Schulhof

Ich mag das ja, unter Männern zu arbeiten. Es ist wie auf dem Schulhof. Irgendjemand macht immer einen Penis-Witz. Und unsere Penis-Witze sind (meistens) wirklich komisch. Die schlimmsten dummen Sprüche gehen dabei auf mein Konto. Weil ich all die Dinge ausspreche, die sich die Jungs in Gegenwart einer Frau nicht so recht zu sagen trauen.

Manchmal ist es auch wie auf dem Schulhof, weil ein Meeeedchen im Raum ist. Dann geht die Balz los. Das mag ich dann nicht so. Bei mir haben sie es ja zum Glück nur kurz versucht. Manchmal kommt es kurz wieder auf, wenn ich zu direkte Anspielungen mache – so sabberte der Nerd-Kollege mir neulich ordentlich auf den Schreibtisch, als ich auf die irre originelle Frage, ob Veganerinnen eigentlich schlucken dürfen, antwortete, dass man damit dem Tier Mann ja was Gutes täte und: Du würdest das wahrscheinlich ganz gut finden, wenn ich dir einen blasen würde.

Aber im Grunde bin ich ja einer von den Jungs.

Umso unerwarteter traf mich die zusammengeknüllte Brötchentüte, die mich fast traf, als ich aus der Kaffeeküche kam. Ohne Grund und Ankündigung über zwei Schreibtische hinweg geworfen – gezielt auf mich, weit entfernt von jedem Mülleimer. Der Werfer breit grinsend, breitbeinig auf seinem Stuhl. Wie auf dem Schulhof!

Seit Tagen wurschtelt der um mich rum, lobhudelt meine Arbeit, selbst wenn sie kacke ist, freut sich für alle hörbar über mein mittägliches Aufkreuzen in der Redaktion (endlich, Frau Fragezeichen!), versucht, mich für andere Arbeiten – auf seiner Seite des Ladens – zu empfehlen, erinnert sich mit nostalgischer Stimme an unsere gemeinsam, einsam in der Redaktion verbrachten Samstagabende, hat ständig irgendwelche Extraufgaben für mich – für ihn persönlich zu erledigen- und hat auf jeden Spruch eine – zugegebenmaßen witzige – Replik. Der Komplimente-Weltmeister-Print-Chef.

Ich mag ihn wirklich – ich würde sogar behaupten, er sei mein Lieblingskollege. Auch wenn er der letzte ist, den ich sieze. Weil ihn alle siezen und er alle zurücksiezt. Ich find ihn auch sausexy – er ist in diesem Alter, in dem Frauen trutschig werden und Männer reif. Ihr wisst schon. Aber… neinnein. Ich vögle keinen Kollegen. Und erst recht nicht einen mit scharfer Braut und kleinem Kind daheim. Neinnein.

Am Ende ist das doch ganz schön anstrengend, unter lauter Männern zu arbeiten…

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Schnipsel

Verschlafen, verletzt, Pony ausgesperrt, im Stau gestanden, Kühlwasser übergelaufen, Handy alle, verquatscht, Ponys Halfter weg, Besuch wartet, Abholer verschollen, Handys ohne Empfang, Kopfkino läuft, Pony eingesperrt, Halfter immer noch weg, aufgestanden mitten in der Nacht, Zug verspätet, Zug ausgefallen, 6 Stunden und 10 Minuten für 250 Kilometer gebraucht, zu spät und ungeduscht bei der Arbeit angehechtet.

Vier Tage Spaß.

Irgendwie hab ich mich direkt gefreut, wieder bei der Arbeit zu sitzen. Mit den Jungs dummzuschwatzen. Ich freue mich an der Dynamik unserer Witze. Daran, dass sich der ein oder andere freut, dass ich wieder da bin. Dass Herr B. in der Konferenz meine praktisch monatelange Abwesenheit beklagt. Dass sich G. mir als Begleitung für die Mittagspause aufdrängt. Mir ausgiebig das Neueste von seinem Auto erzählt (sein ein und alles, die ausführliche Schilderung spricht für unsere Vertrautheit…). Dass die Plastik-Blondine wieder bei den Weibern sitzt und softe Themen behandelt.

Nur der Nerd nimmt von meiner Existenz keinerlei Notiz. Er möge sich quergehackt legen.

A propos! Ich bin ja beleidigt, dass ihr meinen prachtvollen Arsch meine wunderhüpsche Unterbuxe überhaupt nicht zur Kenntnis genommen habt. Pfft.

Tag zu verschenken

Es gibt so Tage…

Dass mein dummes Dienst-Ei-Fon den Geist aufgegeben hat, hat mich alles andere als betrübt. Jedes tote Ei-Fon ist ein gutes Ei-Fon. Dass dann aber der IT-Mensch mit einem neuem ankam und von den Konfigurationsproblemen berichtete, dann mich wegen der Passwörter brauchte und dann erst recht so rein gar nichts klappte, DAS killte die Laune.

Zwei Stunden meiner Dienstzeit habe ich auf den Dreck verschwendet, viel geflucht und am Ende die Hälfte gelassen, weils eh nicht klappte. Hey, wofür brauch ich auf dem Diensttelefon das Firmen-Telefonverzeichnis, vor dem nächsten Wochenenddienst lern ich einfach alle Nummern auswendig.

Harrr, grummel.

Und dann ist da die Barbie.

Dass irgendwann eine Frau eingestellt würde und mir meine Machorunde zerkloppen würde, das war ja nur eine Frage der Zeit. Die neue Volontärin ist aber… speziell. Blondiert, geglosst, gesilikont, unbekannt aus dem Trash-TV kichert sie sich durch die Redaktion und kommentiert alles – wirklich geistreich.

Einige wenige Kollegen rollen mit den Augen, der Rest schart sich um sie und erklärt ihr auch zum 100sten Mal das Redaktionssystem. Und sie himmelt. Und den Jungs beult sich in der Buxe, was im Kopf aussetzt. Und mein Hirn schmilzt, während ich mir diese Gespräche anhören muss…

Vor allem der Nerd-Kollege sonnt sich im Strahlen von Gloss und Glitzer und wird direkt superzickig, als ich ihn auf eine stilistische Unfeinheit in einem seiner Text hinweise. Es gab mal Zeiten, da konnten wir da wie Erwachsene drüber diskutieren und am Ende lachen. Aber jetzt muss ich wohl ooooh und aaaaah sagen, sobald er etwas äußert, wenn ich noch zivilisiert behandelt werden möchte.

Aber so erledigen sich die Dinge doppelt. Das ist sehr unsexy. Und ich bin sehr froh, dass ich nur noch einen Tag bis zum Urlaub überstehen muss.

Erledigt

Ich stelle fest, dass ich ein bisschen bis ganz schön verknallt in den Nerd-Kollegen bin.

Wie ein Teenie fange ich an, alles was er mir gegenüber tut und was er mir schreibt und so, zu analysieren.

Das Ergebnis meiner Analyse ist natürlich nicht zufriedenstellend.

Mpf.

Und dann fällt mir wieder ein, dass ich eh eine unerträgliche Person bin und dass es nichts an mir gibt, was ein Tüp an mir gut finden könnte – außer meinen Blow-Jobs vielleicht.

Also bin ich – natürlich – total eklig zu ihm.

Und so erledigt sich die Sache von selbst.

Ich bin verloren

Der Nerd-Kollege haut mich – im wahrsten Sinne des Wortes – an (voll aufs Knie, aua): Lass uns da hin fahren!

Und meint: Kriegsnebenschauplatz. Afrika. Reportagen machen und so.

JA, ICH WILL!

Ich bin noch nicht so sicher, ob da wirklich was draus wird, aber ich will ihn grad so sehr vögeln!

Der Geist ist schwach

Ich wiederhole: Nein, ich vögle keinen Kollegen. Nein, ich vögle keinen Kollegen. Nein, ich vögle keinen Kollegen.

Aber ach, das Widerstehen ist so anstrengend…

Die Versuchung ist gar nicht mehr so sehr der schöne L., der es mir von Anfang an angetan hatte. Weil er so heiß ist, und so meeeegacool ist. Finde ich weiterhin. In einem anderen Kontext würde ich ihn auch weiterhin nicht von der Bettkante stoßen. Aber ich habe nicht mehr das Bedürfnis, ihm die Klamotten vom Leib zu reißen, sobald er neben mir sitzt.

Tatsächlich bringt mich gerade der Selber-Nerd ins Trudeln. Neben zweifelhaften „Komplimenten„, intensivem und unverholenem Facebook-Gestalke und allerhand Schleimerei – alles Dinge, auf die ich gut verzichten kann – ist er hervorragend geeignet für Gedanken-Pingpong. Der war ernsthaft Philosoph vor seiner Karriere als Journalist – bei der er sich bei all dem Zynismus all diese Ideale bewahrt hat, die ich auch mal hatte.

Und nun lieg ich mal wieder krank im Bett und hatte furchtbar viel Zeit mich von seiner kurzen Facebook-Nachricht: „Gute Besserung :* “ zu endlosen Chats verleiten zu lassen.

Na toll. Jetzt ist das Hirn schon angefickt. -.-