohne Austarieren wie der andere tickt. Einfach losficken.

Und dann denke ich an unsere letzte Begegnung und denke: nein. Neinneinneinneinnein.

Leck mich! Am Arsch, nicht der Muschi. Einfach nein!

Da lieber keinen Sex.

Post von No. 5

Ich brauche ein paar Tage, um die Nachricht von No. 5 im Spamfilter zu entdecken. Ich brauche mehrere Stunden, um sie zu entschlüsseln.

Ich werde wohl noch lange brauchen, um zu begreifen, was er wohl damit bezweckt.

Ich meine, was denkt er denn? Dass ich nach all den Jahren plötzlich doch wieder beschließe, mit ihm zu reden? Dass alles wieder exakt so wird, wie es mal war?

Wie soll das denn gehen?

Ad acta.

Seit Wochen versucht der Nerd mich dazu zu überreden, mit ihm im See baden zu gehen. Nackich natürlich. Und natürlich soll es wohl kaum beim Baden bleiben.

Seit Wochen sage ich nö.

Weil ich aber JETZT doch sehr dringend, sehr viel vögeln will, sage ich heute: Lass uns im See baden gehen. Von mir aus auch nackich. Und mal sehen, was dann kommt.

Er windet sich. Gar nicht mal so überraschend. Die Arbeit, das Wetter und so. Und überhaupt, was denn jetzt eigentlich mit den Nacktfotos sei? Danach hat er bereits mehrfach gefragt und ich fragte jedes Mal zurück, ob er irgendwie auf den Kopf gefallen sei.

Jetzt könnte er das ganze Darf man das? ganz in echt nackich haben und er fragt nach Bildern…

Ich lutsche aufreizend an Erdbeeren und Süßigkeiten.

Er schwurbelt rum.

Ich mache Feierabend und es fängt an zu schütten. Ich frage ihn, was denn wohl eine Alternative zum Baden wäre. Er für seinen Teil sitze im Zug nach Berlin schreibt er.

Wo er halt so hinfährt, gelegentlich, am Wochenende. Zum Rumvögeln.

Ich würde mal behaupten, damit sind wir quitt

Karma in 3, 2, 1

Während die beiden Jungchen bei der Arbeit noch ihr Balzgefieder strecken, wandert mein unsteter Geist bereits weiter.

Es ist ja ganz nett für mein Ego, dass sie sich so ins Zeug legen, aber mich sehnt es schon lange nach Leidenschaft und Lust und dieses Prickeln. Beim Knutschen gegen die Wand gedrückt und dann aufs Bett geschmissen werden, Aufregung und Funken und ich hab irgendwie zu viele Filme gesehen. Ich will halt grad nen Mann und keine Gockel.

Und so habe ich schon ein neues Objekt der Begierde parat, sehr männlich und sehr leidenschaftlich wie mir scheint. Jemand, der schon vor Längerem mal freundlich mit dem harten Schwanz bei mir angeklopft hat und den ich damals noch wegen „Verzeihung, wer sindn Sie und was wollen Sie von mir?“ freundlich, aber deutlich weggeschickt habe. Der das freundlich und sehr männlich hinnahm und sich zurückzog.

Was blieb war ein freundlich zugewandter loser Kontakt, der – ich weiß nicht genau wann und warum – zuletzt wieder enger wurde. Also fühle ich freundlich an und bekomme ein freundliches, aber sehr deutliches „NÖ“ zurück. Auer, mein Ego. Nicht, dass ich ihn nicht verstehe. Im Gegenteil. Es wäre exakt meine Reaktion gewesen. Sehr männlich, meine Spielchen nicht mitzumachen.

Ich bin verletzter, als ich zugeben mag und ein bisschen eingeschnappt. Aber Hauptsache, ich reg mich über die Schuljungs bei der Arbeit auf. Alles klar, Frau Ich-bin-ja-so-erwachsen-Fragezeichen.

Es schmollt und möchte ein bisschen mit dem Fuß aufstampfen…

Ich fühle mich ein bisschen wie auf der Jobsuche. Natürlich könnte ich es überall probieren, wahrscheinlich hätte ich sogar ziemlich schnell Erfolg. Aber wenn ich mich auf irgendwas einlasse, ist die Wahrscheinlichkeit ziemlich hoch, dass ich nach kurzer Zeit denke: Meh, das hatte ich aber schon besser. Ich bin gerade schon irgendwie mehr auf etwas aus, mit dem ich es ein bisschen länger aushalten könnte. Aber wenn man doch mal was findet, was einem passen würde, ist man nicht gut genug…

Aaaach, mein Ego…

*humpelt ab*