Nachhersehbar

Weil die Welt ein Dorf ist und irgendwie ja jeder jeden kennt, wurde mir nun also über Ecken zugetragen, dass No. 3 jetzt tatsächlich Single ist. Die Trennung ereignete sich offenbar etwa ziemlich haargenau um die Zeit, als er mir so pseudobesorgt schrieb.

Überrascht das irgendjemanden?

Ich verkünde jedenfalls mit Stolz: Diese Neuigkeit macht rein gar nichts mit mir.

Festwochen

Es sind schon wieder die „Darf man das? hat mir mal einen geblasen und jetzt komm ich nicht drüber weg“-Festwochen.

Erst kommt No. 3 um die Ecke, tut, als mache er sich Sorgen. Wegen diesem Corona, ihr wisst schon, man soll ja auch nicht im Streit ins Jenseits gehen. Dann kommt No. 5 aus seinem Loch gekrochen, offensichtlich ist ihm langweilig in der Isolation, er versucht’s auf die lustige Tour. No. 2 hat ausländerrechtliche Fragen, nun gut, der Chile connection zuliebe…

Möchte jemand Wetten auf No. 1 abschließen?

Splitter

Den Ex-Arbeitsgatten erfolgreich unter die Haube gebracht. Es war sehr schön. Ich bin sehr happy für die Beiden. So wenig ich selber mit dieser Liebe anfangen kann, so sehr freue ich mich an der von Anderen. Wie so ein Romantik-Vampir.

Ich war allerdings nach 12 Tagen Arbeit und davon die letzten 5 in der schlimmfrühen Frühschicht viel zu müde für derlei Veranstaltungen. Und mit den Gedanken eh woanders. Und ich lernte auf die harte Tour: Geh niemals alleine auf ne Hochzeit!

Kaum verkündete der Bräutigam, dass ich ja sozusagen seine Chefin war, hatte ich den T. am Hals. Der mir, qualifiziert durch ein Praktikum beim Dorf-Anzeiger und eins in D.C. (er ist ja so wichtig und polyglott), direkt mal das mit dem Journalismus erklärt hat. Ich bin SO froh, dass ich DAS jetzt endlich mal alles weiß…

Jedenfalls stellte der T. fest, dass wir als die beiden Alleinreisenden als Einzige ins Hotel in die Innenstadt ausgelagert wurden und wir angehalten sind, ein Taxi zu teilen und dann sind die Hotelzimmer ja eigentlich auch für zwei Personen und so… Ich habe vor, die Straßenbahn zu nehmen, erklärte ich und machte mich dünn.

Auch dem Stecher des Jahrtausends konnte ich einigermaßen ausweichen, ich musste nur drei Sätze mit ihm wechseln. Dafür schritt der komische und sehr betrunkene N. zur Tat, kaum dass seine Frau sich gen Kind verabschiedet hatte. Er ist weder attraktiv noch interessant und für 30 Sekunden war ich froh, dass der komische Typ, dessen Namen ich mir seit Jahren absichtlich nicht merke, einschritt, doch dann fiel mir wieder ein, warum ich mir seinen Namen nicht merken will. Und seine Frau half mir auch nicht, sie wat Trauzeugin und rotierte.

Frau L. hatte auch keine Zeit für mich, sie hat jetzt nen P. und musste knutschen. Wir sehr vermisste ich den Herrn P., doch der Bräutigam zerstritt sich mit dem schönsten Mann der Stadt und so konnte er mir die Typen nicht vom Hals halten und mit nicht den Rücken kraulen und mich nicht unterhaltsam unterhalten. Und das Sahneschnittchen  – der einzige Anwesende, den ich mit ins Bett genommen hätte – sagt mir den ganzen Abend nicht mal hallo.

Am Ende habe ich keinen Sex und trotzdem eine Blasenentzündung. Was soll ich sagen: Wie man’s macht, man macht es falsch. Dass ich spät am Abend feststellen musste, dass ich mir die Vögelei hätte importieren können, hats auch nicht besser gemacht. Mrmpf. Dann hätte der Preis wenigstens ein Vergnügen gehabt. Aber ich bin wirklich nicht mal auf den Hauch der Idee gekommen, zu fragen.

Auf dem Weg nach Hause verpasste ich den Anschlusszug in Berlin, saß eine Stunde in der Kälte und natürlich musste ich an No. 3 denken. ZUM.KOTZEN. Ich kann aber mit Stolz berichten: Es war kein guter Gedanke dabei. Trotzdem schade um die verschwendeten Gedanken.

Weil dann die Muddi zu Besuch kam und die wilde Katze aus der Tiefgarage ob des Besuchs völlig freidrehte, hatte ich keine Zeit, die Blase zu kurieren und mir irgendwelche weiteren Gedanken um No. 3 zu machen, der mir derweil auf das alte Nokia schrieb, mit dem man keine Nummern blockieren kann. Er schrieb typisch No. 3ig, keinerlei Bezug nehmend auf das, was war, sondern: „Ich hoffe, du findest bald ein besseren Job, der besser zu dir passt.“

Ich hatte nicht mal Zeit, mich zu fragen: wtf?, sondern drückte einfach den „löschen“-Knopf und vergaß das Ganze wieder.

Ich finde das ein bisschen unangenehm, dass er theoretisch weiter diesen Kanal zu mir hat, stelle aber mit Freude fest: Ist mir total egal, wenn er schreibt und ich habe auch keinerlei Bedarf, da irgendwas zu antworten. Er ist mir noch nicht egal, aber ich glaube, ich bin auf dem Weg dahin. Und: Er ist mir zwar nicht egal, aber da ist auch nichts Positives bei den Dingen, die ich für ihn fühle…

Ab morgen dann wieder Alltagswahnsinn. Derweil liegt die Wärmflasche auf meiner Blase und die Wärmkatze an meinem Po und das mit dem Sex lassen wir mal fröhlich weiter.

Ich muss noch mal zurück

Ich hätte ihm einfach den Schwanz abbeißen sollen.

Aus irgendeinem Grund war es mir super wichtig, No. 3 bevor ich ihn blockiere noch mal klarzumachen, dass ich ihn nicht wegen der Aktion mit dem Dreier, sondern wegen seines beschissenen Abgangs blockiere.

Was soll ich sagen. Ich bin halt dämlich. Ich lass ihn auch noch erläutern. Er war halt genervt, weil wir uns nie sehen und dann habe ich nicht mal Bock, was auszuprobieren. Und ja, es tut ihm Leid, dass er nicht die Eier hatte, nach dem Gespräch mit seiner Muddi wieder zurückzukommen. Und warum ich denn nicht geschrieben habe, dass ich will, dass er zurückkommt (wa?!?). Und überhaupt, warum ich jetz son Drama mache, wenn ich doch eh gewusst habe, dass er nicht wiederkommt (100 Millionen Euro, Baby). Er muss sich nicht als scheiße bezeichnen lassen (ich hab ihn gar nicht als scheiße bezeichnet (obwohl er das ist), nur gesagt, dass er sich scheiße verhalten hat). Und wenn ich ihn so scheiße finde und es nur scheiße ist, mit ihm zusammenzusein, dann soll ich ihn doch einfach blockieren.

Aber bitte gerne, Baby! Adiós!

So sehr mich das Blockieren befriedigt, so wenig ändert es etwas daran, dass ich mich scheiße fühle. Es ist zum Kotzen, das zuzugeben, aber das Premium-Arschloch hat mich tatsächlich in eine ziemliche Krise geschubst. Nicht mit dem, was er gesagt oder getan hat – denn im Ernst: Wen hat das denn überrascht? – sondern mit dem, was nicht war.

Der einzige Grund, warum ich mich wider besseres Wissen und obwohl ich mich von Anfang unwohl gefühlt habe bei der Vorstellung, Zeit mit ihm zu verbringen, mit ihm getroffen habe, war, dass ich einfach nur mal dringend feste gefickt werden wollte. Weil ich das sehr brauche. Für mich, meine Hormone, meine Vagina, mein Selbstbewusstsein. Ich habe das am für mich dümmsten, aber eben auch sichersten Ort gesucht. So paradox das klingt. Bei No. 3 weiß ich, dass ich das kriegen KÖNNTE, was ich brauche, wenn er einfach täte, was er sonst auch tat. No. 3 brauche ich nicht erst von mir überzeugen. No. 3 hat mich so oft in so viele Situationen nackt gesehen, wenn ich jetzt anfange, mich da rumzuschämen, ist es auch irgendwie albern. Bei No. 3 kann ich meinen Seelenmüll parken, während ich gevögelt werde. Woher nimmt man so jemanden spontan?

Was bleibt ist die Erkenntnis: Pech im Job, Pech in der Familie, Pech mit den Typen, Pech mit dem Sex. Vielleicht sollte ich anfangen, Lotto zu spielen. Nichts läuft in meinem Leben. Und an kaum etwas kann ich was drehen.

So langsam fürchte ich, dass ich nie mehr Sex haben werde. Ich weiß nicht so recht, woher der kommen soll. Ich habe auf so viele Wege keine Lust mehr, weil ich schlechte Erfahrungen gemacht habe. Ich habe keine Lust und keine Energie und keinen Mut, mich ans Wasserloch zu begeben. An meiner Fresse kann ich auch nix ändern. Und die wenigen Gelegenheiten, die sich bieten, versau ich auch. Weil ich dämlich bin. (Beste Grüße an N. an dieser Stelle. Keine Erklärung, keine Entschuldigung. Einfach dämlich. Q.e.d.)

Ich hasse No. 3 dafür, dass er diese Macht über mich hat. Ich hasse mich dafür, dass ich so dämlich bin. Und ich hasse mein Leben für die Scheiße, die es immer vor mir auskippt.

100 Millionen Euro

Ich wette 100 Millionen Euro, dass der heute Abend nicht mal mehr ne SMS schreibt.

Es ist Leipzig-Wochenende. Das war ja schon ein bisschen länger geplant und weil man im Februar ja nie weiß mit dem Wetter und das mit dem ICE eh schneller geht als mit meinem alten Töff, habe ich halt die Deutsche Bahn gebucht. Und weil ich in Berlin umsteigen muss, habe ich vor einiger Zeit No. 3 geschrieben: Wenn du ein Hotel organisierst, mach ich auf dem Rückweg am Sonntag ein langes Umsteigen.

No. 3 ist natürlich voll aus dem Häuschen und plant schon wieder wer weiß was. Ich bremse und erinnere ihn daran, dass er mein Vertrauen nachhaltig beschädigt hat und er vielleicht daran erst mal arbeiten sollte. Ich will vor allem feste durchgefickt werden und alles andere ist Bonus. Und das geht nach MEINEN Regeln.

Nun bekam ich am Donnerstag eine ungewöhnlich heftige Regelblutung und gab Kommando zurück. Klar kann ich ihm damit fröhlich einen blasen, aber MEIN Vergnügen wird dadurch nachhaltig getrübt.

Weil am Sonntag von der heftigen Blutung nur noch sanftes Getröpfel übrig war, schrieb ich ihm kurz vor Abfahrt (1. Fehler): Wenn es dich nicht stört, dass ich noch etwas vor mich hinsiffe, organisier was zum Pennen. Ich komm um kurz vor halb acht an, um kurz nach halb acht fährt mein Anschlusszug. In den steig ich ein, wenn du dann nicht da bist.

Der Anschlusszug fuhr bereits ein, als er anrief. Die S-Bahn fährt nicht. Ich komm aber wirklich. Nun gut, denke ich, der nächste Zug fährt in ner Stunde, ich hab irre Hunger, ich besorg mir was zum Futtern und wenn er DANN nicht da ist (was mich nicht überraschen würde), DANN nehm ich den Zug. (2. Fehler)

Tatsächlich tauchte er zwei Minuten später auf. Was soll ich sagen: Manche Männer altern besser als andere. Er ist mehr so von den anderen. Und was sollen diesen gelackten Haare? Nun ja. Bäh. Da war mit der strubblige Junge lieber.

Ich bin vorbereitet auf maximales Arschlochverhalten und daher maximal eisprinzessig. Er ist so nervös, dass er kaum nen graden Satz rauskriegt und man sein Herz durch – wie ich später feststelle – 2 Pullis und Mantel klopfen sieht. Er ist super anhänglich, drückt mich an sich und hält Händchen. Unnatürlich.

Er sagt, er habe ein Airbnb organisiert, was ich nur so mitteltoll finde, ich hab da so meine Vorbehalte. Vor Ort denke ich, wird wohl doch eher die hastig verlassene Hütte eines Kumpels sein als n Airbnb. Man könnte wenigstens bei angekündigtem Damenbesuch die Bartstoppeln aus dem Waschbecken entfernen und den überfüllten Mülleimer darunter leeren, nech?

Wir fallen übereinander her wie die Tiere, aber ich kann mir nicht helfen, das Hühnerauge bleibt wachsam. Er fragt mich, ob ich gerne einen zweiten Schwanz hätte und ich sage nö. Und als er nach dem Handy fummelt, während ich ihm einen blase, landet ganz zufällig die Hand auf Decke über Telefon. Irgendwann drapiert er mich ein bisschen zu kunstvoll, um mich doggystyle zu ficken. Das Hühnerauge zuckt. Und – Pech für ihn – mein Sehfehler hat den Vorteil, dass ich eine ausgezeichnete Nachtsicht habe und auch bei pseudoromantischem Schummerlicht und aus dem Augenwinkel ganz gut sehen kann, was da so vor sich geht. Doppelt Pech für ihn: Yoga is a bitch und ich kann ohne die Penetration zu unterbrechen, weil ich meine Hüfte gar nicht bewegen muss, auch in dieser Position das Handy aus seiner Hand ruppen und es in einer fließenden Bewegung unterm Kopfkissen verstauen. Ich unterbreche dann trotz allem sehr rüde die Penetration, weil einfach nein! Er beschwichtigt und weil ich wirklich needy bin, darf er doch noch ran, kommt aber praktisch sofort, „weil du es bist“, wie immer. Ich bin sexuell frustriert und menschlich genervt.

Wir liegen da und er fragt mich: Hättest du jetzt gern noch jemanden dabei? Ich kann jemanden anrufen. – NEIN, ALTER! – Warum nicht? – Ich kann ja ganz offensichtlich nicht mal dir vertrauen und dann soll ich mich hier auf jemand anders einlassen?!!? VERGISS ES!

Er windet sich. Du wirst mich hassen, sagt er und ich habe das Arschlochbingo voll, bevor er überhaupt Budder bei die Fische tut. Er wollte mich überraschen, mit nem anderen Typen und das ist übrigens seine Wohnung, das Handy hatte er in der Hand, weil er ihm sagen wollte, dass er dazustoßen kann.

Ich bin in 30 Sekunden angezogen. Und das hat nur so lange gedauert, weil ich meine Unterhose nicht gleich gefunden habe. Ich bin nicht bereit, dieser Stadt und vor allem diesem Typen einen weiteren meiner Lieblingsschlübbis zu opfern!

Falls der Typ mitliest, dessen Wohnung das nu war: Tut mir ehrlich leid, dass ich deine Bettwäsche jetzt mit meinen Körpersäften vollgesaut habe und du nicht mal was davon hattest. Falls es dich tröstet: Es war ihm angemessen unangenehm, DAS abzublasen (pun intended).

Während ich wutzwergig Richtung U-Bahnhof stapfe und kleine Flämmchen aus meinen Nasenlöchern kommen, entschuldigt er sich 1000 Mal und stellt richtigerweise fest, dass er ein Idiot ist und alles kaputt gemacht hat. Du willst zu viel zu schnell, sage ich und überhaupt: Ich habe mehr als einmal gesagt, dass ich Leute kennen muss, bevor ich sie ficke. Er wollte mir wirklich nur was Gutes tun, wenn er mich nicht überrascht, dann würde das ja nie was und er gehe halt einfach gerne Risiken ein und er hätte gedacht, ich ticke da ähnlich, blabla. Todesblick Stufe 5. Ich habe auch gesagt, dass ich mich derzeit noch unwohler als sonst in meinem Körper fühle und mir das mit dem Ficken eh schon schwer genug fällt. Ob ihm als Typen klar ist, dass Menstruation nicht unbedingt zu einem Gefühl von Sexyness beiträgt? Wohl nicht. Ob er den anderen Typen darüber informiert hat? Wäre interessant, zu wissen.

Er ärgert sich, dass nicht nur seine Überraschung eins Griff ins Klo war, sondern immerhin, dass ich jetzt so unbefriedigt bin, weil er ja wieder nur fünf Minuten gehalten hat. Ob ich mir das nicht noch überlegen will, damit es mir wenigstens der andere Typ ordentlich besorgen kann. NEIN!!!!! Und wenn der super nett ist und voll gut aussieht? UND WENN ADONIS PERSÖNLICH VOR MIR STEHT, WERDE ICH IHM SAGEN, ER SOLL MIR AUS DEM WEG GEHEN!!!

Am U-Bahnhof fällt mir auf, dass ich auch den Folgezug des Folgezugs nicht mehr erwischen werde und ob danach noch einer fährt? Auf ausprobieren habe ich keine Lust und er tut so, als habe er kein Netz und die Deutsche-Bahn-App ist ja sooo scheiße und ich sage: Lass dir was einfallen, rette den Abend. (3. Fehler)

Er organisiert erstaunlich schnell ein richtiges Hotel und zahlt ohne Mucken. Ich schweige eisig. Er fragt, ob wir noch was essen gehen wollen und weil ich immer noch Hunger habe und wirklich reden will, stimme ich zu. (4. Fehler) Ich bringe noch den Rucksack hoch und dort bricht Specki das Eis.

Ich sehe Specki zuerst, weil die Wut mich trotz Unsportlichkeit und Muskelkater in einem Mordstempo die Treppe hochtreibt und der alte Raucher mit Alkoholkater so schnell nicht hinterherkommt.

Specki ist ein südländischer Typ, wie man so idiotisch sagt, der mit nacktem Oberkörper seinen beachtlichen Speckbauch auf dem Flur hin- und herparadiert. Gutes Gerät muss gut überdacht werden, wa? Als er mich sieht, stiert er lüstern und streichelt die Plauze. No. 3 schließt auf und grinst. Der hätte wohl nix dagegen, dich zu vögeln, stellt er fest und ich sage irgendwas darf man dassiges und wir gackern. Specki ist VOLL mein Typ, sage ich und er guckt ein bisschen irritiert. Als wir zurück zum Treppenhaus gehen, wirft Specki sich wieder in Positur und ich pruste und sage „rrrrr“ ins Treppenhausecho und wir gackern wieder.

Beim Essen dann real talk. Endlich mal von Angesicht zu Angesicht. Er sagt, er verstehe, warum ich ihm nicht mehr vertrauen könne. Er sagt, dass wir vielleicht doch nicht so gut zusammenpassen würden, wie er sich das immer ausmalt. Weil wir eben doch sehr unterschiedlich sind. Weil wir unterschiedliche Dinge wollen. Vom Leben und voneinander. Habe ich immer gesagt, sage ich und er muss gestehen: ja.

Er erläutert, dass er mich falsch eingeschätzt hat, auch weil ich nicht klar kommuniziere. Muss ich zugeben. Ich befinde mich in einem zähen Lernprozess. Wir reden sehr ehrlich über Gefühle und Erwartungen, über meine Nicht-Beziehungen und seine Ist-Beziehung und seine Ist-Affäre. Er erläutert die Probleme mit seiner Freundin und erzählt zum ersten Mal einfach so, dass sie weiß, dass wir uns treffen, auch um zu vögeln, dass sie das verunsichert, weil wir uns vergleichsweise nahe stehen und viel schreiben, und weil ich schon vor ihr da war. Mir scheint schon, dass die Beziehung längst nicht so im Arsch ist, wie er sie in den vergangenen Wochen dargestellt hat. Was er auch erzählt: Dass es ihn sehr gestört hat, dass es sie gestört hat, dass seine Muddi in Deutschland war. Und dass es sie stört, dass er jeden Sonntag mit seiner Muddi skypet. Da krieg ich schon nen inneren Lachanfall, weil es Sonntag ist und ich an unser letztes Treffen denken muss (ich werde noch erläutern, warum).

Wir reden über das Früher, das Jetzt und die Zukunft und wie so oft schafft er es irgendwie, dass ich es schaffe, meine Ängste und Nöte, die ich sonst nicht mal für mich ausformulieren kann, in Worte fassen kann. Und wie so oft platzt mir ein Knoten und ich heule mich aus und ich hasse ihn ein bisschen dafür, dass er das kann.

Er saldabert wie die ewig gesprungenen Platte was von unserer besonderen Verbindung und dass er mit mir so ehrlich sein kann wie mit sonst keinem und ich frage mich, warum er das dann nicht einfach mal ist! Er hat Angst, dass er das kaputt gemacht hat und ich habe da keine Antwort drauf. Mir kommen immer noch kleine Rauchwölkchen aus der Nase.

Am Ende kommt er doch noch mit aufs Hotelzimmer (ich hab den Überblick verloren, der wie vielte Fehler war das jetzt?). Specki ist leider nicht mehr da und ich sage wieder was darf man dassiges und er schlägt vor, Specki auf einen Dreier einzuladen. Er hängt wohl nicht so an seinem Leben.

Während ich ihm einen blase, denke ich darüber nach, ihm die Zähne in den Schwanz zu hauen, bin dann aber doch so nett, meine Wut an seiner Brustwarze auszulassen. Es ist bezeichnend, dass er auf meine Brüste kommt, als ich Blut schmecke.

Er zieht mich an sich und meint, dass es eben doch was anderes, mit jemandem Sex zu haben, mit dem man eine emotionale Verbindung hat. Er denkt laut an die Kaffeebohnen, die er damals noch monatelang in seiner Wohnung fand. Und dass er es damals so albern fand, dass ich mit „diesem Chilenen“ zusammen war. War doch klar, dass das nicht klappen würde. Vor allem nicht, wenn dann so jemand wie er daher kommt und mit mir vögelt.

Ich sage, dass das total egal ist, ob jemand am anderen Ende des Planeten lebt oder in derselben Wohnung, Leute wie du und ich können eh nicht treu sein. Und ich kenne keine Beziehung, die funktioniert. Und die Liebe ist eine Illusion. Menschen sind Arschlöcher!

Er spring auf und zieht sich an. Wasn nu, frage ich. Ich bin ein Arschloch, sagt er. Warum denn jetzt?, frage ich. Hast du grade gesagt! Und es stimmt!

Aha.

Außerdem sei ihm grad eingefallen, dass Sonntag sei und er mit seiner Mutter skypen müsse. Ich brülle vor lachen. Es ist EXAKT dieselbe dünnste aller Ausreden, die er beim letzten Mal präsentiert hat. (Keine Ahnung, warum ich euch dieses liebreizende Detail beim letzten Mal vorenthalten habe.) Das hast du beim letzten Mal auch gesagt, lache ich. Ja, aber diesmal komme ich wieder, sagt er. DAS hast du beim letzten Mal auch gesagt, gackere ich und wische mir die Tränen weg. Diesmal ist die Situation anders, sagt er eingeschnappt. Natürlich.

Newsflash tesoro, zum Skypen muss man heutzutage nicht mehr nach Hause zur Freundin, mit der das schon ach so so gut wie vorbei ist. Aber lüg du nur, mit mir kann man ja so ehrlich sein.

Ich gehe mir die Zähne putzen. Du bist hübscher geworden, sagt er und ich sage den Satz, den ich ihm jedes Mal und immer auf Deutsch sage: Leck mich am Arsch! Deine Haare sind toll, sagt er. Leck mich am Arsch! Würde ich sehr gerne, sagt er. Grüß deine Muddi!, sage ich. Ja, ich sage ihr schöne Grüße von der Frau, zu der ich gleich zurück muss, um sie am Arsch zu lecken, sagt er. Ich ziehe meine Unnerbüx runter. Er klatscht mir den nassen Regenschirm auf den Arsch und ich knalle einen adiós-förmigen Eiszapfen zwischen uns.

Ich wette 100 Millionen Euro, dass der heute Abend nicht mal mehr ne SMS schreibt, um mir wenigstens noch ne andere fadenscheinige Ausrede zu präsentieren, schreibe ich kurz darauf einem geschätzten Leser. Schade, dass der nicht auf die Wette einging. Ich wäre reich!!!!

Ich frage mich, ob der mich, hätte ich mich auf den Dreier eingelassen, bei dem Typen allein gelassen hätte, um mit Muddi zu skypen um zu seiner Alten ins Bett zu kriechen.

Letztlich bin ich kein bisschen sauer wegen der unheimlich dollen „Überraschung“. So ist No. 3 und der hat halt oft Pech beim Denken. Sauer bin ich wegen seines Abgangs. Dass er die exakt gleiche saudumme Nummer noch mal abzieht, nachdem ich ihm haarklein erläutert habe, dass er genau damit meinen kleinen Vertrauensfisselrest zerstörte, Respekt Alter. So ein Arschloch muss man erst mal sein!

Das seltsame Verhalten von Dumpfbirnen – ein Protokoll

Wochenende. Ich bin 48 Stunden auf Achse und habe wenig Gelegenheit, Menschen vollzuquatschen. Und somit wenig Gelegenheit, das Getöse in meinem Kopf mit Getöse aus meinem Mund zu übertönen. Ich bin viel unterwegs, unter anderem auf Pfaden meiner Vergangenheit. In meinem Kopf töst ganz viel „was wäre wenn“. Und aaach, meine Dumpfbirne, ganz viel No. 3.

Meine Post-No.3-Verwirrung hat sich in eine Prä-No.3-Verwirrung verkehrt. Ich stelle ihn mir in meiner Welt vor, will auf einmal ganz viele Dinge mit ihm teilen und allerhand Sachen mit ihm machen. Wie so oft stelle ich fest: Wir hatten damals einfach nicht genug Zeit, unsere Leidenschaft verglühen zu lassen, bevor das Leben uns unterschiedliche Pfade hingeworfen hat. Wir sind nie dazu gekommen, uns satt zu haben. Der Alltag hat uns nie die Sexyness verdorben.

Und nun schwirrt diese nie aufgebrauchte Leidenschaft tatenlos umher, um sich immer in den unpassendsten Momenten möglichst überfallartig und aus dem toten Winkel hervorspringend in Erinnerung zu rufen. Als könne sie nur durch Benutzung ins Jenseits befördert werden.

Und jetzt WILL ich ihn gegen alle Vernunft und alle überzeugenden Argumente. Ich will ihn in meinem Leben, in meinem Bett, in mir. Seinen Körper, seinen Geruch, seinen Geist.

Nicht gerade hilfreich, dass er mir am Sonntagmorgen schreibt: „Meine Freundin will mich anscheinend verlassen.“

„Anscheinend“, soso. Möglicherweise noch in diesem Jahrzehnt? So oft, wie er von bevorstehender Trennung sprach, glaube ich nicht einmal daran, wenn sie es wirklich tun – wahrscheinlich wären sie nach einer Woche wieder zusammen.

Ich habe keine Zeit dafür, ich will zum Pony, ich will spinnen mit dem großen Bruder, ich muss nach Hause fahren.

Ich sitze stundenlang im Auto, höre „unsere“ Musik und wälze den Fall No. 3. Ja, irgendwie will ich ihn, aber nein, ich will sicher nicht die nächste Frau sein, die er belügt und betrügt. Ich will nicht sein Trostpflaster sein, weil er einfach ne andere braucht, weil er Angst vorm Alleinsein hat. Ich bin nicht so naiv zu glauben, dass sein Gesäusel nicht von purer Berechnung rührt. Ich bin nicht so naiv zu glauben, dass ICH die Frau bin, die ihn zu einem besseren Menschen macht.

Mag sein, dass mein Körper nach ihm schreit und mein Bauch auch, aber trotz aller Hirnaussetzer weiß ich, dass ich der Arschkrampe nicht vertrauen kann. Dass das eine tiefe Verletzung mit Ankündigung wird.

Zu Hause angekommen, fühle ich ihm auf den Zahn. Was ist passiert, warum sollte sich jetzt wirklicher getrennt werden als bei den 100 Malen zuvor?

Immerhin, es kommt sowas wie Selbstkritik. Er weiß selbst, dass seine offene Beziehung nur mit Ehrlichkeit funktioniert und das war er wohl nicht. Er sei emotional woanders gewesen und sie habe es gemerkt. (Ich rechne seine Timeline nach und könnte mich treten für den großen kleinen Finger, den ich ihm reichte…) Er habe sich von ihr distanziert und sie habe kein Vertrauen mehr. Und nun habe sie angekündigt: Über die Semesterferien wolle sie eine Pause und dann sehen, wie sie sich fühlt. Also: Sie studiert immer noch? Was macht die denn? Und: Keine unmittelbar bevorstehende Trennung, die Semesterferien haben ja noch nicht mal angefangen.

Ich gehe in den Kumpel-Modus und erläutere ihm, warum ich nicht an eine Trennung glaube. Wenn die wirklich ohneeinander könnten, dann wären sie schon längst getrennt. Sie lieben sich halt. Und sind total abhängig voneinander. Er fürchtet sich vor der Zukunft ohne sie. Ich teile die Weisheiten der alten, lebenserfahrenen Darf man das? Dass es eben manchmal auch sinnvoll ist, gezwungen zu sein, Entscheidungen für sich selbst zu treffen.

Er sinniert über die Zukunft ohne sie, dafür mit mir. Ich teile ihm schonungslos meine Autogedanken mit: Ich will nicht die nächste Frau sein, die er belügt und betrügt. Er hat zig Gründe, warum er mich ja gar nicht belügen und betrügen müsste. Ich bin nicht so naiv zu glauben, dass ICH die Frau bin, die ihn zu einem besseren Menschen macht. Er weiß: Das weiß man nie. Und: Manchmal ist die Liebe alles andere als rational. „Ich frage mich manchmal auch, warum ich immer noch so an dir hänge“, fragt er sich und ich frage mich, was das nun damit zu tun hat. Und damit der Fragen nicht genug: „Was hast du bloß mit mir gemacht und warum bin ich in dich verliebt?“, will er wissen.

Wir werden uns für immer im Kreis drehen.

Von Dumpfbirnen

Der Kaffee hat mein Hirn weich gemacht. Und meine Muschi feucht. Ich kann immerzu nur an leidenschaftlichen, harten Sex mit No. 3 denken.

Zurechnungsfähigkeit geht gegen 0. Also erhöre ich sein immer mal wiederkehrendes Flehen und schreibe ihm zurück…

Natürlich ist er direkt ganz aus dem Häuschen und fantasiert auch ordentlich von leidenschaftlichem, hartem Sex mit mir. Und wann wir das denn wohl mal wieder en persona machen könnten. Ich denke an unsere letzte Begegnung und lasse das mal offen.

Was ihn nicht davon abhält, gleich GANZ hart in die Fantasiererei einzusteigen. Weil er mir so sehr vertraut – mehr als jeder anderen Frau – sage er manchmal – natürlich im Scherz – dass ich Potenzial als feste Freundin hätte. (Mir kommt das Gesäusel doch wieder sehr bekannt vor, und an seinem Beziehungsstatus hat sich auch nichts geändert– obwohl er mal wieder sicher ist, dass die Trennung imminent ist!)

„Also, ich sehe dich halt so“, schreibt er. „Ich weiß nicht, ob du mich jemals so gesehen hast.“ Weil ich ein viel zu weiches Herz habe, erläutere ich ihm erneut, dass ich mir das NICHT vorstellen kann, weil er einfach zu ehrlich zu mir war und mir Zeug erzählte, dass man einer festen Freundin eher nicht erzählt.

„Traurig“, findet er das und vielleicht wird er mich ja eines Tages überzeugen können. So viel zum Thema Scherz.

Seine Lösung für alles: Wir müssen uns einfach mehr sehen! Schließlich haben wir eine ganz besondere Verbindung!!! (Ja, irgendwie ja, aber ich habe auch ein ganz besonderes Bedürfnis, ihn zu erwürgen. Und mich irgendwie auch.)

Ich mache ihm da keine Hoffnungen, was ihn nicht weiter aufhält. Was interessieren ihn meine mäßigenden Wort von vorgestern, wenn er heute schreiben kann: „Kannst du dir vorstellen, mich deiner Mutter vorzustellen?“

W… Waaa?

Er findet, das sei unvermeidlich. Früher oder später würden wir sowieso zusammenkommen.

Ach sooooo. Na wenn das so ist…

Ich will ja nicht lügen. In meinem Spatzenhirn finden durchaus auch so Zulunftsfantasien mit ihm statt. Allerhand blödsinniges Zeug mit viel befriedigendem Sex.

Aber: 1. Handelt es sich um ganz allgemeine Zukunftsfantasien, die ich eh habe, angereichert um guten Sex, den ich auch mit jemand anders haben könnte, so ich mir mal die Mühe machte, nen Stecher aufzutreiben.

2. Bin ich in der Lage, zu berücksichtigen, was war und was ist.

Conclusio: IN YOUR FUCKING DREAMS!

Wobei ich nicht ausschließen möchte, mich gegebenenfalls doch noch mal auf Rumfickerei mit ihm einzulassen. Weil ich wirklich sehr, sehr untervögelt bin. Aber ausschließlich nach meinen Bedingungen und auf seine Kosten. Heiraten muss er schon ne Andere.

Olfaktorisches Gedächtnis

Es ist Januar und verschwitzt vom… ehem… „Sport“ sitze ich am Küchentisch und will Kaffee mahlen. Ich schütte die südamerikanischen Bohnen in die Mühle und mein Nase steht ganz oben auf der Abschussliste.

In meinem Kopf ist es Juli, einer dieser heißen, schweren Sommertage, an denen die Luft und das Licht schon das Gewitter ankündigen. Ich sitze verschwitzt im offenen Fenster, draußen riesige Bäume mit dschungelhaften dunklen, saftig-grünen Blättern und unten das Innenstadttreiben. Drinnen ist auch alles dunkel, die Holzdielen, seine Bilder an der Wand, die Bettwäsche, seine Bücherwand, das Modell auf dem Regal, die Kaffeebohnen im Glas auf der Truhe, mit denen ich ihn bewerfe, weil ich ich bin. Erst eine nach der anderen und irgendwann kippe ich das ganze Glas über ihm aus, wir gackern und er küsst mich plötzlich wild. Er rieft nach Kaffee und nach Kippen und nach Schweiß und so nach IHM. Ich wehre mich ungefähr 30 Sekunden und dann bin ich verloren.

Damals, da war ich noch so unschuldig…

Wenn man nicht mal mehr Kaffee machen kann, ohne an No. 3 zu denken.

OARRR!!!!

Von Männern und kurzen Penissen

Nun habe ich ja eine Schwäche für Politik. Und eine für Lateinamerika. Natürlich interessiere ich mich für die Ereignisse in Ecuador. Ich habe aber für meinen Geschmack zu wenig Ahnung und frage deshalb den einen Ecuadorianer, den ich kenne: No. 3.

Ja nu. Ich weiß, dass das nicht sooo schlau ist. Aber der steckt drin, der ist schlau, der hat ganz viel Meinung. Zu meiner linksversifften Blase passende Meinung.

Wir intelloen also so vor uns hin, über Ecuador, die Entwicklungen in Chile und natürlich immer auch die Arbeit. Ich maule ordentlich über meine. Unter anderem weil ich stinksauer bin auf meinen komplett irren Chefredakteur. Nachdem das fette Arschloch der stellvertretende Chefredakteur in der vergangenen Woche irgendwas in den Raum geblubbert hatte, wie er es täglich hundertfach tut, mich meinte, was ich nicht mitbekam, unter anderem weil ich auf meine Arbeit konzentriert war, aber auch, weil ich gelernt habe, ihn einfach auszublenden und ja, auch, weil ich Kopfhörer trug, hat der Chefredakteur am Wochenende in die Zeitung geschrieben, in einer Kolumne, in der es eigentlich um etwas anderes gehen sollte: Also, einer muss es ja sagen, also, man muss sich ja an gesellschaftliche Konventionen halten, also, Kopfhörer in der Redaktion, das geht ja gar nicht, das macht man nicht. Weiß ja nicht, welche Relevanz diese „gesellschaftliche Konvention“ für den gemeinen Leser hat, aber gut, dass dem das nun mitgeteilt wurde und uns in der Redaktion, nun ja, eigentlich irgendwie nicht.

No. 3 lacht und meint, er liebe meine Kommentare und dass ich mich für Lateinamerika interessiere und für Politik und und dass ich so verdorben sei und wann sehen wir uns eigentlich?

*Ab hier bitte leise Geigenmusik im Hintergrund spielen lassen.*

Es sei ja so schön, dass ich ihn verstehe, meint er, während ich weitermotze, und: Immer, wenn du so ehrlich bist, merke ich, wie sehr ich dich mag und bewundere. Du bewunderst mich, weil ich immer rummotze?, frage ich, ehrlich erstaunt. Nein, er bewundert mich, weil ich Charakter habe…

Er entschuldigt sich, weil er das Thema wechselt, aber er vermisse es, mich zu ficken. Und unsere 2 Stunden dauernden Küsse. An die kann ich mich nicht erinnern, ich stehe eigentlich nicht so auf knutschen.

*Geigenmusik wird dramatischer.*

Er wolle mich einfach sehen und Zeit mit mir verbringen. „Ich finde, du verstehst mich, wie keine andere Frau es tut“, findet er.

Ich frage ihn, wie’s denn wohl so mit seiner Beziehung läuft und er sagt, was er immer sagt, seit… ja seit wann eigentlich? Ich werfe einen Blick in die Annalen: Seit fast fünf Jahren. Alles ganz schlimm. Also, alles so gut wie vorm Ende.

Also, eigentlich ist das ja ne offene Beziehung. Die ER ihr aufgedrückt hat. Aber jetzt hat sie jemanden, mit dem sie sich regelmäßig trifft, und das passt ihm nun auch wieder nicht. Ihm, der mich praktisch mit in die Beziehung gebracht hat. Er wiederum hat aber eigentlich auch keine Lust auf One-Night-Stands, er will was zum Kuscheln.

Also, eigentlich ist er ja nur noch mit ihr zusammen wegen der Knete, da hat er nämlich nie was von. Die Schulden für’s Studium, das Geld, das er nach Ecuador schickt… Alleine kann er sich keine Wohnung in Berlin leisten. Das Konzept WG sollte ihm eigentlich nicht fremd sein, mit einer solchen lernte ich ihn kennen, aber hey, einfache Lösungen wären ja zu einfach.

Aber doch, eine Lösung kann er sich doch vorstellen, denn wenn er eine Darf man das? träfe, DANN würde er das mit der H. sofort beenden.

*Dramatisches Geigencrescendo*

„Ich glaube, eine Freundin wie du würde mir gut tun“, findet er. „Wir könnten eine neue Zeit anfangen. Wenn wir es wollten.“

Also, wer jetzt nicht ergriffen ist… ist ich.

Was ich gerade will: Meinem Chef mitteilen, er möge doch bitte in Zukunft in die Zeitung schreiben, was er von mir möchte. Und wenn es nur ist: Können Sie mal überprüfen, ob XY online ist?