Bleibender Eindruck

No. 1a zeigt ihrem neuen Stecher ihre Geburtsstadt Lübeck. Ich schlappe als nörgelnder Sidekick nebenher (diese Stadt und ich, wir werden nie wieder auf einen grünen Zweig kommen).

Sie erklärt ihrem Typen aus der Provence die Geschichte von der Marienkirche und dem Teufel. Und dass es Glück bringen soll, die Teufelsfigur vor der Kirche anzufassen. Er piekst den Teufel halbherzig in den Oberarm. Ich erläutere ihm vor einer kompletten französischen Reisegruppe in meinem breitesten Bauernquébécois: Naaan, faut qu’t’touches icitte! und lange der Figur in den Schritt. Kichern und betretenes Schweigen. Er guckt sich völlig ungerührt noch mal den Teufel an und sagt: Sieht aber an den Hörnern viel abgegriffener aus als im Schritt… Aber da gefällts ihm sicher VIEL besser!

Am Ende findet er auch noch, ich hätte viel mehr Klasse als No. 1a – weil ich nach dem Verzehr eines Salmi-Lollis nicht wie sie überall Schokolade im Gesicht hatte…

Möglicherweise kann man mit dem Typen fast vielleicht ein bisschen arbeiten…

Ja, nein, drei

Wochenende. No. 1a und ich schlunzen gemeinsam im Bett rum. Sie linst auf meinen Bildschirm und liest meinen Facebook-Chat mit dem Arbeitsgatten mit.

„GOTT, will der dich dringend ficken“, kommentiert sie.

„Wa? Nee! Wir reden bei der Arbeit ständig über Penisse und Titten und so. Mit allen Kollegen.“

„Hmhmm“, hmhmmt sie. „Und du willst ihn ficken!“

„Hmm. Nee.“

Sie guckt streng.

„Möglicherweise…“

Sie guckt triumphierend.

„Oar ja, ich bin voll untervögelt und er sieht scharf aus und so. ABER ICH VÖGEL KEINE KOLLEGEN! Außerdem macht er ja nur Spaß. Und er hat ne Freundin, MAHANN.“

„Hmhmm…“

Die is doof…

Weihnachts-Männer

Weihnachtsessen mit No. 1a und unseren Muddis. Ich schenke No. 1a, die derzeit nach einem Erzeuger ihrer zukünftigen Kinder sucht, ein Klemmbrett, auf dass ich unsere Männercheckliste – die Originalversion von ganz damals, als wir so adoleszent waren wie geht – geklemmt habe und einen quietschpinken Stift zum Abhaken der einzelnen Punkte. Mit der Hausaufgabe, das Teil auf das nächste Date mitzunehmen und das Gesicht des Glücklichen zu filmen, wenn sie die Liste auspackt und Punkt für Punkt durchgeht.

No. 1a quietscht vor Lachen und die Muddis gucken kariert. Meine Muddi wusste zwar von der Existenz der Liste, kannte ihren Inhalt aber nicht. Die Muddi von No. 1a hört zum ersten Mal von der Sache.

No. 1a liest die Liste laut vor. Selbst ich konnte mich nicht mehr an alles erinnern. Wir lachen Tränen. Ihre Muddi guckt immer karierter. Dann sagt sie zu meiner Muddi: Weißt du, die waren kreuzbrav, nie in der Disco und immer um 11 zu Hause. Hauptsache, die machen so ne Liste für nen Typen, den sie nie hätten aufreißen können! Und meine Muddi antwortet: Wer weiß, wie viele Hausaufgaben die in der Zeit nicht gemacht haben. (Kann ich beantworten: Wir haben eh nie was für die Schule gemacht, Zeitverschwendung! (Französisch ausgenommen…))

Was wir nicht sagen: Dass wir viel zu beschäftigt waren, miteinander zu schlafen, um noch nen Typen mit ins Boot zu holen. Was wir auch nicht sagen: Was wir seitdem angestellt haben. Wir tauschen nur bedeutungsvolle Blicke und gackern noch mehr.

Haach, schönstes Weihnachtsgeschenk.

Gesprächsfetzen

Ich erzähle, dass No. 1a zum hundermillionsten Mal nach Taizé fährt. Kennt mein Gesprächspartner nicht. Ich erläutere. Er stellt fest: Ah, sie fährt ficken. Sag das doch gleich!

Ich kichere ein bisschen und denke und sage dann: Stimmt.

Er sinniert: Ganz von spirituellen Gedanken an Gott erfüllt wird sie penetriert…

Ich zucke mit den Schultern: Gott ist überall. Auch in ihrer Vagina.

Abschied von Peter

Wann Peter Teil meiner Familie geworden ist, weiß ich nicht mehr. Wann ich Teil seiner Familie geworden bin, weiß ich noch ungefähr. Irgendwann in der sechsten oder siebten Klasse, als No. 1a und ich uns gefunden haben.

Peter war der einzige Mensch, der noch exzentrischer war, als wir gern gewesen wären. Der uns in unserer Exzentrik bestärkt hat und wir ihn in seiner.

Peter, der Autogramme gab, nachdem ihn ein Kellner mal für einen bekannten Schauspieler gehalten hat – dem er tatsächlich ähnlich sah.

Peter, der irgendwann mal im Garten meiner Eltern stand, um No. 1a abzuholen und dann zum regelmäßigen Gast wurde – nur um barfuß durchs Moos zu laufen.

Peter, der jedes Weihnachten in meinen Haaren wuschelte und nach seiner Frage, was ich denn im letzten Jahr so getrieben habe, glückselig seufzend feststellte: „Du bist ja so ne Zielstrebige!“

Ach echt?

Peter, Vater von drei Kindern, Opa von sieben Enkeln und so schwul, dass das Klischee alt aussah.

Der das Glück hatte, dass sowohl seine eigene Familie als auch die Familie seines Freundes es total ok fanden, dass sie ein Paar waren.

Ein Paar, das mir Hoffnung gemacht hat, dass irgendwann mal ein ungezwungener Umgang mit allen möglich ist.

Peter, dessen einzige Sorge nach der Krebsdiagnose die war, dass er fett werden könnte.

Dass er sterben könnte, war nicht geplant.

Bin ich nicht einverstanden mit!

Mein Stimmungsring hat Depressionen

No. 1a hatte als Jugendliche so einen Stimmungsring. Das Ding ersparte den Gang zum Psychologen, denn schließlich zeigte es an, wie sie sich wirklich fühlte. Das ließ die interessantesten Rückschlüsse zu.

Irgendwo habe ich mal gelesen, dass die Farbveränderungen tatsächlich mit der Temperatur zu tun haben. Weil sie immer eiskalte Hände hat und ich immer brutzelwarme, habe ich neulich, als ich in einem Billo-Schmuckladen so Billo-Stimmungsringe entdeckte, gleich zwei gekauft, mal gucken, was passiert.

Ihrer wechselt, wie sich das gehört, fröhlich durch das Farbspektrum. Ich meinte, meiner müsste ja eigentlich bei der „Werkseinstellung“ bleiben: Genervt. Schließlich bin ich immer schlecht gelaunt. (Da muss eine Bombenstimmung geherrscht haben in der Fabrik.)

Stattdessen wurde mein Ring, kaum dass ich ihn überstreifte, dunkelschwarz. Und ist es seitdem. Scheißegal wie warm oder kalt meine Hände sind. Und natürlich erst recht scheißegal, wie ich mich fühle.

My beautiful picture

Mein Ring ist traurig. Ich mache mir Sorgen um ihn….

Der falsche Orgasmus

No. 1a hat sich ein Herz gefasst und ist nun doch mit J zusammen.

Neben dem emotionalen Drama hatte sie in den letzten zwei Wochen Abschlussprüfungen, hat sich einen neuen Job und eine neue Wohnung gesucht, nächste Woche zieht sie um.

Und nun hat sie es gewagt, an zwei Abenden in Folge zum Sex „nein danke“ zu sagen, weil sie kaputt war.

DRAMA!

Ich empfehle ihr, in der Nachttischschublade einen Masturbator griffbereit zu haben, den sie ihm einfach rüberreichen kann, wenn er bumsen und sie schlafen will. In so einer Situation dürfte der Unterschied kaum auffallen…

Keiner von beiden hätte was davon, wenn sie einfach die Beine breit machen würde, damit er Druck ablassen kann.

Und dann sagt sie:

– Was nehmen wir nicht auf uns. Vor allem, wenn du mal schlapp bist, dann ist es ja nicht nur so, dass du es „über dich ergehen lässt“, sondern du musst ja auch zusätzlich noch einen Orgasmus vortäuschen.
Pardon, was???
Also, ja, es kommt vor – selten zwar, aber es passiert – dass ich mal zu kaputt bin zum Ficken. Dass ich nich mal mehr denke, das könnte die Spannung von mir nehmen.
Aber dann mach ich ne Ansage.
– Jetz nich, aber morgrn früh darfst du mich gern mit deiner Morgenlatte begrüßen.
Oder so.
Und vorgetäuschte Orgasmen kommen mir gar nicht ins Haus! Einmal gemacht, immer gemusst!
Er kann das doch gerne mitkriegen, wenn ich mal nicht komme. Davon geht die Welt nicht unter. Sollte er mal nicht kommen, krieg ich das ja auch mit… Das muss ja nicht heißen, dass es schlecht war. Dass ER schlecht war. Das kann 1.003 Gründe haben. Und er glaubt nicht, dass er da grad ne super Nummer geschoben hat und das immer so machen kann!
Wenn das alle machen würden….