You are dead to me

No. 3 schickt mir eine Stellenanzeige. Für einen Job, für den er qualifiziert wäre, in meiner Stadt.

Findet er eine gute Idee.

„Du nicht?“

Emmm…. nein!

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Rudelwinseln

Wie immer treten meine Nummern im Rudel auf. Nach dem Gewinsel von No. 3 gestern finde ich heute die mittlerweile jährliche Post von No. 4 im elterlichen Briefkasten. Ich wiederhole mich: Der Stalker!

Der Brief ist praktisch inhaltsgleich mit einer E-Mail, die mir kurz nach meinem Geburtstag ins Postfach flatterte.

Ein bisschen Geblubber über ihn selbst, ein bisschen mimimi, ich will so gern Kontakt mit dir, was tust du so, was ist nur passiert.

Irgendwie geht er immer noch davon aus, mich verletzt zu haben. Niedlich, dieses Ego. Nach der E-Mail war ich ein bisschen versucht, tatsächlich mal die 10 Minuten zu investieren, um zu antworten. Um ihm ein bisschen gehässig den Zahn zu ziehen, er hätte mich verletzen können (womit denn eigentlich?). Um ihm einfach sachlich zu erklären, was tatsächlich war: Dass er mich erst gelangweilt und dann schrecklich genervt hat.

Wie das immer so ist, habe ich die Antwort bis heute nicht verfasst. Und nach der Nummer mit No. 3 werde ich sicher nicht nett schreiben. Schluss mit nett!

Nett und Arschloch

Ich hatte mir fest vorgenommen, heute endlich mal loszulassen und No. 3 bestimmt, aber unfreundlich mitzuteilen, dass er raus ist. Richtig raus. Ohne weitere Erklärung, ohne Rechtfertigung. Einfach Ende.

Doch er kam mir zuvor, als ich zum Handy griff, war da schon eine längere Nachricht.

No. 3 schwurbelt was vom Vermissen und bemüht Versalien: ES TUT MIR LEID. (Übrigens nicht, dass er verschwand wie ein Riesenarsch, nein, dass er an dem Abend „so wenig Zeit“ für mich hatte, tat ihm leid.)

Digitaler Hundeblick.

Und ich komme mir direkt schlecht dabei vor, unfreundlich keine Erklärung vorzubringen. Also schreibe ich ihm freundlich, dass er sich zu einem Arschloch entwickelt hat. Oder so auf mich wirkt; ich will ja nicht behaupten, ich hätte mich nicht verändert in den letzten 5 Jahren. Sage dann freundlich, aber bestimmt: Ende!

Denke, damit habe sich die Sache erledigt.

Da sollte man meinen, nach mehr als 5 Jahren kennte ich ihn besser.

Er findet ja, wir müssten nur mehr Zeit miteinander verbringen, dann würden wir schon zum alten Groove zurückfinden.

Ich.bin.zu.nett.

Vom Vermissen

Ich bin Tausende Kilometer gefahren in den vergangenen Wochen (warum wollte ich noch gleich kein Auto?). Tausende Kilometer Zeit, meine Haare zu dem guten alten Indie-Punk aus den 2000ern zu schütteln. Und an die gute alte Zeit mit No. 3 zu denken, die irgendwie untrennbar mit derlei Musik verbunden ist.

Und ich muss gestehen, dass ich ihn vermisse. Aber nur die No. 3 von damals. Nicht die Arschkrampe von heute.

Ich würde gern Zeit mit der alten No. 3 verbringen. Wild und leidenschaftlich und verzweifelt vögeln.

Aber mir ist klar, dass die alte No. 3 unwiederbringlich verloren ist. Nur noch in der Erinnerung existiert. Dass ich das, was ich vermisse, nicht bekomme, wenn ich die Arschkrampe von heute treffe.

Er jault derweil mein Handy voll. Weil ich mich nicht melde. Wenn ich keinen Kontakt mehr wolle, solle ich ihm das sagen. Stimmt, ich will keinen Kontakt mehr. Aber ich muss mich noch ein wenig an der alten No. 3 festhalten, bis ich soweit bin, der neuen No. 3 sagen zu können, dass sie endgültig aus meinem Leben geflogen ist.

Sinn und Unsinn

No. 3 schreibt immer mal wieder, meistens ein bis drei Fragezeichen, oder er fragt, ob ich ihn ignoriere (ach was!) oder ob ich irgendwie sauer sei (iiiwo, warum denn?). Im Grunde habe ich den ganzen Vorfall schon längst abgehakt, das Einzige, was mich tatsächlich wurmt, ist, dass No. 3 mich dazu brachte, mehr über diesen einen Typen nachzudenken. Viel mehr als mir lieb ist.

Der Typ und ich, wir oszillieren – in unterschiedlichen Rhythmen. Und gelegentlich treffen wir uns in der Mitte. Dann sind wir beste Freunde, Dick und Doof und, wenn wir am gleichen Ort sind, reichlich verschmust. Manchmal hingegen wechseln wir tagelang kein Wort miteinander, selbst wenn wir uns sehen. Einfach, weil wir uns grad nichts zu sagen haben. Manchmal sagt er unheimlich kalte und gemeine Dinge zu mir – wobei ich nicht weiß, ob er sich dessen bewusst ist oder ob es bei mir nur falsch ankommt. Dann will ich manchmal tagelang nicht mit ihm reden. Manchmal werde ich total anlasslos einfach sauer auf ihn und muffele rum. Manchmal wirkt er irgendwie verstimmt und muffelt rum. Und davon werde ich dann muffelig.

Meistens will ich mich aber an ihn kuscheln. Mit ihm rumknutschen. Mich mit ihm im Bett rumrollen und unsere komischen Gespräche endlos vertiefen. Ihm einen blasen.

Und es ist alles eine total doofe Idee…

Kinnlade -> Fußboden

No. 3 schreibt. Mehr als einem Monat, nachdem er mich saudumm sitzen ließ.

All die Wochen war ich schon ein bisschen neugierig, was er wohl für ne Ausrede präsentieren würde – sollte ich ihn fragen. Ich habe mich understanden, das zu tun!

Ich habe eigentlich damit gerechnet, dass irgendwann sowas kommt wie: Warum meldest du dich gar nicht?

Oder möglicherweise sogar ein Vorwurf, so nach dem Motto, warum ich denn nie nachgefragt habe, ob alle in Ordnung ist. Ist ihm zuzutrauen.

Aber es kommt nichts von alledem. Es kommt ein schnödes: „Na, wie geht’s?“

Keine Erklärungen, keine Fragen, nichts. Und ich bin ein bisschen fassungslos. Und dann zucke ich mit den Schultern, drücke die Nachricht weg und flausche lieber mein Pony.

sein lassen

Ich habe das Shampoo von SAS im Haar und jetzt rieche ich wie früher, als ich so Zeuch noch in der Drogerie kaufte. Und mein Gehirn macht Erinnerungsglücksrad und ich muss an Barcelona denken. Und habe Lust, No. 1 irgendwas Schnippisches zu schreiben.

Aber ich lasse das lieber.

Ich führe ein Gespräch, auf das ich eigentlich keine Lust habe, bekomme 1000 dumme Fragen gestellt und reagiere mega gereizt. Stelle fest, dass ich prämenstruell bin.

Also lasse ich das lieber.

Ich sehe auf Facebook einen Artikel über Erektionsstörungen und will ihn No. 3 schicken. *Kicher*

Aber ich lasse das lieber.

Ich kann auch ganz gut Sachen nicht machen.