Sexbehinderungen

Party beim liebsten Exkollegen. Eigentlich immer die gleichen Nasen. Nur das Sahneschnittchen ist nicht da. Meine Hoffnungen auf Sex platzen wie Seifenblasen. Der Stecher des Jahrtausends hingegen scheint sich weiter Chancen auszurechnen. Frau L. und ich widmen ihm dröhnendes Schweigen. Kalte Schultern. Wichtige Gespräche untereinander, wenn er den Mund aufmacht. Was er oft und aufdringlich versucht. Spätestens als ich – die Hände voll mit dem zuzubereitenden Essen – den Gastgeber bitte, meinen BH, der sich gen unten verabschiedet, zu richten. Da hätte der Stecher offensichtlich auch gern die Wichsgriffel unter meinem Pulli gehabt.

Auftritt des strahlenden Ritters, Herrn P. Frau L. und ich jauchzen kurz ob der scheinbar nahenden Rettung, doch dann folgt ihm eine aufgetakelte Barbie durch die Tür. Aus dem Jauchzen wird ein Luftschnappen. Ich habe noch nie eine seiner zahlreichen Eroberungen zu Gesicht bekommen. Ich frage mich, ob ihm alles Fickbare ausgegangen ist oder ob er wirklich so einen Geschmack hat. Und bin ein bisschen beleidigt, weil ich in letzterem Fall ja nicht mal annähernd für ihn in Frage käme. Nicht, dass ich jemals seinen viel benutzten Schwanz in mir haben wollte, aber er soll wollen. Nur für mein Ego.

Ich beerdige meine Hoffnungen auf irgendeine Art Körperkontakt an diesem Abend. Bei aller Offenheit des Herrn P.: Direkt vor der Nase seines jüngsten Fangs? Das kann ich mir schwer vorstellen. Doch kaum betritt der Stecher den Raum, schnauft der schöne Herr P. hörbar und gequält, fordert mich auf, sich zu ihm zu setzen, zieht mich an und auf sich und seine Hand wandert unter meinem Pulli und meiner Hose auf und ab – und mein BH geht schon wieder verlustig. Der Stecher muss schon wieder schnappatmen, kann aber dennoch nicht an sich halten und muss seine Weisheiten zum Besten geben. Herr P. merkt an, dass ich sehr weiches Haar habe und vermasselt die sich bietende Chance: Der Stecher fragt, ob wir vielleicht alleine gelassen werden möchten, damit der Herr P. weiter baggern kann. Und Herr P. entgegnet nur: Ich baggere nicht, sie hat nur wirklich weiches Haar. Und der Stecher bemüht sich weiter, es juckt ihm doch der Schwanz.

Unterdessen amüsiert sich die Barbie über das vertraute Geschmuse von Herrn P. und mir und ganz langsam dämmert es mir, dass sie mitnichten seine Ficke ist – sie ist eine uralte Freundin…

Unbemerkt von uns allen spinnen Frau F. und Herr T. währenddessen in der Küche mal wieder zarte Bande – immer wieder zerrissen von Entfernungen, wechselnden Partnern und dem Schicksal allgemein. Seit Jahren umschleichen sie sich, nie kam es zum Äußersten, nun scheinen die Sterne gewogen…

Nun wollen sie sich aufs Sofa ins Boudoir zurückziehen und tun, was die Natur ihnen vorgibt, doch dort habe ich bereits meinen Schlafsack ausgeworfen. Es ist zwei Uhr, Herr P., die Barbie und Frau L. sind zum Tanzen weitergezogen – und ich habe den Snoopy-Pyjama angelegt. Mit ihrem allerschönsten Augenaufschlag fragt Frau F. mich, wie sehr es mich stören würde, bei Herrn R. und dem Stecher im Herrenzimmer zu übernachten…

Nur über meine Leiche, knurre ich, eine Tür mindestens zwischen mir und dem Stecher! Frau F. und Herr T. müssen so eng umschlungen zwischen den schnarchenden Herren nächtigen, während ich ganz allein in meiner Kemenate mit den Zehen wackeln kann. Schnurr…

Und so hatte in dieser Nacht niemand mehr Sex.

– Ende –

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Der Stecher des Jahrtausends

Wir sehen das TV-Duell in feucht-fröhlicher Runde. Ich kenne nicht alle Anwesenden, habe aber direkt ein Stück Frischfleisch entdeckt, das mir ausgesprochen sympathisch ist. Und Ahnung hat er auch. Und eine ganz akzeptable Meinung. Ficken? Also… nachher…?

Und dann ist da noch Herr W. Herr W., der mir zunächst gar nicht aufgefallen war. Er ist klein, dick, flusigblonde Metalerfrise, schwarzes Bandshirt. Zwischendurch bekomme ich mit, dass er irgendwas mit IT macht.

Ziemlich bald stößt er mir recht sauer auf, weil der Herr W. ja alles weiß und dazu alles besser – nachdem er selbst das Thema gewählt hat. Gerne fragt er: Wisst ihr warum…? Und auf die kollektive Antwort: Ja, wissen wir! erläutert er, warum. Oär.

Während mein Prachtexemplar mir ein Bierchen holt und Frau L., die zu meiner Linken gesessen hatte, sich ins Raucherkabuff zurückzieht, rutscht Herr W. neben mich aufs Sofa. Öh, pardon? Er beginnt mir die Inhalte des Duells, das wir gerade hinter uns gebracht haben, zu erklären.

ÖH, PARDON, MON CHER? Vielleicht hättste dich vorher erkundigen sollen, was ich beruflich mache? Zuhören, was andere sagen und albern? Dann hättste mitgekriegt, dass ich mal die Vorgesetzte des Gastgebers war. Dass ich mich 24/7 mit sowas beschäftige. Du kannst gerne deine Meinung darlegen, dich nach meiner erkundigen und dann reden wir drüber. Aber mir aktuelle Tagespolitik erklären? Verzeihung, wenn ich lache…

Ich wende mich wieder dem Männchen zu, dessen Balzverhalten deutlich besser zu meiner Art passt. Und kuschlig ist er auch… mmmh 🙂

Herr W. guckt konsterniert und kaum verlässt mein großartiges Nummernpotenzial den Raum, um mit den Jungs zu tun, was Jungs tun müssen, drängt er sich wieder auf. Und verkündet, er habe erst kürzlich Seminare darüber gegeben (!), wie man Mädchen (!) aufreißt. Ich überlege, ob ich zu tief ins Bier geguckt habe, ob ich ihn falsch verstanden habe oder beides. Ich hoffe beides! Wirklich. Für ihn.

Ich weiß gar nicht, was ich antworten soll und wende mich ab, um schnellschnell einen neuen Gesprächspartner zu finden. Glücklicherweise betreten in diesem Moment Frau L. und McHotty den Raum und Frau  L. fläzt sich zwischen mich und Herrn W. Auch sie hat stattliche Brüste und kann so seine Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Es dauert 30 Sekunden, bis Frau L. irritiert guckt. Dann höre ich, wie er „Fräulein“ sagt und sie an die Decke geht. Sich diese Bezeichnung verbittet. Er „Frauchen“ sagt. Ich denke, dass sich verdammt viele Stichwaffen im Raum finden, die Jungs kommen vom Campen. Wo eigentlich der Wischlappen lagert. Sie dreht sich zu mir und murmelt für alle im Raum deutlich hörbar (jahrelange Theatererfahrung): „Er könnte so nett sein, wenn er er selbst wäre. Aber so Chauviallüren machen mich wütend.“ Er verlangt Erklärung.

Der strahlende Ritter Herr P. betritt den Raum und verhindert das Massaker. Herr P. ist der schönste Mann der Stadt. Er ist klug. Er hat Humor. Er hat sicher eine dreistellige Anzahl an Nummern durch sein Bett geschleust. Frau L. und ich heißen ihn jubelnd willkommen. Noch nie haben wir uns so gefreut, ihn zu sehen. Du musst dich nicht ausziehen, das machen wir schon, wenn du dich nur zwischen uns und ihn setzt. Ihn mit deinem Geruch nach Sex überstrahlst.

Irgendwann sind wieder fast alle rauchen. Herr P. will nur kurz die Augen zu machen, doch Herr W. meint, ihm politische Ereignisse einer Stadt, in der er nicht lebt, erläutern zu müssen. Der Stadt, aus der Herr P. kommt. Hätte man erst fragen können, muss man ja aber nicht. Ich weiß nicht, ob ich lachen oder schreien soll und verlasse fluchtartig den Raum. Rausche ins Damenzimmer. Die Gastgeberin bittet tausendfach um Entschuldigung. Und um Nachsicht. Der arme Herr W. habe schließlich noch nie eine Freundin gehabt. Frau L. kommt aus dem Lachen nicht mehr heraus. Begibt sich in die Höhle des Löwen. Und kurz darauf darf die halbe Straße miterleben, wie Frau L. Herrn W. mitteilt, er sei hässlich, dumm und humorlos und seine einzige Chance auf Ficken sei Authentizität. Während die halbe Straße nach Luft schnappt entgegnet er: Allein die Tatsache, dass sie und ich mit ihm redeten, zeige ja, dass seine Strategie erfolgreich sei.

Wir müssen einschreiten. Frau L. ist zu erkältet für einen solchen Lachkrampf.

Wir verwickeln sie in ein Gespräch über unsere BHs und während wir gegenseitig unsere Unterwäsche in Augenschein nehmen und uns selbst und einander an die Brüste greifen, kriegen die armen Jungs Schluckauf. Herr W. ist angenehm still. Und ich kann mich schließlich wieder meinem Sahneschnittchen widmen. Das zwar mit schwerer Zunge beteuert, noch für Bettsport zur Verfügung zu stehen, gegen halb drei jedoch schließlich selig lächelnd in Herrn T.s Schnarchkonzert einstimmt. Pfüüh.

Wir lassen also die Schwächelnden zurück und erst als Herr P. in der Küche die Hand unter meinem T-Shirt meinen Rücken krault (schnurrr), regt Herr W. sich wieder. Lässt uns an seinen unendlichen Weisheiten teilhaben. Bevor ihm noch alle Felle davonschwimmen. Selbst der unerschütterliche Herr P. wird langsam ungehalten.st. Denn auch konsequentes Ignorieren wirkt nicht ruhestiftend. Wir sind am Rande der Verzweiflung.

Und am Ende war es dann so leicht, Herrn W. zum Schweigen zu bringen. Denn irgendwann sehen wir uns genötigt, ihm zu erläutern, dass man durch Petting durchaus schwanger werden kann, stellt man sich dumm genug an (hat der Mann denn nie die Bravo gelesen? Ächz). Ich demonstriere das mit einem beherzten Griff in Herrn P.s Schritt, Herr P. übernimmt und greift ebenfalls beherzt in meinen Schritt. Himmlische Ruhe.

Ich rufe an dieser Stelle die Teilnehmer der Seminare des Herrn W. auf, sich bei mir zu melden. Ich möchte ihnen die Teilnahmegebühr erstatten. Ich glaube, der Stecher des Jahrtausends ist nicht nur Dauersingle, sondern auch Jungfrau…

Es dünkt sie, als läg sie im Fieber

So rennet nun alles in vollem Galopp
Und kürt sich im Saale sein Plätzchen;
Zum Drehen und Walzen und lustigen Hopp
Erkieset sich jeder ein Schätzchen.
Da pfeift es und geigt es und klinget und klirrt,
Da ringelt’s und schleift es und rauschet und wirrt,
Da pispert’s und knistert’s und flüstert’s und schwirrt.

    (aus dem „Hochzeitlied“ von et Goethe)

Langes Wochenende im Moloch Montréal.

Meine Schulfreundin V – Model, Schauspielerin, Malerin, arbeitslose PR-Schickse – schleppt mich mit auf Vernissage, Buchvorstellung, Künstlerparty. Ihr erstaunlich ungut aussehender Freund – mit einem BA in Kinematographie und damit qualifiziert, alle möglichen Beteiligten an teuren Hollywood-Filmen, die aus Kostengründen zum Teil in Kanada gedreht werden, durch die Stadt zu fahren – chauffiert uns. Mit Stil.

Ich tausche Küsschen mit lokalen Promis aus, die aufgrund der kulturellen Isolation Québecs außerhalb der Provinz kaum einer kennt. Entsprechend oft reagiere ich mit einem mäßig interessierten: Ah. Hm.

Die Situation ist seltsam irreal und ich frage mich, ob ich wohl zu viel getrunken habe.

Man lästert über M, der ebenfalls mit uns zur Schule gegangen ist, und hin und wieder im örtlichen Fernsehen auftaucht. Und Fotos und Videos von seinem Penis offensichtlich nach Zufallsprinzip an alle möglichen, weiblichen Facebook-Kontake verschickt. Selbst dieser unverschämt gut aussehenden Castingdirektorin, die ich schon seit einer halben Stunde anschmachte, ist er negativ aufgefallen. Ich sehe seinen Stern… ins Bodenlose fallen.

Anruf von MC, einer Freundin von V, die sich ihre Brötchen mit Live Painting verdient. Sie malert gerade irgendwo, ob wir Lust haben, zu kommen.

Der Kinematograph chauffiert, wir sammeln noch A ein und begeben uns zur genannten Adresse.

Ein schimmlig wirkender Club; direkt hinter der Tür lässt sich ein als Baby verkleideter Herr von einem Typen in Latex den bewindelten Hintern versohlen.

Wo ist der Fehler?

Die Mädels quietschen: Oh mon Dieu, eine BDSM-Party.

Ich denke: Pas sûre…

An der Theke stoßen wir auf eine übergewichtige Dame im billigen Krankenschwestern-Kostüm, die sich von einem Typen in Latex den wabernden Hintern versohlen lässt.

Man hätte auch attraktivere Akteure wählen können.

Auf der Tanzfläche ein „Experte“, der erklärt und demonstriert, wie man jemanden so fesselt, dass er sich selbst wieder befreien kann.

V bewundert die Ästhetik des Ganzen, A meldet sich als Versuchskaninchen. Ich schaue ganz tief in mein Glas. Träum ich, wach ich, bin ich im Rausch?

A hat viel Spaß, lässt sich so fesseln und so und bekommt am Ende einen Gutschein für ein Fesselseminar. Das nenn ich mal eine lohnende Ausbeute. Besser als Freibier.

Ein Typ in Latex schlendert vorbei und fragt, ob wir vielleicht auch versohlt werden wollen. Ich nehm dann noch ein Glas, bitte.

MC hat fertig gemalert, gesellt sich zu uns und berichtet von ihrem neuen Liebhaber. Dass er aussieht wie V in männlich. Dass sie an V denkt, wenn er sie küsst. Wenn er sie fickt. Und wenn er sie leckt.

Ist mein Glas schon leer?

Ich nehm dann wieder Elche und Bären, merci!

Sowas von reif für D und die Wildnis!