Nö. Nönönö.

Der Nerd ist seit seinem Wochenende in Berlin ganz weit weg. Lässt sich auf keinen Schweinkram mehr ein. Gevögel grad nicht abzusehen.

Als No. 3 ankommt und fragt, ob ich diese Woche Zeit habe, scheint sich einfacher, schneller Sex anzubahnen. Harter Sex wie ich ihn mag. Sex ohne Austarieren wie der andere tickt. Einfach losficken.

Und dann denke ich an unsere letzte Begegnung und denke: nein. Neinneinneinneinnein.

Leck mich! Am Arsch, nicht der Muschi. Einfach nein!

Da lieber keinen Sex.

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Karma

No. 3 kommt ja immer mal wieder mit „ichvermissdichso“-Mimimi. Ich bin vor ein paar Wochen aus reinem Eigennutz son bisschen drauf eingegangen, weil ich am Freitag relativ früh am Flughafen in Berlin sein muss und ich deshalb dort übernachten möchte.

HALLO, Fuckboy.

Dann hab ich ihn also ein bisschen lauwarm köcheln lassen, um ihm dann mitzuteilen: Sorry, die J. kommt auch schon am Vorabend nach Berlin, ich schlafe dann mit ihr. Byebye.

„Warum hast du mir denn überhaupt erzählt, dass du nach Berlin kommst, wenn du mich gar nicht sehen willst?!“ und lauter derlei verbales Fußaufstampfen. Ausgiebig.

Ach, ich habs ja verdient.

Rudelwinseln

Wie immer treten meine Nummern im Rudel auf. Nach dem Gewinsel von No. 3 gestern finde ich heute die mittlerweile jährliche Post von No. 4 im elterlichen Briefkasten. Ich wiederhole mich: Der Stalker!

Der Brief ist praktisch inhaltsgleich mit einer E-Mail, die mir kurz nach meinem Geburtstag ins Postfach flatterte.

Ein bisschen Geblubber über ihn selbst, ein bisschen mimimi, ich will so gern Kontakt mit dir, was tust du so, was ist nur passiert.

Irgendwie geht er immer noch davon aus, mich verletzt zu haben. Niedlich, dieses Ego. Nach der E-Mail war ich ein bisschen versucht, tatsächlich mal die 10 Minuten zu investieren, um zu antworten. Um ihm ein bisschen gehässig den Zahn zu ziehen, er hätte mich verletzen können (womit denn eigentlich?). Um ihm einfach sachlich zu erklären, was tatsächlich war: Dass er mich erst gelangweilt und dann schrecklich genervt hat.

Wie das immer so ist, habe ich die Antwort bis heute nicht verfasst. Und nach der Nummer mit No. 3 werde ich sicher nicht nett schreiben. Schluss mit nett!

Nett und Arschloch

Ich hatte mir fest vorgenommen, heute endlich mal loszulassen und No. 3 bestimmt, aber unfreundlich mitzuteilen, dass er raus ist. Richtig raus. Ohne weitere Erklärung, ohne Rechtfertigung. Einfach Ende.

Doch er kam mir zuvor, als ich zum Handy griff, war da schon eine längere Nachricht.

No. 3 schwurbelt was vom Vermissen und bemüht Versalien: ES TUT MIR LEID. (Übrigens nicht, dass er verschwand wie ein Riesenarsch, nein, dass er an dem Abend „so wenig Zeit“ für mich hatte, tat ihm leid.)

Digitaler Hundeblick.

Und ich komme mir direkt schlecht dabei vor, unfreundlich keine Erklärung vorzubringen. Also schreibe ich ihm freundlich, dass er sich zu einem Arschloch entwickelt hat. Oder so auf mich wirkt; ich will ja nicht behaupten, ich hätte mich nicht verändert in den letzten 5 Jahren. Sage dann freundlich, aber bestimmt: Ende!

Denke, damit habe sich die Sache erledigt.

Da sollte man meinen, nach mehr als 5 Jahren kennte ich ihn besser.

Er findet ja, wir müssten nur mehr Zeit miteinander verbringen, dann würden wir schon zum alten Groove zurückfinden.

Ich.bin.zu.nett.

Vom Vermissen

Ich bin Tausende Kilometer gefahren in den vergangenen Wochen (warum wollte ich noch gleich kein Auto?). Tausende Kilometer Zeit, meine Haare zu dem guten alten Indie-Punk aus den 2000ern zu schütteln. Und an die gute alte Zeit mit No. 3 zu denken, die irgendwie untrennbar mit derlei Musik verbunden ist.

Und ich muss gestehen, dass ich ihn vermisse. Aber nur die No. 3 von damals. Nicht die Arschkrampe von heute.

Ich würde gern Zeit mit der alten No. 3 verbringen. Wild und leidenschaftlich und verzweifelt vögeln.

Aber mir ist klar, dass die alte No. 3 unwiederbringlich verloren ist. Nur noch in der Erinnerung existiert. Dass ich das, was ich vermisse, nicht bekomme, wenn ich die Arschkrampe von heute treffe.

Er jault derweil mein Handy voll. Weil ich mich nicht melde. Wenn ich keinen Kontakt mehr wolle, solle ich ihm das sagen. Stimmt, ich will keinen Kontakt mehr. Aber ich muss mich noch ein wenig an der alten No. 3 festhalten, bis ich soweit bin, der neuen No. 3 sagen zu können, dass sie endgültig aus meinem Leben geflogen ist.

Sinn und Unsinn

No. 3 schreibt immer mal wieder, meistens ein bis drei Fragezeichen, oder er fragt, ob ich ihn ignoriere (ach was!) oder ob ich irgendwie sauer sei (iiiwo, warum denn?). Im Grunde habe ich den ganzen Vorfall schon längst abgehakt, das Einzige, was mich tatsächlich wurmt, ist, dass No. 3 mich dazu brachte, mehr über diesen einen Typen nachzudenken. Viel mehr als mir lieb ist.

Der Typ und ich, wir oszillieren – in unterschiedlichen Rhythmen. Und gelegentlich treffen wir uns in der Mitte. Dann sind wir beste Freunde, Dick und Doof und, wenn wir am gleichen Ort sind, reichlich verschmust. Manchmal hingegen wechseln wir tagelang kein Wort miteinander, selbst wenn wir uns sehen. Einfach, weil wir uns grad nichts zu sagen haben. Manchmal sagt er unheimlich kalte und gemeine Dinge zu mir – wobei ich nicht weiß, ob er sich dessen bewusst ist oder ob es bei mir nur falsch ankommt. Dann will ich manchmal tagelang nicht mit ihm reden. Manchmal werde ich total anlasslos einfach sauer auf ihn und muffele rum. Manchmal wirkt er irgendwie verstimmt und muffelt rum. Und davon werde ich dann muffelig.

Meistens will ich mich aber an ihn kuscheln. Mit ihm rumknutschen. Mich mit ihm im Bett rumrollen und unsere komischen Gespräche endlos vertiefen. Ihm einen blasen.

Und es ist alles eine total doofe Idee…