Ach watt!

Meine Freundin J. und ich schlurfen über die Buchmesse. Ich kommentiere einen ausgestellten Gegenstand. Ein Typ antwortet auf meinen Kommentar. Wie ich sowas hasse. Ich gebe eine schnippische Antwort, schließlich war er nicht gemeint. Kurzes Ich-muss-das-letzte-Wort-haben-Gefecht. Bis ich endlich irgendwas brumme und nen Abgang mache.

J. schimpft wie’n Rohrspatz, man könne ja auch mal weiterflirten und nich einfach so muffelig abhauen.

Und ich denk: Wenn datt n Flirt sein sollte, dann habe ich schon sehr, sehr viele Männer eiskalt stehen lassen. Und ich überlege mir kurz, ob mir das jetzt leid tut… Hmmm… Nein.

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Menschliche Scheißigkeit

Ich neige ja dazu, die Schuld bei mir zu suchen, wenn zwischenmenschlich irgendwas schief läuft. Ich weiß: Ich bin nicht der einfachste Mensch. Ich bin zickig. Ich bin aufbrausend. Ich bin egoistisch. Ich bin ungeduldig. Ich bin schnell gekränkt. Ich habe nicht das beste Gespür für Ton und Timing. Ich bin oft viel zu offen und direkt. Ich drücke mich oft nicht klar genug aus. Es ist einfach nicht leicht, mit mir umzugehen und ich stehe schnell mal bei jemandem auf dem Schlips. Wenn es also knirscht und knallt, ist die Wahrscheinlichkeit gar nicht mal so klein, dass es an mir liegt.

Im Moment habe ich allerdings mit so viel menschlicher Scheißigkeit zu tun, dass ich sagen muss: Ich kann halt auch nicht an allem Schuld sein. Ich kann nichts für die Arroganz anderer Leute. Ich kann nichts für ihre Selbstüberschätzung. Ich kann nichts für ihren Tunnelblick. Ich kann nichts für ihre Kritikunfähigkeit. Ich kann nichts für ihre Dummheit.

Ich bin auch nicht dafür verantwortlich, dass jeder immer alle Infos hat. Ich muss auch nicht jedem und allem immer hinterherrennen. Ich muss nicht vermitteln.

Wenn die Leute aufgrund ihrer eigenen Fehler, Unzulänglichkeiten und Irrtümer meinen, sich scheiße Verhalten zu müssen: bitte. Aber ich bin raus.

Menschen… 🙄

Waldschrat deluxe

Menschen…

Ich finde sie gerade alle besonders nervig. Ich bin daher auch besonders giftig und möglicherweise befinden wir uns in einem Teufelskreis.

Ich nehme gerade auch alles besonders persönlich. Sag mir „das Gras ist grün, der Himmel blau“ und ich finde einen Weg, es an Kritik an mir zu empfinden und höchst verletzt zu schmollen.

Ich möchte einfach nur schlecht gelaunt in meiner Ecke sitzen und mich in Ruhe ärgern, aber man lässt mich einfach nicht.

*stülpt sich den Sack übern Kopf und ab*

Kommt es doch auf die Länge an?

Erinnert ihr euch an meinen Nachbarn aus der Hölle? Den Helene-Fischer-Fan?

Seit dieser wahrlich traumatisierenden Erfahrung der monatelangen Musik-Folter reagiere ich sehr empfindlich auf Lärm im und ums Haus. Gerade, wenn ich versuche, zu schlafen, und vor allem, wenn ich Frühschicht habe, bin ich da reichlich dünnhäutig. Mein Körper hat ein beeindruckendes Stressgedächtnis…

Über mir wohnt eine junge Frau, etwa in meinem Alter. Anfangs hatte sie Freitags immer eine Horde Freundinnen da, natürlich immer genau dann, wenn ich Wochenenddienst hatte. Lautes Gegacker. Warum das immer im Schlafzimmer stattfinden musste… Grmbl. Nun gut, kein Vergleich zu stundenlanger Helene-Beschallung, kein Grund, ungehalten in ihrer Tür zu stehen.

Seit einiger Zeit hat sie einen Freund, der in Rekordzeit bei ihr eingezogen ist. Die beiden lachen, sie streiten und sie ficken. Und ich habe Teil daran. Besonders lästig: Das Geficke. Das – traurig für die Beiden – offenbar immer im Bett stattfindet und… wie soll ich sagen… wie sehr klischeehaftes Gerammel klingt. Das Bett macht wumms wumms wumms wumms, sie macht oh oh oh oh… und ich liege übernächtigt da und denke: Och Kinners. Geht das zu weniger nachtschlafenden Uhrzeiten?

So manches Mal war ich versucht, klassisch zum Besen zu greifen oder wie eine alte Gewitterziege durch den Lüftungsschacht zu brüllen.

Aber warum so viel Aufregung: Nach spätestens fünf Minuten kommt regelmäßig das finale Ooooooh und die Sache ist erledigt. Und mein Ärger verfliegt in: Das arme Mädchen…

Observen

Ich hab das schon ewig nicht gemacht. Das, was No. 1a und ich in unserer Adoleszenz in Anlehnung an das französische Wort „observer“ „observen“ nannten.

Einfach dasitzen und Leute beobachten. Ganz frech gaffen. Uns unseren Scheiß dazu zusammenreimen. Stundenlang.

Heute saß ich stundenlang nutzlos an Flughäfen rum. Und observte.

Ich speichelte ein bisschen ob der Schönheit der wunderschönen Portugiesin am assistance centre. Und fragte mich, warum sie diesen komischen gelben Nagellack trug, der so gar nicht zu ihrem Teng passte.

Ich schämte mich fremd, wann immer deutsche Touristen vorbeizogen. Die erkennt man ja meist gleich, nicht nur an den Socken in den Sandalen, sondern auch daran, dass sie sich immer lautstark über irgendwas beschweren. Möglichst über etwas, was in dem Land, in dem sie sich befinden, einfach normal oder sogar gewünscht ist. Null Kultursensibilität. 🙄 (Beschwerte sich die Deutsche lautstark über die Deutschen.)

Ich sah alte Herren, die sich besorgt um ihre Gattin kümmerten, die nicht mehr so gut beieinander ist. War ein bisschen romantisiert.

Ich fragte mich, warum dieser durchtrainierte Schönling wohl irgendwann den Job aufgenommen hat, nörgelnde Opis im Rollstuhl über den Flughafen zu karren.

Und ich beobachtete immer wieder Paare. Mit Männern, die wirklich gut aussehen. Denen ich so allerhand Schweinkram im Bett zutraue. Die eine gewisse sexy Autorität ausstrahlen. Und die immer wieder mit so spießig-mürrisch aussehenden Frauen rumlaufen. Mit so einem unsympathischen Zug um den Mund. Die irgendwie nicht so aussehen, als hätten sie auch nur einen Tag gelebt, sondern mehr so, als sorgten sie sich um Wasserflecken in der Spüle. Denen ich nicht mal einen Blow-Job zutrauen würde. Und dann taten mir diese Männer irgendwie leid…

Liebe Woche, ich habe leider kein Foto für dich

Amaaaaaazing-Time.

Hm.

Die Woche war so durchschnittlich wie nur irgendwas. Keine besonderen Hochs, keine besonderen Tiefs. Und das trotz Rückkehr aus dem Urlaub. War halt so. Trotz sieben Tagen Schicht am Stück. Is halt so. Trotz wichtigtuerischem Volontär. Gut, DEN WERDE ICH BALD TÖTEN, UMBRINGEN, ABSCHLACHTEN. Ommm. Und ich bin immer viel zu nett zu ihm. Grrrr.

Ich kann mich im Moment nicht so richtig für irgendwas begeistern, weil ich so furchtbar mit mir selbst beschäftigt bin. Ich bin ziemlich unzufrieden mit mir. Weil ich so undiszipliniert bin. Was das Zeitmanagement angeht, was das Essen angeht, was den Sport angeht, was die Jobsuche angeht, alles. Weil ich irgendwie falsche Prioritäten setze, mir darüber bewusst bin und doch nichts ändere.

Weil ich nicht endlich mal klar Schiff mache, was meine Kontakte angeht. Ich gebe mich derzeit mit so vielen Leuten ab, die ich gar nicht in meinem Leben haben will. Weil sie mir nicht gut tun, weil ich von ihnen genervt bin, weil sie von Anfang an ne schlechte Wahl waren. Aber statt denen einfach mal noch n schönes Leben zu wünschen, widme ich ihnen immer noch meine kostbare und nicht gerade üppige Zeit. Weil ich zu nett bin. Aus Gewohnheit. Weil ich denke, irgendwann könnte mir diese Person noch nützlich sein. Aus Gründen. So eine Scheiße. Warum denk ich so?

Auf der anderen Seite sehne ich mich nach neuen Impulsen durch neue Personen. Aber mich mal dazu aufzuraffen, Impulsgeber zu suchen, krieg ich auch nicht hin. Am Ende investier ich da nur wieder Zeit und Energie und nach drei Tagen, drei Wochen oder drei Monaten stellt sich die Person doch als Flachpfeife raus. Und dann hab ich noch sone Nase an der Backe, die ich eigentlich gar nich mehr sehen will, aber – siehe oben.

Eigentlich bin ich die Flachpfeife.

Ich habe gerade ein sehr starkes Bedürfnis nach Veränderung. Allerdings habe ich das Gefühl, dass ich da an zu vielen Fronten gleichzeitig kämpfe, keiner so richtig die Energie widmen kann, die ich ihr gerne widmen würde und so zu gar nichts komme. Ich habe ein bisschen die Hoffnung, dass ich in irgendeinem Bereich zumindest etwas Kleines ins Rollen bekommen kann und daraus irgendwann und mit Geduld mehr wird. Vielleicht habe ich auch den Veränderungen, die bereits eingetreten sind, nicht genug Wertschätzung zukommen lassen. Oder sie waren am Ende nicht so wichtig wie ich dachte. Wer weiß.

Als allererstes muss ich mit dem Nettsein aufhören.

Einfach endlich rauslassen, was ich wirklich denke. Das wird amaaaaaazing.

Auf Veränderungen!

Kleine Leben

Reihenhaus, kleiner Garten, großes Auto.

9 to 5, Wochenende, Fußball, Grillparty, immer die gleichen Nasen.

Kleine Leben, denke ich.

Arrogant.

Als wär meins irgendwie größer.