Festwochen

Es sind schon wieder die „Darf man das? hat mir mal einen geblasen und jetzt komm ich nicht drüber weg“-Festwochen.

Erst kommt No. 3 um die Ecke, tut, als mache er sich Sorgen. Wegen diesem Corona, ihr wisst schon, man soll ja auch nicht im Streit ins Jenseits gehen. Dann kommt No. 5 aus seinem Loch gekrochen, offensichtlich ist ihm langweilig in der Isolation, er versucht’s auf die lustige Tour. No. 2 hat ausländerrechtliche Fragen, nun gut, der Chile connection zuliebe…

Möchte jemand Wetten auf No. 1 abschließen?

Die ganz wichtigen Fragen und Probleme

No. 1, dieser sentimentale Alte, hat die letzten Tage natürlich wieder geschrieben. Wie fast immer im November, wenn unsere Geburtstage näher rücken. Er fand es ja damals geradezu schicksalhaft, dass unsere Geburtstage sozusagen ineinander übergehen.

Ich habe mittlerweile eine Art Sport daraus gemacht, mit mir selbst Wetten einzugehen, wie lange ich mit ihm Nachrichten austauschen kann, bis es wieder komplett abgleitet. Und jetzt frage ich mich gerade: Wird der Mann heute schon 40? Wird meine Nachricht entsprechend mokant? Wie mache ich mich angemessen lustig, ohne dass er merkt, dass ich eigentlich nicht so genau weiß, wie alt er ist?

Der Stuss, mit dem mein Hirn sich so beschäftigt…

Übrigens: Ich hab genau gesehen, dass meine Mama meinen Geburtstagskuchen in der normalen Form und nicht in der Pferdeform gemacht hat! *Hier das Gesicht einer höchst beleidigten soon-to-be-Fünfjährigen einfügen.* Jaahaaa, in der Quersumme werde ich fümpf! *stampft mit dem Fuß auf und ab*

Ach Barcelona

Zehn Jahre sind vorbei und doch ist kein Tag vergangen. Wir haben sofort wieder zusammengefunden, mein Barcelona und ich.

Allein der Metro-Geruch weckt die Erinnerung daran, welche Linie wo hält. Ich wusste gar nicht, dass ich das mal so genau wusste. Aber ja, ich erkenne jede Station wieder. Ihren Klang, ihre Wege.

Jede Durchsage weckt die alten Katalanisch-Kenntnisse, die ich (fast) nie wieder gebraucht habe. So nachhaltig, dass ich ohne drüber nachzudenken nach dem blauen „El Periódico“ greife – der katalanischsprachigen Ausgabe der Zeitung.

Ich stapfe durch die regennassen Straßen, atme den besonderen Duft der Stadt und genieße die besondere Stimmung bei grauem Himmel. Das sonst so fröhliche Barcelona wirkt düster und morbide und doch verleiht dieses Wetter ihm gleichzeitig diese einzigartige Eleganz, diese leise Überlegenheit.

Und überall der Duft von Flieder…

Neinnein, das ist kein Pipi in meinen Augen, das ist der Regen.

Ich lausche dem Spanisch der Katalanen und obwohl es das Spanisch ist, das ich ganz am Anfang mal gelernt habe, klingt es irgendwie seltsam nach all den Jahren Chilenisch. Es mündet in die ultimative Verwirrung, als ich wafle con frutillas statt gofre con fresas bestelle und erst der zentralamerikanische Kassierer das Missverständnis einigermaßen aufklären kann.

Und dann kommen sie zurück: Die Sonne in den Häuserschluchten, die kreischenden Halsbandsittiche.
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Ich erinnere mich an den unsinnigsten Kram, unzählige winzige Momente in Barcelona. Und ich suche die Erinnerung. Ich wandere durch mein Viertel, ich tappe in meine Bäckerei, bestelle dümmlich grinsend ein Croissant und betrachte die hässlich braune Einrichtung, an der sich nichts geändert hat. Ob sie wenigstens das überteuerte Eis im Kühler mal ausgetauscht haben?

Ich denke ganz viel an No. 1 und erinnere mich stets daran, dass ich unsere gemeinsame Zeit in Barcelona gerade ganz böse idealisiere. Und ich denke an all die Dinge, die er mir gezeigt und ermöglicht hat und dann bin ich irgendwie ganz schön dankbar und ein bisschen fehlt er mir…

Ich schwelge in Tortillas de patata, Patatas bravas und kurioserweise in Pa amb tomàquet, dem ich sonst nie so viel abgewinnen konnte – vor allem, nachdem ich Hunderte davon zubereitet habe…

Ich mache mit J. ganz viel Touri-Quatsch, den ich nie so gemacht habe, stelle fest, dass viel mehr Touris da sind als früher mal und dass sie noch mehr abgezogen werden als früher mal.

Und der Kreis schließt sich an den Treppen zum Museu Nacional d’Art de Catalunya, auf denen ich damals schon einmal saß, an einem meiner letzten Tage in Barcelona, auf die Plaça d’Espanya guckte und flennte.

J. fragt mich sehr ernsthaft, ob ich sie wohl noch zum Flughafen bringe, mit einem Augenzwinkern davon ausgehend, dass ich wohl bleiben werde. Sie fragt mich, warum ich eigentlich damals meine Sachen gepackt habe.

Ja, es gab Gründe. Es gibt aber eigentlich keinen, warum ich nicht zurückgekehrt bin…

Ach, Barcelona, meine Alte. Wir sehen uns wieder. Nicht morgen, nicht nächste Woche, aber bald!

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sein lassen

Ich habe das Shampoo von SAS im Haar und jetzt rieche ich wie früher, als ich so Zeuch noch in der Drogerie kaufte. Und mein Gehirn macht Erinnerungsglücksrad und ich muss an Barcelona denken. Und habe Lust, No. 1 irgendwas Schnippisches zu schreiben.

Aber ich lasse das lieber.

Ich führe ein Gespräch, auf das ich eigentlich keine Lust habe, bekomme 1000 dumme Fragen gestellt und reagiere mega gereizt. Stelle fest, dass ich prämenstruell bin.

Also lasse ich das lieber.

Ich sehe auf Facebook einen Artikel über Erektionsstörungen und will ihn No. 3 schicken. *Kicher*

Aber ich lasse das lieber.

Ich kann auch ganz gut Sachen nicht machen.

Die Pünktlichkeit der Caribeños

Ich habe es schon wieder beschrien: Es fehlt noch die obligatorische Nachricht von No. 1.

Spät dieses Jahr, es ist schon einen Monat alt.

Der Herr fragt, ob ich zu seiner graduation party komme, es war ihm mit Ende 30 nämlich in den Sinn gekommen, noch mal zu studieren.

Aber sischa, natürlich, ich hab so gerne weiter an deinem Leben teil!

Ich muss mir das mit dem neuen Job noch mal überlegen. Damit werde ich nämlich gugelbar und dann endgültig nie wieder ne Nummer los…

Prost Neujahr

No. 1 schrieb mir dieses Jahr gar nicht. Das ist direkt überraschend.

Dafür teilte No. 3 mir erneut mit, dass er mich vermisse. Bubu.

Und No. 4 simste. Schrieb mal wieder meinen Namen falsch. Und scheint die Hoffnung immer noch nicht aufgegeben zu haben.

Halten wir fest: Alles beim Alten.

Oh, ein Jubiläum

Zur Abwechslung schreibt No. 1 mal wieder. Der alte Stalker hat sich sogar extra ein neues Facebook-Profil zugelegt.

Weil ich bei der Arbeit sitze und mir sehr, sehr langweilig ist, lasse ich mich auf einen Chat ein. Letztlich schreiben wir meine ganze Schicht lang. Es ist über weite Strecken eine ganz normale Unterhaltung mit viel des von mir so geliebten Intello-Gedanken-Ping-Pongs. Oft muss ich sehr lachen.

Und wie immer frage ich mich: Was treibt ihn immer wieder dazu, mir so aus dem Nichts zu schreiben? Wer läuft denn rum und denkt: Hach, heut schreib ich mal meiner Ex?

Er schreibt: Ich weiß auch nicht, was ich mir dabei gedacht habe, als ich mich damals auf dich eingelassen habe. Ich hatte doch so glücklich vor mich hingelebt.

Ich denke: Du hättest dich nicht einlassen müssen. DU hast darauf gedrängt, das was läuft.

Ich denke an die warme Septembernacht, in der er mir auf einer Bank am Fuße der Sagrada Familia zum ersten Mal auf die Pelle gerückt ist.

Und plötzlich weiß ich, warum er ausgerechnet heute schreibt: Das ist ziemlich haargenau zehn Jahre her. Wie sentimental von ihm…