Das Wort zum Samstag

Leute schicken Nacktfotos von einer Frau an die Redaktion. Verweisen auf ihre Vergangenheit als Escort. Es ist eine Kollegin – von den Leuten, die uns die Bilder schicken. Eine Frau, die sich ehrenamtlich politisch engagiert. Man schickt uns die Bilder, damit das auch ja öffentlich wird. Um sie zu diskreditieren.

Ganz unabhängig davon, dass ich die politischen Überzeugungen der Frau nicht teile: Was für Arschlöcher! Sowas Asoziales. Natürlich Typen. Die NATÜRLICH eine blütenweiße, klinisch reine Weste haben. Nicht.

Was ich unfassbar finde: Dass Nacktbilder immer noch geeignet sind, um einen Skandal auszulösen. Also bitte. Wie 1950er ist das denn? Sollten wir nicht längst darüber hinweg sein? Ich hätte jetzt zu gern eine Studie dazu, wie viel Prozent der Bevölkerung unter 60 schon mal Nacktfotos von sich gemacht haben. Oder haben machen lassen. Und was genau ist denn bitte an Nacktheit verwerflich? Jedes Werbeplakat ist heutzutage expliziter als die Fotos dieser Frau. Die hatte sogar noch nen Schlübbi an…

Ich frage mich, wie man auf Nacktbilder eines Mannes reagieren würde… Nur: Würden diese überhaupt zum selben Zweck verschickt?

Lustigerweise wird sich ja auch vor allem in konservativen bis rechten Kreisen über sowas aufgeregt. Und ausgerechnet von denen (bzw. deren Mitstreiterinnen) tauchen dann so Bildchen auf. Ich will ja keinem was unterstellen, aber kann mal einer die sozialen und politischen Überzeugungen von Dick-Pic-Versendern untersuchen…? Also, ich habe da so Vermutungen…

Dass eine Escort-Vergangenheit immer noch geeignet ist, einen Skandal auszulösen. Wie 1960er ist das denn? Natürlich kann man argumentieren: Sie hätte das einfach nicht verheimlichen dürfen und sich nicht so ein Saubermannimage geben dürfen. Klar ist das blöd, sowas kommt IMMER raus. Die klügere Variante ist, zu sagen: Ich hab da mal sowas gemacht. Ende. Ich würde nicht mal sowas anhängen wie: Ich war jung und brauchte das Geld. Oder: Heute würde ich sowas nicht mehr machen. Drauf geschissen, von mir aus können die da immer noch Bock drauf haben. Was ich nicht verstehe: Warum hat man ein Schmutzigmannimage, wenn man sowas macht oder gemacht hat? Sollten wir darüber nicht auch hinweg sein?

Seufz.

Übrigens haben wir uns in der Redaktion auch nicht mit Ruhm bekleckert. Zwar waren wir immerhin anständig genug, die Bilder nicht zu veröffentlichen (klopfen wir uns doch mal bitte gaaanz fest auf die Schulter 🙄). Aber rumgezeigt wurden sie schon. Und während ich noch meinte: Hm, wenn man damit Geld verdienen will, hätte man sich schon ein bisschen Mühe geben können; haben sich die Typen auf allerfeinstes Bodyshaming verlegt.

So nett.

🙄

Karma

No. 3 kommt ja immer mal wieder mit „ichvermissdichso“-Mimimi. Ich bin vor ein paar Wochen aus reinem Eigennutz son bisschen drauf eingegangen, weil ich am Freitag relativ früh am Flughafen in Berlin sein muss und ich deshalb dort übernachten möchte.

HALLO, Fuckboy.

Dann hab ich ihn also ein bisschen lauwarm köcheln lassen, um ihm dann mitzuteilen: Sorry, die J. kommt auch schon am Vorabend nach Berlin, ich schlafe dann mit ihr. Byebye.

„Warum hast du mir denn überhaupt erzählt, dass du nach Berlin kommst, wenn du mich gar nicht sehen willst?!“ und lauter derlei verbales Fußaufstampfen. Ausgiebig.

Ach, ich habs ja verdient.

ZZzzzexy

Er liegt nackich im Bett und sein Schwanz steht stramm. Ich renne und mache Zeug. Er fordert mich mehrfach auf, mich dazuzulegen.

Ellich? Können wir das nich woanders machen? Aufm Fußboden, aufm Tisch, aufm Balkon von mir aus? Weil, wenn ich mich jetz ins Bett leg, schlaf ich ein!

Er besteht drauf.

Ich krieche ins Bett, spüre seinen stahlharten Schwanz an meinem Bein, spüre Lusttropfen an seinem Bein, spüre seinen erregten Atem an meinem Gesicht…

WÄMMM, Traumland.

Ich habs ihm ja gesagt…

Eine sehr glaubwürdige und eine sehr romantische Geschichte

Keine Sorge, sagt er, wir brauchen kein Kondom. Ich habe eine Hausvasektomie gemacht. … Ich habe in dieser sehr warmen Hose geschlafen und durch die Wärme sind meine Eier gekocht worden. Jetzt bin ich steril. … Ehrlich, wir sind safe! ABER, sagt er dramatisch, das hält nur für einen Tag! Wir müssen die Chance nutzen!

Er kommt vom Klo und sagt: Ich bin jetzt ganz sicher. DU bist die Frau, die ich heiraten will! – Ach, und das ist dir beim Scheißen eingefallen? – Nein, beim Spülen. Als ich so dem Strudel hinterherguckte, da wusste ich es einfach!

Männer und Frauen

Das stilltiefe Wasser M. und ich sind ein saugeiles Team. Seit wir zusammenarbeiten, hat sich die Reichweite der Homepage verdoppelt. Mindestens. Wir sind die geilsten Klicknutten in der Hütte. Wir sind praktisch die (vernachlässigte) Online-Redaktion und wir sind gut. Wir machen 17 Sachen gleichzeitig, mehr als jeder andere Redakteur. Wir treffen pro Tag etwa 1780 redaktionelle Entscheidungen (grobe Schätzung), mehr als jeder andere Redakteur. 99 % unserer Kollegen und 100 % unsrer Chefs haben keine Ahnung, was wir tun. Alle sehen nur: Läuft.

Wirklich alle?

Mein Vorgesetzter kommt angewatschelt und will, dass ich sofort dies und jenes tue. Kann ich machen, sage ich, ist halt kacke für die Reichweite. Ich erkläre ihm ausführlich die Gründe. Will er mir nicht glauben. Das stimmt doch gar nicht, sagt er. Emm, doch, sage ich. Aber woher willst du das denn wissen?, fragt er. Das hat einfach die Erfahrung gezeigt, sage ich. M. stimmt mir zu. Alle Kollegen, die auch mal online mitarbeiten, gucken peinlich berührt in die Luft. Mein Vorgesetzter mault: Wir müssen auch mal aufhören, an alten Verhaltensmustern festzuhalten!

Weil er in letzter Zeit mit permanentem Gemaule und unerträglicher Arroganz auffällt, da noch die Sache mit der Unperson ist und das mit meinem PMS, ist mein Geduldsfaden extrem kurz. Ich ärger mich täglich über irgendeine dumme Scheiße. Natürlich stört es mich da überhaupt nicht, wenn man meine Kompetenz anzweifelt und übergeht, sich Argumenten gegenüber taub stellt und um jeden Preis seinen Willen durchsetzen will – ohne eine Ahnung zu haben.

Ich hätte seinen Wunsch (zähneknirschend) in meine redaktionelle Planung einbauen können, ohne dass es was kaputt macht (außer meiner Stimmung und meiner sehr guten ursprünglichen Planung). Stattdessen mache ich es genau so, wie er es gerne wollte. Bitteschön. Wer nicht hören will…

Ich knirsche eine angemessene Zeit lang mit den Zähnen, dann gehe ich vor die Tür und knurre meinen Unmut in den Park. Verdrücke ein paar Wuttränen. Der Nerd taucht auf. Unser mehrfach preisgekrönter Starreporter. Knuddelt mich. Versucht zu verstehen, warum alles so dermaßen eskaliert ist. Und sagt: Ich weiß, dass kein Arsch meine Artikel lesen würde, wenn es dich nicht gäbe. Naja, sage ich, M. ist ja auch noch da. Jaaaa, sagt der Nerd. Aber der is so… weiblich. Der haut nich so auf den Tisch wie du und sagt: So machen wir das jetzt. Der is nich son Kerl wie du!

(Mein Vorgesetzter räumte übrigens am nächsten Morgen M. gegenüber seinen Fehler (der mit einem 3-Sekunden-Blick auf die Zahlen ersichtlich wurde) ein. Zu mir sagte er nichts.)