Nö-rd

Der Nerd schlägt (mal wieder) einen Besuch in der Sauna vor.

Ich antworte (mal wieder), dass ich Sauna hasse.

Er ignoriert den Einwand, palavert irgendetwas und schließt mit: Also morgen 18 Uhr in der Sauna?

Ich noch mal so: Ich.hasse.Sauna. Das ist mit Schwitzen. Das ist eklig.

Ich hasse Schwitzen wirklich sehr. Nicht unbedingt das Schwitzen anderer. Ich hasse es, wenn ich schwitze.

Es gibt noch ganz andere Dinge, die dich zum Schwitzen bringen, die findest du auch nicht eklig, antwortet er.

DAS ist was ganz anderes!!!

Das eine schließt das andere ja nicht aus, meint er.

Hmmmhmm, antworte ich.

Aber du traust dich ja eh nicht, von daher…, sagt ausgerechnet er.

Du HOFFST, dass ich mich nicht traue, erwidere ich und während er noch findet, dass das eine interessante Ansicht sei, denke ich: Es liegt nicht am Trauen. Es liegt daran, dass ich mit ihm nicht will. Brrr.

Nö. Nönönö.

Der Nerd ist seit seinem Wochenende in Berlin ganz weit weg. Lässt sich auf keinen Schweinkram mehr ein. Gevögel grad nicht abzusehen.

Als No. 3 ankommt und fragt, ob ich diese Woche Zeit habe, scheint sich einfacher, schneller Sex anzubahnen. Harter Sex wie ich ihn mag. Sex ohne Austarieren wie der andere tickt. Einfach losficken.

Und dann denke ich an unsere letzte Begegnung und denke: nein. Neinneinneinneinnein.

Leck mich! Am Arsch, nicht der Muschi. Einfach nein!

Da lieber keinen Sex.

Ad acta.

Seit Wochen versucht der Nerd mich dazu zu überreden, mit ihm im See baden zu gehen. Nackich natürlich. Und natürlich soll es wohl kaum beim Baden bleiben.

Seit Wochen sage ich nö.

Weil ich aber JETZT doch sehr dringend, sehr viel vögeln will, sage ich heute: Lass uns im See baden gehen. Von mir aus auch nackich. Und mal sehen, was dann kommt.

Er windet sich. Gar nicht mal so überraschend. Die Arbeit, das Wetter und so. Und überhaupt, was denn jetzt eigentlich mit den Nacktfotos sei? Danach hat er bereits mehrfach gefragt und ich fragte jedes Mal zurück, ob er irgendwie auf den Kopf gefallen sei.

Jetzt könnte er das ganze Darf man das? ganz in echt nackich haben und er fragt nach Bildern…

Ich lutsche aufreizend an Erdbeeren und Süßigkeiten.

Er schwurbelt rum.

Ich mache Feierabend und es fängt an zu schütten. Ich frage ihn, was denn wohl eine Alternative zum Baden wäre. Er für seinen Teil sitze im Zug nach Berlin schreibt er.

Wo er halt so hinfährt, gelegentlich, am Wochenende. Zum Rumvögeln.

Ich würde mal behaupten, damit sind wir quitt

Goldig

Der Arbeitsgatte findet, es sollte mir peinlich sein, dass ich dauernd mit dem Nerd „rumschäkere“.

Der Nerd macht sich gar nicht mehr die Mühe, seine Versuche als Scherz zu tarnen. Er macht ganz klar: Er will ficken! (Wobei ich sehen möchte, wie er reagiert, wenn ich sage, alles klar, fick! Ob er sich dann noch traut…)

Weil mir der Arbeitsgatte immer noch sympathischer ist, benutze ich ihn nach 1000 Tagen früh aufstehen als Kopfkissen. Dem Nerd zerfällt komplett das Gesicht. Der Arbeitsgatte riecht gut und ich bewege meinen Kopf keinen Millimeter von ihm runter. Er reicht mir Kaffee. (Wirklich ausgezeichnetes Arbeitsgattenmaterial!) Der Nerd wird unruhig.

Und markiert dann den ganzen Tag mit eindeutigen Bemerkungen sein Revier. Und irgendwann ranzt der Arbeitsgatte ihn an.

Ich hab stundenlang gelacht. Und jetzt muss ich mal ein Machtwort sprechen!

Nöler

Der Arbeitsgatte mault über mein „Geturtel“ mit dem Nerd.

Der Nerd und ich schreiben uns den ganzen Tag Schweinkram. Er muss mehrfach den Feierabend verschieben, weil er mit dem Ständer in der Bukse nicht vom Schreibtisch aufstehen will.

Und dann mault er, weil ich nicht auf seine Einladungen eingehe und ihn nach meinem Feierabend regelmäßig fallen lasse wie eine heiße Kartoffel.

Ich bin aber auch gemein…

Seriöse Journalisten

Ich versuche den Nerd davon zu überzeugen, dass ich in höchstem Maße keusch und unschuldig bin. Er lacht mich aus.

Doooch, sage ich, wie ein Engelchen.

Er gibt in der Suchfunktion unserer Facebook-Nachrichten das Wort „Penis“ ein. Es kommen sehr viele Ergebnisse. Alles Beiträge von mir. Irgendwo sehe ich das Wort „anatomisch“.

Siiiiehst du, sage ich, ich habe ein rein anatomisch-medizinisches Interesse an Penissen. Wie eine Klosterschülerin!

Hmmhmm, sagt er, wie die Klosterschülerinnen aus den Filmen, die ich immer gucke.

Bestimmt künstlerisch hochwertige Streifen, sage ich anerkennend.

Ja, antwortet er, es wird sich sehr künstlerisch mit Penissen auseinandergesetzt.

Hmmm, Penisse, sage ich.

„Hmm“ im Sinne von lecker?, fragt er.

Hab ich zumindest gern im Mund sowas, antworte ich.

Er behauptet, sich jetzt wirklich mal auf seinen Text konzentrieren zu müssen und das könne er nicht, wenn ich über Penisse im Mund spreche.

Ich spamme ihn mit P-Worten zu.

Priester.

Pfarrer.

Papst.

Pädophile.

Ich sehe schon, sagt er, alles Schlechte fängt mit P an.

Außer Penis, murmelt er, während ich gleichzeitig sage: Außer Pommes.

Pommes, sagt er. Das Andere, was ich gerne im Mund habe!

(Er behauptete dann, nur zitiert zu haben, was ich nicht ausgesprochen habe.)

JA, wir sind wirklich sehr erwachsen.

Und nun die Werbung!

Ich bummelte vor ein paar Wochen ziellos durch die Stadtbücherei und sah dieses prachtvolle Ausstellungsstück:

Haben fliegende Fische Flügel?: 118 außergewöhnliche Fragen und Antworten zum Thema Meer

HA!, dachte das Nordlicht, wär ja gelacht, wenn ich nicht 118 Fragen zu meinem natürlichen Lebensraum beantworten könnte! Las also das Inhaltsverzeichnis und fühlte mich auf einmal, als stünde ein Fünfjähriger neben mir. 118 Mal wer, wie, was, wieso, weshalb, warum? In etwa der Hälfte der Fälle dachte ich: HA, weiß ich! Is doch klar! Bei der anderen Hälfte der Fragen dachte ich: HA! Emmm. Hä? Reichte auf alle Fälle, um es mitgehen zu lassen auszuleihen. Und dann festzustellen: Ganz so genau wusste ich die Hälfte der Sachen dann doch nicht…

Kurz: Lesen! Das is voll gut für Profis und Amateure, für Leute, die nur am Strand rumschlumpern, Leute, die sich aufs Meer wagen, Leute, die sich ins Meer wagen, Leute, die halt manchmal ans Meer denken… Leute, die sich so ganz allgemein für Wasser interessieren, Leute, die Physik mögen (??? ihr Komischen!), Leute, die Geographie mögen, Leute, die Hydrographie mögen, Leute, die Biologie allgemein mögen und Leute, die Zoologie mögen, Leute, die Meteorologie mögen, Leute, die sich für Politik interessieren, Leute, die Astronomie mögen, na, Nerds eben. Und ich wette, jeder kann was lernen. Und wenn’s nur is, um beim nächsten Smalltalk cooles Meerwissen abzugeben. Und einfach nur, um zu wissen, dass es Seeschmetterlinge gibt. Die eigentlich Schnecken sind. Und wer das jetzt nicht gegugelt hat, dem is auch nicht mehr zu helfen (oder er ist genau richtig gebildet).

Ja, ich hatte immer Gugel parat, während ich das Buch gelesen habe. Aber nicht, weil ich es sonst nicht verstanden hätte, denn es ist tatsächlich so geschrieben, dass auch Naturwissenschaftsnullen wie ich das verstehen können, sondern weil ich die Dinge auch einfach sehen wollte. Wie halt so nen Seeschmetterling. Oder mir noch mal vergegenwärtigen. Wie marines Eis zum Beispiel, das ist eben auch so schön, das kann man sich immer mal wieder angucken. Oder um zu gucken, ob ich das wirklich verstanden hab und auch nach einer anderen Erklärung noch sage: ja klar, logisch. Wie das mit dieser Corioliskraft. (Ich schiele immer noch ein bisschen, wenn ich darüber nachdenke.)

Also, ich bin auch Wochen nach der Lektüre noch voll begeistert und fühle mich sehr unterhalten und sehr, sehr schlau. Lesen!

In diesem Zuge empfehle ich außerdem sehr die niederländische Doku „Wad“ über das wunderschöne, knallharte Wattenmeer, das ist ein sehr, sehr, sehr, sehr schöner Film mit wundervollen Bildern und liebe zum Detail – da ist auch für so Dokuhardcores wie mich noch Neues dabei. Gucken! (Und ich sach das nich nur wegen der flauschigen Robbenbabys!)

 

Männer und Frauen

Das stilltiefe Wasser M. und ich sind ein saugeiles Team. Seit wir zusammenarbeiten, hat sich die Reichweite der Homepage verdoppelt. Mindestens. Wir sind die geilsten Klicknutten in der Hütte. Wir sind praktisch die (vernachlässigte) Online-Redaktion und wir sind gut. Wir machen 17 Sachen gleichzeitig, mehr als jeder andere Redakteur. Wir treffen pro Tag etwa 1780 redaktionelle Entscheidungen (grobe Schätzung), mehr als jeder andere Redakteur. 99 % unserer Kollegen und 100 % unsrer Chefs haben keine Ahnung, was wir tun. Alle sehen nur: Läuft.

Wirklich alle?

Mein Vorgesetzter kommt angewatschelt und will, dass ich sofort dies und jenes tue. Kann ich machen, sage ich, ist halt kacke für die Reichweite. Ich erkläre ihm ausführlich die Gründe. Will er mir nicht glauben. Das stimmt doch gar nicht, sagt er. Emm, doch, sage ich. Aber woher willst du das denn wissen?, fragt er. Das hat einfach die Erfahrung gezeigt, sage ich. M. stimmt mir zu. Alle Kollegen, die auch mal online mitarbeiten, gucken peinlich berührt in die Luft. Mein Vorgesetzter mault: Wir müssen auch mal aufhören, an alten Verhaltensmustern festzuhalten!

Weil er in letzter Zeit mit permanentem Gemaule und unerträglicher Arroganz auffällt, da noch die Sache mit der Unperson ist und das mit meinem PMS, ist mein Geduldsfaden extrem kurz. Ich ärger mich täglich über irgendeine dumme Scheiße. Natürlich stört es mich da überhaupt nicht, wenn man meine Kompetenz anzweifelt und übergeht, sich Argumenten gegenüber taub stellt und um jeden Preis seinen Willen durchsetzen will – ohne eine Ahnung zu haben.

Ich hätte seinen Wunsch (zähneknirschend) in meine redaktionelle Planung einbauen können, ohne dass es was kaputt macht (außer meiner Stimmung und meiner sehr guten ursprünglichen Planung). Stattdessen mache ich es genau so, wie er es gerne wollte. Bitteschön. Wer nicht hören will…

Ich knirsche eine angemessene Zeit lang mit den Zähnen, dann gehe ich vor die Tür und knurre meinen Unmut in den Park. Verdrücke ein paar Wuttränen. Der Nerd taucht auf. Unser mehrfach preisgekrönter Starreporter. Knuddelt mich. Versucht zu verstehen, warum alles so dermaßen eskaliert ist. Und sagt: Ich weiß, dass kein Arsch meine Artikel lesen würde, wenn es dich nicht gäbe. Naja, sage ich, M. ist ja auch noch da. Jaaaa, sagt der Nerd. Aber der is so… weiblich. Der haut nich so auf den Tisch wie du und sagt: So machen wir das jetzt. Der is nich son Kerl wie du!

(Mein Vorgesetzter räumte übrigens am nächsten Morgen M. gegenüber seinen Fehler (der mit einem 3-Sekunden-Blick auf die Zahlen ersichtlich wurde) ein. Zu mir sagte er nichts.)

Unberauschend

Ich bin ja nicht so für Alkohol. Aus diesen und jenen Gründen und auch, weil sich mir dieser Hype um den „Rausch“ nicht erschließt. Die Wirkung von Alkohol auf mich: Mein Hirn wird papsig, jeder Gedanke kostet irre viel Mühe, finde ich anstrengend. Mir ist nicht richtig schwindelig, aber angenehm ist das nicht. Und ich werde UN-FASS-BAR müde.

Ich kann das noch und nöcher erklären: Man glaubt mir nicht und versucht mich immer wieder vom Spaß mit Alkohol zu überzeugen.

Der Nerd wollte nun wissen: Wenn sie schon nüchtern den ganzen Tag so anzügliches Zeug spricht, wie isses denn, wenn sie Promille hat? und lud mich zum Weinchen. Mit wer weiß was für Plänen darüber hinaus.

Ich bin ja mehr für Bier, aber der Rosé ist gar nicht mal so schlecht, ein bisschen prickelnd, ein bisschen zu süß, zack, zwei Gläser weg, Watte im Kopf. „So, nu bin ich betrunken“, verkünde ich nach etwa einer Stunde gemeinsamen Abendessens. Glaubt er mir nicht. Ich habe ja noch nichts Versautes gesagt. Und der Satz war schließlich auch am Stück formuliert.

Was er nicht weiß: Das war das letzte geistige Aufbäumen. Weitere Äußerungen möchte ich nicht tätigen, so sehr kriege ich meine Gedanken nicht zusammengerissen.

Ich räume noch kurz – hoppla – den Couchtisch ab, dann sinke ich aufs Sofa, verkünde noch – den Sonntagsdienst im Hinterkopf: Weck mich um halb acht, und zack ist halb acht.