Weil isso

Denn – ihr wisst wie’s ist: Man kann nie oft genug am Meer sein.

Deswegen also diesmal: Hiddensee.

IMG_1244

Da ganz hinten links auf Rügen musste das Auto schlafen. Es hat sicher sehr gelitten…

Seele ausputzen und so. Muss natürlich am kältesten Wochenende des Jahres sein. Wenn man lang genug geprügelt vom Eisregen vonne Seite hin und her radelt, spürt man die Beine nicht mehr. Für Sie getestet. Dann merkt man auch nicht mehr so, wenn man sich selbst einen schweren Wälzer überbraten muss, weil man erst diesen Herrn Wikipedia konsultieren muss, damit einem wieder einfällt, warum man eigentlich diesen Gerhart Hauptmann kennen muss…

Wie man wieder warm wird: Einen totalen Anfall kriegen, wenn man bis zum Leuchtturm hochgekeucht ist, artig das Rad abschließt und dann mit dem Schlüssel das komplette Schlossinnenleben rauszieht. (Ich stelle fest: Wenns drauf ankommt habe ich durchaus Panzerknackerpotenzial.)

IMG_1249

Hmm, Leuchttürme… Ich komischer Mensch fand das auch noch toll, dass die ganze Nacht der Wind pfiff und der Turm in mein Zimmer leuchtete…

IMG_1259

Karibik on ice…

Werbeanzeigen

HA!

Als ich die Suche schon aufgegeben hatte, am unwahrscheinlichsten aller Orte, an dem ich im Fort Niebla ausnahmsweise grad Bildungsprogramm gemacht habe (beziehungsweise Auffrischungsprogramm von all dem Kram den ich in den gefühlt 173 Vorlesungen und Seminaren zur Geschichte Lateinamerikas gelernt habe (ok, es waren 4 plus meine Masterarbeit…)): Weißbauchdelfine!

toninas

 

Man beachte die weißen Bäuche!

Heaven is places on earth

Ich habe eine ganze Weile überlegt, ob ich von der vergangenen Woche schreiben soll oder nicht. Man kennt ja diese Geschichten von Orten, die voll im Arsch sind, weil irgendwelche fancy Blogger drüber bloggten. Nun bin ich kein fancy Blogger, aber trotzdem. Ich will am Ende nicht Schuld sein…
Ich hatte vor vielen Jahren das wahnsinnige Privileg, dass mich jemand an einen unfassbar schönen, nur mit einem Boot und auch damit nur schwer zugänglichen Ort mitgenommen hat, den damals nur Einheimische und ihre Gäste aufsuchten. In letzter Zeit kommen auch Touristen dahin – zwar noch sehr, sehr wenige, weil man weiter jemanden kennen muss, der jemanden kennt, der den Kontakt zu den Leuten mit dem Boot herstellt. Dennoch merkt man die Veränderung. Natürlich handelt es sich – wie praktisch überall – um ein empfindliches Ökosystem und eine ebenso empfindliche Sozialstruktur. Außerdem sind es Leute aus der Stadt, die an dem Spaß verdienen – nicht die Einheimischen, denen das Land gehört und die praktisch alle Indigene sind. Ich habe erlebt, dass Prinzessinchen aus Santiago, die auf Abenteuer-Trip im Süden waren, nicht mal in der Lage waren, dem Mann, der den schönsten Aussichtspunkt zugänglich gemacht hat – wenn man das einen Zugang nennen möchte:

img_3130

Einer der eher besseren Wegabschnitte…

und eine Plattform gebaut hat, damit man sich nicht in den Tod stürzt, die 2000 Pesos zu geben, die er dafür verlangt, dass man seinen Hof betritt.
Ich habe mich dafür entschieden, die Namen der Orte für mich zu behalten. Auch Fotos von auffälligen Landmarken werde ich euch vorenthalten. Ist dann nur halb so schön, aber jut. Dieses böse Internet…

An einem sonnigen Tag im Süden schlappe ich mit Sack und Pack zum Überlandbusbahnhof. Ich steige in den Minibus, der gen Küste fährt, schmeiße meinen Rucksack in die erste Reihe zu dem Sack Kartoffeln, den zwei Rollen Stacheldraht und den zwei Hackenporsches, nehme weiter hinten Platz und lasse mir von fliegenden Händlerinnen erst ein Brombeer- und dann ein Chirimoya-Eis andrehen, bevor es endlich losgeht.
Der Bus zuckelt aus der Stadt hinaus, dröhnt im ersten Gang die Hänge hoch, bis der Motor komisch riecht und rauscht die Hänge wieder runter, bis die Bremsen komisch riechen. Zwischendurch sammelt der Busfahrer Leute vom Straßenrand auf, wartet auf den Herren mit der Sextanerblase, liefert die Kartoffeln aus und plaudert mit Bekannten, die einsteigen und ein paar Kilometer mitfahren.
Wir fahren erst an einer Reihe von Bauernhöfen vorbei, dann wird der Urwald dichter und nur noch von ein paar Häusern mit gerade genug Wiese für die zwei Pferde, die Kühe, ein paar Schafe, ein Schweinchen und das Ochsengespann, die man hier so hat, wenn man auf dem Land wohnt, unterbrochen. Ein Torbogen weist darauf hin, dass man sich auf Mapuche-Gebiet befindet – wenn man das noch nicht anhand des Aussehens von Busfahrern und Fahrgästen erraten haben sollte…
Die Straße wird rumpeliger und schließlich schraubt sich der Bus hinunter in einen winzigen Hafen in einer winzigen Bucht. Dort schmeißt der Fahrer alle mit Sack und Pack raus, schließt sein Vehikel ab und geht frittierten Fisch essen.
Ich schultere mein Marschgepäck und hoffe auf ein Sammeltaxi, denn ich muss den nächsten Berg hoch und dann auf der anderen Seite wieder runter – mein Ziel liegt in der Nachbarbucht. Da, wo nur wenige Auswärtige hinkommen, weil man praktisch nicht baden kann (1. weil der Humboldtstrom das Wasser schweinekackenkalt macht, 2. fiese Strömungen rumströmen und 3. weil die Wellen viel zu heftig sind. So sieht das an einem fast windstillen Tag aus:

20190116_145030

Ein Darf man das? = 1,64m

Deswegen können auch nur in der Nachbarbucht Boote ein- und auslaufen – und das auch nur bei ablaufendem Wasser. Auch die Straße hat schon mal bessere Zeiten gesehen – Wind, Wetter, der Ozean und die Erdbeben hinterlassen Spuren. Immerhin ist sie schon asphaltiert und damit ganzjährig passierbar, das ist eine jüngere Entwicklung.) Da, wo dieses Internet nicht so richtig angekommen ist und auch das Handysignal kaum hinkommt. (Der coole Jorge kriegt auf seinem supercoolen Schmartfon bei gutem Wetter einen Streifen hin und manchmal sogar 1G, wenn er es im oberen Stockwerk des Hauses auf dem Berg aufs Fensterbrett legt, leicht angewinkelt mit einem Schuh fixiert. Dann teilt er sein G mit allen und ist der Held.)

Begegnet man dann unterwegs diesen Kollegen:

weiß man, man ist auf dem richtigen Weg. Die Tiere gehören einem alten Mapuche, der oben auf dem Berg wohnt und auf wundersame Weise immer weiß, wo sie sich gerade herumtreiben…
Am Ende der Straße geht es dann wieder den Berg hinauf. Und jedes Mal, wenn ich die 383 Stufen hinaufstiefele, verfluche ich den Tag, an dem ich den Mann kennenlernte, in dessen Elternhaus ich die nächsten Tage verbringen werde. „Den Müll runterbringen“ bekommt hier eine ganz neue Dimension. Dafür wird man mit dieser Aussicht belohnt:
img_3384
Und man kann ohne schlechtes Gewissen alle Empanadas und Milcaos und Kuchen essen, die man will, schließlich rennt man mehrmals täglich 383 Stufen rauf und runter…

Hier, wo die Rabengeier kreisen, die steinharten Langschnabelsittiche krächzen, die Hauszaunkönige vögeln, die Pelikane vorbeidonnern und die Pinguine planschen, kurz gucken und abtauchen, wo der Ozean Tag und Nacht rauscht und donnert, sitze ich stundenlang da und warte darauf, dass Wale oder wenigstens ein paar Weißbauchdelfine vorbeiziehen (tun sie natürlich nie, wenn ich da bin, aber spätestens übermorgen tauchen sie auf, da geh ich jede Wette ein.), liege nachts am Strand und starre in den unvergleichlichen südlichen Sternenhimmel, kühle meine Füße im Pazifik tief, führe profunde Gespräche mit den streunenden Hunden und fühle mich wie Pablo Neruda (der zwar viiiiiele hundert Kilometer weiter nördlich gelebt hat, aber ach…). Einer der inspirierendsten und entspannendsten Orte, die ich kenne.

An einem windstillen Tag mache ich mich dann am frühen Morgen auf zum Hafen im Nachbarort, besteige das Boot von Juan Luis, er schmeißt den Motor an und selig vor Wiedersehensfreude schweigen wir uns die nächsten zwei Stunden an,

bis wir schließlich durchgeschüttelt von der Brandung in den Fluss einfahren und dann in seinem winzigen Dorf ganz ohne Straße, ganz ohne Laden, ganz ohne Warmwasseranschluss und so anlanden.

img_3041

img_3061

Wo der Puma frühstückt.

img_3070

img_3089

Wassertemperarur: Einstellig. Reicht zum Baden? Darf man das? sagt ja.

img_3098img_3121img_3128img_3170

Es macht mich auch diesmal sprachlos und demütig. Und traurig: Bald werden die Menschen dort sich nicht mehr so freuen, wenn Gäste kommen und sie ungefragt mit ihren Waldkräutern gegen den aus Schland mitgebrachten Husten versorgen. Der Strand so einsam sein und nachts so eine himmlische Ruhe herrschen. Ja, die Touristen bringen einen zum Lachen. („Wird es am 17. regnen?“ Hrhrhr. Puppe, wir wissen nicht mal, ob es um 17 Uhr regnen wird. Wahrscheinlich ja, irgendwann im Laufe des Tages. Die Luft ist heiß, der Sand glüht, das Meer ist eiskalt, das Wasser verdunstet, der Dunst bleibt an den Bergen hängen, zack, Regen. Physik für Volltrottel.)

img_3229

Guckstu hier.

Aber sie bringen auch Getrampel und Müll und Selfies. Noch gibt es nur zwei kleine Boote, die nur einmal am Tag fahren können – der Gezeiten wegen. Doch man baut an einer Straße…
Wer weiß, ob ich den Flecken Erde wiedererkennen werde, wenn ich das nächste Mal dort aufkreuze. Ich fühle mich ein bisschen schlecht, als ich in „meine“ Bucht zurückkehre (übrigens vollständig kuriert vom Husten). Auch ich bin nur eine olle Touristin…
Und bin umso dankbarer, dass ich diese Orte so kennenlernen durfte, wie sie waren.

Ich heule jedes Mal Rotz und Wasser, wenn ich Chile verlasse. Diesmal heule ich schon, als ich in den Bus zurück in die Stadt steige. (Der arme Mensch, der im Flieger neben mir sitzen wird…)

Ach Chile…

Und nun das Fazit.

Normalerweise beginne ich um diese Jahreszeit das große Gemaule. Alles schlimm. Dieses Jahr ist so vieles anders.

Ja, schlimm: Die Oma ist gestorben. Die Eltern sind total ausgeflippt. Die Muddi ist im Krankenhaus verschollen (es ist übrigens fast GAR NICHT stressig, wenn man nach einer riskanten OP nix von der Muddi hört. Für euch getestet.) Ich war ewig totsterbenskrank.

War schon doof.

Dafür bin ich endlich umgezogen. In eine zwar abgelegene, aber doch sehr, sehr nette Gegend. Am See. Herrlich.

Ich habe endlich einen neuen Job. Der ist jetzt zwar nicht das Anspruchsvollste, was ich tun könnte, dafür habe ich Spaß. Mit meinem geliebten G. Dem schönen L. Dem fabelhaften F. Dem stilltiefen Wasser M. Dem uncharmanten Herrn B. Dem fetten (seine Worte!) G. Dem völlig irren Chef. Und ja, irgendwie auch dem Nerd. Hassliebe. Meine verrückten Jungs…

Ich war viel unterwegs. In Polen und auf Usedom. In diesem komischen Sachsen. In Russland. In Norwegen. Beim Schneewittchen hinter den sieben Bergen. Auf Rügen. Und auf Usedom – und dann auch gleich wieder in Polen. In München. Und eh dauernd in Hamburg und in Schleswig-Holstein. Und ja, auch in Berlin. Und am Mittwoch geht’s gleich weiter mit diesem Unterwegs.

Ich war viel am Wasser. Hier am See. An der Ostsee überall. An der Nordsee, am Nordmeer, an der Barentssee. Am Stettiner Haff. An der Elbe, der Oder, der Moskwa, der Newa, der Isar, dem Siebenbergebach.

Ich hatte viel Sonne. Schon allein wegen diesem irren Sommer. Und der Mitternachtssonne in St. Petersburg. Und der Mitternachtssonne in Norwegen. Nehm ich mehr von. Diese Woche noch 🙂

Ja, doch, war ganz ok, dieses 2018. Wer hätte das gedacht. Nur das mit dem Sex war irgendwie… Lassen wir das…

Was will ich von diesem 2019? Mehr Unterwegs! Chile ist klar, geplant sind Buchmesse und endlich, endlich wieder Batzelooona. Vielleicht Portugal? Auf jeden Fall zur Eheschließung des liebsten Exkollegen. Und irre viel Hamburg. Und was immer noch so anfällt 🙂
Im Job: Mal sehen, wie der Chef sich rührt. Er hatte ja „Großes“ mit mir vor. Ich habe eine Ahnung, was er plant, DEN Zahn muss ich ihm ziehen. Ich habe einen anderen… Wir werden sehen… Vielleicht wird’s dann weniger schimpansig…
Und das mit diesem Sex… lassen wir das. Ich bezweifle, dass das unter diesen Vorzeichen noch was wird.

In diesem Sinne: Frohes Neues!