Troubanix

Wir Blumenkinder vom Dorf feiern jedes Jahr drei Tage Sommersonnenwende. So dass auch ich, die ich nach zwei Wochen Frühdienst in Folge und stundenlanger Anreise die kürzeste Nacht des Jahres – die hier im Norden ja wirklich kurz ist und auch nur so halbherzig dunkelblau wird – ausgiebig verschlafen habe, noch ausreichend mitfeiern kann.

Es ist die schönste Zeit im Jahr, wenn die Natur überbordet, das Leben explodiert, die Vögel tanzen und die Bäume singen. Sie beballert mich mit Eindrücken und Inspiration und unser Hippie-Fest gibt mir noch Kunst und Musik und barfuß tanzen und wildes Essen und liebe Menschen dazu.

Seit ich denken kann feiern wir den Mitsommer mit Menschen aus aller Welt, ihren tollen Ideen und ihren verrückten Instrumenten. Jeder malt, was er mag, wo er mag. Alle singen. Jeder kocht und wäscht und fischt die abgesoffenen Zelte aus dem Moor.

Ich schaukle, puste Seifenblasen, esse Kirschen, sitze am Lagerfeuer, unterhalte mich in vier Sprachen und irgendwas dazwischen und meine Sinne sind auf extrascharf gestellt.

Wir lachen über die Elektropunker aus dem Norden, beklatschen den rasend großartigen Drummer aus Japan und ich verknalle mich ein bisschen in den wunderschönen Bretonen, der psychedelic rock aus einer Leier (!) zaubert.

Er kniet sich da wirklich rein und obwohl es ein kühler Abend ist, muss er sich immer wieder den Schweiß von der Stirn wischen und mit jeder seiner leidenschaftlichen Bewegungen will ich ihn ein bisschen mehr vögeln.

Aber meine Mama ist dabei und mein großer Aufpasser-Bruder schwirrt da auch irgendwo rum und irgendwie bin ich da gehemmt. Und später, als ich mit bettfertig mache, ärgere ich mich. Überlege, ob mir nicht eine Ausrede einfällt, um noch mal hin zu radeln. Und dann denke ich: Ach nein, du musst ja früh raus. Und wer weiß und so.

Und ich denke wie so oft: Eigentlich genieße ich das Leben viel zu wenig. Gerade in den letzten Wochen, in denen ich viel für mich getan habe – Reitstunden nehmen, Boot fahren, im See baden, Mittsommer feiern – ist es wieder besonders deutlich geworden.

Ich bin beherrscht von Zwängen. Ein paar äußeren, aber vor allem von selbst auferlegten. Das kann ich nicht tun wegen und jenes nicht weil. Und in der Zwischenzeit werde ich älter und die Zwänge werden mehr. Und einfach sein, leben und genießen – das wird viel zu wenig.

Ich weiß es und es ärgert mich und in diesen Momenten scheint die Zeit noch schneller zu zerrinnen.

Und am Ende mach ich doch nichts anders.

Werbeanzeigen

Back to the 90ies

Was tun, wenn man krank daniederliegt und das Hirn für Leistung nicht zu gebrauchen ist? – Seichte Unterhaltung lesen. Aus meinem Fundus ungelesener Bücher fischte ich eine Anthologie aus dem Jahr 1999. Thema: natürlich der Jahrtausendwechsel. Witzig, diese 90er. Niedlich, dieser Ausblick auf die Zukunft – und diese kuriosen Ängste, die mit dem neuen Jahrtausend verbunden waren (in einer Geschichte schickt der Autor seinen Protagonisten auf Zeitreisen und am Ende landet der just im Jahr 2019 – das leider (oder zum Glück?) so ganz anders geraten ist). Und hach, dieses Internet. Gnihihi, dieses Internet. Gemaule über die „Scheiß-Medien“, inklusive Übergriff auf ein Kamerateam. Jaja, auch das war schon da, nur ohne diesen Verstärker „Internet“. Und wann haben Drogen eigentlich aufgehört, so hip und arty zu sein?

Ich bin mir nicht so sicher, ob die Welt seitdem gewachsen oder geschrumpft ist…

The obvious choice of song would be:

Aber aus Gründen gibt’s den:

Grüßchen aus den 90ern!

My beautiful picture

 

Si no me acuerdo no pasó.

Mit meinen verrückten Hermanas im heißesten Club von Temuco. Wenn in Temuco irgendwas heiß ist – außer uns. Moviendo la cadera und so.

Wir fallen auf wie die bunten Hunde, ich als Weiße und die beiden superblondierten Cs.

Wir sind nur da, um uns den Strandsand aus Puerto Saavedra wieder abzuschütteln. Das können wir auch ganz gut ohne männliche Hilfe. Dass uns geifernde Machos dabei zugucken, wie wir miteinander tanzen: Geschenkt.

Ein Typ in einem höchst geschmackvollen 90er-Jahre-Streifen-T-Shirt zieht mich besonders ausgiebig mit Blicken aus. Eigentlich warte ich nur darauf, dass er endlich mal seine Cojones zusammensammelt und mich anbaggert. Damit ich ihn eiskalt abduschen kann.

Eine der Cs schleppt mich aufs Klo und zieht mich am gestreiften T-Shirt vorbei. Der Typ macht ein Pfeifgeräusch und greift mir ins Haar.

Irgendwie ist dann halt meine Faust in seinem Gesicht gelandet. Leg dich eben nicht mit einem Dorfkind an!

Mir war eh mal nach frischer Luft… Und morgens um 4 kann man auch mal nach Hause gehen…

Adoleszenz reloaded 2

Ich habe mir ganz retro eine CD gekauft. Das erste Mal seit Jahren.
Ich schmeiße sie ein, drehe auf volle Lautstärke. Zapple rum und singe schief. Lese ein bisschen im Booklet. Lasse die Musik laufen und widme mich wieder den ernsthafteren Dingen des Lebens (ich steh ja richtig drin, nech). Lerne Vokabeln. Und habe die Stimme meiner Mutter im Ohr: Wenn du so laut Musik hörst, kannst du dich doch gar nicht konzentrieren!

Woohoool. Und sogar die Haare schütteln dabei!